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Immobilienkrise: Was wirklich gegen die Wohnungsnot hilft
Frank May/ picture alliance/ DPA

Mieten und Hauspreise steigen - was tun? Die einen wollen enteignen, die anderen mehr bauen. Dabei ist beides als Lösung abwegig, solange Märkte versagen und Banken eifrig Immobilienblasen fördern.

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spmc-12355639674612 06.04.2019, 16:36
170. Mentalität

Zitat von Faktomat
Das Mieten ist in erster Linie ein deutsches Mentalitaetsphaenomen. Die Menschen in Grossbritannien sind auch nicht reicher, besitzen aber weit mehr Wohneigentum. Zwar wird Wohneigentum in England weit grosszuegiger gefoerdert, aber dies wuerde in Deutschland mentalitaetsbedingt nur bedingt funktionieren. Dennoch wuerde das englische Modell die Eigentumsbildung erleichtern: Bis zu 3000 Pfund Zuschuss zum Ansparguthaben. Und wenn eine Bank eine Hypothek von 75% gewaehrt, gibt es eine zusaetzliche staatliche Hypothek von 20%, zins- und tilgungsfrei in den ersten 5 Jahren. Also braucht ein Kaeufer nur 5% Eigenkapital. Die Englaender haben auch keine Angst, irgendwann mal ihre Raten nicht bezahlen zu koennen. Die Haltung ist: Dann verkaufe ich halt die Wohnung und bin nicht schlechter dran als vor dem Kauf. Noch mehr bringen wuerde angesichts der deutschen Risikoscheuheit das amerikanische Modell. Dort sind in vielen Staaten Hypotheken per Gesetz non-recourse Kredite. Wer mit seinen Raten in Rueckstand geraet, wohnt erstmal viele Monate, oft mehrere Jahre, kostenfrei, bis eine Raeumungsklage vollzogen wird. Die Bank hat danach nur Anrecht auf die Wohnung, nicht aber auf anderes Vermoegen oder Einkommen des Schuldners, auch nicht fuer die nicht bezahlten Raten. Der Schuldner schickt nur seine Hausschluessel an die Bank (die von Banken gefuerchtete “jingle mail”) und ist sofort schuldenfrei. (Vorher hat er noch die Kupferrohre und Parkettboeden herausgerissen und bei Ebay versteigert). Helfen wuerde uebrigens auch die Abschaffung des deutschen Notarsunwesens, denn ein Notar verdient fuer ca. 1h Arbeit (plus 3h Arbeit durch Hilfspersonal) knapp 2% der Kaufsumme. Das sind knapp 5000 Euro Zusatzkosten bei einer 250 000 Euro Wohnung.
Soso, die Schweizer besitzen also eine deutsche Mentalität, sehr interessant! Dort ist nämlich die Eigentumsquote ähnlich gering. Möglicherweise liegt es gar nicht an der Mentalität, sondern eben daran, was jemandem passiert, der seine Raten vorübergehend nicht bezahlen kann. Da gibt es die Schufa, die Privatinsolvenz, die Zwangsversteigerung. Und Schulden haben Sie u. U. nachher immer noch. Das möchte niemand mitmachen, ganz einfach. Das amerikanische Modell hat etwas, aber Sie sollten sich an die große Finanzkrise erinnern, die mit dem Zusammenbruch der großen Immobilienfinanzierer begann, eben weil da nichts abgesichert war.
Das englische Modell erfordert eine Menge Steuergeld als Subventionen für Sparer. Klar, kann man so machen, aber es kostet Steuergeld: Die Armen bezahlen also die Immobilien der Reichen durch ihre Steuern gleich mit.
Aber lesen Sie doch auch einmal das Buch "Das Kapital im 21. Jahrhundert" von Thomas Piketty. Schon nach der Einleitung wird Ihnen klar, warum Wohneigentum in Deutschland nicht so verbreitet ist wie in anderen europäischen Ländern.
Was Sie jedoch über unsere Notare schreiben, ist einfach nur Unsinn und zeugt von großer Ahnungslosigkeit, denn die Notare gewährleisten, dass Sie nach Bezahlen der Kaufsumme auch zum Eigentümer der Immobilie werden. Ich möchte das auf keinen Fall missen. Oder wollen Sie diese Aufgabe in die Hände einer staatlichen Behörde legen?

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spmc-12355639674612 06.04.2019, 16:43
171. Das

Zitat von dagmar1308
jemand, der auf dem Land jeden Monat seine 1000 € Lohnsteuer wie jemand in der Großstadt zahlt, nur einen Bruchteil an öffentliche Leistungen wie Schulangebot, ÖPNV, Krankenversorgung, Museen, Behörden usw. erhält.
liegt daran, dass der Aufbau der Infrastruktur pro Kopf auf dem Land viel mehr kostet als in der Stadt. Der Landbewohner erhält genau das, was er bezahlt hat: Wenn ich in der Stadt 100m Straße baue, kostet sie ungefähr so viel wie 100m Dorfstraße. In der Stadt fahren aber jeden Tag 5000 Autos darüber, auf dem Land vielleicht 1000. Also kostet die Dorfstraße pro Benutzer 5x so viel. Sie müssten auf dem Land also 5x so viel Steuern zahlen, um dieselbe Infrastruktur zur Verfügung gestellt zu bekommen wie in der nächsten Großstadt.

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Aberlour A ' Bunadh 06.04.2019, 17:03
172. Geld in vermeintliche Sicherheit bringen

Zitat von im_ernst_56
"Und deswegen versuchen die Anleger ihr Geld in vermeintliche Sicherheit zu bringen...in Immobilien." Aus Sicht von Herrn Fricke sind die Anleger das Problem. Die sollen ihr Geld nicht anlegen, sondern ausgeben (möglichst im Inland). Und was sie nicht ausgeben, soll es in Form von Steuern beim Staat landen. Kapitaleinkünfte sind Teufelszeug. Alle sollen konsumieren, der Bürger, der Staat. Sparen ist Mist. Das ist - vereinfacht ausgedrückt - die Quintessenz der Wirtschaftsphilosophie von Herrn Fricke. Oder verstehe ich das völlig falsch?
Was Sie und die kurze Hose nicht verstehen wollen, ist die Tatsache, dass wir heute in einer vollkommen anderen Wirtschaftswelt leben als vor 60 Jahren. Die Zeiten, in denen "Haus"-Banken in gigantische Fabriken des sekundären Sektors mit Hunderttausenden von Beschäftigten investierten konnten, sind lange vorbei. Eine Dienstleistungsgesellschaft hat einfach weniger Kapitalbedarf. Mit der Folge, dass sich die Sparer gegenseitig auf den Füßen stehen. Problem: die Kreditinstitute wissen dann nicht wohin mit dem vielen Geld. Das ist auch der Grund, warum die Zinsen noch über einen langen Zeitraum historisch niedrig bleiben werden. Zweites Problem:
Boden ist nicht vermehrbar. Hier ist der eigentliche Preistreiber zu suchen - wie Herr Fricke vollkommen richtig bemerkt. Daher eine Bodenwertsteuer - Henry George, ick hör dir trapsen. Dazu gesellt sich ein drittes Problem: war öffentlich geförderter Wohnraum in Städten über Jahrzehnte in Deutschland eine tragende Säule des sogenannten "Sozialen Wohnungsbaus", gibt es heute kaum noch öffentliche Wohnungsbaugesellschaften. Eine Folge des Privatisierungswahns der Neunzigerjahre, bei dem viele Liegenschaften verkauft wurden. Und die neuen privaten Eigentümer haben natürlich NULL Interesse, einen sozialen Wohnungsbau aufrechtzuerhalten - trotz durchaus vorhandener staatlicher Förderprograrmme. Der Hauptgrund: ZU GERINGE RENDITEN (und eine wenig attraktive Kernklientel).

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dwalle99 06.04.2019, 17:56
173. Der übliche Mischmasch eines Generaldilletanten.

Da wird kräftig über einen angeblich nicht funktionierenden Markt gesprochen, der aber offensichtlich sehr präzise genau so funktioniert, wie er halt funktionieren sollte, egal ab man das Ergebnis gut oder schlecht findet. Was aber die Preisentwicklung in New York, Tokio, Paris oder London mit der Zinsentwicklung in der Eurozone zu tun hat, verrät uns der Autor nicht. Vermutlich weil es mehr als schwierig sein dürfte, hier einen anderen Zusammenhang als eben eine massive Nachfrage bei begrenztem Angebot zu finden. Was wiederum das Funktionieren des Marktes beweist. Des Schwachsinns Krönung aber ist die Feststellung, Wohnungsbau sei nicht die Lösung, vielmehr müssten die „Spekulanten“ mittels Besteuerung zur Kasse gebeten werden. Nun, dies impliziert, das vielen Menschen wohl verwehrt werden muss, ihrem Wunsch nach einer Wohnung oder Haus, gleich ob in Miete oder als Eigentum an einem bestimmten Ort erfüllen zu können, denn man muss die Nachfrage verhindern oder sehr klein halten. Wer aber darf entscheiden, welche Leute eine Wohnung oder Haus mieten oder kaufen dürfen? Ist das dann noch gerecht? Wer schwingt sich hier auf, der Entscheider zu sein? Der Staat? Ein Kolumnist des Spiegel? Ist das noch ein freiheitlicher Staat oder sind wir dann wieder beim real existierenden Sozialismus, dessen Auswirkungen wir kennen und jedermann gerade in Venezuela beobachten kann. Ja, Banken haben Mist gebaut. Aber man kann eine Regulierung machen, die so etwas einschränkt oder verhindert, da sind die Politker gefraght, endlich mal etwas zu erreichen. Wer aber bastelt gerade an einer Fusion von Pest und Cholera? Ist das nicht der Finanzminister der SPD mit seinem Buddy von Goldman Sachs? Ist die SPD nicht sonst immer an erster Stelle, wenn es gilt, die Macht der Banken anzuprangern?
Und wenn ich Eigentümer eines Grundstücks bin, darf ich im Rahmen der Gesetze damit etwas tun: Ich zahle Grundsteuer und Abgaben und darf nur bauen, was rechtlich nach Bebauungsplan oder Landschaftsschutzgesetzen erlaubt ist. Ich darf aber auch gar nichts tun mit meinem Eigentum. Das dann mit einer „Spekulantensteuer“ zu bestrafen wäre ein Eingriff in meine Eigentumsrechte. Wir sind also bei der Frage, ob der Autor noch ein Anhänger einer freiheitlichen Demokratie ist oder eher sozialistischen Gemeingutvorstellungen anhängt. Letztere waren nach aller bisherigen Erfahrung nur gut für wenige Bonzen, nie aber für die Bevölkerung. Es möge sich daher jeder Leser sein eigenes Urteil bilden über den Quatsch, der hier jede Woche von einem angeblichen Experten verzapft wird. Er ist halt Generaldilletant: Redet bei allem mit, hat aber von nichts eine Ahnung.

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telarien 06.04.2019, 18:09
174. Der Markt regelt es wirklich

Es gibt Ecken in Deutschland, da will jeder wohnen. Entsprechend sind die Preise sehr hoch. Im Osten liest man eher von verlassenen Dörfern und Häusern zu Schnäppchenpreisen. Ein Anrecht auf Wohnraum sehe ich als Grundrecht. Ein Anrecht auf Meerblick dagegen nicht.

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syracusa 06.04.2019, 18:19
175.

Zitat von Faktomat
Das Mieten ist in erster Linie ein deutsches Mentalitaetsphaenomen. Die Menschen in Grossbritannien sind auch nicht reicher, besitzen aber weit mehr Wohneigentum.
Aus falschen Annahmen kann man leicht falsche Schlüsse ziehen. Doch: die Bürger Großbritanniens sind sehr, sehr viel reicher als die Deutschlands. Das Medianvermögen ist dort mehr als doppelt so hoch wie bei uns: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Länder_nach_Vermögen_pro_Kopf. Das hat u.a. was mit verlorenen Kriegen zu tun ...

Es ist also keineswegs eine Mentalitätsfrage, dass es bei uns so viel mehr Mieter gibt. Wie ich schon sagte: die allermeisten Haushalte Deutschlands haben nicht genügend Eigenkapital für eine Immobilie.

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syracusa 06.04.2019, 18:22
176.

Zitat von spmc-12355639674612
Was Sie jedoch über unsere Notare schreiben, ist einfach nur Unsinn und zeugt von großer Ahnungslosigkeit, denn die Notare gewährleisten, dass Sie nach Bezahlen der Kaufsumme auch zum Eigentümer der Immobilie werden. Ich möchte das auf keinen Fall missen. Oder wollen Sie diese Aufgabe in die Hände einer staatlichen Behörde legen?
Ich glaube zwar auch nicht, dass die Notarkosten ein wesentliches Hemmnis beim Erwerb von Immobilieneigentum sind, aber warum sollte man das nicht einer staatlichen Behörde überlassen? Unsicherer wird es weder für Käufer noch für Verkäufer werden, aber für alle vermutlich deutlich billiger. Alleine diejenigen, die den Immobilienkauf zur Geldwäsche nutzen wollen, werden das nicht so gerne sehen.

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ArnoNyhm1984 06.04.2019, 18:23
177. Selten so viel Unfug gelesen..

Man kann sich Sachen politisch schönreden -allerdings ändert das nichts an den Fakten: Die Bevölkerung wächst. In Berlin z.B. bis 2030 um ca. +7,5%; von diesen +266'000 Neuberlinern sind 97,4% zuwanderungsbedingt (aus- und inländische). -Soweit die offiziellen Zahlen der Berliner Stadtentwicklung selbst. Und der 2.Effekt sind die Nullzinsen der EZB, welche Anleger (auch) in Immobilien treiben.
-Beides -Zuwanderung und Nullzinspolitik- sind Effekte die gemäss Angebot und Nachfrage die Preise treiben. Ist so. Bleibt so. Wunschdenken ändert daran nichts.

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syracusa 06.04.2019, 19:02
178.

Zitat von ArnoNyhm1984
Man kann sich Sachen politisch schönreden -allerdings ändert das nichts an den Fakten: Die Bevölkerung wächst. In Berlin z.B. bis 2030 um ca. +7,5%; von diesen +266'000 Neuberlinern sind 97,4% zuwanderungsbedingt (aus- und inländische). -Soweit die offiziellen Zahlen der Berliner Stadtentwicklung selbst. Und der 2.Effekt sind die Nullzinsen der EZB, welche Anleger (auch) in Immobilien treiben. -Beides -Zuwanderung und Nullzinspolitik- sind Effekte die gemäss Angebot und Nachfrage die Preise treiben. Ist so. Bleibt so. Wunschdenken ändert daran nichts.
Das ist Quatsch, denn dass das so ist, bedeutet nicht, dass es so bleiben muss. Es ist so, weil der Markt für Mietwohnungen relativ ungeregelt ist, und weil sich die Marktmacht der Marktteilnehmer durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ungleich entwickelt hat. Weil eine Wohnung ein existentielles Gut ist, muss der Staat in solchen fehlentwickelten Märkten aber so eingreifen, dass sich die Marktteilnehmer auf Augenhöhe begegnen können. Das ist eine ganz grundlegende staatliche Aufgabe in jedem Wirtschaftssystem!

Wir diskutieren hier nicht über solch triviale, von Ihnen dennoch geleugnete Tatsachen, sondern darüber, welche staatlichen Eingriffe in den Wohnungsmarkt das Marktgleichgewicht zwischen Mietern und Vermietern wieder herstellen können.

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Faktomat 06.04.2019, 20:43
179. UK versus Deutschland

Zitat von syracusa
Aus falschen Annahmen kann man leicht falsche Schlüsse ziehen. Doch: die Bürger Großbritanniens sind sehr, sehr viel reicher als die Deutschlands. Das Medianvermögen ist dort mehr als doppelt so hoch wie bei uns: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Länder_nach_Vermögen_pro_Kopf. Das hat u.a. was mit verlorenen Kriegen zu tun ... Es ist also keineswegs eine Mentalitätsfrage, dass es bei uns so viel mehr Mieter gibt. Wie ich schon sagte: die allermeisten Haushalte Deutschlands haben nicht genügend Eigenkapital für eine Immobilie.
Falsche Praemisse – Briten sind viel reicher als Deutsche. Stimmt oberflaechlich. Aber erstens sind die Wikipediazahlen falsch. Eine bessere Quelle ist der Credit Swiss Global Wealth Report 2018. Zweitens kann man Rohdaten nicht so einfach vergleichen; es erfordert den Aufwand einer Doktorarbeit einen “fairen” Laendervergleich bezueglich einer Kennzahl herauszuarbeiten. Drittens wird Ursache und Wirkung verwechselt, zumindest bei jenen, um die es hier geht, Arbeiter bis mittlere Mittelschicht. Briten haben nicht mehr Wohneigentum, weil sie mehr Vermoegen haben, sondern sie haben mehr Vermoegen (dazu zaehlen Wohnungen), weil sie mehr Wohneigentum haben. Wer sein Leben lang seine Hypothek tilgt bildet eben Vermoegen. Und sie haben mehr Wohneigentum, weil sie eine andere Mentalitaet/Kultur haben: Hoehere Risikobereitschaft; my home is my castle Kultur; Stigmatisierung von Wohneigentumslosen. Ferner konnten Briten seit Jahrzehnten Wohneigentum mit nur ca. 5% Eigenkapital finanzieren (jetzt festgeschrieben durch ein staatliches help to buy Programm). Und last but not least, weil Thatcher 5 Millionen Sozialwohnungen an die jeweiligen Bewohner praktisch verschenkte und somit privatisierte. Unter Thatcher wuchs die Eigentuemerquote deshalb von 55% auf 67%.

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