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Handels- und Währungskrieg: Warum das Weltwirtschaftssystem weiter zerfallen wird
Uncredited/CHINATOPIX/dpa

Die westlich dominierte Weltwirtschaftsordnung geht zu Ende - und es dürfte noch schlimmer kommen. Schuld daran ist nicht allein US-Präsident Trump. Es gibt noch ein paar andere Verdächtige.

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PolitBarometer 14.07.2019, 18:03
20.

Diese Betrachtung ist leider oberflächlich und nicht ansatzweise korrekt. Es stimmt, dass der Westen zurzeit und auch noch eine ganze Weile Federn lassen muss, und zwar massiv. Die Märkte entwickeln sich geradezu unberechenbar und lassen kein endgültiges Urteil zu. Aber dennoch bleibt der Westen gegenüber den vollkommen auf Pump (China und andere asiatische Staaten) aufgebauten Staaten überlegen und wertestabil.
Wenn die Zinsen in den USA auch nur 1-2% steigen sollten (derzeit eher unwahrscheinlich) knallt es in China heftig und die Blase platzt.
Mit weitreichenden Folgen auch für Europa. Aber wir würden es mit ein paar tiefen Kratzern überleben.
Nicht umsonst haben die Chinesen Angst vor der US-amerikanischen und europäischen Zinspolitik, die ihnen ja glücklicherweise jetzt noch wohlgesonnen ist.

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kaltmamsell 14.07.2019, 18:05
21. Mauern oder Membranen? Bedarfsgenaue Grenzen sind möglich.

Wir können uns das leisten. Was mich extrem aufregt: Es gibt Immigranten, die Einheimischen deutlich überlegen sind und uns gerade auch im digitalen Wandel nachhaltig unterstützen können. Wir sollten sie entsprechenden Tests im MINT-Bereich relativ schnell herausfiltern und weiter fördern. Nur so können sie alsbald in anspruchsvolle Entwicklungsprozesse von Privatwirtschaft und Öffentlichem Sektor integriert werden. Ja, das ist wichtig. Es muss nämlich auch die Community der jeweiligen Landsleute von Eingewanderten schnell begreifen, dass es einen Unterschied macht, ob man da entscheidende Bonuspunkte macht oder nicht. Kein Witz. Das ist Spiel-entscheidend: Wenn die Jungmänner-Landsleute erkennen, dass Know-how und intellektuelles Leistungsniveau wirklich eine Rolle spielen bei der echten sozialen Aufwärtsmobilität, dann passiert auch was in der richtigen Richtung. Ich sage das beispielsweise auch, weil das Römische Reich tatsächlich die soziale Aufwärtsmobilität durch persönliche Leistung (und nicht Herkunft) sehr ernst genommen hatte. Denn es gab nicht nur einfach die dekadente Endphase, die Erweiterung und Blüte des Reiches basierte auf erstaunlich modernen Kriterien.

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wick.eurocon 14.07.2019, 18:05
22. Warum das Weltwirtschaftssystem weiter zerfallen wird

Es wird weiterhin auf Zerfallkurs gehen solange Trump am Ruder ist und es sieht aus als ,dass das dumme US Volk ihn weiterhin unterstützt und wählen wird ,denn bis jetzt ist
Kein Gegenkandidat in der Lage ,ihn mit Fakten und einem guten Plan für das Volk ,für die Wirtschaft die Stirn zu bieten.
Weltwirtschaftlich sieht es in der Zukunft schlecht aus ohne Besserung. Trump muss unbedingt weg vom Fenster.

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heinzerichii 14.07.2019, 18:05
23.

Manchmal wäre es vielleicht nicht schlecht, man würde sich auf positive und konstruktive Ideen und Visionen konzentrieren statt einfach den Niedergang herbeizuschreiben..

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claus7447 14.07.2019, 18:05
24. Die Einschätzung teile ich ....

... Aber ich habe Humor - und denke positiv: nach den Labor-Ergebnissen die ein gewisser Handelsspezialist Donald Trump im Labor der Weltwirtschaft, wird eine Besinnungsphase kommen.

Zum einen ist es unwahrscheinlich das auf einen Idioten in den USA ein weiterer folgt - und selbst nach einer Wiederwahl wird dieser Typus von der Bühne verschwinden.

Das Problem: die Probleme sind dann größer geworden, weil:

- Es wird keine Rückbesinnung auf eine "nationale" Produktion auf dem Boden der USA mehr geben.

- Geld = Profit ist wie ein Freudenmädchen - es folgt dem Mammon -und da müsste viel passieren.

- Es gäbe aber Chancen: wenn es gelingen würde einen Teil der Produktion aus China (dazu komme ich noch) nach Afrika zu verlagern hätte es den Nebeneffekt einen Teil der Wirtschaftsflüchtlinge zu reduzieren. Zudem würde das nationale BSP inj diesen Staaten heben.

- Die Produktion von absoluten Billigprodukten in China ist heute bereits nicht mehr ohne Profit wirklich möglich. Wenn bestimmte Subventionen - die sich der Saat China nicht langfristig leisten kann wegfallen - stirbt dies. Ob dies zu einem Schaden der Menschheit sich entwickelt glaube ich kaum - man braucht nicht jeden Schrott und vielleicht denken wir wieder etwas nachhaltiger nämlich an Qualitätsprodukte.

- Da China keine wesentlichen Wachstumsraten mehr erzielen kann - wird China ebenfalls interessiert sein an multinationalen Abkommen. Das wäre die Chance - auch im Hinblick auf eine faire und richtige Entwicklung beim Schutz von Patenten und Know How.

Also - positiv denken!

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hellocapetown 14.07.2019, 18:06
25. Hoffentlich nicht d - dritter Weltkrieg

... kaputtmachen um wieder aufzubauen... wie im Sandkasten halt. Die übersättigten Märkte laden das geradezu ein, wie in der Großen Depression. Geplante Obsolenz hat der Welt zumindest 75 Jahre relativen Frieden gegeben. Jetzt muss scheinbar ein neues innovatives Wirtschaftswunder her, dem momentan leider noch zu viel Altes im Weg steht.

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spmc-12355639674612 14.07.2019, 18:13
26. Einst führten alle Wege nach Rom

Für Europa war das von Vorteil, da es insgesamt profitierte, sich am Ende jedoch praktisch selbst zerlegte, indem es die Prioritäten falsch setzte. Die "europäische Idee" ist im Grunde aus diesem Römischen Reich hervorgegangen. Europa, genauer die EU, ist dabei in der außerordentlich glücklichen Lage, 1. über (noch) stabile Demokratien zu verfügen, 2. einen im internationalen Vergleich sehr hohen Lebensstandard zu genießen und 3. nur einer relativ übersichtlichen Sicherheitsstruktur zu bedürfen. Gerade der dritte Punkt, die Sicherheitsstruktur, ist für unsere Zukunft wesentlich. Wir haben zwei große Nachbarn: Russland und Afrika. Wir sollten uns in den nächsten Jahren aktiv bemühen, unser Verhältnis zu Russland zu verbessern und wir sollten Afrika als zukünftigen Partner sehen - bisher schauen wir ja weitgehend weg, wenn es um die Belange Afrikas geht oder mischen uns sogar auf unheilvolle Weise ein. Natürlich müssten wir uns in beide Richtungen erheblich finanziell engagieren (und keine schwäbische Sparsamkeit predigen), um positive Effekte mitnehmen zu können, aber es würde sich lohnen.

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TS_Alien 14.07.2019, 18:13
27.

Das Hauptproblem ist, dass die Zocker an den Börsen und um die Börsen herum verhindern, dass sowohl Rohstoffe als auch Aktien und Anleihen einen Wert erhalten, der angemessen ist. Das schadet letztlich allen, die außerhalb der Finanzindustrie arbeiten. Strenge Börsenregeln, eine Transaktionsssteuer und der Verbot vieler abenteuerlicher bis absurder Finanzgeschäfte würden dem Welthandel nutzen. Denn letztlich schaffen nur die Herstellung von Produkten sowie der Handel mit Produkten und das Anbieten von Dienstleistungen nachhaltigen Wohlstand. Alles andere sind Luftnummern, die wenige reich machen auf Kosten aller anderen.

Die Finanzkrise kostet die Steuerzahler weltweit Billionen. Bis jetzt. Die Finanzindustrie kostet die Menschen ebenfalls sehr viel Geld, auch ohne Krise. Manchmal sogar mehr als Geld. Oder meint jemand, dass die Arbeiter in der Textilindustrie in Asien frei sind und die Chance auf ein erfülltes Leben haben? Nur ein Beispiel.

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gunpot 14.07.2019, 18:19
28. Natürlich habe ich den Artikel

von Henrik Müller als gelernter Volkswirt spezialisiert in emerging economies, Aussenhandel und Währungspolitik mit großem Interesse gelesen. "But we should not paint too black a picture". Da wird z.B. Draghi vorgeworfen bzw. verdächtigt den Wechselkurs des Euro zu drücken, um Exporte aus der Eurozone zu stimulieren. Aber genau das ist doch etwas, was den Interessen unserer EU-Partner diametral entgegenläuft. Selbst Lagarde hat immer gefordert, das D seine Exporte zurückfahren sollte. Das wird ja nun schwer bei einem Euro dessen Exportwaren durch Niedrigkurse immer billiger werden. So verbleiben wir ohne unser Dazutun in einer unglaublich starken Exportposition. Tja, nun der Trump, er hat anscheinend mit Erfolg die Federal Reserve von Zinssenkungen "überzeugen" können. Hier hat sich bisher kein US-Präsident eingemischt, jedenfalls nicht sichtbar. Nun hat sich Trump auch China vorgenommen, weil es keine echte Liberalisierung des Welthandels vorantreibt. Der Autor hat das zwar richtig erkannt, er zieht aber die falschen Schlüsse. Nicht, weil Trump nun den Finger auf die offene Wunde legt, drohen dem Welthandel Nachteile, nein, die hat es immer durch die Politik Chinas provoziert gegeben. Die noch immer wünschenswerte Öffnung Chinas zugunsten eines freieren Welthandels hat immer noch nicht stattgefunden. Mit welchen Mitteln China an moderne aus dem Westen stammende Technologie herankommt, ohne dafür richtig zur Kasse gebeten zu werden, zeigt das Hin und Her bei der Einrichtung einer Versuchsstrecke für den Transrapid. Der wurde geliefert. Er fuhr auch auf der Versuchsstrecke. Nur zu einer größeren Auftragsvergabe in diesem Bereich ist es nie gekommen. Siemens zog den Schwanz ein in der Hoffnung mit anderen Produkten auf den chinesischen Markt zu kommen.
Nein, die Prinzipien von Bretton Woods sind keineswegs überholt. Sie müssen nur angepasst werden. Schwellenländer wie Indien, Brasilien mit dem ganzen Leiteinamerika, die arabischen und afrikanischen Staaten wie auch Indien und Indonesien sollten überzeugt werden, weiterhin auf Bretton Woods zu setzen. Japan, Australien, Südkorea, Thailand und Taiwan, in letzter Zeit auch Vietnam, braucht man nicht zu überzeugen. Sie alle werden bei Einhaltung bewährter Aussenhandelsprinzipien bei der Stange bleiben. Hier wage ich eine Prognose: Es wird schließlich China sein, dass am Ende klein beigeben wird, da es sinkenden Nutzen aus dem Aussenhandel ziehen wird. Da hat Trump gar nicht so Unrecht, er ist die nur falsche Person, die eine Korrektur der chinesischen Aussenhandels-und Investitionspolitik (letzteres gilt nur für ausländische Unternehmen, die in China investieren) durchsetzen möchte.

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juba39 14.07.2019, 18:21
29. Eine tolle Analyse

"...es war ein letzter Triumph der westlichen globalen Ordnung.
Was war, kommt nie wieder. Schade, eigentlich." Aber hier liegt der grundlegende Denkfehler, der eigentlich nur damit erklärt werden kann, daß JEDER Wirtschaftswissenschaftler IMMER auch in seinem Politisch.gesellschaftlichem Umfeld gefangen ist. In der Neuzeit begannen diese Denkfehler beim Zusammenbruch des Kolonialsystems, als niemand wirklich wahrhaben wollte, daß sich ganze Völker gegen dieses System auflehnen konnten. Und der gleiche Denkfehler liegt auch dem eingangs zitiertem Satz zugrunde. Triumpf der WESTLICHEN GLOBALEN ORDNUNG. Niemand konnte sich innerhalb dieser Glocke vorstellen, daß es auch noch Ordnungen, vor allem anders gelagerte Interessen, als die "westlichen" geben könnte. Wie sagte mal jemand ironisch? Der Kapitalismus hat den Sozialismus (den es in Wahrheit ja nirgens gab) nicht besiegt, er ist nur übrig geblieben. Und deshalb hier der grundlegende Denkfehler des Verfassers. Sich nicht vorstellen zu können, daß es ein Weltwirtschaftssystem geben könnte, bei dem gegenseitige, AUCH gegesätzliche Interessen auf Augenhöhe ausgeglichen werden könnten. Und einen weiteren Grund für die drohende Katastrophe nennt er gleich noch mit, wenn auch nur angedeutet. Wenn die Geldwirtschaft inzwischen die Realwirtschaft um ein Viefaches übersteigt, gibt es einfach keine Macht mehr, die wieder regelbasierte Verhältnisse herstellen könnte (oder wollte!) Und schon sind wir bei den großen Denkern und ihrer Analyse: KONJUNKTUR - KRISE - KRIEG. Der ewige Kreislauf, den niemand wagt, anzusprechen.

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