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Italien-Panik: Habt ihr noch alle Espresso-Tassen im Schrank?
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Die liberalen Demokratien stecken in einer historischen Stresstest - und unsere Stabilitätsapostel streiten mit Italien über das Komma beim Staatsdefizit. Ein Schulden-Drama nach deutschem Drehbuch.

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pleromax 19.10.2018, 13:00
1. Rom is' in der kleensten Hütte

Es gehört ja bekanntlich zu den beliebtesten Taschenspielertricks (neo)liberaler Wirtschaftsideologen bzw. ihrer finanzelitären Marionettenspieler, die Schuld an noch jeder politischen Krise stets auf jene abzuwälzen, die am meisten unter den verursachten ökonomischen Verwerfungen zu leiden haben. Zwar ist die Umverteilung von unten nach oben gewiss nichts Neues - aber auch der immer wiederkehrende Widerstand dagegen auch nicht.

Wenn die bisherigen Volksparteien sich über wachsenden Populismus beklagen, gefallen sie sich in der üblichen Betriebsblindheit eines jeden Ancien Regime. Dabei können sie noch froh sein, dass die Guillotinen zur Zeit noch gut verpackt in den Kellern gesellschaftlicher Apathie eingelagert sind. Das kann sich freilich schnell ändern, wenn dem bequemen, einfallslosen "Weiter so!" weiterhin stattgegeben wird.

Wie es Karl Kraus in "Die letzten Tage der Menschheit" formuliert: "Und das Chaos sei willkommen, denn die Ordnung hat versagt." Soweit kommt's noch? Soweit kommt's noch!

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smartphone 19.10.2018, 13:00
2. was heißt Panik

WER panikt - dieselbem, den nix besseres einfiel wie die griechnlandrenten zu kürzen? Was Italien macht mit BGE ( viel zu wenig btw ) ist bei uns hier überfällig ! ( also >1500€ plus KV )

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curiosus_ 19.10.2018, 13:32
3. Doch

Zitat von Thomas Fricke
Italien verstößt nicht gegen die Maastricht-Kriterien - Es geht derzeit nicht darum, dass Italiens Regierung mit ihren Plänen die Maastricht-Kriterien bricht - mit 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bliebe das Staatsdefizit nach wie vor unter der Drei-Prozent-Marke. Es hatte nur die vorherige Regierung noch versprochen, den Fehlbetrag ehrgeizig auf nur noch 0,8 Prozent zu senken.
Herr Fricke, da gibt es ja noch das 60%-Kriterium für die Höhe der Staatsverschuldung relativ zum BIP. Und wenn man da weit drüber liegt (Italien 2017: 131,8%), dann senkt man das eben nur ab wenn die jährliche Neuverschuldung, rel. Zum BIP, unter dem jährlichen BIP-Wachstum liegt. Das ist primitiv-Mathematik. Daher kommen die 0,8% nicht von der 3%-Grenze (logisch, die wäre ja noch weit weg), sondern eben von der Gesamtverschuldungsgrenze.

Und das:
Zitat von Thomas Fricke
Selbst bei einem Defizit von 2,4 Prozent würde in Italien die Schuldenquote in den nächsten Jahren nicht weiter steigen, räumt Ifo-Chef Clemens Fuest ein.
Stimmt zwar (für 2018 prognostiziert: 1,5% inflationsbereinigtes BIP plus 1,1% Inflation, macht in Summe 2,6%), dort läge das Schuldenwachstum um 0,2% unter dem nominalen BIP-Wachstum. Allerdings (siehe oben) kommt man damit praktisch nicht näher an das Maastricht-Kriterium von 60% ran.
Das sollte einem Volkswirt aber bekannt sein.

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cremuel 19.10.2018, 13:59
4.

Zitat von curiosus_
Herr Fricke, da gibt es ja noch das 60%-Kriterium für die Höhe der Staatsverschuldung relativ zum BIP. Und wenn man da weit drüber liegt (Italien 2017: 131,8%), dann senkt man das eben nur ab wenn die jährliche Neuverschuldung, rel. Zum BIP, unter dem jährlichen BIP-Wachstum liegt. Das ist primitiv-Mathematik. Daher kommen die 0,8% nicht von der 3%-Grenze (logisch, die wäre ja noch weit weg), sondern eben von der Gesamtverschuldungsgrenze. Und das:Stimmt zwar (für 2018 prognostiziert: 1,5% inflationsbereinigtes BIP plus 1,1% Inflation, macht in Summe 2,6%), dort läge das Schuldenwachstum um 0,2% unter dem nominalen BIP-Wachstum. Allerdings (siehe oben) kommt man damit praktisch nicht näher an das Maastricht-Kriterium von 60% ran. Das sollte einem Volkswirt aber bekannt sein.
So sieht's aus. Dazu kommt, das das prognostizierte BIP und Wachstum bei diesem Kurs eher eine Fata Morgana sein dürfte. Damit würde die Staatsverschuldung sogar noch weiter steigen.


Man kann an diesem Artikel sehr schön sehen, was mit Logik und Argumenten basiert, wenn die Grundideologie ("Schulden machen ist super") immer schon vor jeder Tatsachenprüfung angeschaltet wird. Bei Herrn Fricke fehlene IMO keine Espresso-, sondern große Milchkaffeetassen.

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im_ernst_56 19.10.2018, 14:02
5.

Zitat von curiosus_
Herr Fricke, da gibt es ja noch das 60%-Kriterium für die Höhe der Staatsverschuldung relativ zum BIP. Und wenn man da weit drüber liegt (Italien 2017: 131,8%), dann senkt man das eben nur ab wenn die jährliche Neuverschuldung, rel. Zum BIP, unter dem jährlichen BIP-Wachstum liegt. Das ist primitiv-Mathematik. Daher......
Das klingt für mich so, als sei die Kritik an dem italienischen Haushalt nicht ganz unberechtigt. Haben wir dann vielleicht doch noch alle Espresso-Tassen im Schrank?

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Tobi86 19.10.2018, 14:07
6. ...einige Details haben Sie aber vergessen, Herr Fricke

zum Einen sehen die Maastricht Kriterien ja nicht nur eine Grenze für die Neuverschuldung von 3% vor, sie beinhalten auch die Forderung die Verschuldung auf 60% zu begrenzen. Das dazu bei einem Defizit von über 130% eine Steigerung der Neuverschuldung nicht gerade förderlich ist sollte hinlänglich bekannt sein.

Aber worüber wird hier eigentlich immer geredet, % von was? Vom BIP! Und genau da liegt der Hund begraben: Für die Zukunft existieren natürlich nur Schätzungen des BIPs, allerdings sind die herfür von der Regierung geschätzten Werte wohl ungefähr so optimistisch und seriös wie die vermeintlichen Geldquellen die man ausegmacht zu haben scheint um die Wahlversprechen zu finanzieren. Dieser Meinung ist unter anderem auch die Italienische Nationalbank...

Von daher wäre es wohl nicht verwunderlich, wenn es am Ende auf deutlich über 3% hinausläuft: Das BIP, also die Zahl unter'm Bruchstrich, wird wohl in Wirklichkeit geringer ausfallen als geschätzt. Dafür wird allerdings die Neuverschuldung aufgrund der fehlenden Deckung und somit höheren Kosten der Wahlgeschenke etwas größer werden. Ist ja auch was. Dann werden's halt 5%, was soll's, wenn's schief geht ist halt Brüssel Schuld. ;)

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m.m.s. 19.10.2018, 14:08
7. Staatliches Füllhorn

Das das staatliche Füllhorn unbegrenztes Kapital für die Bankenrettung hatte, aber beim Kleinvieh dafür jeden Cent abzieht, ist es ganz richtig wenn der italienische Staat auch was für die Bürger übrig hat. Dass die gesamte staatliche Organisation umgekrempelt gehört, ist ja auch eine Tatsache, z.B. mit der Dreigliederung?

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klaus.mueller 19.10.2018, 14:14
8. sehr gut

ich dachte schon Sie sind im Urlaub.
Wären Sie so nett im nächsten Artikel mal faktenbasiert die Schuldentragfähigkeit zu analysieren? Wann wird wieviel fällig das evtl. zu höherem Zins neu aufgenommen werden muss. Auch historisch, 120 % hatten sie ja auch vor dem euro schonmal, was hat mangelnde Abwertungsmöglichkeiten für Auswirkungen..Meine Vermutung ist die könnten noch viel viel weiter gehen und ws wäre trotzdem überschaubar. Gleichzeitig muss es einen tieferen ökonomischen Grund geben warum sich alle so aufregen, welcher?

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m.m.s. 19.10.2018, 14:14
9. Staatliches Füllhorn

Das das staatliche Füllhorn unbegrenztes Kapital für die Bankenrettung hatte, aber beim Kleinvieh dafür jeden Cent abzieht, ist es ganz richtig wenn der italienische Staat auch was für die Bürger übrig hat. Dass die gesamte staatliche Organisation umgekrempelt gehört, ist ja auch eine Tatsache, z.B. mit der Dreigliederung?

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