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Jung, schlecht bezahlt, kinderlos: Befristet einsatzbereit
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Fast jeder zehnte Arbeitnehmer in Deutschland hat einen befristeten Job, bei den 20-24-Jährigen sogar jeder vierte. Die Statistik zeigt: Viele Betroffene sind jung, verdienen wenig - und gründen deutlich seltener eine Familie.

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AHF84 08.12.2016, 10:04
30.

Zitat von Le Commissaire
Zitat: "Allerdings betonen die WSI-Experten, dass damit noch nicht bewiesen ist, dass die Befristung Ursache für die verschobene oder verhinderte Familiengründung ist. " Eben. Falls hier überhaupt ein Kausalzusammenhang vorliegt, könnte er auch umgekehrt sein: Leute, die Familie irgendwie doof finden, weil diese ihre Unabhängigkeit einschränkt, kümmern sich weniger um eine gute Ausbildung und / oder einen stabilen Job.
Sie stellen hier ebenfalls einen interessanten Kausalzusammenhang her: Familie ist doof --> keine gute Ausbildung oder kein stabiler Job.

Wer in einem MINT-Fach arbeiten will, beginnt fast zwangsläufig mit befristeten Stellen. Nicht selten erhalten Doktoranden in den 4-5 Jahren ihrer Promotion 5 und mehr Verträge - teilweise mit nur 3 Monaten Laufzeit. Wenn man sich jetzt noch anschaut, wie manche Stellen bezahlt werden: 50% Bezahlung, 110% Arbeitsbelastung und eine unsichere Zukunft. Das alles im Alter von 25-30 - also eigentlich eine gute Zeit um eine Familie zu Gründen. Das die Akademiker dann lieber noch 2 Jahre arbeiten, bis sie Kinder in die Welt setzten um auf einer sichereren Seite zu sein, ist verständlich... Also beginnt für diese Gruppe die Familienplanung - bestenfalls - mit 32. Bei 1-2 Jahren Arbeitslosigkeit (locker möglich heutzutage, selbst nach Promotion) können die MINTler mit 34 Jahren mal dran denken eine Familie zu gründen. Natürlich gibt es auch Leute, die das anders handhaben. Dennoch ist die Unsicherheit, gerade in diesem Bereich, politisch und wirtschaftlich hausgemacht! Es hat nichts damit zu tun, dass die "Jugend von heute" Familie doof findet. Sie kann sich schlicht keine leisten.

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Spiegelleserin57 08.12.2016, 10:04
31. kleine Info...

Zitat von _unwissender
Da bleibt nur eine Frage offen: wo, zum Kuckuck bleibt denn nun dieser verdammte Fachkräftemangel? Oder bekommen am Ende etwa doch die ........
der vermeintlich Fachkräftemangel wird mit einer fiktiven Zahl multipliziert und somit erhöht.
Es gibt heute viele Quereinsteiger die auch die Arbeit von Fachkräften erledigen und erheblich billigersind. Da wird gespart!

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spon-facebook-1402714339 08.12.2016, 10:05
32. Hintergrund Info

Zitat von ich2010
wieder so ein oberflächlicher artikel. ohne jegliche hintergrundinformation. was soll das? es gibt keinerlei angaben zu den schulsabschluss, ausbildung etc. sind z.b. bestimmte berufsgruppen betroffen, branchen...?
Persönliches Beispiel: Ich bin promovierter Wissenschaftler, war 3.5 Jahre im Ausland (USA), bin 40 Jahre, verheiratet, Kind. Ich habe in Fachzeitschriften inklusive Nature (Erstauthor), Circulation Research (Erstauthor) Nature Methods (Co-Autor), PNAS (Corresponding Author), Plos Genetics (Erstauthor), Dev. Biology (Corresponding Author), Nature Communications (Co-Author) etc. Veröffentlicht.

Ich habe einen befristeten Vertrag bis 2020 und aktuell nur eine wirklich minimale Chance auf eine unbefristete Stelle an einer deutschen Hochschule (ich bin männlich) oder der freien Wirtschaft (zu alt, keine Erfahrung in der freien Wirtschaft).

Mit freundlichen Grüßen!

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minando 08.12.2016, 10:05
33. Arbeitsplätze..

...sind alles. Fördermittel, Finanzpläne, Lobbypolitik...alles nur fürden Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen
Familie kommt dann irgendwie von selbst.
Oder so.
Dumm nur, dass denjenigen, die die Arbeitsplätze schaffen, nicht so sehr an der Erhaltung einer Familienkultur interessiert sind. Im Gegenteil! Familie bindet, macht unflexibel, die Leute verlangen mehr Geld.
Also ist diese Entwicklung kaum verwunderlich. Die Familie stirbt, weil sie nicht mehr zeitgemäß ist.
Bis irgendwann auch diejenigen sterben, die eben dies beschlossen haben.

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Leser161 08.12.2016, 10:05
34. Lösung

Die Lösung wurde uns doch schon präsentiert, die Überalterung Deutschland soll langfristig durch Zuwanderung gelöst werden. Da ist es egal ob die Leute Kinder kriegen.

In wie weit es jetzt ethisch ist Menschen zu verbrauchen bzw. humanitäre Katastrophen auszunutzen, statt auf herkömmliches Bevölkerungswachstum zu setzen ist eine andere Frage.
Ich finde das jedenfalls unethisch.

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Master_of_Darkness 08.12.2016, 10:07
35. Und umgekehrt?

90% haben einen unbefristeten Job. Gar nicht so schlecht, oder? Aber nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten... für die Medien.

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lynx2 08.12.2016, 10:09
36. Befristung und Teilzeit gab...

Zitat von torpedo-of-truth
Wie soll das denn funktionieren? Wie machen sie das mit Stellen die für 1-2 Jahre besetzt werden sollen, da z.B. die Frau die eben diese Stelle besetzt hatte in Elternzeit ist?
.. es immer schon, z.B. für Saisonkräfte, vor allem in der Gastronomie
und im Handel. Heute ist das das Geschäftsmodell in der ganzen Industrie.
BMW hat in seinem Werk in Eisennach mindestens 1/3 Leih- und Zeitarbeiter. Haben wir alles Rot-Grün zu verdanken.

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spon-facebook-1402714339 08.12.2016, 10:11
37.

Zitat von christiewarwel
Zu gut Deutsch: Die Gewerkschaften fordern ein Berufsverbot für fertig (?) ausgebildete Hochschulabsolventen in der Grundlagenforschung. Wo sollen nämlich die unbefristeten Stellen plötzlich alle herkommen?
Schonmal was von Tenure Track gehört? Wenn ein Wissenschaftler auf einer solchen Stelle gute Arbeit in seiner befristeten Zeit abliefert, wird die Stelle entfristet. Aber wir haben ja lieber die Junior Professur eingeführt, bei der man sowohl Lehre als auch excellente Wissenschaft machen MUSS und gleichzeitig habilitieren wobei dabei natürlich Letztauthorenschaften nicht zählen.

Und dann wundern sich alle warum die Lehre leidet.

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huggiii 08.12.2016, 10:11
38.

Zitat von tempus fugit
...dass hier zunehmend mangelnde Perspektiven für junge Menschen angesprochen werden statt des 'Hotel Mama'-Thread dieser Tage. Wenn die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Familiengründung, Job, Wohnung, Gesundheit, weniger werden, ist es eigentlich vernünftig, sich zu überlegen, ob man überhaupt eine.....
… wer den Artikel oberflächlich liest könnte ja den Eindruck gewinnen, dass es überwiegend befristete Arbeitsverhältnisse gibt, aber ist dem wirklich so?
Unterstellt man dass die in diesem Artikel verwendete Zahlenbasis valide ist dann sieht es so aus, dass etwas mehr als 70% aller jungen Menschen zwischen 20 – 24 Jahre einen unbefristeten Arbeitsvertrag haben. Ich würde das nicht als Problem sehen, sondern als Erfolg, weil die Mehrzahl der jungen Menschen eben erst am Beginn ihrer Karriere sind.

Dass Menschen mit geringer Qualifikation häufiger nur befristete Arbeitsverträge erhalten ist ebenfalls völlig nachvollziehbar, welcher Arbeitgeber stellt denn jemanden mit geringer Qualifikation ein den er dann nicht ohne weiteres entlassen kann.
Es wäre doch nichts einfacher als dass die in einem Arbeitsvertrag festgelegten Kündigungsfristen angewendet werden, dann braucht niemand eine Befristung. Das Problem liegt darin, dass sich ein Arbeitgeber nicht ohne erhebliche Kosten und Probleme von Mitarbeitern trennen kann, völlig egal was die Gründe für eine Trennung sein mögen. Mittlerweile kalkuliert man das eben ein und gestaltet die Arbeitsverträge entsprechend.

Um qualifizierte Arbeitnehmer reissen sich die Arbeitgeber zur Zeit, wer nichts in seine Qualifikation investiert oder eben in nicht gefragte Qualifikationen investiert, der tut sich sein ganzes Leben lang schwerer.
Alle mit einer befristeten Beschäftigung einhergehenden Folgen, wie eine möglicherweise verzögerte Familiengründung, haben mit dem Arbeitgeber erst einmal nichts zu tun.

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noch_ein_forenposter 08.12.2016, 10:12
39. Das mag zwar sein

Zitat von INGXXL
An den Universitäten gab es auch schon vor 40 Jahren Zeitvertreib für Doktoranden. Das liegt in der Natur der Sache. Wenn man den Doktor hat muss man sich neu orientieren. Das die SPD keine absolute Mehrheit hat wissen Sie. Also nur die Groko könnte das umsetzen wird es aber sicher nicht tun
aber das gilt nur für den echten wissenschaftlichen Betrieb, und auch da gibt es Daueraufgaben. Darüber hinaus werden aber auch Kettenverträge in fast rein betrieblichen Bereichen abgeschlossen, wie z.B. der Admin in einem Institut (wenn das nicht der Doktorand ist). Diese Kettenverträge sind schlichtweg illegal.

Umgekehrt sind einige Universitäten mittlerweile dabei, die Kettenverträge "aufzuräumen", d.h. es fällt die Entscheidung, ob Dauerbeschäftigung oder Nichtverlängerung. Das hat Vor- und Nachteile: Es ist zwar rechtssicher, man findet aber mittlerweile konjunkturell bedingt kaum noch Bewerber auch für betriebliche Aufgaben an der Universität. Selbst Stellen über 3 Jahre können nicht besetzt werden. Das liegt schlichtweg daran, dass der Öffentliche Dienst weder gute Bezahlung noch Jobsicherheit bietet.

Da muss sich dringend etwas ändern.

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