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Immobiliengeschäfte: Grunderwerbsteuer? Nicht für Spekulanten
Arne Dedert/ DPA

Mit sogenannten Share Deals vermeiden Immobilienspekulanten jedes Jahr Hunderte Millionen Euro Steuern. Die Regierung will das Schlupfloch nun zwar schließen - doch findige Anwälte haben längst ein neues entdeckt.

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Sibylle1969 15.10.2019, 16:15
130. @119

Ich stimme Ihnen voll zu, dass Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer nötig sind. Hier in Hessen beträgt der Steuersatz 6% (andere Bundesländer haben sogar 6,5%). Einfamilienhäuser sind im Rhein-Main-Gebiet kaum unter 500.000 Euro zu bekommen. Macht 30.000 Euro allein an Grunderwerbsteuer. Zusammen mit den übrigen Kaufnebenkosten (insgesamt bis zu 13,5%, macht 67.500 Euro) schraubt die Grunderwerbsteuer den Eigenkapitalbedarf in für viele Menschen unerreichbare Höhen.

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joke61 15.10.2019, 16:49
131. Wie bei CUM CUM auch schon gewesen,

wird auch hier nicht sauber gearbeitet. Man hat fast den Eindruck, dass nach bekannt werden von Steuerschlupflöcher diese so geschlossen werden, dass andere Möglichkeiten offen bleiben. Eben die Öffentlichkeit beruhigen!

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lesheinen 15.10.2019, 18:33
132.

Wie hieß noch mal der Vorganger von Scholz? Wie hie´noch mal der Finanzminister, der über Jahre nichts gegen Missbrauch bei cum-ex-Geschäften getan hat? Ich komme nicht drauf.
Wenn jetzt die unit-deals weiterhin Steuervermeidung in großem Umfang erlauben, muss der von Scholz jetzt vorgelegte Entwurf entsprechend geändert werden. Ob ein geänderter Entwurf dann durchkommt, dürfte von dem Bundestagspräsidenten, der CDU/CSU und der FDP mit Sicherheit verhindert werden. Das wird so ausgehen wie bei dem Riesenpaket Klimaschutz. Viel Lärm um nichts.

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leontion 15.10.2019, 22:03
133. Es ist schon eine Dreistigkeit ...

Zitat von liberaleroekonom
Leider haben Sie mir jetzt immer noch nicht erklärt, warum Sie gegen die Wiedereinführung eines Freibetrages bei der Grunderwerbsteuer sind, was insbesondere jungen Familien zugute käme.
... wenn mir ein mutmaßlicher Berufspolitiker und/oder Parteifunktionär unterstellt, ich sei gegen die Wiedereinführung der Freigrenzen für Häuselbauer. Ich habe mehrmals gegen deren Abschaffung 1982 argumentiert. Wenn man jetzt den Zustand von vor 1982 wiederherstellte, würde mich das freuen. Inzwischen haben leider Millionen von Häuslebauern Milliarden an Grunderwerbsteuern gelöhnt, während Villenkäufer Milliarden sparten.
Die begrüßenswerte Vereinfachung und Vereinheitlichung der Grunderwerbsteuer 1982 hätte auch ohne die Abschaffung der Freigrenzen vonstatten gehen können.
Wenn die FDP heute wieder Freigrenzen einführen will, bitte gerne. Aber warum denn hat sie diese 1982 ohne Not abgeschafft?

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TS_Alien 15.10.2019, 22:11
134.

Man kann sich über viele "Lücken" in den Gesetzen aufregen. Aber hier sehe ich keine Lücke. Wenn der Besitzer des Grundstücks sich nicht ändert, wird auch keine Grunderwerbssteuer fällig. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Besitzer eine Firma oder eine Privatperson ist.

Kauft jemand eine Firma auf, bleibt der Besitzer des Grundstücks immer noch die Firma. Erst wenn die Firma nicht mehr der Besitzer eines Grundstücks ist, wird vom neuen Eigentümer eine Grunderwerbssteuer fällig.

Wird eine Firma abgewickelt und geht beispielsweise in einer anderen Firma auf, kann die ursprüngliche Firma nicht mehr der Besitzer eines Grundstücks sein. Dann sollte eine Grunderwerbssteuer fällig werden.

Die Steuersparer werden sich das gut überlegen, ob es sich rechnet, Firmen über Jahren bestehen zu lassen, nur um die Grunderwerbssteuer zu sparen. Denn Firmen müssen verwaltet werden, benötigen einen Besitzer oder Geschäftsführer, müssen eine Steuererklärung abgeben, benötigen Kapital, undundund.

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Horst Scharrn 16.10.2019, 02:54
135.

Ich frage mich an dieser Stelle wieso es überhaupt möglich ist, dass es solche Konstrukte gibt.
Und wieso behandelt man die Firmenanteile die den Besitzer wechseln nicht als einen Verkauf auf den dann Umsatzsteuer anfällt?
Beispiel: Firma ist 10 Millionen wert und 60% Anteile wechseln den Besitzer, und schwupps, 19% Umsatzsteuer auf 6 Millionen Euro fällig.
Und wenn der Wert der Firma höher ist als bei Gründung, dann wird der Gewinn der beim Verkauf bzw. "Eigentümerwechsels" entsteht auch noch versteuert. Dann hätte sich das Problem aber ganz schnell erledigt.

Oder aber, man geht mal hin und schaut sich die ganzen Treuhänderfonds, Stiftungen usw. mal genau an und überlegt ob man diese organisierten Steuerhinterziehungsmodelle wirklich braucht.

Oder halt alternativ eine Vermögenssteuer einführen und die an einer Stelle hinterzogenen Steuern an anderer Stelle abgreifen.

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quark2@mailinator.com 16.10.2019, 08:05
136.

Ich finde die Grunderwerbssteuer in ihrer aktuellen Höhe schlicht falsch. Gerade in der heutigen Zeit muß man aus beruflichen Gründen oft mobil sein. Man will aber im Laufe seines Lebens auch Rücklagen bilden. Ich habe aktuelle die Situation, meist nicht da zu sein, wo meine Wohnung ist. Am liebsten würde ich sie verkaufen und dort, wo ich nun arbeite, Ersatz beschaffen. Aber die Grunderwerbssteuer macht das ökonomisch unattraktiv. Soll ich also die bisherige Wohnung vermieten und mit dem Mietzins einen Kredit für eine zweite Wohnung abzahlen ? Das war eigentlich nicht, was ich will, aber man ist schon fast dazu gezwungen, oder ? Ich schlage vor, die Grunderwerbssteuer auf die Grundsteuer umzulegen, so daß dieses Problem verschwindet.

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DerBlicker 16.10.2019, 09:11
137. geht so einfach nicht

Zitat von Horst Scharrn
Ich frage mich an dieser Stelle wieso es überhaupt möglich ist, dass es solche Konstrukte gibt. Und wieso behandelt man die Firmenanteile die den Besitzer wechseln nicht als einen Verkauf auf den dann Umsatzsteuer anfällt? Beispiel: Firma ist 10 Millionen wert und 60% Anteile wechseln den Besitzer, und schwupps, 19% Umsatzsteuer auf 6 Millionen Euro fällig. Und wenn der Wert der Firma höher ist als bei Gründung, dann wird der Gewinn der beim Verkauf bzw. "Eigentümerwechsels" entsteht auch noch versteuert. Dann hätte sich das Problem aber ganz schnell erledigt.
Aktien sind auch Firmenanteile, nach Ihrem Modell müssten Aktionäre beim Erwerb von Aktien auch 19 % Umsatzsteuer zahlen. Das Problem im Steuerrecht ist der Gleichbehandlungsgrundsatz, man muss alle Firmen gleich behandeln, unabhängig von ihrem Geschäftszweck. Der Staat darf nicht zwischen guten und schlechten Geschäftszwecken entscheiden, das wäre Willkür. Eine AG oder GmbH ist eine AG oder GmbH, egal welche Geschäfte sie betreibt, und sei sie nur eine Immobilienholding. Das macht es so schwer. Man muss sich damit abfinden, dass manche Steuerschlupflöcher nicht zu schließen sind.

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DerBlicker 16.10.2019, 09:16
138. das hat mit der Realität nichts zu tun

Zitat von zudummzumzum
... mit ihrer Feststellung, was Schwachsinn sein soll und was nicht. Das könnte ihnen vor die Füße fallen. Fakt ist, dass wir sehr viel Wohnraum haben. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person ist alleine seit dem Jahr 2.000 um rund 15% gestiegen (von knapp 40 auf über 46 m²). Die angebliche Wohnraumknappheit ist also eher auf ein Missverhältnis, als auf einen objektiven Mangel zurückzuführen. Zu viele Leute können sich viel zu große Wohnungen leisten, was diejenigen benachteiligt, die tatsächlich diese Größe "brauchen". Ziel einer sozialen Marktwirtschaft muss es sein, das Horten von Gütern (hier Wohnraum) zu vermeiden, indem die Bewirtschaftungskosten höher sein müssen als die nackte Rendite aus Wertzuwachs. Wenn also die Immo-Preise in den letzten Jahren um 5% steigen, dann müssen die Bestandskosten (Grundsteuer, Zinskosten, ... höher sein). Dann gebietet es die wirtschaftliche Notwendigkeit, schnell Kasse zu machen, auf das ein anderer das Gut so nutzen kann, dass es sich wirtschaftlich lohnt. An dieser Stelle kommt die Grunderwerbssteuer ins Spiel. Sie verhindert von vorneherein, dass jemand (fast) nur wegen des Wertzuwachses am Grundstücksmarkt teilnimmt. Das vegrößert die Chancen, die ein Nutzenkonzept haben. Der Markt verschiebt sich: weniger Nachfrager --> sinkende Preise. Dem folgen, mit Verzögerung, tendenziell auch die Mieten.
Mieten steigen, wenn die Nachfrage größer als das Angebot ist. Wenn die Grunderwerbssteuer steigt, wird weniger gebaut, also gibt es noch weniger Mietwohnungen und die Mieten steigen weiter, bzw. neue Mieter finden überhaupt keine Wohnung. Ihr Verständnis von Marktmechanismen ist grotesk.

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DerBlicker 16.10.2019, 09:20
139. die zahlen ja auch alle

Zitat von Benjowi
Dieses Getue ist kaum nachvollziuehbar. Wenn es eine Steuer für den Vorgang des Erwerbs von Grund und Boden oder Immobilien gibt, dann gibt es eine Steuer und die haben alle zu zahlen, die solche Geschäfte tätigen und nicht nur die, die nicht zu Friends and Family gehören.
Sie haben den Share Deal nicht verstanden. Da wechselt die Immobilie nicht den Besitzer, sie gehört immer noch der gleichen Firma, die Firma wechselt den Besitzer. Das kann auch jeder Normalbürger machen, er gründet eine GmbH mit 25 000 Euro Mindesteinlage und überschreibt sein Haus an diese Firma. Dann kann er die Firma samt Immobilie jederzeit steuerfrei übertragen, er muss halt nur die ordentliche Buchführung einer GmbH machen.

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