Forum: Wirtschaft
Kampf gegen die Krise: Draghis billionenschwere Verzweiflungstat
DPA

Bis zu eine Billion Euro will EZB-Chef Mario Draghi ausgeben, um den Banken Kredite abzukaufen. So soll die Wirtschaft wieder in Schwung kommen. Doch der Plan ist eher ein Akt der Verzweiflung.

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Sylvester11 02.10.2014, 19:35
60. Das ganze nennt sich

Quantitative easing und ist an sich keine schlechte Idee. In Japen wird diese Methode schon seit 2000 angewandt, leider mit mäßigen Erfolg.
Frage mich nur wie man diese Geldpolitik in einer so föderalen Finanzstruktur wie sie in Europa vorherrscht umsetzen möchte.

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Gerixxx 02.10.2014, 19:36
61. zweckloser Aktionismus....

Ich frage mich immer wieder, warum der Hebel nicht dort angesetzt wird, wo er bei geringsten Kosten die größte Wirkung hätte ....

...und zwar bei den Basel II/III Vorschriften für Banken zur Kapitalbelastung je nach Risiko der vergebenen Kredite oder spekulativen Derivategeschäfte...

Die Kapitalbelastung bei Spekulationsgeschäften - dort liegen die systemischen Risiken und die meisten dieser Transaktionen haben eher keinen volkswirtschaftlichen Nutzen - ist lächerlich gering, sie ist eher eine strukturelle Benachteiligung des "traditionellen" Kreditgeschäftes mit Firmen und Privatkunden. Solange daran nichts geändert wird, wird das Geld und der Freiraum, den die Banken durch Draghis neues Wundermittel erhalten nur erneut zur Spekulation und nicht zur Kreditvergabe verwendet. Aber die Investmentbanker verdienen ihre Boni eben nicht im Kreditgeschäft....

In anderen Worten: Banken, Unternehmen, Investoren aller Art schwimmen in Wahrheit in Liquidität - siehe auch das Zinsniveau. Investitionsbedarf gäbe es reichlich - nicht nur in die marode deutsche Infrastruktur - aber die Investitionen sind überwiegend rein finanzmarktorientiert und spekulativer Natur, weil die Rendite sonst nicht genügt.....aus deutscher Sicht finden sie eher im Ausland statt (unsere kreditfinanzierten Exporte...) und werden im Zweifel danach abgeschrieben.

Auch das De-Leveraging geht weiter. Unternehmen und Privatpersonen sparen fleißig. Bliebe der Staat als Investor und Lokomotive. Aber der darf nicht, weil ohnehin defizitär und wegen Schuldenbremse. Dass es auch anders geht, nämlich die nicht produktiv investierte Liquidität über Steuern abzuschöpfen (internationale Konzerne zahlen ja eh fast schon keine Steuern mehr - eine schallende Ohrfeige für Arbeitsplätze schaffende KMU's die diese Steueroptimierung nicht mitmachen können...) und volkswirtschaftlich sinnvoll zu investieren (Infrastruktur, Bildung) scheint ein Tabu.

Seit mehreren Jahren versucht man immer panischer der kommenden Deflation entgegen zu wirken. Deren Hauptgrund ist die geringe zahlungsfähige Nachfrage (stagnierende Reallöhne seit einer Dekade, Schwächung der Tarifbindung, Billiglohnsektor etc., ) und der Druck auf die Kosten (Produktionsverlagerung, Billigimporte, Wirkungen der ungezügelten Globalisierung). Angebotsseitig geht nicht mehr viel.

Abgesehen von dem lächerlichen Gezeter um die Mindestlöhne wird durch sinkende soziale und ökologische Standards, sinkende Qualitätsansprüche (Geiz ist geil...) oder geringere Produkthaftung (die Unsitte der Subunternehmen...) u.v.m. – die Konsumenten müssen sich ihre Ansprüche und Erwartungen kosten- bzw. einkommensseitig auch leisten können und wollen - der Boden für die Deflation geradezu gedüngt.....

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Edelweiß 02.10.2014, 19:38
62.

Der Artikel beginnt mit einer verheißungsvollen Feststellung: "... offenbar scheint auch der Italiener nicht mehr so ganz überzeugt davon, die tiefe Krise der Eurozone mit den Mitteln der Geldpolitik lösen zu können." Aber was kommt dann? Eine lange Abhandlung über die Möglichkeiten der Geldpolitik! Erst zum Schluss fällt dann mal kurz das N-Wort. Herr Kaiser, wenn Sie doch (offenbar vor Draghi) verstanden haben, dass die Geldpolitik hier nichts mehr bringt, warum halten Sie sich dann so ausführlich damit auf? Stattdessen müsste man jetzt fragen, wieso sie nichts bringt. Dann würde man eventuell Hinweise finden, dass an der ganzen Theorie etwas nicht stimmen kann. Und das wäre natürlich extrem wichtig, wenn man nach Wegen aus der Krise (jenseits der Geldpolitik) sucht.

Die ganze Diskussion über die EZB, Draghi und die Minizinsen ist inhaltlich vollkommen sinnlos und höchstens geeignet, den Frust irgendwie zu kanalisieren (Sündenbock-Prinzip). Was die Problembenennung betrifft, hat Herr Schick Recht, aber wer das N-Wort sagt, muss eben auch das L-Wort sagen.

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lotharemmerling 02.10.2014, 19:39
63.

Zitat von kimba_2014
Wasser auf die Mühlen der AfD.
Gut so !!!

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luny 02.10.2014, 19:40
64. Angebot und Nachfrage

Zitat von braman
Und solange das Warenangebot größer ist als die Nachfrage danach (mangels Kaufkraft), solange gibt es keine Inflation von ca. 2% (oder mehr), egal, welche Klimmzüge noch von Herrn Draghi vorgeturnt werden. Solange die Menschen mit Bedarf nicht auch mit Kaufkraft versehen werden, solange geht der Marsch in Richtung Deflation weiter, egal was irgendwelche (nachweislich falschen) angebotsorientierten Theorien dogmatisch vor geben. Ein richtiger Wissenschaftler richtet seine Theorie nach den Fakten aus, Wirtschafts"wissenschftler" allerdings erwarten, das die Fakten der Theorie folgen, so wie die Religionen auch.
Hallo Braman,

irgendwann müßte auch der EZB-Chef verstanden
haben, daß das Problem nicht am ANGEBOT sondern
an der NACHFRAGE liegt.

Genau deshalb führt seine Methode, die Zinsen immer
weiter zu senken, jetzt auf historische 0,05%, eben
NICHT zu einer höheren Nachfrage.

Die potentiellen Konsumenten benötigen MEHR
Kaufkraft.

Wer sich nur noch das Nötigste kauften kann, der
kann sich nichts "anschaffen".

LUNY

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mit66jahren 02.10.2014, 19:42
65. Konjunkturprogramm für die AfD?

Draghi als König der europäischen Sekundärregierung EZB möchte mit frischem Geld die Wirtschaft in klammen Euroländern ankurbeln. Es wird sich herausstellen, ob mit dem Geldsegen echte Werte geschaffen werden können oder nicht. Die "positiven Indikatoren", die noch vor der Europawahl in einigen Ländern gesehen wurden, sind offensichtlich verschwunden und dunkle Gewitterwolken brauen sich mit den internationalen Krisenherden zusammen. Sollte das neue Geld nur ein Strohfeuer entfachen und nicht wieder vollständig zurückgezahlt werden können, wird jemand für den entstandenen Schaden aufkommen und die Gürtel enger geschnallt werden müssen. In diesem Fall hat Draghi in Deutschland ein Konjunkturprogramm für die AfD aufgelegt.

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james-100 02.10.2014, 19:44
66.

Zitat von 9l1jd1j
wenn die Euro Nationen einmal die Verbraucher- und Einkommensteuern gezielt senken und statt dessen die Zölle erhöhen würden. Das schafft Liquidität für die Binnennachfrage und verteuert Produkte, die nicht aus der EU kommen. Und das Gespiele mit den Freihandelsabkommen legt man auch gleich für immer in Ablage P.
Keiner ist daran interessiert den unteren und mittleren Schichten etwas zukommen zu lassen. Das Endspiel der Umverteilung von unten und der Mitte nach oben ist angepfiffen. Und die meisten Dumpfbacken bemerken es noch nicht einmal.

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memyselfundso 02.10.2014, 19:49
67. Deutschland braucht höhere Löhne.

Mit den popeligen 8,50Euro wird das nichts. Dann besteht auch Nachfrage und somit Investoren, die sicher sind Produkte auch verkaufen zu können.

Was wir bisher machen ist unsere Arbeit unter Wert zu verkaufen.

Wir sehen immer nur den Export, der Binnenmarkt geht völlig unter. Wie das ganze Land.

Wir stecken in einem Korsett einer Währung, die für uns zu weich ist. Das geht nicht mehr lange gut.

Und Merkel sollte sich schon mal nach einem Posten weit weg von Europa umschauen. In der Antarktis soll es ja zunehmend wärmer werden, auch im Winter.

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seppiverseckelt 02.10.2014, 19:49
68. Und alle

...diskutieren wohlweislich am Kern der Sache vorbei!
Dieses ABS-aufkaufprogramm der Bleischweren oxischen Papiere der Zocker und Pleite-Banken ist schlicht ein Verbrechen ! Und wenn Karlsrhe die bisher ergangenen urteile als Maßstab für die Rechtsfortschreibung nimmt, wird es der EZB verbieeten mit deutschem Steuerzahlergeld derart Giftigen schrott zu kaufen!
Im Übrigen läuft sowas dem Zweck der "Stresstets" Diametral zuwieder- schliesslich sollten di Banken 2by fair Means" miteinander verglichen werden- ha ha ha-
Wenn Draghi den Südbanken anteilsmässig mehr abkauft als "unseren2- und das wird er!- dann ist die perfide Marktverzerrung perfekt !!
Karlsruhe HILF !!!!!

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marxtutnot 02.10.2014, 19:50
69. Draghi und die Rosskur

Er sollte dann auch bitte konsequent sein,d.h. einfach mal die Banken aus einem Teil des Geldkreislaufs heraushalten.Die Billionen direkt an die Staaten auszahlen,mit der Auflage zwecks Ankurbelns der Binnennachfrage diese unter die Bevölkerungen zu bringen.Z.B.zwangsweise Investition in Infrastruktur und Bildung;Forschung.Ein Teil der Billiönchen wird direkt an die Bevölkerung ausgeschüttet ,z.B. in Form von Nichterhebung von Lohnsteuer bei der unteren Hälfte des Einkommensspiegels,einen Tausender aufs Hartz IV drauf,und die Herrschaften würden feststellen,daß die Unternehmer nicht so schnell produzieren könnten wie gekauft wird.
So versackt die Knete bei den Banken,die damit ihren Bilanzen aufhübschen und die Dividenden in die Höhe treiben werden,sonst passiert nüscht.

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