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Interne Papiere: So will die Bundesagentur für Arbeit Hartz IV umbauen
DPA

Wie weiter mit Hartz IV? Interne Papiere der Bundesagentur für Arbeit machen deutlich, was sie von Vorschlägen wie einem längeren Arbeitslosengeld I hält - und wie dringend der Handlungsbedarf hinter den Kulissen ist.

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Nordstadtbewohner 16.02.2019, 12:31
1. Wo ist die Vernunft geblieben?

"Die Pläne der Sozialdemokraten laufen darauf hinaus, das Arbeitslosengeld I künftig in der Regel drei Jahre lang auszuzahlen."

Ich frage mich bei solchen Plänen ernsthaft, wo die Vernunft geblieben ist. In Zeiten des Fachkräftemangels das Arbeitslosengeld auf 3 Jahre zu verlängern, ist völlig kontraproduktiv. In Deutschland gibt es zig tausende offener Stellen. Unternehmen können Aufträge nicht annehmen, weil die Arbeitskräfte fehlen. Wer heute in Deutschland innerhalb von 12 Monaten keinen Job findet, der sucht einfach nicht richtig. Dazu kommt, dass bei einer Verlängerung des Arbeitslosengeldes die jungen Menschen dafür mehr zahlen müssen, was auf Grund des demografischen Wandels eine zusätzliche Belastung ist, da die Alten immer mehr werden. Gleiches gilt für die Verringerung von Sanktionen durch Jobcenter. Ich kann nur hoffen, dass sich das nicht durchsetzen wird. Von Hartz-IV-Empfängern muss mehr gefordert werden, nicht weniger.

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r-m 16.02.2019, 12:48
2. Da sind doch einige Gute

Ideen dabei finde ich. Das System umzustellen finde ich gut. Auch finde ich es gut wenn viele Ideen zusammen getragen werden und die sinnigsten raus gefiltert werden, so sollte Politik heute gemacht werden, gemeinsam. Das alte System ist veraltet und teilweise Menschenunwürdig in einem der Fortschrittlichsten Ländern der Welt. Wie fortschrittlich ein Land ist zeigt sich immer daran wie es die schwächsten im System behandelt. Und wir haben dort extremen Handlungsbedarf, nicht nur in der Auszahlung und Zusammensetzung der Leistung, sondern auch in der Art und Weise wie wir unsere Mitmenschen fördern und integrieren. Hier besteht noch mehr Handlungsbedarf.

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suplesse 16.02.2019, 12:59
3. Man sollte auf die BA Leute hören!

Unsere Damen u. Herren Politiker schmoren dort in Berlin im eigenen Saft und haben kaum Bezug zur Realität in der Arbeitswelt. Wer jeden Tag mit den Arbeitslosen zu tun hat, kennt die Unterschiede zwischen den Willigen, den Unwilligen, den Älteren und den Jüngeren sehr genau. Praxisnähe schlägt Ideologie um Längen.

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konterspieler 16.02.2019, 13:04
4. Endlich mal die Betroffenen fragen!

Könnte bitte endlich mal jemand auf die Idee kommen, die von Hartz-IV Betroffenen zu befragen: diejenigen die früher mal mit diesem System leben mussten und diejenigen die aktuell darauf angewiesen sind ...!? Könnte man einfach mal diese vielen Menschen fragen, was sie anders machen würden, als nur die Politiker, die immer so tun, als würde die Finanzierung von Hartz-IV von ihren Sparkonten bezahlt und nicht erwa aus den Mitteln, welche die Deutsche Bevölkerung über Jahrzehnte in dieses System eingezahlt hat und weiter einzahlt. Könnte im Lande der ständigen statistischen Befragungen endlich mal jemand das "Volk" befragen, was es von diesem Hartz-IV-Scheiss hält und welche Verbesserungsvorschläge die Betroffenen selber zu machen hätten...!? Vielleicht kommt dann endlich mal eine wirkliche Verbesserung heraus!

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hei61 16.02.2019, 13:06
5. Sprachkritik

Wann hört endlich der Unsinn auf, zu schreiben oder zu sagen, in die Arbeitslosenversicherung sei eingezahlt worden? Das ist eine Risikoversicherung, keine Kapitalversicherung. Da wird bezahlt, nicht eingezahlt. Im Supermarkt wird ja im Tausch für Waren auch bezahlt und nicht eingezahlt. Das "Einzahlen" fördert eine völlig falsche Vorstellungen von einer Versicherung. " Ich habe jahrelang bei der Haftpflichtversicherung eingezahlt, jetzt müssen die auch mal was auszahlen ..." . Also bitte: "Bezahlen"

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hamish1966 16.02.2019, 13:07
6. Zurück zum Sozialstaat

In den letzten Jahrzehnten hat sich ein extremer Sozialneid verfestigt. Jedem, der nicht dem Idealbild des Vollzeit arbeitenden Rentenzahler entspricht, scheint sich automatisch in die Hängematte zu legen und durch irgendeinen Kanal finanzielle Hilfen durch die Gemeinschaft zu beziehen. Tatsache aber ist, dass sich Arbeitsbiographien heute sehr anders darstellen als noch vor 15 Jahren und wir in Zukunft damit rechnen müssen, dass Arbeitnehmer sich mehrfach innerhalb ihres Erwerbslebens fort- und weiterbilden müssen. Das ist zwar heute schon oft der Fall, wird aber in Zukunft so gestaltet sein, dass ein Abendkurs und Wochenendseminare nicht mehr ausreichen werden.

Hartz-IV Bezug ist ebenfalls individuell zu bewerten. Die Arbeitslosen- und Sozialversicherungen sind eben Versicherungen, in die Gelder auf Solidarkonten fließen, um im Notfall einzelnen zur Verfügung zu stehen. Nur sehr wenige beziehen Hartz-IV ohne vorher in das System eingezahlt zu haben. In Form von Steuern und eben Versicherungen.

Wir sollten langsam wieder zu einer Haltung kommen, mit der wir das System wieder menschlicher machen und die Realität nicht dahingehend verzerren, dass wir jeden Leistungsbezieher behandeln, als hätte er ausschließlich und willentlich ein ganzes Leben schmarotzt. Wenn mein Nachbar Hartz-iV bezieht, habe ich nicht automatisch weniger im Kühlschrank. Wenn ich ihm aber weiterhin freundlich und wertschätzend gegenübertrete, dann fasst er vielleicht wieder mehr Mut und fühlt sich nicht ausgegrenzt und verachtet. Mut macht stark und Stärke kommt in Vorstellungsgesprächen gut an.

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Idinger 16.02.2019, 13:08
7. Na ja,

Zitat von Nordstadtbewohner
"Die Pläne der Sozialdemokraten laufen darauf hinaus, das Arbeitslosengeld I künftig in der Regel drei Jahre lang auszuzahlen." Ich frage mich bei solchen Plänen ernsthaft, wo die Vernunft geblieben ist. In Zeiten des Fachkräftemangels das Arbeitslosengeld auf 3 Jahre zu verlängern, ist völlig kontraproduktiv. In Deutschland gibt es zig tausende offener Stellen. Unternehmen können Aufträge nicht annehmen, weil die Arbeitskräfte fehlen. Wer heute in Deutschland innerhalb von 12 Monaten keinen Job findet, der sucht einfach nicht richtig. Dazu kommt, dass bei einer Verlängerung des Arbeitslosengeldes die jungen Menschen dafür mehr zahlen müssen, was auf Grund des demografischen Wandels eine zusätzliche Belastung ist, da die Alten immer mehr werden. Gleiches gilt für die Verringerung von Sanktionen durch Jobcenter. Ich kann nur hoffen, dass sich das nicht durchsetzen wird. Von Hartz-IV-Empfängern muss mehr gefordert werden, nicht weniger.
für unsere Ideologen, die vom Schlaraffenland träumen und allen Menschen ein bedingungsloses Grundeinkommen verschaffen wollen, ist das aber ein wichtiger Zwischenschritt zur Utopie-Verwirklichung: Aus den drei Jahren ließen sich dann Schritt für Schritt 4, 5 oder 6 Jahre machen.

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gesichter 16.02.2019, 13:08
8. Koch und Kellner

Da ist man doch einigermaßen sprachlos. Da will eine Agentur, die im Grunde abhängig von politischen Weisungen ist, ja eigene Nummer umsetzen. Geht's eigentlich noch? Spielt das Primat der Politik in diesem Lande denn überhaupt keine Rolle mehr? Da sollte die Politik sich mal allerschnellstens ermächtigen. Die SPD ist am Zuge.

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Käptn Horn 16.02.2019, 13:13
9. Super, konsequent umgesetzt kann das richtig Geld bringen

Nachdem wir uns daran gewöhnt haben, dass unsere Politik, mehr als von Politikern von Banken, Lobbyisten, Thinktanks, PR Agenturen, und Medien gestaltet wird, warum soll die Bundesagentur für Arbeit nicht auch ihren Hut in den Ring werfen und Hartz IV umbauen? Ich finde das konsequent. Eigentlich sollten wir uns dann aber auch die ganze Infrastruktur, den Bundestag, die Regierung und alle anderen Institutionen sparen, die demokratisch legitimiert dafür eigentlich zuständig wären.

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