Forum: Wirtschaft
Haushalt in Rezessionszeiten: Die schwarze Null von heute ist die Krise von morgen
Rupert Oberhäuser / imago images

In Zeiten des Abschwungs auf die schwarze Null zu pochen, ist ökonomisch unseriös. Und für die Zukunft kommender Generationen unverantwortlich.

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wauz 13.09.2019, 19:05
120. Eine bürgerliche Vorstellung von Ökonomie

Karl Marx hat in seinen frühen Jahren festgestellt, dass das 'Sein das Bewusstsein' bestimmt. Mithin ist es der soziale und ökonomische Standpunkt, der die Sicht auf die Welt generiert. Er selbst hat dann versucht, seinen Standpunkt so gut es geht zu objektivieren.
Damit hat Marx versucht, eine Weltanschauung unabhängig sozialer Voreingenommenheit zu erschaffen und musste sich dabei immer mehr auf die Ökonomie beschränken. Das war auch so eine Herkules-Aufgabe!
Mithin ist seine Ökonomie lediglich als Beschreibung der Zustände zu verstehen. Sie ist keine Handlungsanleitung, wie es die "bürgerlichen Ökonomen" immer versuchten. Da wäre zum Beispiel Adam Smith's Marktlehre: der "vollständige Markt" ist eine Fordderung, keine Zustandsbeschreibung! Ebenso ist die Lehre über die Staatsfinanzen durch Keynes eine Handlungsanleitung, und keine Zustandsbeschreibung!
Man muss die Lehren Keynes immer mit der Zutsandsbeschreibung der jeweiligen ökonomischen Situation verknüpfen, um sinnvolle Aussagen treffen zu können.
Keynes' antizyklische Staatsausgabenpolitik war ein Instrument gegen eine Deflationskrise und hat da erst einmal funktioniert. Aber der zweite Teil der lehre, das Zurückholen des defizits in der Hochkonjunktur, wurde ja nie eingehalten. Und inzwischen sind auch die Wirtschaftskrisen anderer Natur als die Überkapitalisierung in Form von nicht benötigter Maschinerie.
Solche Krisen geibt es natürlich noch und die nächste solche Krise wird die Autoindustrie erleben. Es gibt jetzt schon Überkapazität im konventionellen Verbrenner-Bau und eswird noch mehr Überkapazität geben, wenn die Autos notwendigerweise weniger komplex werden. Durch Downsizing und Elektrifizierung.
Jetzt einfach nur die Forderung zu stellen, die Staatsausgaben zu erhöhen, greift viel zu kurz. Was wir brauchen, ist eine nachhaltige veränderung und das bedeutet, der Ausstieg aus den fossilen Energieträgern. Und dazu werden wir durchaus ganze Industrien einstampfen und andere wieder hochziehen.

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Wohlstand für alle 13.09.2019, 19:12
121. An 32. JohnMaynard

Lieber JohnMaynard. Bitte lesen Sie das Buch Allgemeine Theorie der Beschäftigung des Zinses und des Geldes oder ändern Sie ihr Pseudonym.
Staatsverschuldung und nachfolgende Inflation ist nach John Maynard Keynes die wesentliche (gewaltfreie) Waffe der Regierung gegen die Supereichen, die feudale Restauration wünschen.

Lieber Herr Fricke, durchhalten. Das nächste keynesianische Zeitalter (mit null Staatsverschuldung) kommt bestimmt.
Nach dem nächsten Krieg. Leider. Zumindest wenn man sich die Kommentare durchschaut.

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Economist_liberal 13.09.2019, 20:52
122. JM Keynes würde sich freuen

Der Autor plädiert für Keynesianismus wie er im Buche steht. Allerdings sind die Grenzen des deficit spending bereits mehrfach aufgezeigt worden. Fiskalismus kann, wie FDRs New Deal bewies, durchaus effektiv sein, allerdings hat er auch seinen Preis, und ob Deutschland diesen in Zeiten globaler Rezession mit seiner Exportabhängigkeit bezahlen kann, ist durchaus ungewiss. Ich stimme mit dem Autor überein, dass eine Sparpolitik aber sicher nicht die optimale Lösung ist.

Des weiteren: wieso hat die FDP in Sonntagsreden hierfür einfache Lösungen in Form von Steuererhöhungen? Steuererhöhungen sind das notwendige Übel nach fiskalisitischen Maßnahmen, wenn Deutschland nicht imstande ist, sich am Finanzmakrt günstiger und einfacher Geld zu beschaffen. Im derzeitigen Niedrigzinsumfeld, aus welchem wir auch in Jahrzehnten nicht mehr herauskommen werden, vielleicht die optimale Lösung.

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wauz 13.09.2019, 20:57
123. Die Voraussetzung fehlt!

Zitat von Wohlstand für alle
Lieber JohnMaynard. Bitte lesen Sie das Buch Allgemeine Theorie der Beschäftigung des Zinses und des Geldes oder ändern Sie ihr Pseudonym. Staatsverschuldung und nachfolgende Inflation ist nach John Maynard Keynes die wesentliche (gewaltfreie) Waffe der Regierung gegen die Supereichen, die feudale Restauration wünschen. Lieber Herr Fricke, durchhalten. Das nächste keynesianische Zeitalter (mit null Staatsverschuldung) kommt bestimmt. Nach dem nächsten Krieg. Leider. Zumindest wenn man sich die Kommentare durchschaut.
Deficit spending funktioniert in einer Produktionskrise auf Grund einer Deflationskrise. Wir haben aber keine Deflationskrise im eigentlichen Sinn, weil wir nur eine falsche Geldverteilung haben (Kapitalüberhang im Finanzbereich) und wir haben auch keine Produktionskrise in dem Sinn, dass keine Bedürfnisbefriedigung stattfindet.
Man kann Keynes weiterdenken. Dann muss man aber erkennen, dass "Inflation" durchaus ohne Geldentwertung stattfinden kann. Das haben wir gerade. der Finanzsektor wird immer weiter aufgebläht und das hat wenig bis keine Auswirkungen auf die Realwirtschaft.
Wir haben eine scheinbare Nachfragekrise, die aber in Wahrheit eine Überangebotskrise ist. Wer _braucht_ schon ein neues Auto? So ziemlich alle haben Rutschen in allerbestem Zustand. kein Grund, sich etwas neues zu kaufen.
Niemand läuft nackich herum. Aldi und Lidl bieten alles an, was man zum Anziehen braucht. Pech für die Modeketten!

Usw.

ein bisschen Keynes könnte man in Griechenland machen: in dem man renten und sonstige Sozialtransfers mit Geld aus Presse drastisch anhebt. Aber der griechische Markt ist nicht groß genug, als dass das nennenswerte Auswirkungen auf den Euro und die Eurozone hat.

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kochra8 13.09.2019, 22:57
124. Notdurft elementar

Erst gilt einmal, der Trockenheit Herr zu werden. Zu eruieren, inwieweit der Grundwasserspiegel in den betroffenen sandigen Gebieten vorab Ostdeutschlands nachhaltig weiter genutzt werden kann oder eben nicht. Mangel führte noch immer zu Aufständen. Und jenen bittend gleich auch zu verklickern, dass Blumen und Rasen auch mal sein gelassen können!

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lathea 13.09.2019, 23:05
125. Wir haben keine kaputte...

.. .Infrastruktur, sondern eine, die sich zwar verbessern ließe, die jedoch noch immer viel besser ist, als in den meisten anderen Ländern. Wir brauchen bei unserer aktuellen Arbeitslisigkeit auch keine Beschäftigungsprogramme oder nennenswerte Ankurbelung der Wirtschaft. Der Staat sollte Schulden zur Umschuldung aufnehmen und so viel bestehende Schulden wie möglich auf Darlehen mit besseren Konditionen umschulden, soweit es möglich ist. Ausserdem sollten sich unsere Politiker in der gesamten EU darum bemühen, von Großkonzernen und Internetriesen sowie chinesischen Firmen, die bei uns tätig sind, mehr Steuergelder einzuholen, da diese in großem Umfang Steuerumgehungen praktizieren. Dann brauchen wir noch immer keine Darlehen, sondern können noch mehr bestehende Schulden tilgen. Wenn der Staat investieren will, dann in Zukunftstechnologien, die allen Bürgern und der Umwelt Vorteile bringen. Das geht mit den Steuereinnahmen, die wir bereits haben, wenn sie sinnvoller verteilt werden.Sinnvoll wären z.B. auf festen Strecken selbstfahrende Minibusse, die für alle Bürger kostenlos sein könnten sowie ein besserer und billigerer ÖPNV oder eine kleine Grundrente für alle bzw. ein kleines bedingungsloses Grundeinkommen für alle. Dies lässt sich jedoch nicht mit Schulden finanzieren. Schulden setzen eine hohe Inflation voraus, die höher sein sollte als die Zinsen. Nur dann lohnen sie sich in solchen Zeiten, die wir jetzt haben. Wenn reiche Investoren nicht wissen, was sie mit ihrem durch Steuerersparnisse erzieltem Geld anfangen sollen, dann sollen sie es einfach für das Gemeinwohl spenden, statt Staaten zur Schuldenaufnahme drängen zu wollen. Denn ins Grab mitnehmen können sie ihr Geld ohnehin nicht.

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thequickeningishappening 14.09.2019, 00:12
126. Milchmädchen Rechnung

"... Jedes Prozent weniger Wirtschaftsleistung einen halben Prozentpunkt mehr Staatsdefizit."...17 Mrd ? Auf Der Suche nach mehr Wachstum wird Dann auch gerne mal Die Staatsverschuldung um 4 bis 5 Prozent hochgefahren um 2 bis 3 Prozent Wachstum zu generieren (siehe USA) = Ein Dollar Schulden für 50 Cent Wachstum ! In Japan kommt gar Das Null Wachstum aus Der Schuldenkasse ! Richtig ist, Das in Der Nachhaltigkeitslücke (implizite Schulden) Die Umwelt und Die Infrastruktur einbezogen werden müssen ! Da muss investiert werden aber Vorsicht Gießkanne ! Der Zeitpunkt hierfür ist Yesterday ! Ran an Die Kohle solange Sie noch Heizwert hat !

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tinnytim 14.09.2019, 08:59
127. Volkswirtschaftliches Wissen stärken

Bis Kommentar 70 habe ich alle Kommentare gelesen, da befand ich, dass wenig neues zu erwarten ist.
Hier mal ein paar Überlegungen, über die die Mehrheit der Forenteilnehmer mal reflektieren sollte:
Der gerade zur Abstimmung gestellte Staatshaushalt 2020 ist zwar der größte jemals, dafür hat er allerdings auch die niedrigste Investitionsquote seit über einem Jahrzehnt. Es werden schlappe 40 Milliarden investiert, 20 davon sind Bildungs und Forschungsausgaben (Bildung zählt als Investition). Bleiben 20 Milliarden Investitionen, während sich der Bund Anfang letzter Woche 30-jährige Staatsanleihen zu Negativzinsen sichern konnte. Die Bahn als Unternehmen in 100% Staatsbesitz steht vor einer riesigen Haushaltslücke und soll diese schließen, indem sie ihre beiden einzigen hochprofitablen Sparten Ariva und Schenker verkaufen soll.
Wenn das Management eines Unternehmens so handeln würde, würde es in kürzester Zeit auf der Straße sitzen.
Die Schwarze Null ist ein Dogma, das gepflegt wird, weil die Bevölkerung viel zu wenig von Wirtschaft und speziell Volkswirtschaft versteht.

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doc_snyeder 14.09.2019, 10:05
128. Jedes Jahr noch mehr Schulden zu machen -

um auch nur die Zinsen für alte Schulden zu bezahlen. Und damit automatisch den Bedarf für die Zinszahlung im nächsten Jahr zu erhöhen. Möchte dieser Artikelschreiber. Offenbar nur, um sich selbst interessant zu machen. Denn jeder vernünftige Mensch weiss, dass das Unfug ist.

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mantrid 14.09.2019, 10:20
129. Hauptsache Panikmache

Wir stecken in keiner Rezession. Wir stecken in keinem Abschwung. Was soll die Panikmache? Sicher gibt es konjunkturelle Eintrübungen, vielleicht sogar eine Konjunkturdelle, aber wer auf See beim ersten leichten Wellengang ins Rettungsboot steigt, sollte besser an Land bleiben. Fallt bloß nicht immer auf die Panikmacher rein. Was haben die uns nicht schon alles erzählt. Sollten nicht schon längst alle Erdölförderstätten erschöpft sein?

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