Forum: Wirtschaft
Haushalt in Rezessionszeiten: Die schwarze Null von heute ist die Krise von morgen
Rupert Oberhäuser / imago images

In Zeiten des Abschwungs auf die schwarze Null zu pochen, ist ökonomisch unseriös. Und für die Zukunft kommender Generationen unverantwortlich.

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artur.d 14.09.2019, 12:19
140. Das wären keine unnötigen Schulden

Zitat von michael.sell
Niemand scheint das Schulden machen so herbei zu sehnen wie Herr Fricke, denn er redet sein Monaten davon. Der Bundesfinanzminister hat vor einigen Tagen einen Bundesüberschuss für das 1. Halbjahr von rd. 16 Mrd. verkündet - aber alle Schuldenmacher steten in den Startlöchern. Wir haben die automatischen Stabilisatoren, so dass nicht in der Krise gespart wird, was in der Tat einen Abschwung verstärken würde. Solange nicht sichergestellt ist, dass mit Schulden tatsächlich Investitionen gezahlt werden - noch decken alle Einnahmen alle Ausgaben - sollten wir nicht die Placebo Medizin vor Ausbruch der Krankheit loben. Staaten, die an ausgeglichenen Haushalten zu Grunde gingen, sind mir nicht bekannt - Staaten an unnötiger Schuldenmacherei schon.
wie viele Foristen hier haben Sie das Geldschöpfungssystem leider auch nicht verstanden.

Wir haben eine besondere Situation wo Betriebe sich nicht mehr verschulden wollen und großen Konzerne Kredite nicht brauchen, da sie enorme Spareinlagen haben, die sich dank der Agenda 2010 (Dumpinglöhne) angesammelt haben, aber auch im Rest der Welt sparen Konzerne überproportional VIEL (netto Sparer)!

Und das funktioniert in einer Volkswirtschaft nicht, es können nun mal nicht alle Sparen; Konzerne, Private und Staaten von ausgeglichenen Haushalten träumen, das können nur einzelne (Betriebe, Länder) aber nie ALLE! Einer MUSS sich immer verschulden, erst durch SCHULD entsteht Geld, keine neuen Schulden, kein neues Geld, bedeutet nichts anderes als kein Wachstum möglich ist! Denn das muss sich ja in Geldwerten spiegeln. Deutschland lebt seit Jahrzehnten davon, das sich im Grunde andere Länder für unser Wachstum VERSCHULDEN (Exportüberschüsse).

Es ist zum verrückt werden, Geldschöpfung gehört in die Grundschule

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hans.lotz 14.09.2019, 12:22
141. Deutschland, Deutschland ... die schwarze Null über alles

Sowohl nach Einschätzung anerkannter Fachleute als auch aus den Beiträgen von weniger qualifizierten Zeitgenossen in den Foren, ist in der Tat der richtige Weg strittig. Aber auch hier gilt, dass eine möglich falsche Entscheidung, die übrigens jederzeit korrigiert werden könnte, besser ist als blindlings und mutlos dem Vorgänger nachzueifern und keine Entscheidung zu treffen obwohl veränderte Parameter durchaus eine abweichende Strategie verlangen.
Nur Mut Herr Scholz, Frau von der Leyen hat es mit finanziellen Fehlentscheidungen doch auch weit gebracht.

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HISXX 14.09.2019, 12:25
142.

Es ist erstaunlich, wie viele Autoren auf Spon sich eine kräftige Staatsverschuldung herbeiwünschen. Angesichts leicht verschlechterter Wirtschaftsdaten von einer Krise zu reden ist völlig übertrieben.
Auf D warten erhebliche Belastungen in den nächsten Jahren. Die Rettung von hochverschuldeten Euro-Ländern wie Italien wird noch viel Geld kosten. In wenigen Jahren werden die Babyboomer in Rente gehen, dann fliegen uns die Rentenkassen um die Ohren. Das durch ungeregelten Zuzug ausgelöste Bevölkerungswachstum wird weiter die Sozialausgaben steigern. Der öffentliche Dienst erfordert immer mehr Personal, Lehrer, Polizisten, Gefängnisse, Richter... Die Pensionslasten werden in starkem Maße steigen, weil Pensionen im Gegensatz zur Rente unantastbar sind und nie deren Reform in Angriff genommen wird.
Wofür soll die Regierung denn Geld ausgeben, wenn Zuschüsse schon heute nicht in Anspruch genommen werden, z.B. für die Digitalisierung.
Keine Angst, Herr Fricke, die Schulden kommen sehr bald zurück, dann werden Sie wieder über den unverantwortlichen Ausgabenwahn schreiben.

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tom2strong 14.09.2019, 12:33
143. Rückabwicklung von Privatisierungen

In der aktuellen Lage könnte man über die Rückabwicklung von Privatisierungen nachdenken. Besonders im Energiebereich und der Wasserversorgung. Auch Bahn, Post, Telekommunikation und Postbank. Zumindest insoweit als der Staat wieder Eigentümer wird und das Gemeinwohl dieser Aktivitäten stärker Berücksichtigung finden kann, wenn vom Eigentümer gewollt. Dieser Verschuldung stünden ja echte Werte gegenüber. Könnte unser Staat nicht auch Wald und generell Grundstücke und auch Immobilien kaufen.

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Beruhige mich 14.09.2019, 12:37
144. Nein:

Die roten Zahlen von gestern sind die Krise von heute. Und es sollte "Faustregel" heißen...

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Vallecas 14.09.2019, 12:57
145. Schwarze Null

Ist ja schön eine Schwarze Null anzustreben, aber die Infrastruktur muß zukunftstauglich sein, sonst geht der Schuß irgendwann nach hinten los. Damit wird nämlich der Standort beeinträchtigt. Wenn es so weitergeht, haben wir in ein paar Jahren das langsamste Internet Europas, die maroadesten Brücken, die ältesten Autobahnen und die schlechteste Bahn, aber dafür einen prima Haushalt! Nur muß man dann sehr viel Geld auf einmal ausgeben, um das alles in einem Zeitraum von mindestens 10 Jahren zu reparieren, anstatt es Stück für Stück jetzt zu machen! Mit den niedrigen Zinsen, wäre es zudem billiger als nie! Wer's versteht...

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spigalli 14.09.2019, 14:22
146. Hier meine Vorstellungskraft

Zitat von muellerthomas
a) Wie stellen Sie sich denn staatliche Guthaben vor? b) Und wie stellen Sie es sich volkswirtschaftlch vor, wenn private Haushalte und der Staat Netto-Sparer sind und auch die Unternehmen kaum Kredite nachfragen?
a) Ein Finanzminister schläft auf 100Mrd € in der Matratze? Nein, aber staatliche Gold-, Wasser- und Ölreserven kann man aufbauen, Immobilien kaufen (auch im Ausland) etc. pp. Gegenfrage: Was würde passieren, wenn der Staat einfach 100 Mrd €nähme und die derzeit so sehr gehypeten ETFs als Geldanlage kaufte?
b) Das würde ja bedeuten, dass eigentlich jeder Kredite nur noch tilgt. Und dann, würden nach Tilgung der Kredite noch viele Guthaben (aus versprochenen Zinsen) bestehen und ebenso viele Forderungen, die nicht mehr bedient werden können, AUSSER wenn die Besitzer der Guthaben diese gegen Geld eintauschen würden, und es endlich ausgäben. Wäre das so schlimm?

Wenn ich ständig meinem Nachbarn Geld leihe, damit er in meinem Laden einkauft, dann sind wir beide am Ende Verlierer. Er ist pleite und ich habe Waren verkauft, für die ich nicht bezahlt wurde.

Nein, (Bank-)Guthaben sind kein Geld. PayPal E-Geld auch nicht. Bitcoin auch nicht. Nur Euro-Banknoten sind in Deutschland Geld.

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spigalli 14.09.2019, 14:37
147. Ich nicht.

Zitat von malcom1
Ich kann dem Beitrag nur zupflichten. Jetzt investieren wo das Geld billig bist und nicht erst in einer Krise. Dann ist es eventl. zu spät. Schwarze Null = marode Schulen, schlechtes Internet, Ivestitionssrau bei der DB, usw.
Wenn das Geld billig ist, heißt das nur, dass jemand viel zu viel davon hat - sein Besitz also "wenig wert" hat. Wie man das dann in der Wirschaft so macht, versucht man also das (für einen selbst) Wertlose jemandem zu geben, um etwas (für einen selbst) Wertvolles zu bekommen. Beim Geldverleihen ist das "die Forderung auf Tilgung (und Zins)".

Paradoxerweise scheint es gerade "besser" zu sein, im Laufe der nächsten Jahre eine Geldsumme von jemandem zu erhalten als sie heute zu besitzen (und zu behalten). Im Sinne einer Wette ergibt das Sinn, wenn man sich eigentlich die Kreditsicherheiten sichern will und die Kreditvergabe nur erfolgt, in der Hoffnung darauf, dass der Kredit nicht bedient werden kann...also Hoffnung auf Rezession, Deflation (gefolgt von sinkendeb Einkommen) oder ...?

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bluebill 14.09.2019, 15:35
148. Würde gehen

Lange Zeit war der Staat hoch verschuldet, was öffentlich angeprangert wurde. Dann kam der schwäbische Finanzminister. Die Schwarze Null wurde geradezu gefeiert. Und dem Rest der europäischen Welt wurde der gleiche staatliche Geiz aufgezwungen. Ausbaden mussten es immer die Bürger. Jetzt erst wird das offenbar öffentlich bemerkt. Und es wird diskutiert, was besser ist, noch mehr Schulden oder noch weniger für die Bürger tun. - Wobei das eigentlich gar keine Gegenpole sein müssten. Man müsste nur mal sehr offen und ideologiefrei überlegen, welche Ausgaben wirklich nötig sind. Militär, EU-Schutzgelder (wie immer die genannt werden und wo immer sie hinfließen), Beraterhonorare, große Geschenke an andere Staaten zum Beispiel.
Oder man könnte auf Einnahmehindernisse verzichten, wie Steuergeschenke an Konzerne oder Einknicken vor deren Interessen, siehe mickrige Mindestlohngesetze. Wenn es eine angemessene, stabile Binnenkonjunktur gäbe,
würden auch die Steuereinnahmen nicht so schnell wackeln. Was mir mein Bankberater raten würde: Neue Schulden, solange das Geld billig zu kriegen ist, und solange genug Geld da ist, forcierte Tilgung oder Umschuldung der alten Schulden. Vor allem Abkehr von der Hörigkeit der neoliberalen Ideologie, die permanentes Wachstum verlangt. Und immer wieder "frisches Geld".

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dieter-ploetze 14.09.2019, 15:42
149. durchdachtere haushaltsfuehrung statt schulden

wie waers mal damit, eine staatshaushaltsfuehrung die tatsaechlich mal unsinnige subventionen kappt, statt
nur darueber zu palavern. dann waere, auch bei schwarzer null, genuegend geld vorhanden um die konjunktur
anzuheizen. das allerdings wuerde arbeit bedeuten, manchen unzufrieden produzieren. dem will die regierung natuerlich aus dem weg gehen. aber die journalisten muessen da ja nicht mit der regierung konform gehen.

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