Forum: Wirtschaft
Interne Papiere: So will die Bundesagentur für Arbeit Hartz IV umbauen
DPA

Wie weiter mit Hartz IV? Interne Papiere der Bundesagentur für Arbeit machen deutlich, was sie von Vorschlägen wie einem längeren Arbeitslosengeld I hält - und wie dringend der Handlungsbedarf hinter den Kulissen ist.

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liberaleroekonom 16.02.2019, 14:11
20. Erklären Sie das mal der SPD

Zitat von hei61
Wann hört endlich der Unsinn auf, zu schreiben oder zu sagen, in die Arbeitslosenversicherung sei eingezahlt worden? Das ist eine Risikoversicherung, keine Kapitalversicherung. Da wird bezahlt, nicht eingezahlt. Im Supermarkt wird ja im Tausch für Waren auch bezahlt und nicht eingezahlt. Das "Einzahlen" fördert eine völlig falsche Vorstellungen von einer Versicherung. " Ich habe jahrelang bei der Haftpflichtversicherung eingezahlt, jetzt müssen die auch mal was auszahlen ..." . Also bitte: "Bezahlen"
Jetzt verstehe ich auch was bei der SPD passiert ist. Sie hat bei all ihren vermeintlich klugen Vorschlägen zu mehr Sozialstaat lediglich die Rentenversicherung (Kapitalversicherung) mit der Arbeitslosenversicherung (Risikoversicherung) verwechselt.
Nur so kann man sich erklären, dass sie bei der Rentenversicherung das sinnvolle Äquivalenzprinzip abschaffen will (Teilzeitbeschäftigte sollen zukünftig die Rente von Vollzeitbeschäftigten erhalten) und bei der Arbeitslosenversicherung, wo es ziemlich unangebracht ist, verstärkt einführen will.

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karlo1952 16.02.2019, 14:16
21. Es ist höchste Zeit, dass die Politik auch mal

auf die Praktiker hört, die sich tagtäglich mit den Gesetztsvorgaben herumschlagen müssen. Das wäre in vielen Bereichen dringend notwendig, da unsere Politiker ja den Bezug zur Realität verloren haben, bzw. manche noch nie einen dazu hatten.
Die Vorschläge der BFA sind das beste was ich bisher von offiziellen Seiten gehört habe.

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bandelier 16.02.2019, 14:48
22. Nordstadtbewohner

Sie bleiben sich in Ihrer Argumentation treu, obwohl sie einfach nicht richtig ist. er durchschnittliche Arbeitnehmer, der, aus welchem Grund auch immer, arbeitslos wurde, setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um wieder eine Anstellung zu finden. Es ist einfach schäbig, diesen Menschen, die in aller Regel durch ihre Situation extrem belastet sind, Trägheit zu unterstellen. Dass dies aus der Politik so gesehen wird, spricht für sich, nicht jedoch für die Politik. Durch HartzIV sind unzählige Menschen, die 30 und mehr Jahre malocht haben, arm geworden, viele von ihnen, weil aufgrund von Management-Fehlentscheidungen Unternehmen über Personalabbau saniert wurden, während die Manager sich Boni genehmigten. Das Konzept Fördern und Fordern ist übrigen eine der grössten Lügen überhaupt. Gefordert wird viel, teilweise überfordert und am Gesetz vorbei. Gefördert werden selten die Arbeitslosen, sondern die Institute, die fragwürdige und wenig erfolgversprechende Schulungen anbieten. Die Jobcenter kennen diese Institute gar nicht, informieren sich auch nicht über deren Arbeitsweise, schicken dennoch reichlich Delinquenten dahin, weil sie die eigenen Zahlen damit schönen können. Und wenn Unternehmen sich endlich entschliessen könnten, Mitarbeiter ü50 einzustellen, könnte sich ein grosser Teil des angeblichen Fachkäftemangels erledigen. Die grössten Sozialschmarotzer finden wir in der Wirtschaft, die sich in jeder Weise vom Staat bedienen lässt. Dort muss gefordert werden, und zwar massiv, vllt. sogar mit Zuckerbrot und Peitsche: Steuervergünstigungen z.B. gegen Einstellungen und menschenwürdige Bezahlung. Sie sollten sich gründlich informieren, bevor Sie so zynisch kommentieren. Ich begleite derzeit zwei Arbeitssuchende zum Jobcenter, weil sie allein nicht mehr schaffen, und es ist fast skandalös, welcher Unsinn dort durch inkompetente Sachbearbeiter verzapft wird, die übrigens teilweise auch nur befristete Verträge haben.

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christianus_occator 16.02.2019, 14:48
23. Nordstadtbewohner wieder

Zitat von Nordstadtbewohner
"Die Pläne der Sozialdemokraten laufen darauf hinaus, das Arbeitslosengeld I künftig in der Regel drei Jahre lang auszuzahlen." Ich frage mich bei solchen Plänen ernsthaft, wo die Vernunft geblieben ist. In Zeiten des Fachkräftemangels das Arbeitslosengeld auf 3 Jahre zu verlängern, ist völlig kontraproduktiv. In Deutschland gibt es zig tausende offener Stellen. Unternehmen können Aufträge nicht annehmen, weil die Arbeitskräfte fehlen. Wer heute in Deutschland innerhalb von 12 Monaten keinen Job findet, der sucht einfach nicht richtig. Dazu kommt, dass bei einer Verlängerung des Arbeitslosengeldes die jungen Menschen dafür mehr zahlen müssen, was auf Grund des demografischen Wandels eine zusätzliche Belastung ist, da die Alten immer mehr werden. Gleiches gilt für die Verringerung von Sanktionen durch Jobcenter. Ich kann nur hoffen, dass sich das nicht durchsetzen wird. Von Hartz-IV-Empfängern muss mehr gefordert werden, nicht weniger.
Anscheinend waren Sie noch nie in einer ernsthaften Notlage. Aber ich weiß: wenn man selber betroffen ist, handelt es sich grundsätzlich um einen unverschuldeten Ausnahmezustand, während alle anderen nur faule Säcke sind. Ja, das Leben kann so schön einfach sein, wenn man in einer Blase lebt.

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hallmackenreuter 16.02.2019, 15:03
24. Obdachlosigkeit von HartzIV-Empfängern verhindern!

Der Bericht verweist auf das Risiko der Obdachlosigkeit - ein großes Problem, weil die Mieter oft kein Vermögen haben und die Kaution nur drei Kaltmieten betragen darf. Hier muss der Staat mehr tun, weil heute die Vermieter bei Vermietung an Hartzies zu hohe Risiken eingehen. Zieht ein Mieter aus, stellt er oft einfach die Mietzahlungen ein. Mit Mietausfall einschließlich Räumungklage verliert der Vermieter erst einmal ca. 9 Monatskaltmieten -- es ist vielleicht keiner mehr da, aber er macht sich strafbar, wenn er die Wohnung einfach so zurücknimmt. Dann sind i.d.R. Fußböden, Türen und Fliesen zu erneuern und unterlassene Schönheitsreparaturen durchzuführen, hier kommen auch schnell 6-10 Monatskaltmieten zusammen. Insofern gehört das Mietrecht geändert, so dass entsprechende Sicherheiten gestellt werden können, und diese müssten dann auch von der Bundesagentur (z.B. maximal begrenzt auf 15 Monatsgrundmieten) bereitgestellt werden. Dann würden auch die HartzIV-Empfänger (oder wie sie auch zukünftig genannt werden) wieder problemlos eine Wohnung finden.

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blurps11 16.02.2019, 15:13
25.

Einige der Vorschläge sind mindestens bedenkenswert, bei den Prämien für "erfolgreiche" Jobcenter schrillen aber sämtliche Alarmglocken. Was genau heißt denn erfolgreich ? Möglichst viele Arbeitslose aus der Statistik entfernt, wenigstens temporär ? Die Vorgaben bzgl. Sanktionen (über)erfüllt ? Solchen Eindrücken konnte man sich angesichts der wenigen leaks aus dem Inneren der Behörde jedenfalls kaum erwehren.

Ein für mich ganz wichtiger Punkt fehlt außerdem: Qualitätskontrolle bei den sog. Maßnahmen. Gibt's aktuell praktisch nicht, so dass sich neben den seriösen Anbietern ein ganzer Sumpf von Goldgräbern etabliert hat. Die bieten nur Gaga an und kassieren dafür fett ab.

Eigentlich müsste es ja im Interesse der Ämter und zuständigen Ministerien sein, die faulen Äpfel auszusortieren, schon aus Kostengründen. Aber mit deren Hilfe kann man eben die Statistiken so schön "massieren"...(s.o.)

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wilfried.becker.50 16.02.2019, 15:38
26.

Zitat von Nordstadtbewohner
Ich kann nur hoffen, dass sich das nicht durchsetzen wird. Von Hartz-IV-Empfängern muss mehr gefordert werden, nicht weniger.
Wie sieht Ihre Forderung z.B. an mich aus?
Mit 64 Jahren fordert da keiner mehr was von mir.

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arr68 16.02.2019, 15:46
27. und warum führen wir nicht endlich das dänische Systemein

dort hat das Arbeitsamt keine Sesselpuper-Verwaltungsaufgabe, sondern ist jederzeit mit Qualifizierung und Vermittlung der Kunden beschäftigt. Dazu rücken wir endlich die Leiharbeit ins richtige Licht, gleiche Bezahlung für die Arbeit plus einen Zuschuss für Flexibilität. Dazu einen Gewerkschaftszwang auch für die Reinigungsbranche, Pflege und alle anderen Dumpingbranche. Wesentlich höhere Bestrafung für die Vermittlung von Schwarzarbeit und Mithaftung der Auftraggeberfirmen. und und und. Aber nein, die Ideen gehen ja gegen die Nutznießer des Systems, die vorher schon aktiv in der Politik unseren Staat gelöchert haben.

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Schnabbelschnute 16.02.2019, 15:46
28. Die BA...

...hat bereits verloren!
Sanktionen seien keine Willkür und Strafe????? das sehen die betroffenen nun wirklich anders!
Jüngst hat die BA mit der IAB festgestellt, dass eine Aufweichung des bestehenden systems negativ wäre....wie wäre es, wen die IAB den Auftrag bekommen würde, eine Statistik darüber zu stellen, wieviele Menschen aufgrund von Sanktionen oder Sanktionsandrohung langfristig in Arbeit gekommen sind, und im welchen Zusammenhang der Wirtschaftsaufschwung mit Hartz 4 zu tun hat....ich dachte immer die Beschäftigten eines Unternehmens sind für die Gewinne verantwortlich???
Auch die BA weiß mittlerweile , dass auch sie niemand mehr braucht, wenn wir ein bedingungsloses Basis-Geld {Grundeinkommen) in Deutschland haben...und nützt wäre es Zeit dafür zu werben, das würde gleich zwei für den sozialen und gesellschaftlichen Frieden gefährdeten Themen at Acta legen...Hartz iv und die der Grundrente!

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burlei 16.02.2019, 15:47
29. Wie man das Kind nun nennen wird ...

... ob "3 Jahre Alg I" oder "Hartz-IV-Aufstockung" ist im Prinzip doch Jacke wie Hose. Wichtig ist, dass endlich mal jemand anfängt. die Sozial-Gesetze im Sinne der Menschen zu reformieren. Sicher ist, dass man eine CDU/CSU da genau so wenig ran lassen kann wie eine FDP. Ich erinnere da nur an die Merz'schen "130 Euro sind genug", die von der FDP anhaltenden Beifall bekamen. Nein, die Konservativen, Neoliberalen und Neofaschisten kann man mit einer Sozialreform nicht beauftragen. Eben so wenig kann auf die Meinung des Otto Normalverbraucher etwas geben. Dessen Befürchtungen drehen sich ja nicht darum, dass er mal arbeitslos wird, Hartz-IV bezieht oder in Rente geht, dessen Befürchtungen drehen sich darum, dass "andere" von "seinem" Geld "rumfaulenzen" oder in der "sozialen Hängematte sich einen lauen Lenz" machen. Also, liebe Sozis, Linke und Grüne, es gibt viel zu tun, um den Sozialstaat nicht irgendwelchen Marktwirtschaftlern, Neoliberalen oder Nationalisten zu opfern. Packt es mal an! Lorbeeren erntet ihr damit nicht, nur Empörung und blanken Hass von Seiten derer, die befürchten, ihr könntet damit punkten.

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