Forum: Wirtschaft
Jung, schlecht bezahlt, kinderlos: Befristet einsatzbereit
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Fast jeder zehnte Arbeitnehmer in Deutschland hat einen befristeten Job, bei den 20-24-Jährigen sogar jeder vierte. Die Statistik zeigt: Viele Betroffene sind jung, verdienen wenig - und gründen deutlich seltener eine Familie.

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tempus fugit 08.12.2016, 09:25
1. Gut,...

...dass hier zunehmend mangelnde Perspektiven für junge
Menschen angesprochen werden statt des 'Hotel Mama'-Thread
dieser Tage.
Wenn die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Familiengründung, Job, Wohnung, Gesundheit, weniger werden, ist es eigentlich vernünftig, sich zu überlegen, ob man überhaupt eine Familie gründen - und unterhalten - kann und nicht planlos Kinder in die Welt setzt.
Das zynische Verkennen der Wirtschaft und der von denen gesteuerten Politiker wird immer offensichtlicher!

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ich2010 08.12.2016, 09:25
2.

wieder so ein oberflächlicher artikel. ohne jegliche hintergrundinformation. was soll das?
es gibt keinerlei angaben zu den schulsabschluss, ausbildung etc. sind z.b. bestimmte berufsgruppen betroffen, branchen...? regionale verteilung?
aus diesen aussagen lassen sich keinerlei rückschlüsse auf die ursachen ziehen.
außer: befristete arbeitsverträge zahlen in der regel schlechter als unbefristete. welch erkenntnis!

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erzengel1987 08.12.2016, 09:25
3. Befristete Verträge

Ich wäre gerne an der Hochschule oder Uni als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Allerdings Zeitverträge sind ein absolut abschreckendes Werk. Da kann man unmöglich irgendwas langfristiges planen.
Also jeder der diese Vertragsform meidet tut es. Denn solche Verträge bringen nur frust und senken die Motivation ins bodenlose. Vor allem die ständige Angst was kommt nach dem Vertrag. Arbeitslosigkeit oder doch die Verlängerung?

Vor allem am ärgerlichsten ist es, dass Unternehmen fast schon beleidigt sind wenn der Arbeiter im Zeitvertrag nach seiner Zeit in eine anderen Firma weitermacht. So geht mitunter wertvolles wissen an die Konkurrenz.
Die SPD sollte hier einspringen und sagen wir schaffen die Zeitverträge komplett ab. Es gibt nur noch Festanstellungen.

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_unwissender 08.12.2016, 09:31
4. Ja ....

Da bleibt nur eine Frage offen: wo, zum Kuckuck bleibt denn nun dieser verdammte Fachkräftemangel?

Oder bekommen am Ende etwa doch die Stimmen recht, die den Mangel nur auf Billigstkräfte beziehen?
Das könnte allerdings der marxistischen Verelendungstheorie wieder Auftrieb geben ...

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sail118 08.12.2016, 09:31
5. Alarmismus

Völlig vergessen wird bei dieser Darstellung, dass gerade auch die Befristungsmöglichkeit von Arbeitsverhältnissen (die im übrigen rechtlich ohnehin Grenzen haben) in nicht unerheblichem Mass zur Beschäftigung beitragen, da sie das Risiko für Arbeitgeber bei der Ersteinstellung senken.

Gerade dieses Risiko führt in anderen Ländern wie Italien und Frankreich zu extrem hoher Jugendarbeitslosigkeit.
Also bitte immer auch das halbvolle Glas betrachten.

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großwolke 08.12.2016, 09:32
6.

Dass ein Job sozialversicherungspflichtig ist, hat nichts mit Sicherheit und Planbarkeit zu tun. Es bedeutet einfach nur, dass das Einkommen über 450 € im Monat liegt. Das schließt beispielsweise befristet angestellte Aufstocker ein.

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Crom 08.12.2016, 09:35
7.

Bedeutet im Gegenzug, dass die große Mehrheit unbefristet angestellt wird und sich die Befristung meist mit dem Berufseinstieg zusammenfällt. Klingt jetzt für mich nicht so dramatisch.

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Myra 08.12.2016, 09:36
8. Befristungen sind enorme psychische Belastungen

Befristete Arbeitsverträge sind für die betroffenen Angestellten äußerst frustrierend, alle ein zwei Jahre, je nachdem in welchem Turnus die Befristungen auslaufen/verlängert werden steht man wieder vor dem Risiko, jetzt schnell eine Folgestelle finden zu müssen und die gibt es nun einmal nicht gerade auf Abruf an jeder Ecke. Bei Vorstellungsgesprächen muss man sich anhören, warum waren Sie nur zwei Jahre hier und ein Jahr dort ... es wird einem negativ ausgelegt, dass es mittlerweile gängig ist Menschen eben lieber nicht zu übernehmen sondern sie wieder zu ersetzen um flexibel im Personalstamm bleiben zu können. Die psychische Belastung mit dieser ständig wiederholenden Unsicherheit in der Existenzsicherung und -planung ist schlicht nicht zumutbar. Man stößt auf so Probleme wie Mietvertrag für eine neue Wohnung zu bekommen, mit noch 4 Monaten im befristeten Vertrag - unrealistisches Vorhaben in Städten. Oder Auto geht kaputt, neues müsste her, Kredit mit befristetem Vertrag zu bekommen ist nicht ganz so einfach, oder auch schlicht die Finanzplanung, welches Budget man in 6 Monaten hat zum zahlen von xy - ein Einkommen oder ALG1, weil die Befristung doch nicht verlängert wurde ... Befristungen sollten auf maximal 1 mal 1 Jahr erlaubt werden, aber nicht diese endlosverlängerung wie es heute Praxis in vielen Unternehmen ist, und Unternehmen müssten für befristete Verträge mit einem prozentualen, spürbaren Entlohnungsaufschlag belastet werden als gesetzliche Vorgabe, da sie ja den Arbeitnehmer in absehbarer Zeit häufig wieder auf den Markt schmeißen und er dann meistens eben nicht nahtlos eine neue Stelle findet, sondern die Sozialkassen belastet. Vielleicht ändert sich dadurch die Einstellung gegenüber der Ressource Mensch mal wieder in der Arbeitswelt.

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Banause_1971 08.12.2016, 09:36
9. Der Arbeitsmarktreform sei Dank

Die gepriesene Flexibilisierung der Arbeit macht es möglich. Probezeiten von 2 Jahren sind doch eine echte Errungenschaft, für die sich Politiker feiern ließen. Ebenso die Möglichkeit, Zeitverträge mehrmals zu verlängern (maximal 3x, aber höchstens auf 2 Jahre). Endlich können sich Arbeitnehmer beweisen. Wieso sich junge Menschen (ältere übrigens ebenfalls) da nicht entschließen können, eine Familie zu gründen, sollte jedem klar sein. Anschaffungen wie Hausbau, neues Auto, etc. kann man natürlich ebenfalls nicht tätigen. Wer weiß schon, ob er nach der Probezeit von 2 Jahren üernommen wird, oder ausgetauscht wird gegen einen neuen Zeitvertrags-Arbeitnehmer. Die Unternehmen sehen natürlich den kurzfristigen Erfolg: Billig zu haben, hohe Leistung (der Arbeitnehmer will sich ja beweisen in der Hoffnung übernommen zu werden und ist damit das ideale Opfer für extreme Ausbeutung), unkomplizierte Abschiebung. Arbeitgeber haben somit keine lästigen Angestellten, die man nur schwer loswerden kann und die auch noch Ansprüche anmelden. Was hier aber übersehen wird ist, dass dieser Personenkreis nicht mehr konsumieren wird und oft genug die Produkte des eigenen Arbeitgebers nicht kaufen kann. Wohneigentum schaffen ist ausgeschlossen. Somit wird die Zahl der Miete-Zahler immer weiter anwachsen. Häufig sind es auch recht gut ausgebildete Jugendliche, die so ausgelutscht werden und damit nicht zur Gründung einer Familie kommen. Das "Genmaterial" wird also nicht weitergegeben und verschwindet. Stattdessen bekommen wir mehr und mehr RTL2-Zuschauer. Wohin das führen wird, zeigt eine Komödie auf sehr eindrucksvolle Weise: Idiocracy.

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