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IW-Studie: So groß ist die Wohnungsnot in deutschen Metropolen
Oliver Berg/dpa

Köln, München oder Stuttgart: In deutschen Großstädten fehlt Wohnraum. Wie groß der Mangel ist, zeigt eine neue Untersuchung. Doch nicht überall herrscht Wohnungsnot.

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Hanz Gruber 22.07.2019, 12:38
100. Wenn ein Stadtkind vom Land spricht

Zitat von dr.eldontyrell
auf dem Land zu wohnen. Muss man sich nur leisten können. Und bereit sein, einen Haufen Lebenszeit im KFZ und Stau zu verbringen (weil Öffis reden wir mal garnicht drüber...). Es ist eigentlich egal wo man lebt, alles ist teuer. Auf dem Land ist zwar die Miete günstiger, aber alle paar Jahre ein mindestens neues Auto, weil man das andere totgefahren hat ist jetzt weder umweltfreundlich noch besonders günstig. In der Stadt kann man sich für das meiste das Auto sparen, dafür sind die Mieten hoch und die Jobs anwesend. Homeoffice ist offensichtlich von den Arbeitgebern und deren Lobby in der Politik nicht gewollt. Ich habe es für den Raum Köln berechnet. Macht im Radius von 30km von der Miete her keinen Sinn, darüber hinaus von der Fahrerei und den damit verbundenen Kosten und dem Zeitverlust nicht (private Freizeit Preise ich bei der Jobsuche ein!). Bei dem Gehalt bleibt nur die Stadt.
Scheinbar haben Sie noch nie in ihrem Leben auch nur einen Tag auf dem "land" gelebt, anders kann man sich diese völlig verdrehte Sicht der Dinge nicht erklären. Der Arbeitsweg vom Land bis zum Arbeitsplatz in der Stadt ist meistens eher kurz und zeitlich ähnlich mit demjenigen der direkt in der Stadt wohnt. Ein Auto hält da min. 10 Jahre und die Kosten für ÖVP kann man auch direkt gegenrechnen. Das die vom Land öfters neuere Autos fahren, liegt nicht daran das die Autos so schnell "totgefahren" werden, sondern das der verwöhnte Deutsche es sich leisten kann ein völlig taugliches Auto frühzeitig auszutauschen. Also ich fahre lieber mit dem PKW in max 15 Min zur Arbeit und mit dem Fahrrad in wenigen Minuten zur Freizeit, anstatt ca. 30 Minuten in vollen ÖVPs hin und her zu steigen und zusätzlich immer auf Fahrpläne angewiesen zu sein. 10 KM weg ist auf dem Land eben in rund 10 Minuten bewältigt, in der Stadt dauert das bei freier Fahrt min. 30 Minuten.

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mr-mucki 22.07.2019, 12:39
101. Gegenwert

Zitat von magic88wand
Auch auf dem Lande und in Kleinstädten gibt es bezugsfähige (wenngleich nicht perfekt renovierte) ältere Einfamilienhäuser, die - nach Abzug des Bodenwertes - für 50.000 bis 100.000 Euro zu haben sind. Ich werde demnächst eines anbieten - und rechne nicht mit allzu großem Interesse. Viele Leute wollen Neubauten, weil "gebrauchte" Häuser igittigitt sind. Auch wenn es viel mehr kostet, egal ob in der Stadt oder auf dem Land.
Sie müssen dabei aber auch den Gegenwert der Immobilie rechnen. Wenn sie in Berlin einen Altbauwohnung für 300€/qm renovieren hat diese Immobilie einen anderen (prognostizierbaren) Gegenwert, als wenn sie das Gleiche auf dem Land durchführen.
Dazu kommen noch die zusätzlichen Kosten, die es auf dem Land gibt (zweites Auto, lange Wege zur Arbeit, Einkauf usw.)

Dazu vergleichen Sie bitte eine Altbau Immobilie mit einem 60-90 Jahre Haus. Da sind Welten zwischen in den Möglichkeiten.

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charlybird 22.07.2019, 12:45
102. Diese Binsenweisheiten von einigen Kommentatoren,

die in schierer Regelmäßigkeit auftauchen, wenn über dieses Thema berichtet wird, die dem dem Sinne nach lauten: ''Wenn's da nix gibt, wo man hin will, muss man halt woanders suchen'', kann man gar nicht mehr ausreichend beklatschen, aber nicht wegen der Weisheit, sondern wegen der Frechheit und Arroganz.
Der Rat ist nämlich in etwa so sinnvoll, wie einen leeren Tank zu füllen, wenn man Autofahren möchte.
Es geht bei diesem Problem doch um ganz andere Dinge und das weiß auch jeder, der sich näher damit beschäftigt hat.
Wer von Haus aus Haus hat, muss sich gar nicht mehr kümmern, leider kommen aus der Ecke oft die dümmsten Sprüche, die ich hier ich aufzählen möchte.
Das Prinzip bezahlbaren Wohnraum für möglichst alle Bürger in passender Form bereitzuhalten ist durch Politik und Wirtschaft, der man schon vieles überlassen hat, was sie im Sinne der Allgemeinheit fast immer vermasselt hat, gescheitert.
Denn es geht nicht nur um Wohnraum, sondern um ein soziales Umfeld, Infrastruktur, Arbeitsplatz, Schule, Kita, you name it und eben einen erschwinglichen dazu, der den Durchschnittslöhnen angepasst werden sollte.
Das ist nicht einmal Sozialismus sondern soziale Marktwirtschaft.
Dieses Problem ist auch vor allem deswegen verschärft worden, weil man gedankenlos den sozialen Wohnungsbau (Dank CDU, SPD, Grün und FDP im Besonderen) aufgegeben hat, Heuschrecken und andere Spekulationsmonster hier zugelassen hat, Schwarzgeld ungeprüft einfließen durfte und letztlich keinen verbindlich, geregelten Mietspiegel mit gedeckelte Mieten installiert hat, letztlich müsste man auch noch die Unsitte mit Airbnb wesentlich entschiedener bekämpfen als jetzt.
Gleichzeitig ziert man sich mit Baugenehmigungen ( gerne auch die GRünen) wie eine Nonne beim Nacktbaden, aber schlimmste architektonische Machwerke in repräsentativen Innenstadtlagen, bekommen grünes (selbst von den Grünen) Licht für knastähnliche Konstruktionen, wie in meiner Stadt gerade umgesetzt. Es ist zum Weinen, denn wirklich etwas passieren tut immer noch: NICHTS.

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k70-ingo 22.07.2019, 12:45
103.

Zitat von sh.stefan.heitmann
Wohnen ist ein Grundrecht und damit definitiv Aufgabe des Staates
Nein, ist es nicht.
Und schon mal gar nicht in bevorzugten Wohnlagen zu günstigen Preisen.

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kfp 22.07.2019, 12:47
104.

Zitat von alt-nassauer
Warum muss eine Familie mit einem und zwei Kinder für jedes Kind ein Kinderzimmer haben. Früher haben die Kinder bei den Eltern geschlafen oder Zusammen in Hochbetten... Auch wenn es mehr als zwei Kinder waren! Ist schon heftig welche Ansprüche die Menschen heute stellen... Weshalb noch einmal fließendes Wasser? -Ironie- aus!
Jetzt Mal ohne Ironie: Haben Sie mal versucht, was "Kleineres" zu mieten? Wenn man als Familie mit 3 Kindern eine 4-ZW mit 110m2 anfragt, kriegt man als Antwort, dass der Vermieter sich einälteres Ehepaar mit schon "ausgeflogen" Kindern wünscht. Wenn nicht schon im Inserat was von "maximal 1 Kind" o.ä. steht...

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k70-ingo 22.07.2019, 12:48
105.

Zitat von sh.stefan.heitmann
Doch genau das kann ich beides erwarten!
Von wem können Sie das erwarten?
Und mit welcher Berechtigung/Begründung?

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kulupp 22.07.2019, 12:49
106. 25000 Einwohner konstant

Und immer mehr Baugebiete in unserer Stadt . Wieviel Wohnraum braucht der Mensch? Ich denke bei 150 m2 pro Person ist Schluss. Was auch immer mehr wird, sind Gewerbegebiete und damit einhergehende Bodenversiegelung. Bei Altbauten die verkauft werden steht anschließend wohl eine Kernsanierung an. Teuer ist es und wird aber immer mehr zum Normalfall. Einziehen und erst mal wohnen wird weniger. Auch ein Zeichen gehobenen Anspruchs. Vor 22 Jahren standen wir schon vor der Wahl Gebraucht Immobilie vs Neubau. Seit 20 Jahren wohnen wir im netten Neubaugebiet. Auch Dank staatlicher Förderung. In 20 Jahren werden eine Menge EFH in diesen 90er Baugebieten frei, was dann wohl passiert?

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dw_63 22.07.2019, 12:52
107. Grundrecht auf Wohnen

Zitat von sh.stefan.heitmann
Wohnen ist ein Grundrecht und damit definitiv Aufgabe des Staates
Dazu vielleicht eine kleine Anekdote, als nach dem zweiten Weltkrieg die Vertriebenen aus Mähren oder Böhmen in Deutschland ankamen, hat der deutsche Staat dieses Grundrecht wie folgt gehandhabt.

Da die meisten Vertriebenen aus landwirtschaftlichen Verhältnissen kamen, wurden per Dekret die Bauern verpflichtet, Vertriebene aufzunehmen.
So fanden sich die Vertriebenen in dem Dorf ein, den sie zugewiesen wurden. Sie mussten sich auf dem Platz im Ort versammeln, dann sind die Bauern gekommen, haben die Vertriebenen begutachtet, und haben die mitgenommen, die ihnen aus welchen Grund auch immer genehm waren, der Vertriebene hatte kein Recht nein zu sagen.

So kann ein Staat das Grundrecht auf Wohnen umsetzen, denn das Grundrecht besagt nicht, Wohnen wo ich will, mit dem Komfort den ich will, und zu dem Preis den ich will.

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Hanz Gruber 22.07.2019, 12:54
108. Realitsverlust trifft es ganz gut

Zitat von haarer.15
Typischer Fall von Elfenbeinturm-Blickwinkel. Natürlich hat keiner ein Recht auf zentralster Wohnlage. Aber selbst am Stadtrand ist die Wohnungsnot schon sehr präsent. Zumindest was bezahlbares Wohnen angeht, denn das ist das zentrale Problem. Wem nützt es was, aufs Land zu ziehen, wo der Arbeitsplatz weit weg ist und vieles fehlt, besonders auch keine vernünftige Verkehrsinfrastruktur da ist ?
Das Stellenangebote nur in den Großstädten zu finden sind, ist schlicht Einbildung derjenigen die ihren Wunsch, unbedingt in einer Großstadt leben zu müssen, unbedingt rechtfertigen wollen. Dazu kommen noch diejenigen, die in Mathe sehr schwach sind, und nicht merken dass das höhere Gehalt in der Großstadt, durch die höheren Kosten mehr als wett gemacht wird. Jobs gibt es in kleineren Städten und auf dem Land genug, dort ist es eher so das Firmen händeringend Personal suchen, je spezialisierter der Job desto mehr. Fahrzeit ist auch nur Einbildung der Städter. Nur wer in der Großstadt wohnt und das glück hat sehr nah an seinem AP zu wohnen oder Wohnung und AP besonders gut per ÖVP zu erreichen sind, hat einen Zeitvorteil. Wer hingegen durch Jobwechsel etc. quer durch die Stadt fahren muss, ist öfters länger unterwegs als diese die vom Land in die Stadt fahren. Gependelt habe ich mal vom Land in die Stadt, 45 min für 60km, die meisten Kollegen waren damals länger als 45 Minuten unterwegs, wenn wirklich die Zeit von Tür zu Tür misst und nicht nur die Zeit in den ÖVP (Fußwege und Wartezeiten werden oftmals ausgeklammert). Meine aktuelle Fahrtzeit vom Land in die klein Stadt von unter 10 Minuten (Garage auf -> im Bürostuhl sitzen) dürften wohl 99% aller Großstädter nicht halten können.

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kfp 22.07.2019, 12:56
109.

Zitat von almeo
Ich verstehe wirklich nicht, woher immer die Idee kommt, dass jeder, der in einen Ballungsraum zieht, zwangsläufig ein urbaner Hipster ist, der schlicht wegen "des Ambientes" nach Berlin-Mitte ziehen will. Es gibt schlicht auch Menschen, die dort arbeiten müssen und merken, dass es verdammt teuer und zeittechnisch absolut irrsinnig ist, von Rüdersdorf oder sogar Müncheberg nach B-Mitte zu pendeln. Es gibt Renter, die seit vielen Jahren bereits in Innenstadtwohnungen leben und denen die Mietpreisexplosion die Lebensgrundlage nimmt. Und es gibt Studenten und Azubis, die ebenfalls einfach in Ballungsgebieten leben müssen, um dort ihre Ausbildung oder das Studium zu machen. Der urbane, gutverdienende Tesla-Hipster der unbedingt in Kreuzberg wohnen will hat am Ende doch das kleinste Problem mit den dortigen Mietpreisen! Es ist eine ziemlich arrogante Haltung zu sagen, "wer sich München nicht leisten kann, der soll halt nach Niederbayern ziehen!" - wenn es so einfach wäre, hätten das sicher die meisten schon gemacht, statt verzweifelt Wohnungen an der Grenze des bezahlbaren zu suchen.
Danke, kann ich nur 100% zustimmen. Woher kommt eigentlich die Unart, die Schuld an solchen Modernen immer den hart für ihren Lebensunterhalt arbeitenden Betroffenen in die Schuhe zu schieben, die sich den Arbeitsplatz nicht aussuchen und stundenlanges Pendeln einfach nicht leisten können (finanziell wie auch zeitlich, denn wer versorgt in den Pendelzeiten die Kinder, wenn die Kita um 16:00 schließt?)...

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