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Italien: Ratingagentur stuft Kreditwürdigkeit herab
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Nur noch eine Stufe fehlt zum berüchtigten Ramschstatus: Die Ratingagentur Moody's hat Italiens Regierung für ihre Schuldenpolitik abgestraft.

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lothar.thuermer 20.10.2018, 11:20
1. Risiko und Haftung gehören zusammen!

Keine große Überraschung. Der italienische Kurs ist riskant.
Wenn die Mitglieder der Eurozone nicht bereit und/oder in der Lage sind, Italien ähnlich wie Griechenland zu unterstützen, wäre jetzt die Zeit, das klar zu kommunizieren. Außerdem sollte in diesem Fall Vorsorge getroffen werden, damit eine Finanzkrise in Italien nicht automatisch zu einer Bankenkrise außerhalb von Italien führt.

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DerBlicker 20.10.2018, 11:25
2. konsequent

Wenn Italien unseriös wirtschaftet, dann kann man dort nicht investieren, das schlechte Rating ist also voll gerechtfertigt. Investieren auf Pump ist ok, soziale Wohltaten auf Pump geht gar nicht.

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kuschl 20.10.2018, 11:56
3. Und passiert was? Nein!

Passiert etwas? Nein! Alles schaut wie immer gebannt zu, man ist wie immer „besorgt“ und am Ende zahlen die Steuerzahler die Zeche. Wie in Griechenland, das seit Jahren auf „einem guten Weg“ ist, ihn aber immer noch nicht gefunden hat. Aussitzen, aussitzen, aussitzen, das Rezept der Politiker, die sich „ihre“ schöne EU nicht kaputt machen lassen wollen.

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thoms1957 20.10.2018, 12:03
4. Schau an - mal wieder die Ratingagenturen

Seit der Weltfinanzkrise von 2008 wissen wir doch, dass diese US- Agenturen nicht objektiv und unabhängig sind. Seinerzeit haben sie doch den Schrottpapieren aus dem Immobiliensektor reihenweise Bestnoten ausgestellt, was letzlich die Krise extrem verschärfte. Es geht natürlich auch hier um Geld. Jetzt steigen die Zinsen für italienische Staataanleihen. Daran verdien wer. Dann wierd wieder Sozialabbbau gefordert, wodurch sich die Krise weiter verschärft usw. usw. Im neoliberalen Weltbild gelten die Ratingagenturen (die Märkte) quasi als Hohepriester. Ehrfürchtig lausche man ihren Worten. Für 95% der betroffenen Bürger heißt das mal wieder nichts Gutes. Und gleichzeitig müssen wir fesrstellen, dass dieselben Finanzkreise über Cum-Ex Geschäfte in Euroöa über 50.000.000.000 Euro Steuergelder gestohlen haben!

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missisross 20.10.2018, 12:42
5. Echt? Na, sowas, damit hat jeder in Italien gerechnet....

sind das die gleichen Ratings Agentur die Lehman Brothers wenige Stunde vor dem Kollaps noch das triple AAA gegeben hatten? Und ja...die Deutsche Bank ist das Problem, nicht Italien.

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localpatriot 20.10.2018, 13:34
6. Einmal anders gesehen

Zitat von DerBlicker
Wenn Italien unseriös wirtschaftet, dann kann man dort nicht investieren, das schlechte Rating ist also voll gerechtfertigt. Investieren auf Pump ist ok, soziale Wohltaten auf Pump geht gar nicht.
Die erste Frage welche man stellen muss: Was passiert wenn Italien am Ende (in nicht zu fernen Zukunft) wirklich überschuldet ist und echte Probleme bringt?
Ich schätze die Kanzlerin und Herr Draghi kommen dann mit dem Spruch 'wir schaffen das' und finden in Frankfurt eine allgemein akzeptable Lösung.

Und dann ist mir noch etwas aufgefallen: In der Europariege für eigenen Hausbesitz liegt Italien an 15. Stelle mit 72,4% welche im eigenen Heim leben. Deutschland mit 51,4% liegt an letzter Stelle. Rumänien mit 96% im Eigenheim sind die Sieger, an erster Stelle.
Quelle https://www.statista.com/statistics/246355/home-ownership-rate-in-europe/

Wenn man den Erfolg einer nationalen Volkswirtschaft aus Sicht der Hausbesitzer anschaut, dann ist Italien eigentlich in ganz akzeptablen Position. Und da der Euro allen gehoert, kann man da ruhig ein bisschen Schulden manchen. Irgendjemand wird die Laden schon zusammenhalten. Hofft man.

Pragmatisch?

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giostamm11 20.10.2018, 14:53
7. localpatriot - genau

das ist der richtige Ansatz zur Beurteilung eines Staats. Nebst den Staatsschulden auch Eigentum betrachten und noch etwas....die private Verschuldung....die ist in Italien auch sehr tief. Gensu das alles ist die implizite Verschuldung: hier gibt es einen interessanten Artikel dazu....

https://www.google.ch/amp/s/www.nzz.ch/amp/finanzen/anleihen/implizite-staatsverschuldung-das-versteckte-schuldendilemma-ld.15909

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brasshead 21.10.2018, 02:05
8.

Zitat von DerBlicker
Wenn Italien unseriös wirtschaftet, dann kann man dort nicht investieren, das schlechte Rating ist also voll gerechtfertigt. Investieren auf Pump ist ok, soziale Wohltaten auf Pump geht gar nicht.
Wenn man auch nur einen einzigen Schritt weiterdenken würde, könnte man erkennen (blicken), dass soziale "Wohltaten" (wir sprechen hier immerhin von Grundsicherung) die zuverlässigste Art einer indirekten Investition darstellen und anderen Wirtschaftspolitiken in dieser Hinsicht deutlich überlegen sind.

Menschen, die Grundsicherung erhalten leben definitionsgemäß am Existenzminimum, d.h. sie geben all ihr Geld unumwunden wieder aus, verkonsumieren es also sofort und zu nahe 100%. Die entstehende Nachfrage nach Güter und Dienstleistungen führt dazu, dass Unternehmen endlich einen echten Anreiz haben, ihre Investitionen zu tätigen.

Insofern sind soziale "Wohltaten" effektiver, als jedes Steuererleichterungsprogramm für Unternehmen (wer investiert schon, wenn er nicht mit mehr Absatz rechnen kann) sowie für den wohlhabenderen Teil der Bevölkerung (da wird der Zuwachs eher gespart).

Sie sollten zudem mal darüber nachdenken, dass Sie mit Ihren Aussagen den Menschen eines Landes der reichsten Wirtschaftsräume der Erde mal eben das Anrecht auf die grundlegendste Form einer Sozialhilfe absprechen - wie auch immer die jetzt finanziert werden soll.

Keine Sorge, Deutschland ist auch noch dran. Wenn wir nicht mehr in der glücklichen Lage sind, unseren Staatshaushalt über Außenüberschüsse sanieren zu können und unser Privatsektor weiter Überschüsse bildet, werden unsere Staatsschulden notwendigerweise dauerhaft steigen. Wenn Sie dann mal Ihren Job verlieren, ists mit den sozialen Wohltaten möglicherweise auch Essig.

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brasshead 21.10.2018, 02:21
9.

Zitat von Artikel
Die erste Ratingagentur hat Konsequenzen aus der Haushaltspolitik der italienischen Regierung gezogen. Moody's stufte das schuldengeplagte Land am Freitagabend herab. Die langfristigen Verbindlichkeiten werden jetzt nur noch mit der Note "Baa3" bewertet nach zuvor "Baa2", teilte Moody's mit. Damit liegt die Bonitätsbewertung nur noch eine Stufe über dem berüchtigten Ramschstatus.
Wie ist das Rating von Japan (236% Staatsverschuldung)? A1.
Wie ist das Rating der USA (108%)? Aaa.

Wie hoch sind die Zinsen auf japanische Staatsanleihen? 0,15%.
Wie hoch sind die Zinsen auf US-amerikanische Staatsanleihen? 3,2%.

Was ist der Grund? Beide Länder haben eine Zentralbank, die die öffentliche Zahlungsfähigkeit und ein moderates (gewünschtes) Zinsniveau unter allen Umständen sicherstellt.

Würde die EZB den Euroländern auf diese Art behilflich sein (sie verfügt über unbegrenzte Mittel), müsste niemand für den anderen einspringen oder haften, alle Überschuldungsszenarien wären vom Tisch und die Finanzmärkte hätten nichts zu melden.

Gäbe es eine europäische, von der EZB finanzierte Institution, die effektiv Fiskalpolitik betreiben kann, um damit Arbeitslosigkeit und Wirtschaftsflaute ein für alle mal zu beenden, bräuchte es keine defizitäre Wirtschaftspolitik der Nationalstaaten.

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