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Interne Papiere: So will die Bundesagentur für Arbeit Hartz IV umbauen
DPA

Wie weiter mit Hartz IV? Interne Papiere der Bundesagentur für Arbeit machen deutlich, was sie von Vorschlägen wie einem längeren Arbeitslosengeld I hält - und wie dringend der Handlungsbedarf hinter den Kulissen ist.

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1020 16.02.2019, 13:14
10. Plaene der BA 2017

Glueckwunsch.
Der BA fuer diese klaren, realisierbaren
und wuenschenswerten Vorschlaege. - Frage: Wurde das intern kreiert oder brauchte man externe Berater?
Fast egal.
Dank auch dem Autor fuer den herausragenden Text.

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imlattig 16.02.2019, 13:16
11. schlau, schlau....

wenn die bezugsdauer laenger ist, bekommen die menschen laenger bezuege.
adam riese war ein mitarbeiter der ba. wo sollen denn aeltere arbeitnehmer arbeit bekommen? die will doch keiner. allen beteuerungen zum trotz. sie werden bei harz 4 landen. das ist so sicher wie das amen in der kirche. dann ist es doch besser sie bekommen etwas laenger alg1.

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MissMorgan 16.02.2019, 13:28
12. Fördern

Es ist doch so, dass viel gefordert wird.. Termine, die nichts bringen, soundso viele Bewerbungen pro Monat (irgendwann hat man alle Firmen im Umkreis einfach durch), aber eine echte Qualifizierungsmaßnahme für ALG2 Empfänger, welche über das Bewerbungstraining und evtl noch EDV-Office-Training hinaus geht, die gibt es nicht. ALG1 Empfänger bekommt einen Gälisch-Kurs und ALG2 nicht einmal eine Fortbildung, aufbauend auf sein gerade erworbene IHK-Zertifizierung. Begründung, in dem Bereich gäbe es schon so viele Arbeitslose. Da spart sich ein ALG2 Empfänger die IHK Prüfungsgebühr vom buchstäblichen Munde ab und bringt seine selbst erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse in eine geregelte und arbeitsmarktanerkannte Form und dann kommt so eine Demotivation.
In Bewerbungstrainings werden Unterlagen getrimmt, aber für den qualifizierten Deutschkurs reicht dann das Geld nicht mehr und alle sind bei Bewerbungsgesprächen enttäuscht.

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Little_Nemo 16.02.2019, 13:38
13. Maßloses Maß nehmen

"Manchmal geht es gar nicht darum, die optimale Maßnahme für einen Arbeitslosen zu finden - sondern die optimalen Arbeitslosen für eine Maßnahme."
Das trifft nach meinen Erfahrungen beides nicht zu. Offenbar geht es einfach darum alle und jeden in irgendeine Maßnahme zu stecken, ganz ungeachtet persönlicher Eignungen und Präferenzen und auch ganz ungeachtet dessen was in so einer Maßnahme faktisch passiert, nämlich substanziell betrachtet meist nichts. Ich habe in solchen Maßnahmen schon Leute mit abgeschlossenem Philosophie- und BWL-Studium kennengelernt, ebenso wie ehemalige Immobilienmakler, Buchhalter, IT-Fachkräfte, einen Mann mit Kapitäns-Patent, bis hin zu einem Zuhälter und Ex-Junkies. Zumindest hier kann ich nicht erkennen, dass Hartz IV zu kleinteilig auf die individuellen Eignungen und Bedürfnisse der Betroffenen eingeht. Und auch was die Mehrbedarfe, vor allem für Gesundheitskosten anbelangt, die ohnehin nicht üppig sind - Diabetiker etwa bekommen meines Wissens nichts - sehe ich durch Vereinfachungen und Pauschalisierungen Probleme. Gesundheitliche Probleme, die nicht adäquat versorgt werden können, stellen auch ein mitunter erhebliches Problem bei der Arbeitssuche dar. Insofern können Einsparungen auf diesem Sektor sehr kontraproduktiv sein.

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eiskoenig 16.02.2019, 13:40
14. @Nordstadtbewohner - erst mal in die Situation hineinversetzen dann losschreien

Als selbst nicht ganz schlecht verdienender, aber dennoch sozial engagierter Unternehmer kann ich Ihnen nur sagen, dass Sie hier einem völlig falschen Beißreflex erliegen. Zunächst einmal haben Sie sicher mit der Aussage recht, dass eine Verlängerung des ALG I nicht zielführend ist (auch, wenn Sie die Finanzierung nicht ganz verstanden haben, das ALG I ist eine von Arbeitnehmer und Arbeitgeber erbrachte Versicherungsleistung), 24 Monate reichen hier. ABER: Es ist eine empirisch belegte Tatsache, dass das Abgleiten in Hartz IV für den Menschen eine enorme psychische Belastung mit sich bringt, speziell in der heute bestehenden Form. Abgesehen davon, dass die Regelsätze regelmässig viel zu niedrig angesetzt sind (Cremer u.A., 2017), ist übrigens nur ein geringer Anteil der Hartz IV - Empfänger der typische Arbeitslose. Hier sind genau so Menschen betroffen, die einer niedrig bezahlten Arbeit nachgehen (trotz sog. Mindestlohn), aber auch Menschen, die Angehörige pflegen, selbst krank sind usw. Hier greift Ihre Forderung nach „noch mehr fordern“ in keiner Weise, diese Menschen werden durch die Bürokratie nur noch mehr stigmatisiert. Abgesehen davon, dass eine Erhöhung des Regelsatzes sogar zu einer geringeren Steuerbelastung führen würde (Studie DIW 2018). Und nun zum leidigen Thema Sanktionen: es mag VEREINZELT Menschen geben, bei denen es gerechtfertigt ist zu sanktionieren - ABER: Art. 1 GG besagt, die Würde des Menschen sei unantastbar. Dazu gilt auch das Sozialstaatsprinzip (Art. 14, 20.1 GG) - und das zusammengenommen besagt, dass eine Sanktionierung UNTER das Existenzminimum schlicht grundgesetzwidrig ist. Das KÖNNTE man machen, wenn ALG II ÜBER dem Existenzminimum wäre - was de facto nicht der Fall ist.
Übrigens, ich habe selbst als Beistand nach 13 SGB X erlebt, weshalb unter Anderem sanktioniert wird und mit welchen Folgen. Beispiel: junge Frau, 23, alleinerziehende Mutter eines 4-jährigen, erhält Vorladung. Am Tag des Termins ist der Kleine jedoch schwer erkrankt, ein Attest vom Kinderarzt liegt vor, per Hotline wird (mit Zeuge) abgesagt. Darauf erfolgt 3 Tage später gem. SGB II - aber GEGEN die Richtlinien des Jobcenters - eine 100% Sanktion. Als Beistand habe ich die Dame dann begleitet - das Attest wurde vom Sachbearbeiter ignoriert, die tel. Absage gab es angeblich nicht - erst nach massiver Drohung meinerseits mit dem Anwalt wurde eingelenkt. Hier MUSS was passieren.

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Lykanthrop_ 16.02.2019, 13:44
15.

Zitat von Nordstadtbewohner
"Die Pläne der Sozialdemokraten laufen darauf hinaus, das Arbeitslosengeld I künftig in der Regel drei Jahre lang auszuzahlen." Ich frage mich bei solchen Plänen ernsthaft, wo die Vernunft geblieben ist. In Zeiten des Fachkräftemangels das Arbeitslosengeld auf 3 Jahre zu verlängern, ist völlig kontraproduktiv. In Deutschland gibt es zig tausende offener Stellen. Unternehmen können Aufträge nicht annehmen, weil die Arbeitskräfte fehlen. Wer heute in Deutschland innerhalb von 12 Monaten keinen Job findet, der sucht einfach nicht richtig. Dazu kommt, dass bei einer Verlängerung des Arbeitslosengeldes die jungen Menschen dafür mehr zahlen müssen, was auf Grund des demografischen Wandels eine zusätzliche Belastung ist, da die Alten immer mehr werden. Gleiches gilt für die Verringerung von Sanktionen durch Jobcenter. Ich kann nur hoffen, dass sich das nicht durchsetzen wird. Von Hartz-IV-Empfängern muss mehr gefordert werden, nicht weniger.
Den Fachkräftemangel gibt es aus mehreren Gründen.
In gut bezahlten Bereichen gibt es einfach zu wenige Menschen mit ausreichender und passender Qualifikation. Hier kann man an zwei Schrauben drehen, der Bildung/Qualifizierung und der Einwanderung von Fachkräften.
Es gibt aber auch ein Fachkräftemangel in Branchen mit prekären Arbeitsbedingungen.
Dies können Sie auch allein durch Einwanderung versuchen zu lösen, sollten aber die Konsequenzen bedenken. Man könnte auch nebenbei versuchen die Arbeitsbedingen zu verbessern, das wäre für den Frieden unserer Gesellschaft förderlich.
Die BA ist in erster Linie für die Bürger in Not da und nicht dafür da Arbeitgebern möglichst billige Arbeitskräfte zur Ausbeutung zuzuführen.
Kein Mensch hat ein Recht auf Faulheit, aber jeder ein Recht auf eine würdige Arbeit und jeder der sich, seinen Kräften nach für die Gesellschaft einbringt muss sein Auskommen finden, meine Meinung.

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Little_Nemo 16.02.2019, 13:55
16. Gefühlter Realitätsbezug

Zitat von suplesse
Unsere Damen u. Herren Politiker schmoren dort in Berlin im eigenen Saft und haben kaum Bezug zur Realität in der Arbeitswelt. Wer jeden Tag mit den Arbeitslosen zu tun hat, kennt die Unterschiede zwischen den Willigen, den Unwilligen, den Älteren und den Jüngeren sehr genau. Praxisnähe schlägt Ideologie um Längen.
Einiges klingt auch für mich ungewohnt vernünftig. Dass allerdings die Kompetenz der Agentur für Arbeit plötzlich einen so hohen Stellenwert haben soll, irritiert mich. Es ist erst einige Jahre her, da wurde der AfA von weiten Teilen der Wirtschaft (von vielen Arbeitssuchenden sowieso) das Gegenteil bescheinigt, u.a. weil sie von der AfA so viele Kräfte vermittelt bekam, die nicht ihren Anforderungen entsprachen. Die FDP wollte sie gar abschaffen oder privatisieren (was ja auch faktisch bis zu einem gewissen Grad geschehen ist, denn die AfA deligiert ja große Teile ihrer Aufgaben an private Unternehmen, wie z.B. private Bildungsträger, Coaches und Zeitarbeitsunternehmen - auch die Jobcenter haben so einen gewissen Hybridcharakter zwischen Behörde und Privatunternehmen). Kompetenz erlangt eine Agentur für Arbeit nicht allein dadurch, dass sie glaubt die Arbeitslosen zu kennen, sondern auch dadurch, dass sie die Arbeitswelt, die Unternehmen kennt und weiß wer wofür geeignet ist. Das würde Zufriedenheit auf beiden Seiten schaffen. Und genau da haperte es in der Vergangenheit bei der AfA beträchtlich. Zu glauben, das Problem liege vor allem in der Willigkeit oder Unwilligkeit der Arbeitslosen, ist ebenfalls eine sehr indifferente, praxisferne Ideologie.

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Vallecas 16.02.2019, 13:55
17. Umbau

Hört sich soweit ganz gut an, was die BA vorhat. Allerdings, müßte man auch mal daran denken, wie man denn mit der ganzen Thematik in der nächsten Krise umgeht. Die kommt bestimmt und der Umbau würde dann wahrscheinlich solange dauern, daß viele auf der Strecke bleiben werden. Desweiteren, muß auch mal darüber nachgedacht werden, was man denn mit einem Fernfahrer(immer nur ein Beispiel) macht, der aus gesundheitlichen Problemen mit 50 nicht mehr fahren kann. Denn will man "zwangsweise" zum Altenpleger umbilden?

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salomon17 16.02.2019, 13:58
18. Hört sich vernünftig an

Die Vorschläge der BA hören sich für mich nach guten Verbesserungsvorschlägen engagierter Mitarbeiter an. Vom Prinzip her gehen sie ja auch in die selbe Richtung wie die von Herrn Heil. Politisch geht es der SPD wohl auch darum, die Hypothek "Hartz IV" loszuwerden. Na dann nehmt halt die Vorschläge der BA, ändert den Namen und seht in ein paar Jahren nach, ob das System besser funktioniert als das jetzige. Denn dass Hartz-IV vieles produziert hat, was als ungerecht empfunden wird, ist nicht zu übersehen.

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Crom 16.02.2019, 14:07
19.

Diese Vorschläge klingen schon deutlich besser, sind sachorientiert und zielgenau. Ich hoffe die Zukunft liegt eher dort als beim SPD-Vorschlag.

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