Forum: Wirtschaft
Hartz IV und Geringverdiener: Wie der Staat die Fleißigen bestraft
DPA

Der Sozialstaat hat ein Gerechtigkeitsproblem: Für Geringverdiener lohnt es sich oft kaum, mehr zu arbeiten. Manchmal werden sie sogar bestraft. Es gäbe Lösungen - doch die lohnen sich für die Politik kaum.

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Nadelbaum 28.03.2019, 05:11
270. "Radikale" Lösung auch Murks

Das Problem liegt jetzt offenbar, wie im Artikel dargestellt, bei mittleren Brutto-Einkommen so zwischen 1000 und 2000 Euro. Die "radikale" Lösung, die hier vorgeschlagen wird, verschiebt dieses Problem ganz an den Anfang. Viel gewonnen ist damit nicht. Ein Harz4-Empfänger soll von einem Mini-Job überhaupt nichts behalten dürfen. Erst bei einem richtigen Job soll er (oder sie) dann endlich Geld bekommen. Den muss man aber erst einmal bekommen.
Ich befürworte dann doch das bedingungslose Grundeinkommen.

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al_shatone 28.03.2019, 07:40
271. Falscher Ansatz!

Vor Allem Rentner, Alleinerziehende, Teilzeitstudenten und Menschen die wegen Krankehit nicht mehr arbeiten können sind die Verlierer. Es werden noch mehr Anreize zur Schwarzarbeit gesetzt, da in dem Segment kein Zuverdienst mehr möglich ist. Über Zwang versucht man hier zu mehr Arbeit zu bewegen, statt die Löhne über politische Steuerung zu erhöhen. Eine Verteilung von oben nach unten ist sinnvoller als eine Verteilung von unten nach oben. Bürgerveresicherung, Anhebung ders Spitzensteuersatzes, jeder der muss in die Rentenversicherung einzahlen, auch Freiberufler und Selbstständige in den oberen Verdienstklassen, Richter und Beamte. Erbschafts- und Vermögenssteuer und Beibehaltung des Solis für die oberen Gehaltsklassen. Hohe Versteuerung von Spekulationsgeschäften, Verhinderung von Steuerflucht, konsequente Bekämpfung von Steuerparadiesen. Unterbindung und Verfolgung von Betrügereien wie Cum Ex, Cum Cum und neu aufkommender Steurbtrügereien. Steuern über die Legalisierung von Cannabis wären auch möglich. Die Vorschläge in dem Artikel verschärfen die Teilung der Gesellschaft, der Fokus wird auf wieder einmal auf die Armen (nein sie sind nicht alle faul und unwillig) gelenkt, statt auf die Reichen, welche sich oft vor der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung drücken. Keine Ahnung warum immer so viele gegen die Linken sind (von DDR oder Vergleichbarem steht nicht im Parteiprogramm), aber die haben gesamtgesellschaftlich betrachtet immer noch die solidarischsten Vorschläge.

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112211 28.03.2019, 07:41
272. Alles nicht so einfach

Für die im Artikel beschriebenen Probleme zeigt sich, wie vielschichtig alles ist. Es gibt nicht die eine, beste Lösung. Wenn manche sagen, dass Lohnersatzleistungen nicht ohne Beitrag für die Gemeinschaft gezahlt werden sollen, bedeutet das für bestimmte Personengruppen, dass sie aus dem System heraus in die Armut fallen. Bezogen auf die 450 Euro Jobs, die mit einer regulären Beschäftigung kombiniert werden, bedeutet eine Abschaffung der 450 Euro Jobs, dass diejenigen, die mit 450 Euro Jobs ihr Einkommen aufbessern, lieber nicht mehr zusätzlich arbeiten. Das wiederum wäre eine Katastrophe für die Arbeitgeber, für die die 450 Euro Job Beschäftigten eine deutliche Unterstützung in ihren Unternehmen bedeuten. Für diese Unternehmer sind Beschäftigte in Minijob Verhältnissen ein geringeres Risiko, da die Belastung für die Unternehmen in schwierigeren Zeiten nicht so groß ist. Natürlich dürfen mehrere Minijobs in einem Unternehmen nicht dazu führen, dass dadurch reguläre Beschäftigungsverhältnisse überflüssig werden. Das wird allerdings ein Unternehmer, der Weitblick hat, auch nicht so praktizieren. Mit 450 € Jobs lassen sich lediglich Lücken füllen.

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mhwse 28.03.2019, 08:02
273. Kinderzuschlag bekommt eine Familie mit 6 Kindern quasi nie.

denn die Mietkosten die zuvor verdient werden müssen - werden als "Luxus" also zu hohes Einkommen - auch wenn die Wohnungskosten/Miete nachweislich weit unter dem Mietdurchschnitt der Region ist, und eher zu klein, so angerechnet, dass es nie Kinderzuschlag geben kann - umgekehrt bedeutet ein EUR unter der virtuellen Grenze, sofort zum Aufstocker degradiert zu werden - obwohl das Einkommen weit über Durchschnitt liegt ..
(Es gibt weder Wohngeld - noch Kinderzuschlag - das zu erwirtschaftende Netto muss immer über ca. EUR 4000 liegen ..) - Sonst wird man/frau zum Sozialfall ..

Das Sozialamt - neudeutsch Jobcenter - prüft dann sogar ob ein Stellenwechsel (vom freien Software-Entwickler zum Diskounter - Dinge in Regale sortieren?) ggf. für besseres Einkommen sorgen kann - obwohl die dort Beschäftigten ggf. gerade mal 1500 Netto bekommen..

Gut muss man keine sechs Kinder bekommen - klar.

man muss sich aber auch nicht von Schizophrenen gängeln lassen ..

Wenn schon, dann wäre aber ein Gesetz, das das klar regelt auch besser.
Dann wären z.B. Raucher (bei der öffentlichen Versicherung), SUV Fahrer aber auch per Gesetz z.B. aus Innenstädten - zu reglementieren.

Solange wir also ein so genannter freier Staat sind - mit Sozialgesetzen - ist dies ein eklatanter Mangel!
Ah ja, beim Jobcenter wird dann immer darauf verwiesen (also wenn man 4000+ Netto produziert + Steuern zahlt ../aber eben ein Puffer zur Entspannung beitragen würde), dass vor dem Gesetz alle gleich seien.
Das rundet das Erlebnis dann noch mit einer besonderen Note ab.

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emil.sulzberger 28.03.2019, 08:14
274. aus Sicht der Vermieters

Ich als Vermieter sehe immer wieder, dass Geringverdiener ein Problem haben mit der Kaution und mit der Höhe der Miete (auch auf dem Lande, wo ich vermiete). Arbeitslose Hartz Empfänger haben dieses Problem überhaupt nicht. Die schieben mir ihre Bestätigung vom Amt über den Tisch: wird alles bezahlt - direkt vom Amt auf mein Konto. Eigentlich ein Schlag ins Gesicht für alle Berufsanfänger. Ich habe die Leute oft schon gefragt, ob sie angesichts ihres Einkommens nicht Anspruch auf Unterstützung hätten. Meist ist das wohl nicht so. Die nötige Unterstützung bekommen scheinbar nur die, die gar nichts tun....

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mhwse 28.03.2019, 08:16
275. das Grundeinkommen

Zitat von Nadelbaum
Das Problem liegt jetzt offenbar, wie im Artikel dargestellt, bei mittleren Brutto-Einkommen so zwischen 1000 und 2000 Euro. Die "radikale" Lösung, die hier vorgeschlagen wird, verschiebt dieses Problem ganz an den Anfang. Viel gewonnen ist damit nicht. Ein Harz4-Empfänger soll von einem Mini-Job überhaupt nichts behalten dürfen. Erst bei einem richtigen Job soll er (oder sie) dann endlich Geld bekommen. Den muss man aber erst einmal bekommen. Ich befürworte dann doch das bedingungslose Grundeinkommen.
wäre zwar nicht perfekt gerecht - wenn Sie sich aber qualifizieren - können Sie ja on Top mit einem Plus enden.
(das Zuviel würde dann ganz normal per Steuer/Umsatzsteuer zahlt ja jetzt schon jeder Harzer + auf die Kippen noch extra .. also das ist ein Vorurteil .. aber z.B. eben .. ich rauche nicht, brauche aber gelegentlich Sozialleistungen - wenn Aufträge fehlen .. trotz Abitur und Weiterbildung - das Dinge heißt Realität ..)
Und die Verwaltung wird einfacher und flacher.
OK jetzt heulen wieder die Verwaltungsfachangestellten weil deren Jobs wegbrechen - aber sollten nicht gerade die für Einsparungen sorgen?

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dr_dolittle_2013 28.03.2019, 09:30
276. wahnsinn

Wahnsinn. Ich sehe die Überschrift die fleißigen werden bestraft. Und bei fleißig dachte ich eigentlich an jemanden der aus kleinen Verhältnissen gestartet ist und dann aber doch geschafft hat sich ein kleines Vermögen aufzubauen. stattdessen lese ich dann einen Artikel in dem alle möglichen Politiker darüber diskutieren wie man möglichst viel von meinem Vermögen irgendwie umverteilen kann. das ist das wahre Problem in Deutschland: dass jeder viel zu viel Zeit darin investiert sich zu überlegen wie jemand anders etwas für ihn machen kann

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Mare65 28.03.2019, 09:42
277. Das trifft es auf den Punkt

Endlich ein Bericht der es auf den Punkt bringt. Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer das ich glaube, dass es in den nächsten Jahren richtig krieseln wird in dieser Gesellschaft und das nicht etwa wegen Flüchtlingen, sondern wegen dieser trüben Suppe die überkochen wird. Wir brauchen dringend ein Steuersystem welches auf die tatsächlichen, heutigen Lebensbedingungen zugeschnitten ist und nicht etwa auf die 60er Jahre.
Ich bin auch alleinerziehend, arbeit im öffentlichen Dienst 80%, mein Job macht mir eigenlich Spaß, aber ich kann kaum am gesellschaftlichen Leben teil nehmen mit meinen Kindern. Ich möchte mich weiterbilden im Job weiter kommen, da wird alles von mir abverlangt werden aber mit knapp 1500 € netto weiß ich noch nicht wie das zu schaffen sind, meine Kinder sind 12 und 13 Jahre.
Oh und ja, wenn ich nichts tue, dankt mir der Staat das am Ende dann mit Altersarmut, weil ich mir keine Zusatzrente leisten kann!!

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Harald Schmitt 28.03.2019, 10:02
278. Eher das Gegenteil

Das zeigt doch wie sinnlos wir arbeitsunwillige fördern!
Warum bekommen die bedingungslos so einen HAufen Geld zugesteckt, dass sich arbeitende fragen warum sie eigentlich arbeiten gehen müssen um die auch noch zu unterstützen?!
Dann wird sich aufgeregt, wenn das Jobcenter die arbeitsunwilligen auch noch auffordert mal eine Bewerbung zu schreiben oder die Vermögensverhältnisse prüfen will!
Nirgends wird so viel Geld ausgegeben um die Menschen von der Arbeit fern zu halten. Früher konnte man die noch bei den Staatsbetrieben wie Telekom, Post oder Bahn beschäftigen, heutzutage überall Privatisierung und Lohndrückerei und der Staat muss die ausgesiebten dann bezahlen, während sich die Manager das gesparte Geld als Boni in die Teschen stecken!

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hardy.stiefel 28.03.2019, 10:10
279. Ein Bericht aus Wolkenkuckucksheim

denn es ist doch so, dass Langzeitarbeitslose ohne Bezug zu einem Job bereits nach kurzer Zeit als Ungelernt gelten. Aus meiner handwerklichen Sicht kann ich dieses nur bestätigen. 5 Jahre Abwesenheit vom gelernten Handwerk heißt in der Regel, auf Stand 2. Lehrjahr zurückzufallen. Oder vorher 25 Jahre lang gearbeitet zu haben und auch während der Arbeitslosigkeit seinen Job, z.B. durch einen Minijob, weiter ausgeführt zu haben. Das sieht jeder Meister, jeder Personalchef. Bei Arbeitslosen werden gerade Minijobber, falls diese berufsbezogen ist, immer bevorzugt eingestellt. Das alles blendet dieser Bericht aus. Ist ein Gutachten, welches eher eine Parteilinie bestätigen soll, nicht aber die wirklichen Belange der Leute berücksichtigt. Vielleicht sehe ich es als Handwerksmeister kritischer, aber es gibt keinen handwerklichen Job, aus welchen ich mal für ein paar Jahre aussteigen kann und dann wieder auf gleichem Niveau bei gleichen Leistungen einsteige. Bereits ab dem 2. Jahr verliere ich handwerkliche Motorik, nach 3-4 Jahren auch Anschluss an die handwerkliche Techniken usw. Und auch die Akzeptanz, durch andere vorgegebene Arbeiten und Zeiten zu akzeptieren und auszuführen. Daher auch die Bevorzugung von Minijobber, welche auch in der Arbeitslosigkeit zeigten, sich in ein Räderwerk klaglos einzuordnen. Ein Sandkorn im Getriebe kann kein Handwerksbetrieb sich leisten.

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