Forum: Wirtschaft
Ifo-Prognose zur Leistungsbilanz 2013: Eine gut verkaufte Fahrt in die Hölle

Die Deutschen sind mal wieder Exportweltmeister. Sie sehen diesen Titel als Zeichen der Stärke. Doch in Wahrheit sind die gewaltigen Handelsüberschüsse ein Symptom der deutschen Investitionsschwäche - und ein Symbol der ökonomischen Dummheit.

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feuerwehr 15.01.2014, 17:57
1. Ersparnisse fürs Alter

Selbst diese Zielsetzung taugt kaum für die Rechtfertigung eines Leistungsbilanzüberschusses. Wenn wir im Alter das Geld benötigen, müssen die Werte als Waren oder Dienstleistungen durch Leistungsbilanzunterschuss wieder zurückfließen.
Besser wäre es für die Altersabsicherung, wenn unser Kapitalstock im Innland durch Investitionen gestärkt und die Produktivität entwickelt wird, damit wir die Alten hier selbst durchfüttern können. Also eigentlich alles richtig, was M. Hier schreibt.

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hdudeck 15.01.2014, 18:06
2. Ich verstehe nicht, wie und in was in Deutschland investiert

werden soll? Wenn die Infrastruktur verbessert werden soll, ist das eine Leistung, die Groesstenteils durch "Inlandsarbeit und Kapital" geleistet wird, somit das Aussenhandelsdefizit nicht reduziert wird. Auch ist die Frage, ob es sinnvoll ist, diese auszubauen, wenn man gleichzeitig eine schrumpfende Bevoelkerung hat. Einzig durch Konsum importierter Ware (Verbruachsgueter/Investitionsgueter) kann ein Ausgleich geschaffen werden. Da dt Gueter auch nicht subventioniert werden wie z.B. die Chinesischen, kann auch hier kein Hebel angesetzte werden. Da viele gute Produkte nun mal in D hergestellt werden, faellt diese Moeglichkeit auch so gut wie aus. Dt Betriebe investieren halt in dt Gueter, da sie mit zu dem Besten gehoeren, was es auf dem Weltmarkt gibt. Darum sind sie ja so erfolgreich. Ich lese immer wieder die Forderung, das Ungleichgewicht abzubauen, aber keiner kommt wirklich nur mit einem Ansatz einer Loesung nahe.

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jmathaess 15.01.2014, 18:06
3. Wem nutzt der Überschuss?

Zitat von sysop
Die Deutschen sind mal wieder Exportweltmeister. Sie sehen diesen Titel als Zeichen der Stärke. Doch in Wahrheit sind die gewaltigen Handelsüberschüsse ein Symptom der deutschen Investitionsschwäche - und ein Symbol der ökonomischen Dummheit.
So dumm ist der langjährige Überschuss nicht. Wenn die Unternehmen - oder die Kapitalseite, wie man es nennen will - jahrelang hohe Gewinne machen und gleichzeitig mehr verkaufen will, ist es die einzige Möglichkeit: Gewinne im Inland nicht durch Lohnerhöhungen "verschwenden", die nötig wären, um den Inlandskonsum zu erhöhen. Stattdessen die Waren ins Ausland verkaufen und dort Umsatz machen. Nur so kann man im Inland Löhne drücken und sich trotzdem jahrelang dumm und dämlich verdienen.

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turmalinfriend 15.01.2014, 18:10
4. Überschüsse unglaublich riskant

die Unternehmen und deren Eigentümer, wo immer in der Welt die sitzen, verdienen prächtig. Für die sich aufhäufenden Defizite werden in immer stärkerm Maße die deutschen Steuerbürger gerade stehen müssen.
So geraten wir immer mehr in die Abhängigkeit der Finanzmafia.
Es braucht schon eine Art Revolution, um da noch herauszukommen.

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LotharWille 15.01.2014, 18:11
5. optional

Dann hören die grossen deutschen Unternehmen
im Oktober auf zu exportieren.Natürlich stellen Sie
Ihre Angestellten frei oder entlassen sie,nachdem
sie vorher eine satte Lohnerhöhung bekommen
haben.


geile Idee

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carahyba 15.01.2014, 18:18
6. Die Analyse ist eindeutig richtig, die Vorschläge gut ...

Zitat von sysop
Die Deutschen sind mal wieder Exportweltmeister. Sie sehen diesen Titel als Zeichen der Stärke. Doch in Wahrheit sind die gewaltigen Handelsüberschüsse ein Symptom der deutschen Investitionsschwäche - und ein Symbol der ökonomischen Dummheit.
Das Problem ist, dass Herr Dr.Schäuble als Minister eingesetzt wurde um die Exportindustrie zu sponsern und das ist alternativlos.
Lohnzurückhaltung und Target-II-Salden sind wesentliche Bestandteile des Programms. Dass Teile des Kapitalexports mittel- bis langfristig abgeschrieben werden müssen, ist zwar volkswirtschaftlich bedauerlich, betrifft aber doch nicht die Anteilseigner der Exportindustrien.
Also ist für Herrn Dr.Schäuble alles im Lot und das Programm kann wie gehabt weiterlaufen.

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yovanka 15.01.2014, 18:29
7. Lieber H. Münchau...

Zitat von münchau
Sinnvoll wäre eine Neuausrichtung der deutschen Wirtschaftspolitik...
Diese steht nicht zur Debatte, auf absehbare Zeit. Erstens: gesellschaftspolitische Kräfte, die eine Umkehr von dem kritisierten Wirtschaftsmodell einleiten und vorantreiben könnten, sind nirgendwo sichtbar -selbst die Gewerkschaften, die als außeparlamenstrische gesellschatspolitsiche Kraft die Zustände benennen müßten, haben sich gänzlich abgemldet. Im Gegenteil, in einer vorher noch nicht gesehenen Art und Weise werden von der Politik über die Wirtschaftswissenschaft -die im Grunde nur noch als "Lobby" die Bühne des "öffentlichen Diskurs" betritt- und die Medien die Reihen fest geschlossen, um der internationalen Kritik am deutschen Modell mit teilweise aberwitzig-absurden Scheinargumenten zu begegnen.
Zweitens: es handelt sich um ein Wirtschaftsmodell, welches von der Mehrheit der Deutschen nicht nur akzeptiert, sondern auch gewollt wird. Eines der wahlentscheidenden Wahlslogane lautete "Deutschland geht es gut". Mit "Deutschland geht es gut" schrammte am 22.09.2013 die Union knapp an absoluter Mehrheit vorbei, die GroKO-Partei holte 67%./QUOTE]

Zitat von münchau
Ein guter Anfang wäre ein Investitionsprogramm von rund zwei Prozent der Wirtschaftsleistung.
Um die Beantwortung der "Finanzierungsfrage" bei diesem Szenario, die eigentlich folgen müßte, drücken Sie sich herum. Offensichtlich haben Sie auch die zentralen, wahlentscheidenden Punkte im "Wahlkampf", mit denen die GroKo ihre 67% geholt hat und die "Grüne" mit 8% "abgestraft" wurde, die auch z.Zt. auch im Koallitionsbeschluss verankert sind, vergessen: A) "Keine Steuererhöhungen" B) "Beibehaltung des Haushaltskonsolidisierungskurses d.h . Schuldenbremse." Aus A+B) folgen zwangsläufig weitere Kürzungen in den Bereichen "Soziales" und "Investitionen".

Frage zurück: wer/wie finanziert diese 2% des BIPs bei A) keine Steuererhöhungen UND B) Schuldenbremse ?

Zitat von münchau
Gehaltserhöhungen im öffentlichen Sektor.
Einen relativ guten Aufsatz haben Sie unnötigerweise mit Dumm-Klamaukspruch beendet, nur weil Ihnen der Ruf nach höheren Löhnen in D. (noch) nicht über die Lippen kommt. Schade.

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widower+2 15.01.2014, 18:30
8. Gehaltserhöhungen im öffentlichen Sektor?

Warum nur im öffentlichen Sektor? Dem Exportüberschuss ist zu entnehmen, dass ein Arbeitnehmer in Deutschland ca. 8000 bis 9000 Euro pro Jahr weniger erhalten hat, als er erwirtschaftet hat. Warum nicht mal die Arbeitnehmer beiteiligen und die Binnennachfrage stärken? Das würde automatisch auch eine Reduzierung der Exportüberschüsse zur Folge haben.

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Blindleistungsträger 15.01.2014, 18:31
9. Was wirklich sinnvoll wäre...

Wirklich sinnvoll wären intensive Kurse in Wirtschaftslehre und zwar auch für die Führungsleute in der Wirtschaft. Mir scheint, 110% der Deutschen haben von dem Wirtschaftssystem, das uns umgibt, so gut wie keine Ahnung. Und bei mir bin ich sogar sicher...

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