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Hartz-IV-Empfänger: Arbeitsagenturen strafen so häufig wie nie
AP

Die Arbeitsagenturen haben im vergangenen Jahr so viele Strafen gegen Hartz-IV-Empfänger verhängt, wie nie zuvor. Einem Medienbericht zufolge ist die Zahl der Sanktionen auf mehr als 900.000 angestiegen. Besonders viele Strafen verhängten Jobcenter in Berlin.

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lilli 11.04.2012, 10:35
130.

[QUOTE=claudia82;9996498]Ich bin seit 2007 als Arbeitsvermittler im U25-Bereich im Jobcenter tätig und kann dazu nur sagen, dass es nicht DEN H4-Empfänger gibt.

Der größere Teil aber - ich würde sagen sogar mehr als 50% - kommt nicht zu den Terminen, wenn doch dann mit leeren Händen, ohne Bewerbungsmappe oder irgendeinen Nachweise darüber, dass man sich beworben hat. Drucker kaputt, in der Straßenbahn vergessen, gerade privaten Stress gehabt... ich kann ein Buch schreiben nur über die Ausreden, die ich täglich höre. Und dann vor mir sitzen mit iPhone, frisch gepierct und tätowiert und Plastikfingernägel und mir erzählen, dass sie nicht arbeiten gehen können, weil sie so viel Schulden haben, dass sie gerade ihren Kita-/Hortplatz verloren haben und somit die Kinderbetreuung leider nicht abgesichert ist.
Auch wünsche ich mit seit langem eine statische Auswertung der Krankenkassen, wieviele der Patienten, die dir Wartesäle füllen, ALGII-Empfänger sind, die gerade in ihrer Weiterbildung oder 1,50€-Job sein sollten.


Und verraten Sie uns auch, wie viele Ihrer Kollegen im jobcenter wirklich motiviert sind? Wie viele Ihrer Kollegen sehen denn das Fördern auch als genauso wichtige Aufgabe wie das Fordern? Bin ich ja mal gespannt..

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alexbln 11.04.2012, 10:36
131.

Zitat von tinagrotenhansdorp
Und NEIN! Ich gehöre nur zu denen die 35 Jahre ihre Beiträge gezahlt hat und nun als Erwerbsunfähiger ebenfalls in der ARGE stecke...ob ich will oder nicht... Eines Tages hoffe ich, werden doch die Menschen aufstehen und ihren Hintern auf die Straße tragen..für soviel unmenschlichkeit und rücksichtsloses Verhalten an den Schwächsten dieser Gesellschaft...und woran werden Menschen und ihre Gesellschaft gemessen? Am Umgang mit den Menschen, die das grösste Leid tragen..egal ob arbeitslos..oder verrentet..oder eben einfach abgeschoben in die Maschinerie der 'ARGE...keine Sorge...da wird dir geholfen...
wenn sie erwerbsunfähig sind-was haben sie dann mit dem arbeitsamt zu tun?

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lord.helmchen 11.04.2012, 10:36
132. Das geht nicht,

Zitat von pepe_sargnagel
Ein bedingungsloses Grundeinkommen schafft da Abhilfe. Es ist einfach, transparent und unbürokratisch. Wer mehr Geld möchte, der wird sich selbst um eine Arbeit kümmern. Bei dem aktuellen Gesetzesdschungel aber lohnt es sich weniger eine Arbeit zu suchen als das Gesetz nach Umzugs-, Heiz-, oder sonstigen Zuschüssen zu durchforsten und diese von der Allgemeinheit einzufordern. Damit kann man weit über den üblichen Satz kommen. Andere, die sich um eine Arbeit kümmern statt in den Gesetzen nach Lücken und Geldern zu suchen werden bestraft indem sie weniger einklagen. Ich finde das etwas paradox. Daher bin ich für eine Regelung, wo jeder Bedürftige den fixen Betrag X bekommt und keinen Cent mehr. Dann kann er ja entscheiden, ob er arbeiten möchte und mehr Geld zur Verfügung hat oder nicht arbeiten und mit Betrag X auskommen möchte.
dann würden ja die Arbeitsamt-Mitarbeiter arbeitslos. Und das darf schon deswegen nicht sein, weil es die Statistiken versaut.

Helmchen

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wortfeil25 11.04.2012, 10:37
133. Damit kann ich mich auch immer mehr anfreunden

Zitat von pepe_sargnagel
Ein bedingungsloses Grundeinkommen schafft da Abhilfe. Es ist einfach, transparent und unbürokratisch. Wer mehr Geld möchte, der wird sich selbst um eine Arbeit kümmern. Bei dem aktuellen Gesetzesdschungel aber lohnt es sich weniger eine Arbeit zu suchen als das Gesetz nach Umzugs-, Heiz-, oder sonstigen Zuschüssen zu durchforsten und diese von der Allgemeinheit einzufordern. Damit kann man weit über den üblichen Satz kommen. Andere, die sich um eine Arbeit kümmern statt in den Gesetzen nach Lücken und Geldern zu suchen werden bestraft indem sie weniger einklagen. Ich finde das etwas paradox. Daher bin ich für eine Regelung, wo jeder Bedürftige den fixen Betrag X bekommt und keinen Cent mehr. Dann kann er ja entscheiden, ob er arbeiten möchte und mehr Geld zur Verfügung hat oder nicht arbeiten und mit Betrag X auskommen möchte.
In unserem überverwalteten System kann man die ganzen "Bürger-Schickanierer" dann evtl. einer produktiven und sozial nützlichen Arbeit zuführen.

Um beim Thema zu bleiben, würden ja die "überkorrekten" ARGE-Mitarbeiter sicher sehr fleissig einem Job nachgehen. Da müsste man allerdings dann arbeiten und nicht nur andere Mitmenschen bevormunden - kann schon hart werden?

Wenn man bedenkt, dass dann so viele hochbezahlte Bürojobs wegfallen, wei bei ARGE, Bafög, z.T. Sozialamt, Justiz, Anwälte, Finanzamt und viele mehr....

Damit wäre dann schon ein Großteil der Kosten für diese soziale Revolution gedeckt.

Die hinterzogenen Steuermilliarden aus der Schweiz und ähnlichen Ländern und eine gerechte Besteuerung des Kapitals würde den Rest decken?

Die Folge wäre ein moralischer, geistiger und innovativer Aufbruch - eben eine Zeitenwende.

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Bin_der_Neue 11.04.2012, 10:38
134. Und dennoch..

Zitat von kp86368
treiben wir diese Sau durchs Dorf. Und der Spiegel jagt immer fleißig mit. Dabei verschweigt man wissentlch, das statistisch gesehen rund 50% der Sanktionen vor Gericht keinen Bestand haben (...)
Und dennoch ist jede einzelne "Sau", die berechtigt "durchs Dorf getrieben wird", eine zuviel. Selbst bei 50% sind das noch eine ganze Menge. Statistik hin oder her.

Würde der eine oder andere Betroffene, der eine Sanktion vor Gericht anfechtet, seine Energie lieber in konstruktive Zusammenarbeit mit der ARGE stecken, dann gäbe es erst gar nichts anzufechten.

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lynx999 11.04.2012, 10:40
135.

Zitat von PhoenixEla
Man kriegt so langsam den Eindruck, dass arbeitslos zu sein in diesem Land ein Verbrechen ist.
arbeitslos zu sein ist definitiv kein Verbrechen und wird wohl so ziemlich jeden in der freien Wirtschaft mal im Berufsleben treffen. Egal ob verschuldet oder unverschuldet (wenn es das überhaupt gibt). Das muss klar gesagt werden.

Hier geht es darum, ob und wie sanktioniert wird, wenn man in ALGII ist.
Klar ist: Es fehlen hier und da Anreize für eine Arbeitsaufnahme - deshalb muss sich der Staat mit Sanktionen behelfen. Auf der anderen Seite können solche Sanktionen sicherlich ausufern und falsche Signale setzen. Das gilt insbesondere in "Zusammenarbeit" mit Leiharbeitsfirmen und sinnfreien Fortbildungsmaßnahmen unterhalb des Bildungsniveaus des Leistungsempfängers. Wenn durch die Sanktionen noch der Etat aufgebessert werden kann "sparen", dann wird das schnell anrüchig. Ist ja wie auf einer Bundesstaße hinter einer Kurve plötzlich Tempo30 zu verhängen und konsequent zu blitzen. Treffen tut es immer welche. Ob es die Richtigen sind, die sich vorher eh schon mies verhalten haben oder gar Wege gefunden haben die Strafen zu umgehen, bleibt dahin gestellt...

Was mich interessieren würde:

=> WAS BEWIRKEN DIESE SANKTIONEN?

- Gibt es mehr "Motivation" Termine wahr zu nehmen oder gar ein Beschäftigungsverhältnis auf zu nehmen?
- Ist die Vermittlungsquote der ehemals sanktionierten besser?
- Haben diese Personen wirklich ein stärkeres Gefühl, dass bei der ARGE Ihnen (auch mit Zwang) in einen Job "geholfen" wird?

Beste Grüße

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tamgarun 11.04.2012, 10:41
136.

Zitat von theodorheuss
das muß man sich als Arbeitender mal auf der Zunge zergehen lassen. Für 800,- Euro müßen Millionen von Menschen 40 Stunden die Woche hart arbeiten gehen und Hartz 4 Empfänger greifen dieses Geld Leistungsfrei ab für, ja für was eigentlich? HIER sehe ich ein ganz enormes Einsparpotential für den Bundeshaushalt!
Haben Sie gelesen oder nur überflogen und ihre Ansichten bestätigt bekommen - es wurde sehr manipulativ von "Hilfsempfängergemeinschaft" gesprochen. Also von einer Familie, nicht einem einzelnen Empfänger.

Aber wer will schon lesen, wenn seine Meinung eh feststeht, nicht wahr?

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alexbln 11.04.2012, 10:42
137.

Zitat von deSelby
Eine Fehlannahme die auch durch Wiederholen nicht richtiger wird: sogar wenn ich nur unsere europäischen Nachbarn betrachte, ist der Anteil der Sozialausgaben gemessen am BIP in Dänemark, Belgien, Schweden, Österreich, den Niederlanden und Frankreich höher als in Deutschland.
das glaube ich aber eher weniger- da hätte ich gerne konkrete zahlen.

fakt ist, die sozialausgaben in deutschland steigen und steigen.

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lapje 11.04.2012, 10:43
138.

Ein paar Fragen an den Autor:

Warum lese ich in dem Bericht nichts darüber, dass die ARGEn seit letztem Jahr auch viel mehr Möglichkeiten haben zu sanktionieren weil viele Schwellen runtergesetzt wurden?

Warum lese ich nichts darüber, WAS überhaupt sanktioniert wird? Es zählt nämlich alles als SAnktion was Aktenkundig geworden ist - egal ob berechtigt oder nicht. Selbst das zuviel zahlen einer Leistung wegen Jobaufnahme (hat sich z.B. überschnitten und was oft vorkommt) auch wenn es brav vom Bedürftigen angegeben und zurück gezahlt wird, zählt als Sanktion!

Warum lese ich nichts darüber dass 1/3 aller Widersprüche gegen solche Bescheide schon vor einem Gerichtsverfahren gegen die ARGEn erfolg reich sind (entweder weil der Anwalt der ARGE mal kurz auf die Finger klopft oder ein Richter der ARGE die Sache schon im Vorfeld umn die Ohren haut)

Warum lese ich nichts darüber dass bei über 50% der Widersprüche, die vor Gericht gehen, gegen die ARGEn entschieden werden? Und wenn alle Bedürftiegen ihre Rechte kennen würden läge, laut Experten, die Ziffer bei über 75%!

Wenn man dann so rechnet bleiben 300.000 Sanktionen übrig. Und ob diese berechtigt sind ist auch fraglich, da sicherlich nicht alle Bedürftigen ihre Rechte kennen...

Und Beiträge der "Bild" übernehmen? Wie weit will SPON noch sinken?

UNd die, die meinen, dass Bedürftige zu viel Geld bekommen, sollen mir ihre utopischen Beiträge doch mal vorrechnen...

Aber hauptsache man hakt wieder auf Bedürftige rum. Sind demnächst wieder irgendwo Wahlen?

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munkelt 11.04.2012, 10:43
139.

Zitat von Raser52
Nicht schlecht, ohne Arbeit!!
Finden Sie? Ich wüsste nicht, wie ich mit den H4 Sätzen zurecht kommen sollte.

Und den ganzen Tag müßig im Haus verbringen, das würde mir auch nicht gefallen. Den Druck, nicht nur arbeiten zu wollen, sondern auch arbeiten zu müssen, mag ich. Dann sind auch Feierabend, Wochenende und Jahresurlaub viel süßer.

Ohne reguläre Arbeit würde ich nicht immer pünktlich aus dem Bett kommen.

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