Forum: Wirtschaft
Hat die Politik noch Einfluss auf die Finanzmärkte?

Wirtschaftsmeldungen bestimmen derzeit die politische Agenda, Börsendaten machen Politik: Selten waren die Situation der internationalen Finanzen und der Unternehmen so bestimmend für die Erwartungen, die die Bürger an die Politik stellen. Aber hat die Politik überhaupt noch Einfluss auf die Finanzmärkte? Oder entscheiden ganz Andere?

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henningr 20.08.2011, 13:23
1.

Zitat von sysop
Wirtschaftsmeldungen bestimmen derzeit die politische Agenda, Börsendaten machen Politik: Selten waren die Situation der internationalen Finanzen und der Unternehmen so bestimmend für die Erwartungen, die die Bürger an die Politik stellen. Aber hat die Politik überhaupt noch Einfluss auf die Finanzmärkte? Oder entscheiden ganz Andere?
Eine rhetorische Frage, nichtsdestotrotz wichtig, dass sie gestellt wird, damit dies auch beim letzten Demokratie-Gläubigen ankommt.

Der damalige Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer 1996 auf dem Weltwirtschaftsgipfel an die Politik gerichtet:

"Meine Herren, Sie alle sind jetzt der Kontrolle der internationalen Finanzmärkte unterworfen."

Mit der EU wird die Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zementiert. Am Grundgesetz und an den Menschen vorbei. Dafür, dass wir das ohne Gegenwehr zugelassen haben werden alle die der Kapitalkaste nicht angehören noch bittlerich bezahlen - unter anderem im wahrsten Sinne des Wortes.

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rolli 20.08.2011, 13:26
2.

Zitat von sysop
Wirtschaftsmeldungen bestimmen derzeit die politische Agenda, Börsendaten machen Politik: Selten waren die Situation .........?
Es begann mit der grauen Eminez der Realwirtschaft in D. nach dem Krieg. Der leider ermordete Schleyer war der einzige in D. der über Milliarden Gelder aus der Nazizeit im Auftrag Bormanns eingesammelt hat. Zusammen mit v. Amerongen, dem Hehler der Nazis, hatte er das aus D. herausgepresste Geld weltweit in holdings angelegt. Der Grund Bormanns war: D. hat den Krieg verloren, es kann zugrundegehen, aber die Partei muss überleben.
Ohne das Geld Schleyers ging in D. nichts, und er war ein treibendes Teil des Wirtschaftsaufschwungs. Was uhm fehlte war politische Macht. Die zu organisieren war die Lebensaufgabe seines Nachfolgers Henkels.
EIn ganz wichtiger teil des Wirtschaftswunders war die Konsensgesellschaft in D., und an die Zerstörung derselben machte sich Henkel. Ich höre ihn noch heute: Wir werden diese Konsenssosse zerstören, die Gewerkschaften schwächen und die Wirtschaft zum bestimmenden Teil D. machen. Das ist ja dann auch geschehen. Inbesondere der ausufernde Lobbyismus der auf seine Anregunug hin ins Parlament getragen wurde ( Abgeordnete als Lobbyisten ) ist hier zu erwähnen.
Kein Unternehmen in D. kann ohne Kredite überleben. Als die Wirtschaft die Oberhand gewann, waren die eigentlichen Herren in D. die Banken, egal welche. Und diese sahen Anfang der 80er jahre, dass mit einer Angebotswirtschaft viel mehr Geld zu machen ist als mit der bis dahin geltenden Nachfragewirtschaft. Und so kamen die Neoliberalisten ins Boot. Durch die philosophische Einführung des homo oeconomicus, der sein Handeln ausschliesslich nach ökonomistischen Masstäben richtet, wurde willig die Moral und Ethik in der Wirtschaft und später auch in der Gesellschaft zerstört. Die Banken und damit die ganze Finanzwirtschaft fanden es nicht nur normal, sondern erstrebenswert Dingen zu entwickeln, mit denen sie Riesengewinne machen konnten. Die Renditen natürlich bezahlt aus der Realwirtschaft. Anfang dieses Jahrtausends war dann die Politik so fest mit der Finanzwirtschaft verzahnt, dass den Wünschen kein Widerstand mehr entgegengesetzt werden konnte. Man machte Gesetze, die alle diese Sauereien zuliessen.
Das politische Beharren auf neoliberalistischen Beutezügen nahm dann eine Form an, die zu der derzeitigen lage führen musste.
Es waren im Focus nun nicht mehr die grossen Unternehmen- die gehörten den banken bereits - sondern die Staaten selber. Die Finanzwirtschaft liess ihre 5. Kolonne nach immer mehr Steuersenkungen rufen. Jeder zusätzlcih eingenommene Euro wurde zur Steuersenkung hergenommen, völlig egal, ob es eine Einmaleinnahme war oder nicht. Der Staat konnte sich aus den Steuermitteln nicht mehr finanzieren. Weltweit wurde das so gemacht, mit ausnahme Chinas ( btw. dort fordern die Neoliberalisten gerade jetzt den reichen Staat zugunsten der Wirtschaft zurückzufahren ).
Und, nachdem die Staaten unfähig werden sich zu finanzieren, fordern die Neoliberalisten den tödlichen Streich: Sparen, weiter Steuersenkungen.
In diesem Spannungsfeld steht die Welt gerade.
Die Politik kann das, was sie an nationalen Gesetzen gemacht hat wieder zurücknehmen, das ist klar, aber da in der Regierung Neoliberalisten sitzen, und die Internationalisten der Linken, Grünen und SPD ins gleiche Horn blasen, wird das nicht geschehen. Der Reset kommt.

rolli

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henningr 20.08.2011, 13:31
3.

Zitat von sysop
Aber hat die Politik überhaupt noch Einfluss auf die Finanzmärkte? Oder entscheiden ganz Andere?
Die sogenannte ‘Demokratie” ist ein Schein, die Stimmabgabe eine Travestie. In modernen bürokratisierten Systemen, die seit Mitte des 19.Jahrhunderts entstanden sind, ist die Feudalorganisation sozusagen auf die nächste Stufe gehoben worden. Ein Hauptzweck dessen, ist immer gewesen, die Eintreibung des Pachtzinses (also „freies Einkommen“ in der Form von Zins, Finanzgebühren und ähnlichen Diebstahls) aus der Bevölkerung so unergründlich und undurchsichtig wie möglich erscheinen zu lassen.

Die ungeheuerliche Subtilität und der Propagandaschleier kunstvoll enthüllter Irrmeinungen über das Bankwesen sind die Hauptwerkzeuge, womit es den Hierarchen gelingt, sich den Reichtum der sie tragenden Gemeinschaft anzueignen und zu verwalten. Dies ist das durchsichtige Zeugnis der wesentlichen Transformation, die sich in der feudalen/oligarchischen Organisation in der Moderne vollzogen hat. Der Westen hat sich von einem agrarischen Establishment, das auf niedriger technischer Stufe auf dem Rücken von leibeigenen Knechten lastete, zu einem hochmechanisierten postindustriellen Bienenstock herangearbeitet, dessen Stärke von nicht
weniger entbürgerlichten Sklaven mit weißem Kragen oder Blaumann genährt wird, deren Leben an die jeweiligen Modewellen des Konsums verpfändet werden.

Die Grundherren von einst treiben ihre Tribute nicht mehr sichtbar ein, weil sie sich zur Erreichung dieses Zwecks auf die Mechanik des Bankkontos verlassen können, während die Zwischenklasse, in Gestalt von Akademikern und Publizisten, den Eliten stets treu ergeben geblieben
sind. Der andere konkrete Unterschied zwischen gestern und heute ist der immense Durchsatz industrieller Produktion (deren potentielle Höhe jedoch immer entscheidend unterschritten worden ist – um die Preise hoch zu halten).

Was die „demokratische Beteiligung“ des gewöhnlichen Staatsbürgers angeht, so wissen diese in ihren Herzen, daß sie nie etwas von Bedeutung entscheiden und daß Politik darin besteht, die Menge in diese oder jene Richtung zu lenken nach Wünschen und Ratschlüssen der Wenigen, welche die Schlüssel zu Information, Intelligence und Finanz in Händen halten. Diese Wenigen mögen von Zeit zu Zeit in einander bekriegende Fraktionen gespalten sein; je tiefer der Riß geht, desto blutiger zeigt sich dann die soziale Zerrissenheit. Die Ergebnisse von Wahlen im Westen der vergangenen 70 Jahre sind leuchtende Monumente der Folgenlosigkeit von „Demokratie“: trotz zweier verheerender Weltkriege und eines spät eingeführten Systems proportionaler Vertretung, aus denen sich eine Fülle von Parteien bildete, hat Europa keinen nennenswerten Wandel seiner sozialökonomischen Verfassung zu verzeichnen, wohingegen Amerika im Laufe der Zeit immer mehr mit seinem oligarchischen Selbst identisch wird.

Dort ist das demokratische Schauspiel auf den Wettbewerb zweier Flügel einer ideologisch kompakten Einparteienstruktur herabgesunken, die tatsächlich für mehr oder minder verborgene „Klubs“ die „Lobby“ zur Verfügung stellt.
Der Grad der öffentlichen Teilnahme an dieser schamlosen Verhöhnung ist wie bekannt verständlicherweise tief abgesunken...

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berliner_wespen 20.08.2011, 14:03
4. Unruhe reinbringen geht immer noch sehr gut

Zitat von sysop
Wirtschaftsmeldungen bestimmen derzeit die politische Agenda, Börsendaten machen Politik: Selten waren die Situation der internationalen Finanzen und der Unternehmen so bestimmend für die Erwartungen, die die Bürger an die Politik stellen. Aber hat die Politik überhaupt noch Einfluss auf die Finanzmärkte? Oder entscheiden ganz Andere?
Planwirtschaftlich die Ergebnisse von Märkten vorzuschreiben ging noch nie. Es ist der Phantomschmerz von Politikern, die merken, daß sie kein Laserschwert mehr haben.

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Lagenorhynchus 20.08.2011, 18:09
5. Aha

Zitat von sysop
Wirtschaftsmeldungen bestimmen derzeit die politische Agenda, Börsendaten machen Politik: Selten waren die Situation der internationalen Finanzen und der Unternehmen so bestimmend für die Erwartungen, die die Bürger an die Politik stellen. Aber hat die Politik überhaupt noch Einfluss auf die Finanzmärkte? Oder entscheiden ganz Andere?
Zick-zack-Merkel ist jetzt bei den Eurobonds also noch die bessere Alternative zu der Scheckbuch-Opposition?
Meine Güte, was für ein Irrsinn.

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herbertmf 20.08.2011, 18:13
6. Wie wäre es denn,

einmal die Bevölkerung, die den Eurowahn finanzieren muss, zu fragen, ob sie das überhaupt möchte?

Angeblich leben wir doch in einer Demokratie.

Artikel 20 GG: Alle Macht geht vom Volke aus.


Anscheinend nur noch eine hohle Metapher.

Pfui Deibel.

Und da wundern sich die Schranzen in Berlin, dass die Wahlbeteiligung zurückgeht.

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sappelkopp 20.08.2011, 18:16
7. Nein, aber...

...die Finanzmärkte dominieren die Politik. Uns werden die Hardcore-Kapitalisten noch weiter auf der Nase herumtanzen. Es sind ja nicht nur die Finanzmärkte und die Ratingagenturen - die sind nicht in der Lage unsichere Anlagen zu erkennen, wie die US-Immo-Krise zeigte - es sind auch die Spekulanten, die für die Preissteigerungen bei vielen Grundnahrungsmitteln auf dem Weltmarkt verantwortlich sind.

Das ist die Kehrseite es Kapitalismus. Wir wollen ihn, so what!

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seppiverseckelt 20.08.2011, 18:18
8. Da Es ...

K E I N E EUROBONDS geben wird KANN Es auch keine weiteren Milliardenkosten geben -pder hab ich was Missverstanden ???
das BVG hat meines wissens ALLEM was finaziell über den Lissabon-Vertrag hinausgeht dadurch eine riegel geschoben als dass ALLES weitere vors Volk zum Entscheid MUSS !!!
HALLO ??? Wo sind die Parlamentarier mit rückgrat die DAS durchsetzen ? Wenn Eurobonds drohen will ich das VOLK auf den STRASSEN SEHEN- E N D L I C H- UND DANN GEHTS RUND !

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...ergo sum 20.08.2011, 18:19
9. ...

- "NOCH " ist toll !
Niemals seit Bestehen der Finanzmärkte, immerhin eine extrem lange Zeit, hatten irgendwelche Despoten, Könige, Kaiser, "Politiker"
- auch nur der Hauch von Einfluß.

Aber, - stellen wir doch die Frage einmal anders herum, - tja, darüber diskutiere ich dann.

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