Forum: Wirtschaft
Kaiserwechsel und Konzernkrise: Japans fragile Offenheit
Behrouz Mehri/ AFP

Kaiser Akihito dankt ab, der umstrittene Automanager Carlos Ghosn stürzt über Untreuevorwürfe: Beide Männer haben Japan modernisiert. Droht jetzt die nationale Kehrtwende?

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sarang he 28.04.2019, 10:18
1.

In Japan kommt es nur deshalb zu einer 90 % igen Verurteilungsquote, weil japanische Staatsanwälte erst Anklage erheben, wenn sie sich zu 100% sicher sind, dass die Anklagepunkte zutreffen. Ansonsten droht ein zu allen Fällen zu vermeidender Gesichtsverlust und somit Ehrverlust für den Staatsanwalt.

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sok1950 28.04.2019, 10:46
2. Auslandskriegseinsätze sind also "außenpolitische Normalisierung"

Irgendetwas stimmt da in der Redaktion bei SPON nicht, nicht bei den Japanern. Dem internationalen Kapital, dem Neo Liberalismus national die Stirn zu bieten ist natürlich ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ebenso das 90% der Angeklagten verurteilt werden - vielleicht arbeitet aber auch nur die japanische Staatsanwaltschaft besser und Unschuldige werden einfach nicht angeklagt (erinnert sei an Türck, Kachelmann usw.). Der Schlag in Bezug "Frauenrechte" (was sind Frauenrechte eigentlich anderes als eine Diskriminierung aller Anderen, die keine Frau sind) durfte auch nicht fehlen. Früher war es mal journalistische Grundlage, immer auch andere Meinungen/Auffassungen im Artikel zu Wort kommen zu lassen - aber das war zu Zeiten als die Länge/der Umfang eines Artikel durch den Platz in der Zeitung begrenzt war.

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DietrichHorstmann 28.04.2019, 10:58
3. Kriegsbeteiligung Normalität ?

Soweit ist Spiegel-Journalimus schon. Krieg ist und bleibt grundsätzlich geächtet. Ist also keine Normalität. Nur in Ausnahmefällen, wenn ein Angegriffener darum bittet. Das Aufweichen von Normen auch in Deutschland mit der Gauckschen Parole : Mehr Verantwortung übernehmen , ist darüber hinaus grundgesetzwidrig. Das stellt schon den Aufruf zur Vorbereiting zu anderen als Verteidigungskriegen unter Gefängnisstrafe. Hab damit wohl keine Aussicht auf Veröffentlichung, aber der Verfasser des Artikels wirds hoffentlich lesen und darüber , was normal ist differenzierter schreiben. Japans Pazifismus ist nicht unnormal , sondern vorbildlich für die Vermeidung von Kriegen.

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robin-masters 28.04.2019, 11:06
4. Hmm

Goshn hatte die Möglichkeit ein gutes Beispiel für einen ausländischen Manager zu sein... hat er scheinbar verbockt.
In Deutschland hat man da ja auch nicht unbedingt positive Erfahrungen gemacht. (Deutsche Bank)

Nationalesbewusstsein ist halt nicht immer nur schlecht... auch wenn SPON das so sieht.

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brandtner 28.04.2019, 11:11
5. Steile These

Stellt der Autor die Rechtsstaatlichkeit des japanischen Justizapparats in Zweifel? Warum soll der freiwillige Rücktritt Akihitos etwas mit der Festnahme eines steinreichen Managers zu tun haben? Das Ghosn alles abstreitet ist ja wirklich völlig überraschend - sonst sind Manager ja immer einsichtig und voller Reue... xD Wurde Akihito von denselben Verschwörern (gegen Ghosn) zum Rücktritt gezwungen? Klingt alles etwas weit (weit) hergeholt. Der Yasukuni-Schrein war schon immer m. E. n. Ausdruck einer weiter bestehenden Nichtreflektion Japans gegenüber der eigenen Verbrechen und Konzentration auf die eigenen Schande, die jedoch nur in der konkreten Niederlage liegt. Ein rein repräsentativer Kaiser geht, ein neuer kommt. Der neue wird genausowenig etwas konkret zu sagen haben wie der alte. Ghosn wird ein Verfahren bekommen. Japan bleibt Japan.

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UlrikeLange aus Darmstadt 28.04.2019, 11:33
6. Nichts ändert sich

Die Tradition japanischer Kaiser empfiehlt das Mittel der vollständigen Entrückung. Die absolut ritualisierte Repräsentanz des vollkommen Nichtssagenden des modernen Kaisers nach 45 steht vollständig in dieser Tradition. Nur bei der nationalen Katastrophe von Fukushima haben der Kaiser und die Kaiserin dieses Ritual für einen Moment ausgesetzt. Es wird sich mit dem neuen Kaiser rein gar nichts ändern. Die älteste Monarchie der Welt weiß schließlich sehr genau, von wem sie abstammt. Diese Abstammung wird mit jedem neuen Kaiser rituell vollzogen. Das ist auch der Grund, für die Unmöglichkeit eines weiblichen Himmlischen Herrschers. Japan bleibt das Geheimnis, das es immer war.

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reichsvernunft 28.04.2019, 11:42
7. Da stört die pseudo-liberale Rhetorik...

...Japan hat sich, anders als beispielsweise Deutschland, sowas wie eine eigene Kultur bewahrt, die die Menschen dort auch noch ernst nehmen. Kultur ist nicht volkstümelei oder der Wunsch nach einheitlicher Hautfarbe in der Nachbarschaft, sondern das Bedürfnis eine feste, greifbare Werteordnung zu leben, die ein Mindestmaß an Zugehörigkeit, Anerkennung und Selbstwert schafft. Etwas das im Westen systematisch zerstört wird, da unser System auf hirnlosen Konsum angewiesen ist - und niemand mit einem funken Selbstwert braucht ein SUV oder die neueste Anti-Falten-Creme. Eine starke Identität und Kultur führt eigentlich zu Offenheit - man will das eigene Zeigen und integrieren, und wer hinzukommt, im Wissen wo er hin kommt, weiß, worauf Wert gelegt wird - und durch ein allgemeines, niederschwelliges Feedback aus der direkten Lebensumgebung wird diese Integration dann auch belohnt und damit attraktiv. Natürlich sind nicht alle historisch-traditionellen Werte was tolles und sollten diskutiert werden, aber die Idee an sich ist doch der einzige Weg aus der Orientierungslosigkeit intern, und der Xenophobie extern herauszukommen. Leider steht das kommerziellen Interessen im Weg. Und siehe da, alle sind sich einig das ist böse und muss weg. Als angeleiteter Denkweg bleibt dem verwirrten Bürger nur die Plutokratie (verzeihung, korrumpierte Demokratie) als Heil anzuerkennen oder sich zu "nationalisieren" und in einer Belagerungshaltung jeden Dreck aus der Vergangenheit als Bollwerk gegen den Globalisierungsirrsinn aufzufahren. Und dabei sind die linken, grünen und liberalen pseudo-Vordenker Hauptschuldige, denn statt ihre Rolle zu spielen und klar die Korruption und Menschenverachtung des modernen, westlichen Kapital-staates anzuprangern und klare Gegenentwürfe zu formulieren (die auch was mit Werten und Kultur zu tun haben) wird nur über rechts und national gejammert. Ja, wo soll man denn da hin, mit seiner Wut und seiner Angst, als Bürger der dem ausgeliefert ist und den Schaden sieht, der daraus hervorgeht? Lassen Sie doch hier bitte die unterschwellige Panikmache mal sein und fangen Sie an zu differenzieren. Oder geht es gar nicht darum eine Antwort zu finden?

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enigma2011 28.04.2019, 11:53
8. Überheblich und arrogant!

Dieser Beitrag passt mal wieder richtig in die Deutsche Medienlandschaft, wo man sich über Nichtigkeiten aufregt und andere Ereignisse die jeder Bürger lesen sollte von ihm fernhält.
Wer Japan kennt und ich kenne es ein bisschen für jahrelanges mit- und zusammenarbeiten mit japanischen Firmen, weiß, dass Japan Deutschland in vielem voraus ist. Die Digitalisierung der Regierung und Industrie ist unserer um Meilen voraus, in der Industrie werden hoch technisierte und A.I. Technologien viel mehr angewandt als in Deutschland und die japanische Mentalität und deren liberale aber auch patriotischen Grundsätze sind mit der Liebe für das Land verbunden. Was ein französischer globaler, wegen mehreren Fällen der Korruption angeklagter Top Manager wie Goshn so großartiges für das Land getan haben soll ist mir ein Rätsel und es steht auch nicht in dem? In der Zeit wo japanische Firmen wie Mori Seiki den ehemaligen Aushängeschildern des Deutschen Maschinenbaus wie Deckel-Maho-Gildemeister mehrheitlich besitzen und die Managements Strategien festlegen, sollte man sich von den Deutschen Medien solch überhebliche und arrogante Sprüche sparen.

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droptableall 28.04.2019, 11:56
9.

Von wegen Kultur als Wertegemeinschaft. Wenn eine sogenannte Kultur auf hirnlosen Konsum ausgelegt ist, dann die Japanische. Nirgenwo sonst werden soviele Faltencremes verkauft wie in Japan.

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