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Interne Papiere: So will die Bundesagentur für Arbeit Hartz IV umbauen
DPA

Wie weiter mit Hartz IV? Interne Papiere der Bundesagentur für Arbeit machen deutlich, was sie von Vorschlägen wie einem längeren Arbeitslosengeld I hält - und wie dringend der Handlungsbedarf hinter den Kulissen ist.

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liberaleroekonom 17.02.2019, 14:15
60. Stimmt, es sind nicht unbedingt die Reichen, die davon profitieren

Zitat von widower+2
Im Gegensatz zu Ihnen stehe ich zwar der SPD politisch nahe, habe aber auch durchaus einige Kritikpunkte an deren jüngsten Vorschlägen. Wobei ich die entfallende Bedürftigkeitsprüfung für eher nebensächlich halte, da der bürokratische Aufwand in keinem vernünftigen Verhältnis zu den möglichen Einsparungen auf der Leistungsseite stehen dürfte. Wirklich Reiche wären sowieso kaum betroffen.
Jetzt kann ich Ihnen sogar schon wieder weitestgehend zustimmen. Ob die Bedürftigkeitsprüfung tatsächlich nebensächlich ist, ist doch genau einer der großen Streitpunkt. Die eigenen Untersuchungen der SPD weisen aber doch genau auf das Gegenteil hin. Würde die Heilsche Grundrente wirklich nur Bedürftigen gewährt, würde die Zahl der tatsächlich Betroffenen signifikant (manche sprechen gar von bis zu 90 Prozent) sinken.
Und richtig, es sind kaum die wirklich Reichen (Großerben, oder diejenigen mit extrem einkommensstarken Ehegatte etc.) die davon profitieren.
Sondern viele (auch kleine und nicht immer besonders profitable) Mittelständler, Handwerker, Arztpraxen oder auch ganz normale Bürger, die den Ehegatten (auf Anraten Ihres Steuerberaters) sozialversicherungspflichtig (451 Euro mtl. reichen dabei aus) bei sich beschäftigen, um z.B. die relativ hohen privaten Krankenversicherungsbeiträge einzusparen. Und natürlich auch diejenigen, die es aus finanziellen Gründen keineswegs nötig haben Vollzeit zu arbeiten und deshalb schon seit Jahren durch irgendwelche Nebenjobs (aus Arbeitsfreude oder Langeweile) das Haushaltseinkommen aufbessern.
Man kann deren zukünftige Besserstellung mit der Heilschen Grundrente als hinnehmbaren und akzeptablen Kolateralschaden darstellen. Man kann diese Besserstellung von nicht wirklich Bedürftigen (oder Abgabenoptimierern) aber auch als nicht zielgenau kritisieren. Ich zähle zu Letzteren.

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Little_Nemo 18.02.2019, 08:51
61. Ungesunde Hierarchien

Zitat von view3000
Die meisten Mitarbeiter der Agentur für Arbeit haben sich an ihre Machtposition, die ihnen Kraft der Agenda2010 eingeräumt wurde, längst gewöhnt und schauen sehr oft auf ihre "Kunden" herab. Das Gefühl schikaniert zu werden, kann einen, selbst bei einem kurzen Verlauf der Arbeitslosigkeit, schnell überkommen...
Ob das jetzt wirklich die meisten sind, möchte ich nicht beurteilen. Dass Sie aber nicht ganz Unrecht haben, lässt sich recht plastisch beobachten, wenn man morgens um kurz vor halb Acht vor der Eingangstür unseres örtlichen Jobcenters steht. Dann nämlich kann man Jobcenter-Mitarbeiter beim Betreten ihres Arbeitsplatzes beobachten, wobei ein nicht unerheblicher Prozentsatz von ihnen mit verächtlicher Miene und ohne zu grüßen an den wartenden Leistungsempfängern vorbei geht, teils sogar an Menschen mit denen er wenige Minuten später ein Gespräch zu führen hat, bei dem dann nicht selten zunächst ganz freundlich getan wird. Die zugrundeliegende Geisteshaltung ist offenbar, dass man sich außerhalb der Arbeitszeit zu solchen Freundlichkeiten nicht herablassen muss und ruhig sein wahres Gesicht zeigen kann.

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