Forum: Wirtschaft
Ist der Euro noch zu retten?

Mit ungewöhnlich scharfer Kritik meldete sich Bundespräsident Wulff in der Euro-Krise zu Wort: Vor einer Gruppe Nobelpreisträger rügte er die Strategie von Spitzenpolitikern und Währungshütern. Hat er Recht? Ist der Euro überhaupt noch zu retten?

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cartago 29.02.2012, 23:39
5580. Es war einmal...

Über lang oder kurz wird es den Euro nicht mehr geben. 10 Jahre nach dessen Einführung zeigt es sich, daß eine einheitliche Währung nicht Grenzen zwischen Ländern überwinden kann, die sich bis jetzt vor allem eines haben, bekriegt. Sei es mit Waffen oder Wirtschaft.

Die Situation in Griechenland zeigt deutlich, wohn alles führen wird. Länder die sich restlos verschuldet haben aber den Euro führen, werden sich unter den Eurorettungsschirm flüchten um ihre selbstgemachten Fehler von den anderen bezahlen zu lassen. Früher hat sich jedes Land selbst darum kümmern müssen, doch jetzt werden alle in Sippenhaft genommen und das ist auf Dauer UNBEZAHLBAR. Schon Griechenland bringt den Rettungsschirm an die Grenzen. Was wenn jetzt noch mehr Länder dazu kommen sobald Griechenland fallen gelassen wurde?

Der Euro wird bald nur noch in den Geschichtsbüchern zu finden sein und Generationen werden für den Fehler bezahlen müssen

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Patrik74 01.03.2012, 09:19
5581. Fehlerhafte Argumentation

Zitat von Sumerer
Sie verfallen immer wieder der gleichen fehlerhaften Argumentation. Es kann, anders als Sie es sehen, durchaus sein, dass Fremdkapital günstiger nutzbar ist als Eigenkapital. Und, es ist eben auch möglich und sinnvoll, amortisierbare Investitionen zu finanzieren. Wenn das nicht möglich ist, dann ist eine finanzierbare Handlung nicht sinnvoll.
Zunächst einmal argumentieren sie fehlerhaft, indem sie die Staatsfinanzierung über Steuern oder Schulden der Unternehmensfinanzierung über Eigen- oder Fremdkapital gleichsetzen.
Inwiefern stellen Steuern "Eigenkapital des Staates" dar? Man kann sie allenfalls als Umsatz i.S.v. Preis der erbrachten staatlichen Leistungen sehen, aber auch das nur mit Mühe. Steuern sind, was sie sind: Zwangsabgaben, nicht mehr, nicht weniger.

Im übrigen habe ich mich nie grundsätzlich gegen Schulden ausgesprochen. Sie sind ein sinnvolles Mittel soweit sie investiert werden - und zwar in Projekte, die mehr einbringen als der Schuldendienst. Dass dies nicht passiert, kann man an den jährlich steigenden Schuldenständen leicht ablesen. Die Schulden werden überwiegend dazu verwendet, die jeweiligen Klientele zu bedienen und Wählerstimmen zu kaufen.

Unter diesen Bedingungen bin ich für ein radikales Neuverschuldungsverbot.
Unser politisches System ist nicht geeignet, die Politiker zu sinnvollem Umgang mit Geld anzuhalten, ganz im Gegenteil: Mehr Ausgaben bedeuten im Allgemeinen mehr Stimmen, also werden jedes Jahr - unabhängig von der konjunkturellen Lage - Defizite gefahren. Es steigen aber nicht die Investitionen, sondern in erster Linie die Transfers und Subventionen.

Man kann das Problem nur durch eine Reform des politisches Prozesses lösen, aber dafür geht es uns noch zu gut. Vielleicht ist es soweit, wenn sich die Risiken in Höhe von hunderten von Milliarden materialisieren.

Bedauerlich, dass ein Grossteil der Menschen nur durch Schmerzen lernen kann.

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marant 02.03.2012, 12:50
5583. ttt

Zitat von exilator
Völlig richtig. Zumal es ja so aussieht, als ob wir z.B. den Griechen die Uboote und Raketen geschenkt hätten, angesichts des vielen Geldes das wir jetzt wieder dahin schicken. Aber das ist ja mnur wieder ein Fallbeisliel, dass das Finanzcasino nur bedingt lebensfähig ist. Am Leben wird es nämlich durch die Realwirtschaft gehalten. Aus 2 gründen: 1. Die....
so weit so gut... es ist ein Aber dabei, und zwar: wodurch wird Realwirtschaft am Leben gehalten ?, und zwar schon seit Jahrzehnten, wobei in den letzten Jahren ein Turbo eingeschaltet wurde, wohl aus lauter Verzweiflung ? es nicht erwirtschaftet zu wissen ? gut möglich....

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exilator 02.03.2012, 13:05
5584.

Zitat von donald17
Lesenswert zum Thema 3-Jahres Tender EZB:
Diese Stümperaktion verschiebt das ganze lediglich um 3 Jahre. Dann wird sich herausstellen, welche Banken und welche Staaten direkt und sofort pleite sind. Zwar werden derzeit durch diese Aktion Staatsanleihen nachgefragt, und die Zinsen sinken, aber es sind hauptsächlich 2 Jahresanleihen, denn lediglich für diese besteht Sicherheit. Und die Banken denken derzeit noch angestrengt nach, wer ihnen wohl die Anleihen abkaufen sollte, wenn es notwendig werden könnte. Bis jettz haben sie noch niemand gefunden. Das Risiko ist nur minimal verkleinert worden. Italien wird dieses Jahr noch super spannend, denn die müssen 440 Mrd. Euro neue Anleihen aufnehmen, weil alte ablaufen. Bin mal gespannt wie das gehen wird. Ein wirklich grosser teil der EZB-Gelder fliesst lediglich um alte, hohe Anleihen gegen neue und billigere umzutauschen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sowohl was den Fiskalpakt, als auch die Schuldenkrise angeht, alles in 1 Woche wieder Schall und Rauch ist, wenn der erste Rausch über die EZB-Kohle ausgeschwitzt wurde. Im Übrigen ist das Bankengeschäft zu einer Kindergartenveranstaltung verkommen. Sich zu 1 % Geld zu leihen und es teurer wiederzuverleihen, das kan jeder Zombie.

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exilator 02.03.2012, 13:13
5585.

Zitat von marant
so weit so gut... es ist ein Aber dabei, und zwar: wodurch wird Realwirtschaft am Leben gehalten ?, und zwar schon seit Jahrzehnten, wobei in den letzten Jahren ein Turbo eingeschaltet wurde, wohl aus lauter Verzweiflung ? es nicht erwirtschaftet zu wissen ? gut möglich....
Klar ist, dass das jetzige Wirtschaftssystem von einer Überproduktion in die andere fällt. Der Markt kann da garnichts regeln, weil er viel zu sehr in Zeitlupe reagiert. Sie haben völlig recht, dass derzeit, besonders in der deutschen Wirtschaft alles durch Subventionen am Leben gehalten wird. Lohnsubventionen, Steuersubventionen, direkte Subventionen etc etc.
Der Erfolg Deutschlands ist erkauft, und die Verzeiflung ist da, und auch gerade deswegen investieren die Unternehmen nicht mehr in Wirtschaft, sondern in Finanzwirtschaft. Übrigens ist es ein Kindermärchen, dass die Regierenden mit der Finanzwirtschaft kungeln. Mag sein, dass da auch was läuft, aber wirklich "in bed" sind die Politiker mit der Realwirtschaft, denn da gibt es die begehrten Pöstchen. Klar wird das, wenn man den Grund für das Finanzcasino betrachtet: die exorbitanten immer wiederkehrenden Gewinne der Realwirtschaft. Diese sind der Motor und gleichzeitig der Tod des Finanzsystems. Die Politik hat zwar auch für die Finanzwirtschaft die Regeln gelockert, aber erst dann, als die Realwirtschaft darum gebettelt hat, weil die vor lauter Kohle nicht mehr wussten, worin zu investieren lohnt.

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rainer_humbug 02.03.2012, 14:31
5586.

Zitat von Sumerer
Sie verfallen immer wieder der gleichen fehlerhaften Argumentation. Es kann, anders als Sie es sehen, durchaus sein, dass Fremdkapital günstiger nutzbar ist als Eigenkapital. Und, es ist eben auch möglich und sinnvoll, amortisierbare Investitionen zu finanzieren. Wenn das nicht möglich ist, dann ist eine finanzierbare Handlung nicht sinnvoll.
Wenn man es als sinnvoll erachtet, alles staatliche Eigentum auf Dauer zu privatisieren, immer höhere Schuldenberge anzuhäufen, für die Millionen dann die hälfte ihrer Gehälter abdrücken und noch mal 19% von allen anderen Ausgaben um diese Schulden dann immernoch nicht ansatzweise tilgen zu können, während sich alle sozialen Bereiche zurückentwickeln, dann... ja dann braucht man sich darüber doch gar nicht mehr zu unterhalten, denn damit ist klar, dass sie auf der Seite der Profiteure stehen, während die anderen Leute für sie arbeiten gehen.

Und diese Profiteure stellen sich dann in der Öffentlichkeit hin und bezeichnen sich als Leistungsträger. Man könnte fast behaupten, dass man bei nahezu allen Texten die auf dieser Seite veröffentlicht werden, einfach das gegenteil Interpretieren muss, um die Wahrheit zu erhalten.

Sobald man sich ein mal verschuldet hat, kann man zukünftige Investitionen nur noch mit neuen Schulden realisieren. Ich könnte wetten, dass selbst 10% Gesamtbesteuerung reichen würden, um die Infrastruktur besser zu erhalten als heute, wenn wir nicht für pseudoschulden und Kriege aufkommen müssten.

Der Witz ist ja, dass wir für die Infrastruktur längst noch mal privat bezahlen. Müll, Wasser, Strom, Gas, Bahn (2Mrd subventionen u ich zahle 1200Euro im Jahr um mit den heruntergekommenen Zügen im Stehen zur Arbeit zu fahren)...

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marant 02.03.2012, 14:49
5587.

Zitat von exilator
Klar ist, dass das jetzige Wirtschaftssystem von einer Überproduktion in die andere fällt. Der Markt kann da garnichts regeln, weil er viel zu sehr in Zeitlupe reagiert. Sie haben völlig recht, dass derzeit, besonders in der deutschen Wirtschaft alles durch.....
... und die Finanzwirtschaft "investiert" in die EZB:
" Wenn die Geldhäuser ihre Milliarden lieber sicher, aber zu niedrigen Zinsen bei der EZB bunkern, als sie in lukrativere Kredite an andere Banken oder Unternehmen zu stecken, dann gilt das als Signal dafür, dass sie der wirtschaftlichen Lage misstrauen. "

Euro-Krise: Banken horten Rekordsumme in Angstkasse der EZB - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

nun die künstliche Beatmung der "Real"wirtschaft per kreditgenerierte Nachfrage war auch nicht ganz ohne... ob privat oder staatlich angeordnet - wenn man bedenkt dass bsw. Spanien oder Irland noch vor ein paar Jahren unter Arbeitskräftemangel gelitten haben, so findet sich man nun auf dem Boden der Tatsachen Rekordhoch: 4,7 Millionen Spanier sind arbeitslos - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

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marant 02.03.2012, 17:25
5588.

Zitat von exilator
Klar ist, dass das jetzige Wirtschaftssystem von einer Überproduktion in die andere fällt. Der Markt kann da garnichts regeln, weil er viel zu sehr in Zeitlupe reagiert.
übrigens, was Sie hier ansprechen, ist nicht ganz unwichtig. Der Zeitlupenfaktor ging in der jüngsten Vergangenheit noch verstärkend nach hinten los, bsw. IT-Branche, so dass es noch mehr Bedarf nach Verschuldung einerseits und dem Export der Verschuldung andererseits gegeben hat / gibt`s. Die Finanzwirtschaft sollte halt "nur" in die Bresche springen, und retten was zu retten ist, legislaturperiodische "glanzleistung", übersetzt hiesse es, die Zeit schinden.... was es mit sich bringt, sind die hektische Gegenmassnahmen, die das geballte soziale Konfliktpotenzial nach sich ziehen / werden.
Viele Grüsse ins Exil... ;o)
Marant

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Rosbaud 02.03.2012, 17:30
5589.

Zitat von Patrik74
[...] Man kann das Problem nur durch eine Reform des politisches Prozesses lösen, aber dafür geht es uns noch zu gut. Vielleicht ist es soweit, wenn sich die Risiken in Höhe von hunderten von Milliarden materialisieren.
Aber selbst dann wird man nicht auf Ihre „Legosteinchentheorie“ zurückgreifen.

Zitat von
Bedauerlich, dass ein Grossteil der Menschen nur durch Schmerzen lernen kann.
Da haben es Sie natürlich leichter, Sie lernen allein durch die Kraft Ihrer Gedanken. Aber ich sage Ihnen was – das merkt man!

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