Forum: Wirtschaft
Interaktiver Rechner: So viel Steuern zahlen Sie im Vergleich

Gut 280 Millarden an Einkommensteuern kassiert der Staat pro Jahr. Wie viel zahlen Sie im Vergleich zu anderen? Und was ändert das geplante Soli-Aus? Finden Sie es heraus - mit einer interaktiven Grafik.

Seite 4 von 11
Flyke 27.11.2018, 13:09
30.

Zitat von flopi3
Vielleicht beschäftigen Sie sich mal mit der Geschichte der Sozialversicherungen! Diese waren primär nie zur Umverteilung gedacht. Die Beitragsbemessungsgrenzen wurden bewusst eingeführt, um die Leistung nach oben zu deckeln. Der Gesetzgeber ging und geht davon aus, dass Menschen ab einem bestimmten Einkommen selbst vorsorgen bzw. sich zusätzlich absichern können. Soll heißen: Rente, Arbeitslosengeld und Krankengeld werden auch stets nur ausgezahlt bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Daran ist also gar nicht unfair und kein "Reicher" wird bei der Sozialversicherung ausgenommen. Umverteilung passiert über die Einkommenssteuer und die ist nun wahrlich hoch genug angesetzt für Spitzenverdiener. Ich habe es wirklich langsam satt, hier immer diese linksgerichteten Nörgeleien nach noch mehr Umverteilung zu lesen. Wie wäre es statt dessen mal mit mehr Arbeit (z.B. 50-70 Std Woche - so wie viele Besserverdienende auch), oder aber Freizeit investieren für eine Weiterbildung und damit einer höheren Qualifikation oder aber mal ein eigenes Engagement für höhere Löhne im Niedriglohnbereich über Streiks etc. So hat man das früher auch gemacht. Heute ist es anscheinend viel bequemer, sich zurückzulehnen und nach dem Staat zu rufen (für noch mehr Umverteilung), anstatt selber was zu tun. Vielleicht haben es die Besserverdienenden auch mal satt, ständig über Gebühr gemolken zu werden und gehen (in der globalisierten Welt ist das heute deutlich einfacher als früher). Ich bin gespannt, von wem Sie dann das umzuverteilende Geld holen wollen.
Im Punkt Sozialversicherung erhalten Sie meine volle Zustimmung.

Bei der Gerechtigkeit der Lohnverteilung diskutiere ich (als Gutverdiener) gerne mit Ihnen über die Punkte die Gefahren einer entsolidarisierten Gesellschaft in Hinblick auf sozialen Frieden und die drohenden Gefahren einer sich radikalisierenden Parteienlandschaft.

Solange wir Konzernen wie IKEA, Amazon, Apple gestatten ihre teilweise unethischen Gewinne nahezu unversteuert an Ihre Shareholder zu verteilen und im gegenzug von deren "kleinen" Angestellten Lohnzurückhaltung einfordern fahren wir irgendwann gesellschaftlich gegen die Wand

Beitrag melden Antworten / Zitieren
n.wemhoener 27.11.2018, 13:11
31.

Zitat von hamburger-humanist
Die Einkommensteuer macht nur ca. 1/3 des gesamten Steueraufkommens aus. Immer davon zu reden, dass die oberen Einkommen den Hauptteil des Steueraufkommens finanzieren ist Propaganda. Die oberen Einkommensbezieher zahlen den Großteil der Einkommensteuer. Wenn die oberen 10% den Großteil der Einkommensteuer zahlen ist das schon alleine deswegen kein Problem, weil diese oberen 10% ja auch den Großteil des Einkommens beziehen. Auf ein Durchschnittseinkommen zahlt man ca. 15% Einkommensteuer. Meiner Meinung nach kein so schlechter Steuersatz.
Nach einer Studie des DIW beträgt die durchschnittliche Belastung aller Einkommensteuerpflichtigen im Jahr 2005 - neuere Daten liegen nicht vor - 11,3 %. Selbst die absoluten Top-Verdiener zahlen nicht mehr als 1/3 ihres Einkommens (Einkommensteuer).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
MarkusW77 27.11.2018, 13:11
32.

Die oberen 10 % zahlen doch zurecht mehr, die (ich gehöre dazu) bekommen ja auch deutlich mehr für die gleiche oder ähnliche Arbeitszeit. Ich rede hier nicht von dem Unterschied 30K zu 150K. In der Bandbreite sollen wohl die meisten Einkommen gerecht sein. Und gerecht ist auch, das die oberen aus diesem Bereich bereits mehr bezahlen. Aber alle über diesem Betrag bekommen nach MEINEN (jeder mag das anders sehen) Maßstäben und Wertvorstellungen unverhältnismäßig viel Geld für die gleich eingesetzte Lebenszeit.
Als Durchschnitt würde ich den guten Facharbeiter nehmen, Dachdecker, Krankenschwester Bäcker usw. Die gehen für 40-60K / a Arbeiten, Vollzeit. Die haben Fähigkeiten, die ein Anwalt nicht hat. Der Anwalt kann Dinge, die der Facharbeiter nicht kann, bekommt aber das 2-20 fache dessen. Gerecht? Weiß nicht.

Andere Frage, werden eigentlich Sozialversicherungsbeiträge nach dem Ehegattensplitting berechnet, oder gilt das nur für Steuern?
Ehepartner A hat 100K, B hat 0. Steuersatz gilt also für 2 x 50K.
SV ist ab ca 60K frei, also gut 40K sind frei. Bei 2 x 50K müsste der Betrag doch voll Beitragspflichtig sein. Ist das so?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
muunoy 27.11.2018, 13:13
33. Generelles Problem, das noch kommt

Zitat von Odde23
Mich hat das schon länger genervt. Für mich war im vergangenen Jahr das persönliche Limit erreicht. Heute verdiene ich daher deutlich weniger, was noch immer zum Leben reicht. Im Gegenzug habe ich heute wesentlich mehr Lebenszeit für mich. Man darf nämlich.......
Sie sprechen da ein interessantes Phänomen an, welches auch ich in meinem Umfeld zunehmend beobachte. Ich bin selbständig und verdiene normalerweise ganz gut. Jedenfalls gem. der Tabelle im Artikel, wo man anscheinend super reich ist, wenn man über 2.000,-EUR Soli im Jahr zahlt. Das gilt auch für viele andere in meinem Umfeld. Früher war ich Angestellter und habe erheblich weniger verdient. Nun habe ich aber festgestellt, dass ab einer gewissen Höhe des Einkommens weitere Erhöhungen der Einnahmen weder meinen Wohlstand signifikant erhöhen, noch sonst irgendein positiver Effekt zu finden ist. Als Selbständiger brauche ich natürlich viele Rücklagen für den Fall, dass es mal nicht so läuft. Man muss auch Zeiten wie 2008 überbrücken können und sich vor Überraschungen des Finanzamtes schützen. Der teuerste Faktor im Leben ist nun einmal der Staat. Für das, was ich pro Jahr an des Staat abdrücke, kann ich zwei bis drei Jahre gut leben. Nun habe ich entsprechende Rücklagen. Daher habe ich dieses Jahr meine Arbeitszeit drastisch reduziert und kann daher hier auch viel posten. Meine Steuervorauszahlungen für dieses Jahr habe ich schon um 9.000,-EUR gekürzt. Kollegen von mir sind da schon weiter. Einer nimmt nur noch Aufträge an, die ihn maximal für drei Tage die Woche auslasten. Ein weiterer Kollege macht nach nach jedem Projekt mind. 3 Monate Pause. Und auch bei gut-verdienenden Angestellten in meinem Umfeld geht es in Richtung Arbeitszeitreduktion und mehr Bequemlichkeit. Die Leistungsfeindlichkeit unseres Steuersystems scheint also langsam durchzuschlagen. Nachdem Deutschland das Laffer-Theorem bereits bei der Taback-Steuer bewiesen hat, liefert Deutschland nun den Beweis für die Einkommensbesteuerung. Schon blöd. Wahrscheinlich wären die Einnahmen für den Staat höher, wenn gerade die Spitzenbesteuerung endlich mal reduziert wird. Die Abschaffung des Solis für alle wäre ein erster und auch verfassungsmäßig erforderlicher Schritt. Die Abschaffung des Solis nur für diejenigen, die kaum Steuern zahlen würde bei mir arge Zweifel an unserem Rechtsstaat aufkommen lassen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
unaufgeregter 27.11.2018, 13:18
34. Sehr beruhigend

Seitdem ich in Teilzeit arbeite, zahle ich nur noch 44 % der Steuern, die ich bis dahin entrichten musste. Das mache ich gerne, und zwar bis zu meiner Rente.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
muunoy 27.11.2018, 13:21
35. Single vs. Familie

Zitat von peterle3
Bei einem "Bruttoeinkommen" von 95.000 € nennt Ihr Rechner ein Steuerlast von 9.845 € pro Ehepartner, also zus. 19.690 €. Der Einkommensteuerrechner des BMF nennt bei 95.000 € "zu versteuerndem Einkommen" eine Steuerlast von 24.159,50 € incl. Soli. Worüber reden wir hier? Wie kommt der Unterschied zustande?
Im ersten Fall werden die 95.000 wohl auf zwei Ehepartner verteilt. Hier greift das Ehegattensplitting. Während ein Ehepaar mit einem Einkommen von jährlich 95 TEUR ja noch nicht einmal für die Sozis als reich gilt, ist ein Single mit dem Einkommen schon ein richtig pöser Reicher. Die Differenz von knapp 5 TEUR ist eine weitere Ungerechtigkeit, die sich aus unserem extrem progressiven Steuersystem ergibt. Als. Single zahlen Sie den Spitzensteuersatz + Soli bereits ab ca. 53 TEUR Jahresgehalt. In Ihrem Beispiel zahlt von dem Ehepaar eben noch keiner den Spitzensteuersatz + Soli.
Die 24 TEUR passen für einen Single ziemlich genau.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
effing 27.11.2018, 13:22
36. @CancunMM

Hm, lassen Sie mich mal überlegen. Am besten alles der Reihe nach:
Sie sprechen von der Straßennutzung. Meinen Sie jene Straßen, die die Anwohner in den meisten Bundesländern selber zahlen müssen und dadurch oft an den Rand des finanziellen Ruins getrieben werden? Wenn Sie vom Müll sprechen, reden Sie von dem Müll, dessen Abholung Sie privat zahlen? Wasser: wird bei Ihnen Wasser kostenlos gestellt, finanziert durch die Steuereinnahmen? Wohl eher nicht. Abwasser: wird über die Wasserrechnung bezahlt. Strom: auch dieser kostet bei mir Geld. Stromleitungen: sind als Netzentgelt in der Stromrechnung enthalten. Krankenwagen: bezahle ich durch meine monatlichen Beiträge zur Krankenversicherung auch schon. Lediglich Ihr Beispiel Bildung wird tatsächlich (mehr oder weniger gut) durch Steuern finanziert. Schon beim Thema Ganztagsbetreuung und Kindertagesstätte hört das aber auch wieder auf. Insofern kann jeder der deutlich überdurchschnittlich belasteten Bürger des Mittelstandes absolut berechtigter Weise die Frage stellen, was er/sie denn auch nur im Ansatz von den vielen tausend Euro an Steuern hat, die jeder Jahr abgedrückt werden müssen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
MartinS. 27.11.2018, 13:25
37. ...

Zitat von wasistlosnix
Wenn 25% der Beschäftigten keine Steuern zahlen. Dann ist das eine Schieflage und eine Subvention der Industrie, die sowenig zahlen kann das dafür keine Steuern fällig werden. Klar auch das diejenigen ......
ausgerechnet die Industrie ist hierbei wohl eher am wenigsten ausschlaggebend.
Große Posten machen geringfügig Beschäftigte, Studenten und ja - auch Rentner aus.... Aber auch mit Mindestlohn ist man in Vollzeitbeschäftigung DEUTLICH über den Steuerfreibetrag hinaus.
Das mag zwar befriedigend sein, mit dem Finger mal anklagend auf die bösen ausbeuterischen Industrieunternehmen zu zeigen, aber in der Realität sieht das irgendwie doch anders aus.
Die Gehaltsstrukturen in Industrieunternehmen sind zumeist deutlich besser als in kleineren mittelständischen Unternehmen und dem Handwerk. Noch viel stärker wird es gegenüber Einzelhandel; Gastronomie oder dem vielfach angeprangerten Friseurberuf...
DA kommen die unteren Einkommen her - DA sind die vielen kleinen Läden, die nur Mindestlohn zahlen wollen (und können?). Und DA kommen auch die Rentner her, die dann im Endeffekt auch nur unter die Grundsicherung fallen.
Im industriellen Umfeld ists im Vergleich eher easy going.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
unaufgeregter 27.11.2018, 13:25
38. Hätte ich das bloß früher gemacht

Zitat von Odde23
Mich hat das schon länger genervt. Für mich war im vergangenen Jahr das persönliche Limit erreicht. Heute verdiene ich daher deutlich weniger, was.....
Willkommen im Club. Mein Limit war erreicht, als durch allgemeine Kostensteigerungen immer weniger von meinem Netto übrig blieben. Außerdem wurde ich zu Unterhaltszahlungen verpflichtet, weil der Vater meiner Ehefrau in ein Pflegeheim musst. Bin zwar "nur" der Schwiegersohn, sollte aber trotzdem kräftig zahlen, weil meine Frau einen Unterhaltsanspruch mir gegenüber hat.
Also habe ich meine Arbeitszeit halbiert. Als alter Hase war alles im Beruf erreicht, was ich erreichen wollte und so stand ich plötzlich ab Mittwochmittag in meinem Garten. Mir ist aufgefallen, wie konditioniert ich war. Arbeit war mein Leben. Ist sie aber schon lange nicht mehr.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Tom K 27.11.2018, 13:26
39.

"Ohne Steuern neue Straßen ? Schulen ? soziale Absicherung ? Undenkbar ! "
Na da haben viele Leute eine sehr optimistische Vorstellung von dem, was mit den Steuern getan wird. Infrastruktur, Bildung, Forschung sind eher die Kleckerbeträge. Das macht nicht viel aus. Selbst wenn das Steueraufkommen sich verdoppeln würde, würden diese Beträge nur geringfügig steigen. Die o.g. Ressorts bekommen ein paar Milliarden. Bei einem Gesamtsteueraufkommen von rund 800 Mrd Euro. Der Verkehrsetat macht davon etwa 30 Mrd. aus. Einzig Soziales ist der große Verschiebebahnhof und der ist zum großen Teil gar nicht in der Steuerlast enthalten. Hier reden wir wahrscheinlich von ca. einer Billion pro Jahr.

Auf Grund der demographischen Entwicklung und der Migrationsströme nach Deutschland wird die Armutsbekämpfung in den kommenden Jahren sicher noch mehr Gewicht bekommen. D.h. die Steuerlasten werden sicher eher steigen, damit Menschen, die keine Bildungshistorie haben, gleichermaßen gesellschaftlich teilhaben können. Politiker wollen gewählt werden.

Ich finde die Entwicklung fatal. Dieses Land sollte um die gut ausgebildeten Migranten kämpfen, statt bereitwillig diejenigen anzulocken, deren Bildungshintergrund sie in die Abhängigkeit staatlicher Zuteilungen treibt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 4 von 11