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Interaktiver Rechner: So viel Steuern zahlen Sie im Vergleich

Gut 280 Millarden an Einkommensteuern kassiert der Staat pro Jahr. Wie viel zahlen Sie im Vergleich zu anderen? Und was ändert das geplante Soli-Aus? Finden Sie es heraus - mit einer interaktiven Grafik.

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Stäffelesrutscher 27.11.2018, 16:04
70.

Zitat von peterle3
Bei einem "Bruttoeinkommen" von 95.000 € nennt Ihr Rechner ein Steuerlast von 9.845 € pro Ehepartner, also zus. 19.690 €. Der Einkommensteuerrechner des BMF nennt bei 95.000 € "zu versteuerndem Einkommen" eine Steuerlast von 24.159,50 € incl. Soli. Worüber reden wir hier? Wie kommt der Unterschied zustande?
Die Steuergesetze kennen »Einnahmen«, »Einkünfte« und »Einkommen«. Wenn ein Institut wie das IW das Wort »Einkommen« für das steuerpflichtige Brutto, also »Einnahmen« verwendet, dann zeigt das ein derartiges Ausmaß an Inkompetenz, dass man eigentlich daraus einen Artikel machen sollte.
Das ist ungefähr so, als würde ein Mediziner ständig von »Arterien« sprechen, auch wenn er eine »Vene« meint, oder als würde bei einem LKW Gesamtmasse mit Achslast verwechselt.


Das IW erklärt den Gaga-Begriff »Bruttoeinkommen« auf seiner Website so:

»Anhand der Mikrodaten des Sozioökonomischen Panels (SOEP), die die Bevölkerung in Deutschland repräsentativ abbilden und detaillierte Einkommens- und Haushaltsinformationen enthalten, lässt sich die Verteilung der Einkommensteuer und des Solidaritätszuschlags berechnen. Mithilfe des IW-Mikrosimulationsmodells STATS werden die Einkommensinformationen der aktuellen Welle 33 des SOEP, die sich auf das Jahr 2015 beziehen, auf das Jahr 2018 fortgeschrieben (Beznoska, 2016b). Anschließend lassen sich die steuerpflichtigen Einkünfte und steuerlichen Abzüge wie zum Beispiel die Vorsorgeaufwendungen ermitteln. Auf die sich ergebenden zu versteuernden Einkommen wird der Einkommensteuertarif für das Jahr 2018 angewendet, aus dem sich die Einkommensteuerbelastung für die Alleinveranlagten und die zusammenveranlagten Ehepaare ergibt.«

Der SPON-Autor hat offenbar nicht gemerkt, was man da der Öffentlichkeit an Quatsch unterjubelt.

Mein Versuch der Erklärung sieht so aus:

Auf der Lohnsteuerbescheinigung für 2017 steht ein »Steuerbrutto« von 95.000 Euro. Das sind im Steuerdeutsch steuerpflichtige »Einnahmen«. Aufgrund irgendwelcher Statistiken unterstellt das IW irgendwelche Werte für die Werbungskosten, sodass »die steuerpflichtigen Einkünfte« ermittelt werden. Außerdem setzt man irgendwelche statistischen Werte für Sonderausgaben »wie zum Beispiel die Vorsorgeaufwendungen« an und errechnet ein statistisches »zu versteuerndes Einkommen«. Das liegt, wenn ich den Steuerrechner des Finanzministeriums heranziehe, bei 83.700 Euro.

Das bedeutet: nehmen Sie bitte das »Steuerbrutto« Ihres Lohnsteuerbescheides als Grundlage.
Steuerfreie Zahlungen (Zuschläge), exorbitante Werbungskosten, außergewöhnliche Belastungen werden dabei nicht berücksichtigt.
Personen, die neben der Anlage N auch noch andere Anlagen einreichen müssen (Selbstständige, Zinsen, Vermieter, Renten) kommen in dem Modell auch nicht vor.

Es ist Quatsch, welcher der Stimmungsmache dient. Die »Obere Mittelschicht« möchte offenbar weniger Steuern zahlen - auf Kosten der »kleinen Leute«.

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loncaros 27.11.2018, 16:36
71.

Zitat von derblecher
Glauben Sie ernsthaft, dass von den 22% alle CumEx Betrüger sind? Oder reden wir vielleicht über einen lächerlich geringen Anteil von diesen 22%? In letzterem Fall verstehe ich ihre Frage nicht...
Klar, nicht jeder von den 22% hat bei Cum-Ex mitgespielt, aber sind 55 Milliarden Euro für Sie ein "lächerlich geringer" Betrag?

Cum-Ex hat jetzt nicht gerade der Kleinanleger gemacht, der seine Steuererklärung selber ausfüllt.

Und genau die ganz oben haben sich bei Cum-Ex massiv aus dem Steuereinkommen bedient. Diese Zahlen müssen jetzt für diesen Vergleich von der Spitze abgezogen werden. Sonst ist die Statistik nicht Cum-Ex bereinigt und damit meines Erachtens frei von Aussagekraft.

Wenn jemand 1 Million Euro Steuern zahlt, und sich dann 2 Millionen Rückerstattung auszahlen lässt, dann hat derjenige keine Million Steuern gezahlt, sondern gekostet. Oder irre ich mich da?

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Stäffelesrutscher 27.11.2018, 16:41
72.

Zitat von engeld
Es geht hier um den Grenzsteuersatz, und um die Frage, ob sich ab einer gewissen Schwelle die Mehrarbeit für ein bestimmtes Netto-Plus noch lohnt. Sie beziehen sich auf den Durchschnittssteuersatz. Die Rechnung auf 50% ist aber trotzdem nicht ganz korrekt, weil sich der Solidaritätsszuschlag in Höhe von 5,5% auf die Einkommensteuerschuld in Höhe von maximal 45% auf den letzten verdienten Euro berechnet. Der maximale Steuersatz aus Einkommensteuer und Soli liegt daher bei knapp 47,5%.
Dazu sollte man wissen, dass man in dieser Region oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze liegt und keine zusätzlichen Sozialabgaben abgezogen werden. Auch bei Kita-Gebühren dürfte man schon in der höchsten Stufe liegen.
Richtig gekniffen sind hingegen diejenigen, die bei etwa 20.000 bis 40.000 Euro zu versteuerndem Einkommen liegen, also bei knapp 30 bis etwa 35 Prozent Grenzsteuersatz (plus Soli), die aber noch 21 % Sozialabgaben tragen müssen und womöglich bei sonstigen Abgaben (Kita usw.) in eine höhere Stufe kommen. Da bleibt dann verdammt wenig Netto vom Zusatzbrutto. Und wenn dann das BAföG der Kinder schrumpft, macht man unterm Strich womöglich Miese.

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Olli Ökonom 27.11.2018, 16:43
73.

Zitat von CancunMM
Wenn Sie den Staat nicht nutzen... Prima ! Dafür brauchen Andere den Staat um so mehr. Ist wie bei der Krankenkasse. Nennt sich Solidarsystem. Wer mehr verdient zahlt mehr. Dann gibt es da noch die Subsidiarität. Aber das kennen Sie sicher. Und sie nutzen jeden Tag den Staat... Wenn Sie zur Arbeit fahren über Starßen und über Kreuzungen mit Ampeln. Wenn Ihr Müll abgeholt wird. Und sie frisches Wasser haben. Sie nicht nur einen Stromanbieter haben, sondern sagenhafter Weise der Strom auch noch bei Ihnen ankommt. Und dass es bei Ihnen zu Hause nicht stinkt liegt daran, dass Ihr Müll abgeholt wird und Ihre Notdurft durch die Kanalisation verschwindet. Und Sie werden Ihre Kinder sicher auch nicht zu Hause alleine unterrischten, oder ? Ach und wenn Sie wenn das nächste Mal bei einem Notfall vom Rettungswagen abgeholt werden... habe auch ich mit meinen Steuern bezahlt, obwohl ich gar nicht krank bin und Sie nicht kenne !
Nur dass das Solidarprinzip gerade bei den Sozialversicherungen nichts zu suchen hat! Es handelt sich hierbei um eine Versicherung! Nicht um eine Abgabe oder Steuer. In den Sozialversicherungen hat das Leistungs- bzw. Äquivalenzprinzip zu gelten. D.h. wer viel einzahlt muss auch viel herausbekommen. Deshalb wurde die Beitragbemessungsgrenze installiert. Da die Auszahlungen limitiert wurden, mussten auch die Beiträge limitiert werden. Ähnliches gilt auch für die GKV Alle bekommen die gleiche Leistung. Deshalb darf der Beitrag auch nur bis zu einer bestimmten Grenze steigen, DIe Beitragsbemessungsgrenze der GKV liegt bei 75% der GRV.
Soldarität und Subsidarität kann man bei Steuerzahlungen erwarten. Die sind dazu da den Staat am leben zu halten und die Schwächsten in Notfällen zu unterstützen.

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peterle3 27.11.2018, 16:46
74. Tendenziös

"Von einer Komplettabschaffung, wie sie die FDP oder auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) fordern, würden deshalb vor allem Spitzenverdiener profitieren." - Den gleichen Sachverhalt könnte man auch so formulieren "Spitzenverdiener wurden und werden durch die Progression überproportional mit dem Soli belastet." Zwei Seiten derselben Medaille. Aber die erste Formulierung gebraucht SPON immer bei diesem Thema, vermutlich ein Textbaustein.

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Olli Ökonom 27.11.2018, 16:49
75.

Zitat von Flyke
Im Punkt Sozialversicherung erhalten Sie meine volle Zustimmung. Bei der Gerechtigkeit der Lohnverteilung diskutiere ich (als Gutverdiener) gerne mit Ihnen über die Punkte die Gefahren einer entsolidarisierten Gesellschaft in Hinblick auf sozialen Frieden und die drohenden Gefahren einer sich radikalisierenden Parteienlandschaft. Solange wir Konzernen wie IKEA, Amazon, Apple gestatten ihre teilweise unethischen Gewinne nahezu unversteuert an Ihre Shareholder zu verteilen und im gegenzug von deren "kleinen" Angestellten Lohnzurückhaltung einfordern fahren wir irgendwann gesellschaftlich gegen die Wand
Nur die Gewinne die Sie ansprechen entstehen nicht hier in D. Das ist der Casus Knaktus. Sie ärgern sich zu Recht, dass diese Unternehmen kein Steuern im Ausland zahlen - zu Recht. Aber Wenn das Ausland Steuern erheben würde, hätte D auch nichts davon. Ausschütten können sie diese Gewinne eben nicht steurfrei, es reicht aber schon, wenn ein Unternehmen dadurch mehr Eigenkapital bekommt und somit einen Wettbewerbsvorteil hat. Wo gibt es den bei so großen Konzerne Lohnzurückhaltung?????
Die verdienen im Vergleich zu kleineren Mitbewerben deutlich mehr!!

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Kurt-C. Hose 27.11.2018, 17:45
76.

Zitat von Stäffelesrutscher
Es ist Quatsch, welcher der Stimmungsmache dient. Die »Obere Mittelschicht« möchte offenbar weniger Steuern zahlen - auf Kosten der »kleinen Leute«.
Die "kleinen Leute" zahlen so gut wie keine Einkommenssteuern. Das ist ja gerade der Kern der Aussage. Die Einkommenssteuern werden nahezu im Alleingang von den mittleren und hohen Einkommen aufgebracht. Wie soll etwas "zu Lasten der kleinen Leute" gehen, wenn die eh nix zahlen.

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peterle3 27.11.2018, 17:47
77. @ 70 Stäffelesrutscher

Einig. Genauso habe ich mir das vorgestellt. Damit macht der geneigte Leser dann seine individuelle Einordnung und im Hintergrund werkeln irgendwelche Mittelwerte von denen man nichts weiß. Beim IW musste man schon immer aufpassen. Besten Dank für das Nachschauen.

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Aquifex 27.11.2018, 17:51
78.

Zitat von Onkel Uwe
Gut, dann haben sie sagen wir mal 10 Jahre studiert, hoffentlich eher weniger. Dafür bekommen sie 40 Jahre deutlich höheres Bruttogehalt, von dem sie halt mehr Steuern bezahlen. Ich glaube, in der Relation ist das am Schluss schon ok. Bei 60k Bruttogehalt als Single ohne Kinder zahlen sie ca. 13k Steuern, also keine 25%. Wenn wir noch die 12k SV abziehen bleiben 35k Netto über, dass der Standard nicht-Studierte nicht mal Brutto hat. Und jetzt beschweren sie sich das es ihnen mit der Steuerlast schlecht geht?
...und jetzt tappen Sie wieder in die gleiche falle. Sie können die 35000,- netto von einem der studiert und damit lange gar nichts verdient hat - selbst ein Lehrling wird bezahlt und der leistet bei weitem nicht, was Sie in einem MINT Studium runterreissen müssen! - mit dem Bruttogehalt von jemandem vergleichen, der seit seinem 16 Lebensjahr Geld verdient. Darum geht es doch gerade. Außerdem dürfen Sie auch annehmen, daß jemand, der für seine Firma hohe Einnahmen erwirtschaftet - und das ist im Zweifelsfall eher der Entwicklungsingenieur als der Fließbandarbeiter - auch entsprechend bezahlt wird. Der stielt sein Gehalt nicht, er verdient es sich.
Deshalb gibt es übrigens auch arbeitslose Ingenieure. Die füllen diese Jobs nicht aus und verdienen deshalb auch kein Geld.

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katja78 27.11.2018, 17:59
79.

Zitat von Stäffelesrutscher
Es ist Quatsch, welcher der Stimmungsmache dient. Die »Obere Mittelschicht« möchte offenbar weniger Steuern zahlen - auf Kosten der »kleinen Leute«.
Ich gebe zu, genau so ist es, ich möchte weniger Steuern zahlen. Auf Kosten der kleinen Leute? Vielleicht. Eher nicht, da die eh keine Einkommenssteuern zahlen.

Punkt ist, dass die Steuer- und Sozialabgabenlast es extrem unattraktiv macht, als Paar Vollzeit zu arbeiten. Wir haben hohe Einkommen, gehören laut Rechner zu den oberen 4% der Steuerzahler. Doch zu welchem Preis? Zwei 50h + Wochen, Dienstreisen, auch an Wochenenden, Pendelzeiten, Stress. Plus Nebenjob. Plus Kinder. Schlimmer noch als die Steuern: zweimal Sozialabgaben, d.h. zweimal volle KV, zweimal RV usw., Höchstsatz in der Kita, Höchstsatz in der Musikschule, Höchstsatz in der OGS. Das läppert sich. Wir können trotzdem gut leben, aber der Stress in Vergleich zum Einkommen ist ein schlechter Deal. Umstieg auf Alleinverdienermodell + evtl. 450€ Job brächte durch den riesigen Splittingvorteil, Wegfall eines kompletten KV-Beitrages bei gleicher Leistung, 480 weniger Kitagebühren, usw ein gar nicht so wahnsinnig viel niedrigeres Nettofamiliengehalt bei bedeutend weniger Stress.

Allein der Gedanke an meine Rente lässt mich bisher von diesem Modell absehen.

Ob das die Anreize sind, die man setzen will?

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