Forum: Wirtschaft
Immobilienboom als Gefahr für die Gesellschaft: Billionengewinner - und Millionen Ver
Jan Woitas/ DPA

In Deutschland wird bisher spektakulär unterschätzt, wie sehr hochschnellende Hauspreise das Land spalten. Diesen Schluss legen neue Berechnungen nahe. Wie lange ist die Ungleichheit noch auszuhalten?

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Ichbines2 21.06.2019, 22:40
190.

Zitat von MisterD
Nein, das kann eben nicht jeder machen. Wenn Sie keine 20% Eigenkapital und unbefristete Arbeitsverträge haben, sowie in einem Großraum leben, wo es tatsächlich noch bezahlbare Grundstücke gibt, gibt Ihnen keine Bank dieser Welt einen Immobilienkredit... Wir leben im Jahre 2019 und nicht mehr 1994. Damals mag das für eine Normalverdienerfamilie ja noch möglich gewesen sein. Heute geht es nicht mehr... Machen Sie die einfache Rechnung: Könnten Sie Ihr Haus zu den heutigen Konditionen mit ihrem damaligen Einkommen nochmal bauen? Rechnen Sie der Einfachheit halber ihr damaliges DM-Gehalt 1 zu 1 in EUR um, dann passt es. Sie werden sehen, es würde 2019 nicht mehr funktionieren, Sie könnten auf noch soviel verzichten, es würde nicht gehen... Ich finde es im Übrigen eine Frechheit, dass Sie allen Mietern unterstellen 3x im Jahr in den Urlaub zu fliegen. Das zeigt wie fern Sie jeglicher Lebensrealität sind. Werden Sie fröhlich in Ihrem Haus, aber hören Sie auf den jungen Leuten zu erzählen, dass jeder sich ein Haus für 500.000 EUR aufwärts leisten kann. Das stimmt nicht und das sind die heutigen Preise. Unter 350.000 EUR kriegen Sie selbst in Magdeburg oder Halle kein 100qm-Haus mit Grundstück mehr. Für 150qm mit 600qm Grundstück berappen Sie mindestens 450.000 EUR. Könnten Sie das wuppen? Ich bezweifle es...
Das man das nicht wuppen kann, liegt am absolut hohen Anspruchsdenken. Hier in den Neubaugebieten bauen gerade die jungen Familien so teuer und nur vom Feinsten, als gäbs kein morgen mehr.
Auf Immonet war die Tage ne 2-Zimmer-Wohnung in Köpenik für 80.000 Euro ohne Provision. Das ist für fast jeden machbar. Will mann nicht selbst einziehen - vermietet man eben und hat einen Zuschuss zum eigenen Wohnen. Kaufmännisches Denken ist natürlich gefragt!

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gelegentlich2019 21.06.2019, 22:42
191. 45,5% Wohneigentumsquote

Bei einer durchschnittlichen Wohneigentumsquote von 45,5% in Deutschland wohnen also 54,5% der Deutschen zur Miete - und sind damit von den relativ zu den Einkommen drastisch gestiegenen Mieten betroffen. Oder im Sinne des Autoren beschrieben: die 3 Billionen an Wertzuwachs wirken sich (bei Annahme von Gleichverteilung über Eigentums- und Mietwohnungen) zu 54,5% (1,65 Billionen Euro) zu Ungunsten von Mietern aus. Dies gilt selbstverständlich auch dann, wenn der Mietzins nicht so stark gestiegen ist, wie der im Artikel beschriebene Wertzuwachs.

Der Anteil am Wertzuwachs bei Mietwohnungen (und die damit einhergehende Belastung der Mieter) dürfte noch wesentlich höher ausfallen, da die Immobilienpreise insbesondere im urbanen Umfeld, i.e. am dramatischsten in den 20 größten Städten in den letzten Jahren gestiegen sind. So hat Berlin eine Wohneigentumsquote von ca. 15%, München von ca. 25% - d.h. 85% aller Berliner und gut 75% aller Münchner wohnen zur Miete.

Überdies dürfte der Anteil der Mieter im Segment der Geringverdiener nahe 100%, im Segment der unteren Mittelklasse weit über dem Bundesdurchschnitt liegen. Diese unsere Mitbürger haben i.d.R. nichts von den historisch niedrigen Zinsen, da sie über wenig Eigenkapital und zu geringe Einkünfte verfügen, um auch nur im Ansatz so günstige Kredite zu erhalten wie die ökonomisch bessergestellten Schichten (siehe meine persönlichen Erfahrungen als Teil der gesegneten Mittelschicht). Ihnen ist der Weg aus der Miete also i.d.R. verwehrt.

Relativ zu den Mietern profitiert übrigens auch der Eigentumswohnungsnutzer: Für die ärmsten 20% der Mieter ist, wie im Artikel beschrieben, der Anteil am Einkommen, der neben der Miete verfügbar ist deutlich gesunken ist (von 75% in den 90ern auf 60%). Da die Einkommensentwicklung in den letzten 10 Jahren deutlich unter der Mietentwicklung lag gilt dies in abgeschwächter Form wohl für alle Mieter. Die Wohnungseigentümer, die nicht gerade in den letzten zwei Jahren Wohnungen gekauft haben, dürften hingegen entweder ihren Anteil stabil gehalten oder, was angesichts gesunkener Zinsen wahrscheinlicher ist, sogar erhöhen haben.

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gelegentlich2019 21.06.2019, 22:42
192. Nachtrag

Bevor mir jetzt Neid vorgeworfen wird oder auf die ja nicht vom Menschen zu beeinflussenden Gesetze des Marktes (Angebot und Nachfrage) verwiesen wird: Die beschriebene Entwicklung ist zu einem guten Teil auch Resultat einer völlig verfehlten Steuerpolitik, von der ich selber profitiert habe: Ich konnte am Helmi in Berlin 2006 eine 130qm Wohnung ("Sanierungsgebiet") zum Selbstbewohnen für knapp 1.700 Euro/qm (inkl. Investitionen ca. 2.000€)kaufen, bekam schon damals ein (für damalige Verhältnisse) extrem Günstiges Darlehen, da ich (a) bereits gut verdiente und vor allem (b) meine Eltern so nett waren, mir 50k (steuerfreie Schenkung) draufzulegen & die Hälfte an ihrem Haus per Schenkung und allein in Form des Eigentumsrechtes (Nießrecht verblieb bei ihnen) zu übertragen - wohlbemerkt komplett steuerfrei (damals galt: alle 10 Jahre 400k pro Kind) und (c) das ganze in einem der heute populärsten Stadtteile Berlins auch noch steuerbegünstigt war. Nach der letzten Schätzung liegt der Wert mittlerweile bei >5k/qm. Bei Verkauf wäre der Wertzuwachs komplett steuerfrei. Aber ich bin ja nicht so dumm und verkaufe. Dank des Umstandes, dass in meinem Einkommensdezil (10.) die Einkommen in den letzten Jahren selbst in Berlin gut zugelegt haben und ich erneut steuerfrei erben konnte (nochmal: alle 10 Jahre>400k), haben wir mittlerweile eine deutlich größere Wohnung gekauft und nutzen die Mieteinnahmen zur Tilgung des Kredits, den wir erneut überhaupt nur aufgenommen haben, weil sich damit noch immer Steuern sparen lassen (wir haben auch noch Geldvermögen, für dessen Erträge auch nicht mein Einkommenssteuersatz, sondern die viel niedrigere Kapitalertragssteuer fällig wird). Und es handelt sich mitnichten um einen Kredit, dessen Zinssatz variabel ist.
Zusammengefasst: Danke an das deutsche Steuersystem, dass ich als Besserverdiener in den letzten 13 Jahren >800k steuerfrei erben, z.T. dadurch sogar bei der Bank zinslich bevorzugt behandelt und dann auch noch durch die Kredite & das Glück im "Sanierungsgebiet" gekauft zu haben in geringem Maße kontinuierlich steuerlich bevorzugt werden konnte!!!! Ich musste nicht einmal mehr Erwerbskosten für die zweite Immobilie (in %) zahlen als für die erste - dabei wäre (neben der noch aus ganz anderen Gründen notwendigen drastischen Hebung des effektiven Erbschaftssteuersatzes) eine steuerliche Andersbehandlung einer 2. Eigentumswohnung das einfachste Lenkungsinstrument!!!

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sans_words 21.06.2019, 22:42
193.

Zitat von redwed11
Da sind sie wieder, die Mietnomaden die zu Hunderttausenden durch die Lande ziehen und jährlich Millionen von Wohnungen verwüsten. Wie oft muss denn noch auf dem Ungeheuer von Loch Ness der Vermieter herumgeritten werden? Es wird langsam albern jede Wuchermiete mit Mietnomaden zu rechtfertigen. Übrigens, kein Mensch wird gezwungen Vermieter zu werden. Alles geschieht freiwillig.
Wieso Wuchermiete?

Es wird so getan, als Vermieter sein ein Zuckerschlecken sei. Privat zu vermieten ist nur dann ok, wenn man sich akzeptable Mieter aussucht. Dazu gehört Glück, Menschenkenntnis und ein bisschen Geschick.

Es gibt wahrlich angenehmere Methoden, sein Geld anzulegen, als zu vermieten. Sobald man mit unangenehmen Charakteren zu tun hat, macht es keinen Spaß und ist der Rendite nicht wert.

Abgesehen davon machen sich Mieter oft kein richtiges Bild, was es kostet, eine Immobilie in Schuss zu halten. Da legt man schnell mal 15.000 € für eine neue Heizungsanlage, für die Erneuerung der Wasserinstallation, den Fassadenanstrich oder ein neues Dach hin.

Ich würde nicht jedem dazu raten, Vermieter zu werden.

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loom_de 21.06.2019, 22:43
194. Die Linke hält ihr Klientel erfolgreich vom Wohlstand ab.

Die Linken fordern ständig sozialverträgliche Mieten. Das erinnert mich daran, wie Deutschland Entwicklungshilfe leistet. Almosen verteilen und die Leute schön abhängig halten. Wenn es Leute von SPD und Linken ernst meinen würden, dann würden Sie die Leute ins Wohneigentum bringen und Aktienanlagen forcieren. Wenn junge Menschen noch 50 oder 60 Jahre Lebenszeit haben, dann brauchen sie für diese Zeit ein Dach über dem Kopf. Es ist schlicht unlogisch, dass eine Anmietung über solch einen Zeitraum günstiger ist als Eigentum. Staat und Banken könnten den Erwerb selbst genutzten Wohnraums gegenüber anderen Erwerbern, welche vermieten wollen, bevorzugen. Z.B. durch Null Grunderwerbssteuern oder Bürgschaften, die dem Einzelnen einfach Sicherheit bringen.

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robert_um_die_40 21.06.2019, 22:43
195. Mieterrechte

Ein Problem ist, dass Deutschland die vermutlich schärfsten Mieterschutzgesetze der Welt hat. Dadurch scheint es oft auch für den Mittelstand sinnvoller zu mieten, anstatt zu kaufen/bauen, weshalb wir die geringste Eigenheimquote in der gesamten EU haben und der Immobilienboom tatsächlich für weiteres Ungleichgewicht sorgt. Als weitere Folge macht Vermieten nur mit hohen Renditen Sinn, da man als Privatvermieter hier ein hohes Risiko zu tragen hat.
Die Vorschläge verschiedener Politiker der Spinner Partei Deutschlands verschärfen meiner Ansicht das Problem nur weiter.

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freeclimber 21.06.2019, 22:45
196. Die Karawane...

Zitat von redwed11
Wie kommen Leute wie Sie auf so wirre Ideen, alle wollen nach Berlin Mitte ziehen? Das gesamte Stadtgebiet ist voll im Griff der Miethaie und nicht nur Berlin Mitte. Die Mieten steigen ins unermessliche, egal in welchem Stadtbezirk Sie wohnen und das auch bei Menschen die 30/40 Jahre die Wohnung schon mieten. Solche Behauptungen aufzustellen, wenn man von den Verhältnissen keinerlei Ahnung hat, ist schon sehr gewagt. Bevor Sie solchen Unsinn verbreiten machen Sie sich sachkundig.
Berlin oder besser die Berliner haben sich über zig Jahrzehnte auf den von Steuerzahlern finanzierten Mietwohnungsbau-Subventionen, die der geteilten Stadt zugute kamen ausgeruht. Bei Mieten von unter 5 DM warm vor 2000 oder bis vor wenigen Jahren unter 5 Euro warm gab es natürlich keinerlei Motivation Eigentum zu bilden. Bis heute hat sich die Eigentumsquote in Berlin kaum an die 10% angenähert. Tragisch, dass die Jetzt-Hauptstadt einer der führenden Wirtschaftsnationen der Welt sich seit geraumer Zeit anschickt ihren Status als eine der führenden Metropolen jetzt auch bei der Entwicklung der Immobilien- und Mietpreise nach zu holen. Die Berliner werden sich daran gewöhnen müssen, denn aufhalten wird das auch kein Mietendeckel, der ohnehin nicht lange bestand haben wird. Dagegen kann man zwar heftig bellen, aber die (Hauptstadt-)Karawane wird weiter ziehen. Ein Tip an die vernünftigen Berliner: noch ist Berlin überwiegend sehr, sehr preiswert! Und noch ein Hinweis: nur Berlin hat derart geringe Eigentumsquoten. Im Rest der BRD zählen die Besitzenden knapp 50%. Vor diesem Hintergrund darf man hierzulande zwar von der Vergesellschaftung träumen, mehr aber auch nicht!

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x+n 21.06.2019, 22:46
197.

Zitat von mreg
Gewonnen haben nur die die es geschafft haben Ihr Haus/ Wohnung mit den niedrigen Zinsen abzubezahlen wenn in. 10 Jahren die Zinsen bei 5% sind und die Anschluß Finanzierung ansteht werden vielen Finanzierungen platzen diese Immobilien werden dann versteigert und die Preise geben wieder nach. Oder man hätte mit dem ersten Job mit 30 statt in Freundin Urlaub und Auto in eine Wohnung investiert wenn das vor 15 Jahren war da gab es noch Wohnungen in Berlin zu bezahlbaren Preisen.
Nein, die meisten haben bis zur vollständigen abzahlung finanziert und benötigen keine Anschlussfinanzierung. Was nicht immer die beste Wahl ist. Letztes Jahr durchgerechnet: der break even lag über 6% - nur wenn die Zinsen in 10 Jahren noch höher sind wäre die Anschlussfinanzierung ungünstiger gewesen. Das ist doch eher unwahrscheinlich.

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bakiri 21.06.2019, 22:49
198. Einseitige Debatte

Interessanterweise wird bei dieser Diskussion nie das Risiko des Hausbesitzers berücksichtigt. Es steht jedem frei eine Immobilie mit Hilfe eines Kredites zu erwerben und die Verantwortung für Kredittilgung und Hausinstandhaltung zu übernehmen. Klar ist mein Haus was wert und der Wert ist ggf. steigend. Gleichzeitig steigeb aber auch alle Kosten und somit ggf. das Risiko. Das kennen Mieter nur sehr bedingt. Unabhängigkeit bzw weniger Verantwortung (weshalb sich auch manche bewusst gegen ein eigenes Haus entscheiden) UND selbstbestimmte Wohnkosten gibt es da nur im Traum.
Hinzu kommen die Niedrigen Zinsen: Es ist ein offener Markt, logischerweise bestimmt hier Angebot und Nachfrage (wie überall). Das Problem ist also der Konsument selbst, der bereit ist massiv Geöd zu verbrennen. Aber das ist auch ein Glück. Steigende Preise sichern den Banken Einnahmen trotz der extremniedrigen Zinsen oder wer würde sonst noch Kredite vergeben? Damit finanziert sich ein ganzer Wirtschaftszweig.
Es bleibt der Traum des Hauslosen einfach mit dem Finger auf andere zeigen und die Schuld weitergeben zu können. Aktien- bzw Unternehmenswerte steigen auch, Dividenden werden ausgeschüttet. Die Mittel hierfür werden beim Konsumenten eingenommen. So liegt bitte der Unterschied? Wann sprechen wir darüber?

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Ichbines2 21.06.2019, 22:52
199. Eigenintitiative

Eine Berliner Initiative veröffentlichte auf ihrer Homepage folgendes:
"Der Senat rechnet nur noch mit einem Bevölkerungszuwachs von 80.000 bis 2030, in Wirklichkeit wird diese Prognose bereits 2021, also 9 Jahre früher eintreten. Der Senat sieht einen Neubaubedarf von 194.000 Wohnungen bis 2030. In Wirklichkeit werden bis 2030 fast 300.000 neue Wohnungen entstehen müssen. Die Planungen des Senats drohen, die aktuelle Wohnungsnot anhaltend zu verschärfen."
Das ist der Vorwurf der Fehlplanung der Politik. Was wird denn 2021 passieren, wenn wieder über 100000 Wohnungen fehlen?
Neuer Mietdeckel?

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