Forum: Wirtschaft
Haushaltshilfen nach Klinikaufenthalt: Kassen erstatten weniger als den Mindestlohn
DPA

Der Mindestlohn liegt bei 8,50 - doch wer nach einem Aufenthalt in der Klinik eine Haushaltshilfe anstellt, bekommt von der Krankenkasse deutlich weniger erstattet. Zumindest eine Kasse will die niedrige Zahlung nun prüfen.

Seite 1 von 2
a.Schiller 17.02.2015, 15:10
1. Die harte Realität

Krebs im Endstadium, zwei kleine Kinder, alleinerziehend, nicht arbeitsfähig, Hartz 4, Frührezidiv. Das meine grobe Situation. Die DAK bezahlt Familienangehörige gar nicht als Haushaltshilfe, die machen das ja gerne! Für dort auch 5,25,- pro Stunde habe ich natürlich KEINE freie Haushaltshilfe bekommen, das Aufstocken war mir durch Hartz 4 finanziell nicht möglich. Also blieb mir nichts weiter üblich, als nach meiner Stammzellentransplantation alleine klar zu kommen, mit Kindern und Haushalt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
horstnorbert 17.02.2015, 16:25
2.

Die 5,25 € pro Stunde sind der Erstattungssatz für die selbstbeschaffte Ersatzkraft, also die Freundin oder Nachbarin, bei der das Kind einfach so mitläuft und die diese Tätigkeit nicht erwerbsmäßig ausübt. Krankenversichert meist kostenfrei über den Ehemann.

Für die Haushaltshilfe, die bei Caritas, DRK oder der Pflegehilfe xy angestellt ist, wird schon heute ein Satz gezahlt, der über dem Mindestlohn liegt. Diese Personen sind dann aber auch ordentlich versichert oder bei der Minijobzentrale gemeldet.

Wenn man auf der einen Seite die Freundin/Nachbarin als angestellt ansieht und einen höheren Satz verlangt, muss diese auf der anderen Seite auch ordentlich angemeldet werden. Was wohl das Aus für das Modell "selbstbeschaffte Haushaltshilfe" bedeuten würde.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dialogischen 17.02.2015, 17:27
3.

Schon toll, was sich die 150.000 "Mitarbeiter" der gesetzlich kranken Kassen jeden Tag einfallen lassen, um die Beiträge nicht für eine zeitgemäße Versorgung kranker Mitglieder aufzuwenden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
horstnorbert 17.02.2015, 18:06
4.

Zitat von dialogischen
Schon toll, was sich die 150.000 "Mitarbeiter" der gesetzlich kranken Kassen jeden Tag einfallen lassen, um die Beiträge nicht für eine zeitgemäße Versorgung kranker Mitglieder aufzuwenden.
Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob die Kinderbetreuung Aufgabe der Krankenkasse sein soll oder eher eine familienpolitische Leistung, die gesamtgesellschaftlich motiviert ist und aus Steuergeldern finanziert wird.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
katham 17.02.2015, 18:10
5. gesetzlich geregelt

der Stundensatz für selbstbeschaffte Haushaltshilfe ist gesetzlich im paragraf 38 sgb v geregelt und liegt in diesem jahr bei 9 Euro. entweder ist der artikel schlecht recherchiert oder schlecht geschrieben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
eckawol 17.02.2015, 18:24
6. Aufwandsentschädigung

Die Haushaltshilfen arbeiten nicht ehrenamtlich. Deshalb ist die Nutzung dieses Begriffs im Zusammenhang mit der gesuchten Haushaltshilfe irreführend. Ausserdem ist es für die selbstbeschaffte Ersatzkraft geradezu eine Strafe nur für 5,25 € von der Kasse zu bekommen, wenn andere Entlohnungen aufgerufen sind. Warum suchen denn die GKVs nicht die Einsatzkräfte ?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
pcpero 17.02.2015, 18:46
7. Zauberwort

Zitat von katham
der Stundensatz für selbstbeschaffte Haushaltshilfe ist gesetzlich im paragraf 38 sgb v geregelt und liegt in diesem jahr bei 9 Euro. entweder ist der artikel schlecht recherchiert oder schlecht geschrieben.
Die Verklausulierung des § 38 SGB V, dem Tenor nach bei den Bahnrichtlinien abgeguckt könnte man meinen(i. d. R. Ja, aber nur Nachts von 02-0205 Uhr im Beisein der Eltern mütterlicherseits)lässt der genehmigenden Person einer KK sehr viel Spielraum in der Absage eines Antrages, weil der Begriff der Angemessenheit von zentraler Bedeutung und interpretatorisch dehnbar ist. Dass da weniger als der Mindestlohn erstattet wird, ist jedoch nicht gerechtfertigt- die Angemessenheit bezieht sich hier auf Dauer und Ausgestaltung der Hilfe! Im Zweifel über das Widerspruchsverfahren und letztlich Klage anfechten oder einen Antrag auf Eilanordnung beim Sozialgericht.
Allerdings muss auch erwähnt werden, dass die Auslegung des § 38 einen Selbstbehalt wie im Krankenhaus nicht ausschließt. Vor dem Eintriff des Falles sollte man bei seiner Kasse das Procedere und die Höhe der Kostenerstattung erfragen. Schlussendlich muss der Gesetzgeber hier die Höhe der Beträge rechtssicher nachbessern!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
sr.rabiata 17.02.2015, 19:18
8.

Das Problem besteht nicht nur bei den Krankenkassen. Auch viele Städte und Gemeinden verstoßen als Sozialhilfeträger bei der Bezahlung von Haushaltshilfe gegen das Mindestlohngesetz. Hilfe und Pflegebedürftige bekommen unter bestimmten Bedingungen stundenweise Haushaltshilfe bezahlt. Hier zahlt z.B die Stadt Emden den von ihrem Pflegestützpunkt vermittelten Haushaltshilfe 6,30€.
Doch welches Zollamt ermittelt schon gegen öffentliche Behörden?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
bluebill 18.02.2015, 12:52
9. Immer übersehen: Zweck von Versicherungen

Wozu existieren diese Versicherungen? Nein, nicht um die Bevölkerung zu versorgen. Sondern um Gewinne zu erwirtschaften. Die sollen möglichst hoch sein. Deshalb geizt jede Versicherung grundsätzlich mit allen Ausgaben, Personalkosten genauso wie Erstattungen. Der Versicherte soll zwar möglichst viel einzahlen, kriegt aber im Gegenzug so wenig wie möglich zurück. Leistungen werden auf das Allernötigste gekürzt, so daß gerade es eben noch legal ist, Ansprüche werden erstmal abgeblockt, Anspruchsteller eingeschüchtert. Das ist aber das Geschäftsprinzip...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 2