Forum: Wirtschaft
Kampf gegen Kunststoff im Einzelhandel: Verdammte Gurken-Folie
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Aldi, Lidl, Rewe: Handelsketten überbieten einander mit Heldentaten zur Plastikvermeidung. Doch wie nachhaltig ist der Verzicht auf Folie, Strohhalme und Tüten wirklich? Worauf sollten Verbraucher achten?

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johnnywaters 20.04.2019, 11:44
1. Rewe

Am irrsten ist die Salatbar in meinem Rewe: In Plastiktüten verpacktes Plastikgeschirr, und der Salat wird natürlich auch in Einweg-Plastikbecher gefüllt....

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aggro_aggro 20.04.2019, 11:47
2. einfache Lösungen

Wie überall gibt es keine einfachen Lösungen. Plastik ist in reichen Ländern kein allzu großes Problem, wenn Straßenreinigung und Müllabfuhr funktionieren wird ziemlich alles zumindest verbrannt und trägt "nur" beim CO2 zur Umweltverschmutzung bei. Und beim CO2 haben wir größere Einsparmöglichkeiten - weniger Auto fahren, weniger heizen, weniger wegwerfen (auch gerade Lebensmittel!).
In armen Ländern braucht es Alternativen als Verpackungsmaterial, biologisch abbaubar muss es sein um nicht im Meer zu landen. Maisstärke, Blätter, Stroh usw. - aber entwickeln, marktreif machen und etablieren können wir das eben auch. Es gibt viele Ansatzpunkte, die Gurke von der Folie zu befreien ist keiner.

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eo no 20.04.2019, 11:48
3. Was man aber machen kann ...

Man kann sich jede Plastiktüte - mehrere kleine dünne - oder eine größere klein zusammenfalten und mit nehmen zum einkaufen. Das mache ich immer. Ich gehe ohne 2-3 kleine gar nicht mehr weg. Damit komme ich mit meinem gesamten Einkauf nach Hause - für eine Person. - Mit den papiernen Einkaufstaschen gehe ich zunächst zum Papiercontainer, entleere sie, dann gehe ich weiter einkaufen. Das wiederholt sich mehrere Male, bis sie kaputt ist. - Auch beim spazierengehen bewähren sich diese klein zusammen gefalteten bestens, wenn man dazu neigt
Beeren unterwegs zu pflücken, Fallobst etc aufzuheben.
Ich kaufe im Gegenzug überhaupt keine Mülltüten. Ich benutze dazu ausschliesslich Verpackung...

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ontwoone 20.04.2019, 11:49
4. Pruuust!

Das fängt doch schon bei den verdammten Werbeprospekten an. Jede Woche kommen buntbedruckte, in Plastikhüllen verpackte Prospektsammlungen aller Einzelhändler der Welt in den Briefkasten und bei uns direkt ungeöffnet in die blaue Tonne. Nachdem wir alles andere versucht haben, damit unser Briefkasten verschont bleibt, geben wir unseren Zorn an die Müllwerker weiter. Die werden sich um Kosten zu sparen vielleicht eher Gehör verschaffen. Mittlerweile ist fast jedes Produkt in Plastik verpackt, weil auch unsere Hygiene-Vorschriften, zu Recht, kaum Alternativen lassen. Wir sollten das echte Recycling verbessern und dafür Sorge tragen, dass Verpackungen wieder in den Kreislauf gelangen. Nur bitte nicht mit Käseverpackung am Pfandautomaten. Die Hersteller müssen in die Pflicht genommen werden und uns Verbrauchern muss es was wert sein, saubere Lebensmittel in hochwertigen Verpackungen kaufen zu dürfen. Oder sollen wir zurück zum einschlagen in altes Zeitungspapier?

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f2777269 20.04.2019, 11:51
5. Plastikfoliengurke u.ä.

Wenn man sich mal ein paar Minuten in eine Obst- und Gemüseabteilung einer beliebigen Handelskette stellt und dort einfach nur zuschaut, wie die unverpackten Dinge dort von anderen Kunden befühlt, berochen, gedrückt, fallen gelassen, vom Boden eingesammelt, umgeräumt, angehustet und angeniest werden, und dazu ein paar Äusserlichkeiten auf durchaus unterschiedliches Verständnis von Hygiene im Allgemeinen schliessen lassen, dann versteht man die Leute, die lieber zur Plastikfoliengurke greifen.

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fahrgast07 20.04.2019, 11:56
6. Keine Anti-Plastik-Religion!

Verpackung sparen ist wichtig. Aber Pappe und Glas wegschmeißen ist kein Fortschritt, Plastik ist nicht per se böse. Gurken kaufe ich übrigens gerne in Plastik: Sie halten einfach viel länger. Spart Lebensmittel.

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a.vollmer 20.04.2019, 11:57
7. Wir brauchen die Öko-Bilanz-Pflicht für Unternehmen

Würden alle Unternehmen umfassend und detailliert für jedes Produkt und jeden Service eine Umweltbilanz ausweisen, wäre es in der Produktions- und Wertschöpfungskette nicht nur möglich für jedes Produkt den ökologischen Fußabdruck zu bestimmen, sondern wegen der durchgängigen Verfügbarkeit der Zahlen auch einfach und unbürokratisch.

Damit wäre auch eine "CO2-Mehrwertsteuer" möglich, eine gezielte Besteuerung der Verursacher.

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hausfeen 20.04.2019, 11:58
8. Dem Wal ist es egal, ob die verschluckten Plastiktüten ...

... eine gute oder schlechte Ökobilanz haben. Wenn es so ist, dass Papier mehr energetischen Aufwand erfordert, dann muss das eben so sein.
Plastik gehört nicht in die Umwelt, basta. Mittlerweile ist Mikroplastik sogar schon in der Atmosphäre nachgewiesen. Wir alle atmen es jetzt schon ein und es wird mehr davon.
WIeder so ein Artikel der Kategoire "Papier hat eine schlechtere Ökobilanz als Plastik", der nur Verwirrung stiften soll, damit die notwendigen Umweltmaßnahmen verzögert oder gar verhindert werden. Aber man soll im Auge behalten, das das CO2 aus jedem Tropfen Erdöl, der aus der Erde gepresst wurde, dort wieder hingebracht werden muss.

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Gluehweintrinker 20.04.2019, 11:58
9. Es müssen viel dickere Bretter gebohrt werden

Ein nichts weiter als symbolhafter Anfang, ohne messbare Auswirkungen auf die tatsächlich anfallende Plastikmüllmenge. Wir müssen ganz andere Kaliber auffahren, denn wer wie wir auf der schwer Leck geschlagenen Titanic sitzt, darf sich nicht damit begnügen, mit dem Schnapsgläschen Wasser zu schöpfen, und genau diese "Dimension" haben solche Albi-Veranstaltungen.

Wenn wir die Plastikschwemme wirksam eindämmen wollen, kommen wir um ein geschlossenes und hochbepfandetes Mehrwegsystem nicht herum, und das muss staatlich, europäisch, wenn nicht so gar unter UN-Aufsicht angeordnet werden. Ob Nudeltüte, Motoröl, Duschgel oder Putzmittel... für jedes Produkt muss quasi eine vereinheitlichte Standardverpackung entwickelt und vorgeschrieben werden. Stabiler Kunststoff aus definierten Bestandteilen, voll recycelbar und unter Vermeidung von Sortenmischungen. Hersteller dürfen sich aus erdölfrei bedruckten Etiketten werblich austoben, aber nicht mehr in der Gebindegestaltung. Das wäre ein erster Schritt.

Flüssige und Schüttgüter, vom Shampoo über Putzmittel bis Zuckerrübensirup sollten analog der Unverpacktläden mit einem Preisvorteil zum Nachfüllen zwingend angeboten werden. Jeder Haushalt sollte zur Einführung der Pfandgebinde eine gewisse Zahl (50 Stück?) Gutscheine für den Pfand-Start bekommen, weil sicher Widerstände wegen hoher Erst-Investitionen für Pfand zu erwarten wären. Unter 5 EUR pro Gebinde wäre sicher nichts sinnvoll, denn es muss weh tun, solche Behälter weg zu werfen.

Ich höre schon die "Kritik": Oh, das wäre aber arbeitsaufwendig, wer soll das denn bezahlen. Natürlich ist die Verpackungswende nur ein Baustein in einer Gesellschaftswende, um die wir nicht herumkommen, wenn wir unsere Biosphäre erhalten wollen. Benutzen statt besitzen, eine Verkehrswende mit Verkehrsvermeidung und kaum Individualverkehr, die diesen Namen verdient, Städte, die dem KFZ weggenommen und den Bewohnern zurückgegeben werden müssen und eine Steuersystematik, die Umweltverschmutzung, Klimagase und Ressourcen besteuert, aber NICHT die Arbeit, denn Arbeit ist eine erneuerbare Ressource.

Am Ende muss eine 100% nachhaltige und gerechte Gesellschaft stehen, mit weit weniger Ungleichheit als heute. Entweder siegt die Vernunft oder die Natur besiegt uns. Zur Zeit sieht es so aus, als träte Letzteres ein, denn ich erkenne nicht, dass wir zur Vernunft neigten. Dass Flugreisen dann Vergangenheit wären, ist klar. Wäre aber kein Verlust, denn in einer Gesellschaft 4.0 wäre es 1. überall lebenswert, gäbe es 2. überall Erholungsmöglichkeiten und 3. reiste man wegen viel mehr freier Zeit gemächlich mit Schiffen, die von Kite-Segeln gezogen würden. Utopie? Ich denke nicht. Notwendigkeiten.

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