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Honorarstreit mit Ärzten: Psychotherapeuten klagen über Ausbeutung
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Die Ärzte bekommen einen neuen Gegner im Honorarstreit. Nach den Krankenkassen gehen nun auch die Psychotherapeuten auf Konfliktkurs. Sie fühlen sich von den Medizinern abgezockt. Eine Therapeutin legt gegenüber SPIEGEL ONLINE ihren Verdienst offen.

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jamblichos 02.10.2012, 15:08
1.

Zitat von sysop
Die Ärzte bekommen einen neuen Gegner im Honorarstreit. Nach den Krankenkassen gehen nun auch die Psychotherapeuten auf Konfliktkurs. Sie fühlen sich von den Medizinern abgezockt. Eine Therapeutin legt gegenüber SPIEGEL ONLINE ihren Verdienst offen.
Interessant zu lesen, wie viel die Ärzte verdienen, die sich doch ständig beschweren, sie müssten im internationalen Vergleich mehr abbekommen. Selbst wenn man woanders wo mehr bekommt, ist das Gehalt doch immer noch gigantisch. Was mir im Artikel fehlt, ist ein Verweis darauf, dass die Zusatzausbildung für Psychotherapeuten sehr kostspielig ist und sie diese aus eigener Tasche zahlen müssen. Sie haben also viel Zeit und Geld in ihre Ausbildung investiert; da ist es doch nicht verwunderlich, dass sie genauso dafür honoriert werden wollen wie die Ärzte.

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jruhe 02.10.2012, 15:12
2. optional

Die durchschnittlichen 16.641 Euro _netto_ für einen Radiologen (niedergelassen?) halte ich für absolut unglaubwürdig.

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psychologiestudent 02.10.2012, 15:13
3.

Zitat von sysop
Die Ärzte bekommen einen neuen Gegner im Honorarstreit. Nach den Krankenkassen gehen nun auch die Psychotherapeuten auf Konfliktkurs. Sie fühlen sich von den Medizinern abgezockt. Eine Therapeutin legt gegenüber SPIEGEL ONLINE ihren Verdienst offen.
kleiner Zusatz zum Artikel:
Die Ausbildung, die die Psychologen nach ihrem Studium machen müssen, kostet 12-30 000 Euro. Die ersten 1-1,5 Jahre müssen die Therapeuten im sogenannten "Psychiatrischen Jahr" in einer Klinik arbeiten. Dort werden die Therapeuten in Ausbildung (PIAs) nicht bezahlt oder mit !höchstens! 400 € abgespeist. Müssen aber in der Zeit schon wie normale Therapeuten in der Klinik arbeiten, offiziell unter Aufsicht, inoffiziell werden sie aber natürlich allein gelassen.

Danach arbeiten sie nach einer Zwischenprüfung in der Ambulanz ihrer Ausbildungsstätte und verdienen dort Geld. Die Ausbildungen sind dann so ausgelegt, dass man am Ende bei ca. 0 € rauskommt.
D.H. 5 Jahre Studium plus 3 Jahre Ausbildung mit einem Gehalt von 0 Euro....
Danach sind die meisten Therapeuten erstmal ordentlich verschuldet, oder sie bilden sich nach dem Studium berufsbegleitend aus, was aber mindestens 5 Jahre braucht und unglaublich anstrengend ist, weil der Therapeutenjob nix ist, was man mal eben nebenbei machen kann.

Die Ärzte werden dagegen nach ihrem Studium selbstverständlich ganz normal angestellt und erhalten ein Gehalt als Assistenzarzt. Weiterbildungen werden von der Klinik übernommen. Dass die psychologischen Therapeuten es dann nicht so toll finden, mit weniger Geld abgespeist zu werden, ist nicht völlig unverständlich...

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PsyDyn 02.10.2012, 15:14
4. Empirische Ergebnisse

Empirische Studien z.B. der Techniker Krankenkasse (2011) zeigen eindeutig, daß pro ausgegebenem Euro für Psychotherapie 2,73 Euro eingespart werden — und zwar durch Einsparung von ansonsten häufig anfallenden Kosten wie sicher notwendige Untersuchungen bei psychosomatisch bedingten Störungen, wiederholte Diagnostik oder schließlich sich chronifizierende und eigenständig werdende Somatisierungsstörungen.
Weltweit kann man sicher sagen, daß durch Psychotherapie weder eine Bereicherung der Psychotherapeuten erfolgt (und dazu zählen eben nicht nur Psychologen, sondern auch ärztliche Puten wie Psychiater und Psychoanalytiker!) noch eine Luxusversorgung von Bagatellkranken. Psychotherapie kann, wird sie lege artis durchgeführt von gut ausgebildeten Ärzten und Psychologen, das gesamte Leben eines Patienten und indirekt von dessen Lebenspartner, Kindern, Familie und Berufsumfeld verändern. Dafür möchten Psychotherapeuten endlich anerkannt werden und dafür auch ein angemessenes Honorar erhalten. Es kann nicht angehen, daß ich als Zahnarzt das vier- bis achtfache Gehalt verdienen könnte im Vergleich zur täglich enorm belastenden Arbeit als Psychoanalytiker.

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aaww 02.10.2012, 15:14
5. Ärzte als Psychotherapeuten

oder Psychoanalytiker werden genau so schlecht bezahlt wie Psychologen. Ich muß das ansprechen, weil hier eine Front zwischen Psychologen und Ärzten aufgebaut wird. Richtig muß es heißen, daß eine Front zwischen Ärzten und Psyhotherapeuten (Ärzte und Psychologen) besteht, denn die Ärzte für Psychotherapie werden von allen anderen Ärzten finanziell benachteiligt bei der Honorarverteilung. Ich denke, daß drei Töpfe geben muß, einen, aus dem alle Ärzte ohne Psychotherapieleistungen bezahlt werden, einen, aus dem alle Ärzte bezahlt werden, die ausschließlich Psychotherapieleistungen abrechnen und einen, aus dem Psychotherapien von Psychologen abgerechnet werden. Denn im Gegensatz zu Psychologen können Ärztliche Psychoanalytiker und Psychotherapeuten alle medizinischen Untersuchungen und Überweisungen vornehmen.

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Wooster 02.10.2012, 15:22
6. optional

"Monatlich erhält Peper rund 5000 Euro für die Behandlung von Kassenpatienten. Dazu kommen noch Honorare für derzeit zwei Privatversicherte sowie Ausbildertätigkeiten. ...Doch von ihrem Umsatz gehen nicht nur Steuern und Abgaben ab - auch die Praxiskosten muss Peper von ihrem Umsatz bezahlen."
.
Auch ich - selbständig - muss Steuern und Abgaben bezahlen und meine Bürokosten (etc.) --- bekomme aber beileibe keine 5000 plus! sondern nur knapp die Hälfte pro Monat.
Beschwere ICH mich?
Vielleicht sollte die Psychodame besser haushalten?

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psychologiestudent 02.10.2012, 15:28
7.

Zitat von aaww
oder Psychoanalytiker werden genau so schlecht bezahlt wie Psychologen. Ich muß das ansprechen, weil hier eine Front zwischen Psychologen und Ärzten aufgebaut wird. Richtig muß es heißen, daß eine Front zwischen Ärzten und Psyhotherapeuten (Ärzte und Psychologen) besteht, denn .....
nur aus Interesse:
Warum machen Sie einen Unterschied zwischen Analytikern und Therapeuten? Meines Wissens sehen sich Psychoanalytiker auch als Psychotherapeuten...

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JayArrr 02.10.2012, 15:28
8. ....

Zitat von jruhe
Die durchschnittlichen 16.641 Euro _netto_ für einen Radiologen (niedergelassen?) halte ich für absolut unglaubwürdig.
Kann ich mir auch beim besten Willen nicht vorstellen!

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Vex 02.10.2012, 15:29
9. verdienst merkwürdig verteilt

Zitat von sysop
Die Ärzte bekommen einen neuen Gegner im Honorarstreit. Nach den Krankenkassen gehen nun auch die Psychotherapeuten auf Konfliktkurs. Sie fühlen sich von den Medizinern abgezockt. Eine Therapeutin legt gegenüber SPIEGEL ONLINE ihren Verdienst offen.

Wieso ein Radiologe so viel mehr verdient im Vergleich zu einem Allgemeinarzt ist mir ein Rätsel.
Das Fachärzte vielleicht den Faktor 1,5 mehr verdienen als Allgemeinärzte kann ich irgendwie nachvollziehen aber gleich Faktor 3 oder sogar einen noch höheren Faktor im Vergleich zu Psychotherapeuten.
Vor allem wenn man bedenkt das Krankheiten wie Burnout Depressionen etc. wohl bald die Volkskrankheiten Nr1 werden (falls sich die Gesellschaft so weiter entwickelt) ist die schlechte Bezahlung dieser Berufsgruppe nicht logisch.

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