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IG Metall kämpft für 28-Stunden-Woche: Nehmt euch die Zeit
DPA

Zwei Jahre ohne große finanziellen Einbußen Angehörige pflegen oder Kinder erziehen können: Das fordert die IG Metall für Arbeitnehmer. Der Vorstoß entspricht dem Zeitgeist - und kann funktionieren.

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kritischer-spiegelleser 10.01.2018, 10:14
1. Für "Privates"

ist wohl der Arbeitgeber nicht zuständig. Diese "Selbstbestimmungsträume" der Gewerkschaften gehen mir etwas zu weit. Der Arbeitgeber braucht Planungssicherheit für seine Produktion und muss auf die Verfügbarkeit seiner Arbeitskräfte bauen können..

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Gläbbisch 10.01.2018, 10:18
2. Fachkräftemangel

Gerade in größeren Betrieben, wo jede unbefristete Übernahme von Jungfacharbeitern und Leihkräften hart erkämpft werden muss finde ich es einen Hohn vom "Fachkräftemangel" zu sprechen. Die Fachkräfte sind da, aber die Betriebe wollen lieber flexibel bleiben. Wohlgemerkt hat natürlich nur der Arbeitgeber was von dieser Flexibilität. Von daher finde ich es gut und richtig auch den Arbeitnehmern etwas mehr Kontrolle über ihre Arbeitszeiten zu geben.

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Rubyconacer 10.01.2018, 10:20
3. IG-Metall

Wir sind IG-Metall-Betrieb. Bei uns kennt niemand eine 35h-Woche. Woher auch? Wir arbeiten 39h laut Tarif und 45-48h real. Ich halte die Altersteilzeit für ein sehr gutes Modell, damit ältere Arbeitnehmer nicht mit 67 gleich ins Grab fallen, sondern ihr Wissen geordnet weitergeben können und sich trotzdem gesund erhalten können.

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bstendig 10.01.2018, 10:22
4. Das sehe ich genauso

Zitat von kritischer-spiegelleser
ist wohl der Arbeitgeber nicht zuständig. Diese "Selbstbestimmungsträume" der Gewerkschaften gehen mir etwas zu weit. Der Arbeitgeber braucht Planungssicherheit für seine Produktion und muss auf die Verfügbarkeit seiner Arbeitskräfte bauen können..
Wenn man einen kranken Partner, ein Kind oder die Eltern pflegen muss, ist das zwar bedauerlich, aber nicht Sache des Arbeitgebers oder des Staates oder der Gesellschaft.

Das ist persönliches Schicksal und gehört zum normalen Lebensrisiko. In der Regel hat der Arbeitgeber dafür Verständnis, aber eben ohne Lohnausgleich.

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C-Hochwald 10.01.2018, 10:22
5. Staatliche Aufgabe

Sie schreiben es in Ihrem Beitrag zurecht; die Lohnzuschüsse im Falle einer zeitlich befristeten Arbeitszeitverkürzung müßten staatlich reguliert werden (z.B. über Pflegeversicherung, o.ä.). Diese Kosten können Arbeitgeber nicht übernehmen, und das sage ich als Tarifangestellter in der Metallindustrie; ich hätte also eigentlich gute Gründe mich der Gewerkschaftsforderung anzuschliessen, denn ich könnte ja evtl. eines Tages davon provitieren, sollte es zu der Erfüllung der aktuellen Forderungen kommen.
Doch ich erkenne wohl an, daß mein Arbeitgeber weder eine Versicherung noch ein Sozialamt ist. Wir sind Zulieferer der bekannten Automarken. Unsere Preise für die aktuellen Produkte sind lange vor Serienstart verhandelt und somit vertraglich festgelegt; bis zum Ende der Produktlaufzeit. Mehr noch, es ist branchenüblich, daß die Preise der Zulieferteile über die Laufzeit von Jahr zu Jahr sinken. Somit ist die gesamte Zulieferbranche gezwungen, durch ständige Optimierungen die Produktionspreise entweder zu senken, oder gegen den Trend der steigenden Herstellungskosten (steigende Rohstoff- und Energiepreise, steigende Löhne) zu kompensieren. Gelingt dies nicht kontinuierlich, schmälert es die Gewinne, oder es werden im Extremfall auch Verluste gemacht. Wirkliche Gewinne macht ein KFZ-Zulieferbetrieb eigentlich nur über die Stückzahl, wenn die Automodelle besser als erwartet verkauft werden. Insofern sind selbst die "normalen" tariflichen Gehaltssteigerungen nur schwer zu erwirtschaften. 2-jährige Rekuktion der Wochenarbeitszeiten um 20% bei gleichzeitiger Kompensation würde ja nicht nur die Lohnkosten für den betroffenen Mitarbeiter erhöhen (er / sie produziert ja auch 20% weniger Beitrag zum Umsatz), sondern es müßten ja auch neue Mitarbeiter eingestellt werden (zum. befristet) um die 20% Minderarbeit zu übernehmen; und solche Mitarbeiter kosten ja auch.
Sollte sich die IG-Metall hier durchsetzen (was ich nicht hoffe), würde das ein ähnlicher Rohrkrepierer wie die 35Std-Woche in den 80er Jahren - massenweise Abwanderung der Industriearbeitsplätze ins billige Ost-EU-Land, also noch idealer für Verlagerungen geeignet als einst China / Fernost.
Wie war damals einer der Gewerkschafts-Slogans auf den Kampfplakaten: "35Std-Woche, dann gehört der Papi wieder mir!"
Das kam dann ja auch wegen der Massenarbeitslosigkeit so, nur anders als gedacht - "0" anstelle 35 Wochenarbeitsstunden.
Und daß sich die Väter mehr in die Kindererziehung und -betreuung als Folge der 35h-Woche einbrachten, ist de Facto nicht passiert.
Die IG-Metall sollte sich aus solchen gesellschaftspolitischen Fragen zumindest tarifvertraglich raushalten. Sie hat schon in der Vergangenheit gezeigt, daß das nicht ihre Kernkompetenz ist.

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alsterherr 10.01.2018, 10:23
6.

Zitat von kritischer-spiegelleser
ist wohl der Arbeitgeber nicht zuständig. Diese "Selbstbestimmungsträume" der Gewerkschaften gehen mir etwas zu weit. Der Arbeitgeber braucht Planungssicherheit für seine Produktion und muss auf die Verfügbarkeit seiner Arbeitskräfte bauen können..
Danke für diese klare und rationale Sicht! Selbständige und Freiberufler können auch nicht mal eben kürzer treten und ihren Auftraggebern sagen "Sorry, muss mich um meine kranke Großmutter kümmern, ihr zahlt natürlich weiter, ich mach Pflege"

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lord-crumb 10.01.2018, 10:23
7. Wie weiter?

Die Arbeitnehmer der Metallbranche haben bereits tarifvertraglich eine 35 Stunden Woche. Hier von fehlender Freizeit zu sprechen ist nicht nachvollziehbar.
Mit ist auch nicht klar, weshalb immer die Arbeitgeber die Kosten und insbesondere die weiteren Nachteile der Flexibilisierungswünsche der Arbeitnehmer tragen sollen. Fachpersonal ist nicht einfach zu finden. Auf Befristung haben Bewerber auch keinen Bock. Die SPD und die Gewerkschaften wollen ohnehin keine Befristungen. Einfacher kündbar sollen die als Vertretung eingestellten Arbeitnehmer bei Rückkehr der Teilzeitkraft auch nicht sein. Um die Lasten nicht dem Arbeitgeber allein aufzubürden müsste der Staat, mithin der Steuerzahler einspringen. Bei Elternzeit und Pflege ist das verständlich. Bei Wünschen Einzelner auf mehr Freizeit nicht.

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vox veritas 10.01.2018, 10:28
8.

Wenn ich diesen Artikel lesen, muß ich fragen, in welchem Land die Führungsleute der IGM eigentlich leben!?
28 Stunden Woche ... womöglich bei vollem Lohnausgleich? Die wissen hoffentlich schon, daß wir im internationalen Wettbewerb auch mit China stehen?

und natürlich sind die Entwicklungschance für Teilzeitkräfte weniger gut als für Vollzeitkräfte. Die Vollzeitkräfte leisten ja auch mehr. Warum sollten Teilzeitkräfte also eine Privilegierung erhalten für eine geringere Leistung? Wo ist denn da die Gerechtigkeit?

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wolle0601 10.01.2018, 10:34
9. Begünstigungsprogramm

für größere Unternehmen. Diese kommen mit solchen Herausforderungen besser klar. Und das doppelt: Mehrbelastungen werden in Form von Preisdruck an Zulieferer weitergegeben. Alles in allem ein Programm, das die Konsolidierung in Richtung der Großen fördert, kleinere Unternehmen verlieren.

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