Forum: Wirtschaft
Ist der Euro noch zu retten?

Mit ungewöhnlich scharfer Kritik meldete sich Bundespräsident Wulff in der Euro-Krise zu Wort: Vor einer Gruppe Nobelpreisträger rügte er die Strategie von Spitzenpolitikern und Währungshütern. Hat er Recht? Ist der Euro überhaupt noch zu retten?

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Rosbaud 12.09.2011, 12:57
1520. Europäische Lösung

Die Rettung des Euros wird nur durch eine europäische Lösung gelingen.
Nur wenn man endlich die wirklichen Ursachen der Krise angeht, kann man sie überwinden. Diese liegen in der Fehlkonstruktion des Maastrichter Vertrages, in entfesselten Finanzmärkten und zunehmenden innereuropäischen Ungleichgewichten. Die EU muss daher an Haupt und Gliedern reformiert werden: Erforderlich sind eine neue Wachstumsstrategie, eine Niedrigzinspolitik für die Schuldnerstaaten, eine Reform der Finanzmärkte, die Koordinierung von Lohn-, Sozial- und Steuerpolitik sowie die Einführung einer europäischen Wirtschaftsregierung.

Wie wichtig niedrige Zinsen sind, zeigt ein Blick in die Geschichte. Amerika und Großbritannien haben sich nach dem Krieg mit folgenden Maßnahmen schnell entschulden können:
Durch eine staatliche Kontrolle der Zinsen für Staatsanleihen und Ersparnisse gelang es beiden Staaten, bei gleichzeitiger Einschränkung des internationalen Kapitalverkehrs die Staatsschulden sehr rasch zu reduzieren. Auch heute kommt es daher darauf an, mit den Mitteln der Schuldengarantie durch die EU-Staaten die Zinsen für die Schuldnerstaaten drastisch zu reduzieren.

Aber leider ist unsere umnachtete Elite im ehernen Gehäuse neoklassischer Dogmen gefangen und macht mit schlafwandlerischer Sicherheit immer genau das Falsche.

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Madir 12.09.2011, 13:16
1521. ...

Zitat von Rosbaud
Die Rettung des Euros wird nur durch eine europäische Lösung gelingen. Nur wenn man endlich die wirklichen Ursachen der Krise angeht, kann man sie überwinden. Diese liegen in der Fehlkonstruktion des Maastrichter Vertrages, in entfesselten Finanzmärkten und zunehmenden ....
Sie hätten auch gleich schreiben können der Euro ist nicht zu retten.

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sitiwati 12.09.2011, 13:31
1522. tja, eigentlich

Zitat von Krassopateras
Sie haben vollkommen recht. Einige meinen hier, in den südlichen, europäischen Ländern gelten Gesetze wie in Deutschland. Viele Gesetze stehen in GR auf dem Papier aber bekanntlich ist Papier sehr geduldig. Wenn in GR alles nach Recht und Gesetz zugehen würde, hätte man kein Problem. Das allerdings, begreifen viele Foristen nicht, die die deutsche Brile aufhaben, denen fehlt absolut jedwede Erfahrung im Ausland.
fängt Asien in der Türkei an, aber ich denke, wenn man im Hafen von Patras landet, sind die ersten Ausläufer zu sehen!

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RogerRabit1962 12.09.2011, 13:52
1523.

Zitat von Rosbaud
Ihrer Argumentation zufolge bleibt uns nur noch ein „Race to the bottom“. Aber Gott sei Dank! braucht man dieser Schmalspurlogik nicht zu folgen..
Es bleibt eine Alternative, auch wenn Sie diese argumentativ negieren.
Zitat von Rosbaud zitiert Hickel
Deutschland hat mit seiner autistischen, parasitären „Beggar-thy-neighbour-Politik“ bereits genug Schaden angerichtet.
Lassen wir mal Ihren Standardvorwurf an Deutschland weg, und lesen Sie bitte mal aufmerksam den unterstrichenen Satz des von Ihnen zitierten Buches, meine Einklammerung der Ursache (die hierbei keine Rolle spielt) und der unterstrichenen Ergänzung.
Hier stimmen wir in einem Punkt überein.
Sobald die -ACHTUNG- REALE Kapitalrendite die Rendite aus Produktion übersteigt findet Produktionserweiterung nicht mehr statt.

Diesen Effekt werden Sie überall beobachten.

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RogerRabit1962 12.09.2011, 14:21
1524.

Zitat von Rosbaud
Gerade weil ich die Ergebnisse Ihrer Denkschule klar vor Augen habe und jede Menge Sachargumente dafür habe, dass dieses Denken keine Lösung für die anstehenden Probleme bietet, sondern alles nur schlimmer macht, gehe ich mit so hart ins Gericht.
(die abqualifizierende Polemik mal unterstrichen)
Hier treffen die Punkte aufeinander, bei denen es wohl in eine Entscheidung laufen wird.
Sie können da Pragmatik versuchen, aber Pragmatik wird in dem Punkt nicht zu Lösungen führen können, da der systemische Ansatz schon fehlerhaft ist.
Sie wollen Überkreditierung mir Krediten heilen und aus den Neukrediten Wachstum generieren.

Stark hat es schön formuliert:

"
Stark, who is often portrayed as the arch-German anti-inflation hawk, has scant regard for those who say the relentless drive for austerity in Europe will not work.

“What is the alternative approach? To continue with high debt ratios, to increase debt even further, running the risk of losing access to financial markets, to put a heavy burden on future generations?” he asks.
I think from a moral and ethical point of view, also from a political point of view, and from a point of view of inter-generational justice, this is impossible and not feasible.
There is a need for adjustment, an urgent need for adjustment, in particular taking into account the decline in population in the number of people in advanced economies so we put an ever heavier burden on future generations and this is not acceptable.”

"

Zitat von Rosbaud
Das grundlegende Problem der Neoklassik ist, dass sie sich in den letzten Jahren vor aller Augen zerlegt hat..
Das wird die nächste grosse Geschichtsklitterung werden.
Da wir noch nicht durch sind, und die Ganze Malaise die Stark sieht erst anfängt, werden wir noch genug Zeit verbringen die Analysen des Crashverlaufs in der Pathologie zu betrachten.
http://www.zerohedge.com/news/goldma...er-lot-further
http://www.zerohedge.com/sites/defau...B%20BS%204.jpg

Die linke Skala sind übrigens Milliarden, also die 1000 steht für die Billion.
Man kann Stark verstehen.



Zitat von Rosbaud
Ja, und in den Siebzigern war ich sogar Betriebsrat (IG Druck und Papier)..
Sehr löblich.



Zitat von Rosbaud
Ist schnell formuliert:Mindestlohn und eine Stärkung des Flächentarifvertrags. Die Neoklassiker[...]rganisieren, im Arbeitskampf dann ganze Unternehmen oder gar Branchen lahmlegen.
In hochproduktiven Branchen sind andere Modelle, d.h. Mitarbeiterbeteiligung sinniger, ansonsten ist Flächentarif sinnvoll, Mindestlohn kann ich nicht wirklich einordnen.
Wenn Mindestlohn funktionieren würde, könnte man das BIP einfach beschliessen.
All diese Dinge funktionieren aber in einem homogenen Wirtschaftsgebilde doch nicht mehr National.
Sie müssten für Europäische Gewerkschaften kämpfen, für Europäische Mindeststandards.
Dann müssen Sie soweit kommen, dass die französischen Transportfahrer und die tschechischen gleichen Lohn bekommen.
Anders wird es wohl nicht in einem gemeinsamen Markt funktionieren können, sonst muss der Deutsche Transporteuer ausflaggen, er hat keine Alternative.

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Linlithgow 12.09.2011, 15:11
1525.

Zitat von Rosbaud
Amerika und Großbritannien haben sich nach dem Krieg mit folgenden Maßnahmen schnell entschulden können: Durch eine staatliche Kontrolle der Zinsen für Staatsanleihen und Ersparnisse gelang es beiden Staaten, bei gleichzeitiger Einschränkung des internationalen Kapitalverkehrs die Staatsschulden sehr rasch zu reduzieren.
Ich wollte das aufgreifen, um zu zeigen, was 'Einschraenkung des internationalen Kapitalverkehrs' hiess, naemlich dass Touristen, die von GB auf das europaeische Festland reisen wollten, nur sehr begrenzt Geld mitnehmen durften. Wollen Sie solche Zeiten wirklich wieder haben? Wollen Sie wirklich, dass Sie bei Ihrem naechsten Urlaub (aber auch bei einer Geschaeftsreise) nur E50 pro Tag mitnehmen duerfen?

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Patrik74 12.09.2011, 15:39
1526. Verstehe ich sie richtig?

Zitat von Rosbaud
Wie wichtig niedrige Zinsen sind, zeigt ein Blick in die Geschichte. Amerika und Großbritannien haben sich nach dem Krieg mit folgenden Maßnahmen schnell entschulden können: Durch eine staatliche Kontrolle der Zinsen für Staatsanleihen und Ersparnisse gelang es beiden Staaten, bei gleichzeitiger Einschränkung des internationalen Kapitalverkehrs die Staatsschulden sehr rasch zu reduzieren.
Also, sie fordern, dass den Haltern von Staatsanleihen (die Reichen) und Ersparnissen (Oma Trude) die Zinsen gekürzt werden und gleichzeitig sollen sie durch "Einschränkungen des internationalen Kapitalverkehrs" daran gehindert werden, ihr Geld abzuziehen. Ist das das Ziel der Übung?

Natürlich eine schnelle Art seine Schulden loszuwerden - man könnte dieses auch als Raub bezeichnen, Enteignung. Sie befürworten also in einfachen Worten Raubrittertum, welch zivilisatorischer Fortschritt! Vielleicht schaffen wir auch wieder den Frondienst ein?

Im übigen würden sie damit die Ungleichgewichte in Europa verstärken, denn eine positive Leistungsbilanz kann im wesentlichen durch eine negative Kapitalbilanz ausgeglichen werden - wofür ich mich ausspreche. Fliessen also netto Erlöse ins eine Land, sollen Investitionen ins andere zurückfliessen; diesen Ausgleich verhindern sie.

Im Ergebnis fallen die schwachen Länder mangels Investitionen noch weiter zurück (wo bleibt da ihre europäische Solidarität?) und die starken Länder pumpen sich noch weiter mit "Überschussgeld" auf, das in Ermangelung von ausreichenden inländischen Anlagemöglichkeiten ins Finanzkasino gesteckt wird (wo es die aktuellen Probleme verschärft).

Super Vorschlag!

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rolli 12.09.2011, 15:47
1527.

Zitat von sysop
Mit ungewöhnlich scharfer Kritik meldete sich Bundespräsident Wulff in der Euro-Krise zu Wort: Vor einer Gruppe Nobelpreisträger rügte er die Strategie von Spitzenpolitikern und Währungshütern. Hat er Recht? Ist der Euro überhaupt noch zu retten?
http://www.bis.org/publ/othp16.pdf

Was lernen wir? Schulden sind gut, wenn sie nicht über 85% des BIP gehen, erst danach werden sie kritisch? Eine gute Statistik mit Schlüssen daraus.

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Patrik74 12.09.2011, 16:08
1528. Was denn?

Zitat von Krassopateras
Sind Sie eigentlich blind vor dem was abläuft in der jetzigen Finanzdiktatur. Das gibt es alles bereits.
Was genau meinen sie jetzt (reine Verständnisfrage)?

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Frankenfurter 12.09.2011, 16:09
1529.

Zitat von RogerRabit1962
Die linke Skala sind übrigens Milliarden, also die 1000 steht für die Billion. Man kann Stark verstehen.
Scheint sich um eine Studie für High Endkunden von Goldman Sachs zu handeln. Wären Sie so freundlich, das was da über die EZB steht einmal kurz so zusammenzufassen, dass auch ich es verstehen kann?

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