Forum: Wirtschaft
Immobilienkrise: Was wirklich gegen die Wohnungsnot hilft
Frank May/ picture alliance/ DPA

Mieten und Hauspreise steigen - was tun? Die einen wollen enteignen, die anderen mehr bauen. Dabei ist beides als Lösung abwegig, solange Märkte versagen und Banken eifrig Immobilienblasen fördern.

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m.klagge 05.04.2019, 16:37
30. Da soll "Mal wieder was enteignet werden".

Was, bitte schön, ist abgesehen von einer eher putativen und immer wieder unbewiesenen Intelligenz von Möchtegern-Journalisten, ist in diesem Land überhaupt mal enteignet worden? Vermutlich, falls überhaupt, am ehesten ein Stück Land, das zum Bau einer neuen Autobahn benötigt wurde.
Es braucht eine schnelle Lösung und es gibt keine, die möglicherweise ohne die Enteignung der Luxus-Sanierer und Brachliegenlasser funktioniert. Alles andere ist eine Variation des Themas Mehrwertsteuer und wenn es etwas gibt, dass die Preise treibt, dann ist es eben dieses hirnlose FDP System.

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biesi61 05.04.2019, 16:37
31. Wenn in Berlin z.Z. unstrittig mindestens 200.000 Wohnungen fehlen,

dann sollte man die möglichst schnell bauen. Nach einem Rückgang in den 90ern und einer Stagnationsphase in den 00er Jahren steigt die Zahl der Bewohner Berlins alleine durch Zuzug (positiver Wanderungssaldo) nun schon seit einem Jahrzehnt im Mittel um etwa 40.000 Einwohner jährlich (ohne Flüchtlinge). Dazu kommt ein nicht unerheblicher Geburtenüberschuss über die Zahl der Sterbefälle. Und weiterhin sinkt die Personenzahl pro Haushalt. Bei all diesen Tendenzen ist kein Ende in Sicht! Diese notwendigen Wohnungen sind einfach physisch nicht da und müssen schnellstmöglich her!
Streiten kann man sich jetzt maximal darum, ob sie vorzugsweise profitorientierte Eigentümer schaffen sollten oder vielleich lieber gemeinnützige (kommunale Gesellschaften, Genossenschaften usw.) Mit Blick auf die Erfahrungen Wiens bin ich hier eindeutig für letzteres. Dass Knappheit am freien Markt zu Preiserhöhungen führt, ist klar. Würde dieser Mechanismus dazu führen, dass mehr gebaut wird, wäre das ja auch o.k.. Leider passiert das aber nicht. Der privat finanzierte Wohnungsbau in Berlin ist und bleibt sehr, sehr schwach. Geld wird nur mit dem Bestand verdient - und das exzessiv -, durch Mieterhöhungen und (Schein-)Modernisierungen sowie zigfachen Weiterverkauf von Bauprojekten und Wohnungen. Hier staatlicherseits eine Riegel vorzuschieben, wäre überfällig. Aber statt endlich den Weiterverkauf von Wohnungspaketen vernünftig zu besteuern, gibt es hier immer noch Schlupflöcher bei der Grunderwerbssteuer, die de facto nur Eigennutzer bezahlen. Auch die gesetzlichen Mieterhöhungsmechanismen bei "Modernisierung" sind immer noch absurd überhöht. Und überfällig wäre auch eine höhere Besteuerung von baureifem Land, das nicht bebaut wird, bzw. von genehmigten aber nicht realisierten Bauprojekten. Was die Enteignung großer Wohneigentümer angeht, bin ich eher vorsichtig. Wer als Eigentümer und Vermieter seriös und gesetzestreu handelt, sollte auch weiterhin damit Geld verdienen dürfen. Der sehr erhebliche, unseriös arbeitende Bodensatz des Marktes hingegen, der sollte durch konsequente Enteignungen ausgetrocknet werden. Wer mit Wuchermieten Lichtjahre oberhalb des amtlichen Mietspiegels, mit wiederholt exzessiv überhöhten Nebenkostenabrechnungen, mit dem Medienentzug für seine Mieter oder gar Schlägerbanden gegen seine Mieter vorgeht - all das ist wahrlich nicht selten! - der sollte tatsächlich rigoros und auch entschädigungslos enteignet weden! Hier ist unser Immobilienrecht im Moment leider exzessiv mieterfeindlich!

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von_hintendrop 05.04.2019, 16:37
32.

Wenn große Konzerne staatlich dazu verdonnert würden, Werkswohnungen zu bauen, wäre dies schon ein Schritt in die richtige Richtung. Fakt ist nämlich auch, dass diese seit den 1990er Jahren veräußert wurden.

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interessierter Laie 05.04.2019, 16:38
33. ein Haufen Binsenweisheiten...

"Normal sollte der gestiegenen Nachfrage das Angebot hinterher eilen aber Boden ist begrenzt." Das war schon immer so. Dann kann man nichts machen. Man kann zwar am Verteilungsmechanismus schrauben. Das bewirkt aber nur, dass hinterher andere verlieren. Man kann das Gut rationieren. Das fällt bei Wohnraum allerdings schwer. Unter 2qm pro Person lässt die Zweckmäßigkeit zu wünschen übrig. Die Grenze bilden Kapselhotels wie in Japan.
Wenn man den Preis künstlich gering hält, wird der Nachfrageüberhang noch größer. Was dann? Zuteilung nach Los? Wenn man den Preis allerdings steigen lässt, werden die Städte zugegeben erstmal zu Reichensilos. Aber das hat den Vorteil, dass dann nach echte Alternativen zum Zuge kommen. Und die haben nichts mit irgendwelchen Banken zu tun. Es strömen dann irgendwann nicht mehr alle in die Städte, sondern eine Gegenbewegung setzt ein. Potsdam und Jüterbog sind auch schön. Betriebe werden sich anderswo niederlassen, denn sie sind ja auf Arbeitskräfte angewiesen. Und für einige Leute werden die Löhne steigen, denn die Arbeitskräfte werden ja benötigt. Ich glaube nicht, dass sich ein Staatssekretär irgendwann selbst die Haare schneidet oder seine Lebensmittel auf dem geräumigen Balkon anbaut. Das wird dann eben auch teurer.

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oliver_behre 05.04.2019, 16:38
34. Interessante Diskussion

... sowohl des Kommentators als auch der Forumskommentatoren. Allerdings wird ein bisschen aneinander vorbei geredet:

Richtig ist, dass das viele billige Geld und die Nullzinsen die Anlage in Sachwerten, also u.a. Immobilien, befeuern. Billiges Geld und Inflation liegen aber im Interesse der Staaten, weil so ihre Schulden schleichend entwertet werden. Nicht von ungefähr liegen die Inflationsratenziele der EZB (und früher der Bundesbank) in einem Korridor um +2% herum. 10 Jahre warten und ein Zehntel der Schulden ist "weg".

Richtig ist auch, dass die steigenden Preise in den Metropolen zumindest teilweise durch "Mode" verursacht sind, also das Bestreben, in fußläufiger Entfernung zu Ku´damm im Grünen im EFH für 250k zu wohnen, oder in der hippen Maisonette-Wohnung mit Blick über ganz Berlin (München, HH, Stuttgart ...). Wer das ganze Paket haben will, muss eben üblicherweise auch das ganze Paket bezahlen.

Falsch ist aber, dass das die Argumente des Kommentars widerlegen würde. Dessen Grundaussage ist ja, das Land - wenn man es als Ware im betriebswirtschaftlichen Sinn versteht - nicht beliebig vervielfältigbar ist, mithin zwangsläufig der Preis deshalb steigen muss, weil das Angebot nicht mithalten kann, vergelicbra z.B. mit der Ware Öl. DIESE Aussage ist aber unabhängig von anderen Faktoren grundsätzlich richtig.

Dasselbe gilt vom Befund, dass den Banken falsche Anreize gesetzt werden, Geld lieber in die Immo-Finanzierung zu stecken (und damit an "leistungslosen" Wertzuwächsen mit zu partizipieren, was nicht grundsätzlich verboten oder falsch ist), anstatt in Dinge, die die Gesellschaft "an sich" voranbringen. Denn wegen der natürlichen Knappheit der Ressource "(Bau)Land" ist das eine relativ risikolose Investition, die allerdings gesamtgesellschaftlich gesehen nichts bringt. Da die Ressorce "Geld" ebenfalls aus guten Gründen mehr oder minder knapp gehalten, ihre Menge jedenfalls über die Notenbanken gesteuert wird, ist auch sie nur begrenzt verfügbar - oder kurz: Was in eine Immobilie gesteckt wird, fehlt andernorts.

Ob man aus diesem Befund dieselben Schlüsse ziehen muss wie der Autor, steht auf einem anderen Blatt, aber der Befund als solcher ist unabhängig von anderen Faktoren für sich betrachtet nicht falsch.

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michael3210 05.04.2019, 16:38
35. Enteignung

Enteignung geht ganz einfach, man braucht nur eine Treuhandanstalt und ruck zuck wird der Bevölkerung eines ganzen Landes das Volkseigentum genommen und an sogenannte Investoren verschachert. Die können dann die ehemaligen Eigentümer nach Herzenslust ausbeuten. So ist das nun mal in der sozialen Marktwirtschaft.

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Sooderauchanders 05.04.2019, 16:39
36.

Beitrag
Wenn ich es richtig verstanden habe, soll in den gefragten Lagen der deutschen Großstädte also nicht mehr gebaut werden, sondern mehr stattliches Eigentum entstehen. Offensichtlich ist das ja dann nur möglich, indem privaten Eigentümern mit Steuergeldern diese Immobilen abgekauft oder zwangsenteignet werden. Danach soll dann nicht mehr die Höhe der Miete entscheiden wer die gefragten Wohnungen bekommt, sondern ???
Mal sehen was es so für andere Möglichkeiten gab oder gibt:
DDR! Parteizugehörigkeit oder Familie gründen mit 18,19, 20 und schnell ein Kind bekommen. Naja!
Der gefeierte Wohnungsmarkt in Wien! Parteibuch, „Freunderlwirtschaft“, Schmiergeld an den Hausverwalter oder eine Oma die schon seit 50 Jahren für Friedensmieten
im ersten Bezirk wohnt. Ach so dann muss ich mich dann noch bei ihr anmelden und eigentlich mindestens zwei Jahre dort wohnen, denn die Vermieter engagieren auch schon mal einen Privatdetektiv um rauszufinden ob die Story stimmt. Naja!
Vielleicht hilft es aber auch wenn nicht alle 20 Jahre der Wohnraumbedarf pro Kopf um 30 % wächst (derzeit 45qm). Vielleicht hilft es ja auch, wenn man alternative Arbeitsplatzmöglichkeiten (Home-Office oder ähnliches) fördert.
Ach ja, und der Markt hat in den letzten 30 Jahren die Mieten in Berlin durch das Überangebot (Wildes bauen und renovieren von Wohnungen durch die Fördergebiets-Afa) konstant niedrig gehalten und sogar sinken lassen. Erst jetzt, nachdem der Leerstand in den zentralen Bezirken durch Zuzug und das „sexier“ werden von Berlin abgebaut und verschwunden ist, knirscht und knarzt es.
Aber Herr Fricke hat ja sein klares Weltbild und dabei bleibst dann auch!

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jogola 05.04.2019, 16:39
37. Selbsterfüllende Prophezeiung :

Zitat von passiflore
Kurzum, die Pariser können sich ihre eigenen Wohnungen nicht mehr leisten, weil der Staat sie behandelt wie Millionäre, die sie nicht sind. Also verkloppen sie ihre Buden an Araber, Griechen oder Asiaten, ziehen aufs Land, zersiedeln dort alles und [...]
sind jetzt Millionäre.

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hanuman1eins11!!! 05.04.2019, 16:39
38.

Selbst in ländlichen norddeutschen Gegenden wie unserer wird langsam klar: Grund und Boden ist kein beliebig skalierbares Gut. Die Begehrlichkeiten sind enorm, und Informationen werden selbst im Bekanntenkreis nach Kräften verheimlicht.

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Berliner42 05.04.2019, 16:40
39.

Hat Herr Fricke jetzt wirklich erklärt, daß Mieten steigen, weil Banken zu viel Neubau finanzieren?

Warum darf der Mann eine Wirtschaftskolumne schreiben?

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