Forum: Wirtschaft
Kann Ökostrom Deutschlands Energieproblem lösen?

Die Energieversorgung in Deutschland ist in hohem Grad von Importen abhängig. Neben der klimaschädlichen Braunkohle und der hoch subventionierten Steinkohle sind die erneuerbaren Energien der einzige relevante heimische Energieträger. Sollten sie deshalb stärker ausgebaut werden - auch wenn das teuer ist?

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Gabri 21.02.2007, 13:18
1.

Im Jahr 2005 betrug der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland 6.6% (BMU-Bericht 01/07). Diese Zahl bezieht sich auf die Stromerzeugung, die Wärmebereitstellung sowie die Kraftstoffe. Seit 1998 hat sich dieser Anteil mehr als verdoppelt, was über diesen doch recht langen Zeitraum allerdings erschreckend wenig ist. Die höchsten Zuwächse finden sich absolut in der Stromerzeugung (insbesondere Windkraft und Solarenergie), relativ gesehen in der Kraftstofferzeugung Biodiesel, Pflanzenöl und Ethanol). Realistische Vorstellungen gehen dahin, bis 2020 25 bis 30 % der Stromversorgung mit erneuerbaren Energien abzudecken, bis 2050 will man die Hälfte des Primärenergiebedarfs aus regenerativen Quellen decken.

So weit so gut. Das bedeutet aber auch, dass selbst bei diesen sehr optimistischen Schätzungen Deutschland wohl kaum eine Vollversorgung erreichen kann und infolge dessen stets auf Importe angewiesen sein wird, egal ob es sich um bis dahin vermutlich knapp gewordenes Erdöl/Erdgas, Atomstrom oder regenerative Energien aus Ländern mit besseren Ressourcen, Flächen, Solarausbeute, Wasserkraft o.ä. handelt.

Unter diesen Umständen wäre eine genaue Kosten/Nutzenanalyse der heimischen Möglichkeiten wichtig. Zum Beispiel die Frage, welche regenerativen Energien ausgebaut werden sollten und welche besser auch in Zukunft besser importiert werden. Beispielsweise gehören die deutschen Böden zu den fruchtbarsten der Welt und es wäre ernsthaft zu überlegen, ob man sie z.B. für den Rapsanbau vergeuden sollte und sich stattdessen nicht besser auf die Produktion hochwertiger Lebensmittel konzentrieren sollte um diese dann zu exportieren und gegen Energien einzutauschen.

Länder wie Spanien mit diesen riesigen Dürregebieten eignen sich nun mal weitaus besser für Photovoltaik als die Norddeutsche Tiefebene und die Alpenregionen bieten bessere Möglichkeiten für Wasserkraft. Offshore-Windanlagen sind dagegen eine gute Option für Deutschland, ebenso aufgrund der Mehrheit der Böden dezentrale Geothermie-Anlagen für den einheimischen privaten und öffentlichen Wärmegewinn. Vorsichtig wäre ich dagegen bei dem verstärkten Einsatz von Holz (Pellets). Ein relativ waldarmes Land wie Deutschland kann hier im Verhältnis zu Skandinavien nur beschränkt punkten.

Deshalb wäre ich auch vorsichtig mit dem möglichen Ziel der energetischen Unabhängigkeit. Diese wird in Deutschland nicht erreichbar sein ohne den Nachteil der Unwirtschaftlichkeit. Zum Ausbau regenerativer Energien würde ich ein klares Ja sagen, aber immer mit der Einschränkung, dass wir nicht den Ausbau jeder Energiequelle unbedingt fördern sollten, dieses nur im Verbund mit den europäischen Nachbarn.

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17 Träume 21.02.2007, 14:01
2. Alles was geht ! Ökostrom sofort !

Zitat von Gabri
Im Jahr 2005 betrug der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland 6.6% (BMU-Bericht 01/07)... Unter diesen Umständen wäre eine genaue Kosten/Nutzenanalyse der heimischen Möglichkeiten wichtig. Zum Beispiel die Frage, welche regenerativen Energien ausgebaut werden sollten und welche besser auch in Zukunft besser importiert werden. Beispielsweise gehören die deutschen Böden zu den fruchtbarsten der Welt und es wäre ernsthaft zu überlegen, ob man sie z.B. für den Rapsanbau vergeuden sollte und sich stattdessen nicht besser auf die Produktion hochwertiger Lebensmittel konzentrieren sollte um diese....
Ökostrom ist ja ein kleiner Teil bezogen auf die Primärenergieverbäuche Deutschlands, aber ein Anfang.
Sie haben völlig Recht, daß eine Vollversorgung viel Schritte und Effizienzverbesserungen braucht.

Es gibt bereits Studien, die auch unser Umweltminister kennt, welche z.B. Biogas klar präferiert (bis 2020 sind 10% Anteil geplant obwohl heute nur 1% Beitrag hieraus resultiert). Ebenso wie Kraftstoffe aus Biomasse (BtL statt Biodiesel) ist Biogas sehr umweltfreundlich in der Herstellung und in der Flächeneffizienz sowie Speicherfähigkeit und bietet hohe Nutzungsausbeuten aus vielfältigen pflanzlichen Rohstoffen. Hierzu gibt es im März eine Neujustierung durch die Politik, die auch eine Verbesserung von Wärmeeinsatz bzw. ein Wärmeinspeisegesetz erwarten lässt aufgrund der hohen Wirkungsgrade von Kraftwäremkopplungsanlagen, die Strom und Wärme gleichzeitig produzieren.

ein ausführlicher Beitrag über die Energiemöglichkeiten
http://forum.spiegel.de/showthread.p...925#post967925
eigene Ideen für politische Sofortrahmensetzungen
http://forum.spiegel.de/showthread.p...921#post974921

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aloa5 21.02.2007, 14:01
3.

Zitat von sysop
Die Energieversorgung in Deutschland ist in hohem Grad von Importen abhängig. Neben der klimaschädlichen Braunkohle und der hoch subventionierten Steinkohle sind die erneuerbaren Energien der einzige relevante heimische Energieträger. Sollten sie deshalb stärker ausgebaut werden - auch wenn das teuer ist?
Und wo bzw. wie viele Windkrafträder lassen sich aufstellen ?
Begrenzt.

Solaranlagen ? Nun - auf Dächern wird es bei derzeitigem Klimawechsel wohl immer interessanter. Neuere Häuser haben meisst welche auf dem Dach. Längerfristig kann dies vielleicht ein relevanter Faktor werden. Geht aber nur langsam vorwärts und hängt mit den Stückpreisen und unserem Wohlstand zusammen.

Auto - keine wirkliche Lösung in Sicht.
Wir können gar nicht ausreichend Raps u.ä. herstellen - auch wenn es mit Verknappung (und verteuerung) der Ressourcen (China,Indien) durchaus die landwirtschaftliche Beschäftigungsalternative sein kann (und lohnend dazu).

[[Was machen eigentlich die arabischen Ölstaaten mit Ihrem Geld, wenn das Öl (die Geldquelle) versiegt ist ? (habe ich mich schon immer gefragt.... Krieg? Oder werden dort Solaranlagen aufgebaut und wir so versorgt ? ) ]]


Ich finde, man muss dies nicht auf biegen und brechen fördern. Mit der Winkraft wird viel Subventionsbetrug mit Mafia-Ähnlichen Kartellen getrieben. Solaranlagen auf Dächern können durchaus helfen. Bei steigenden Rohstoff- und Strompreisen wird evtl. das ganze sogar im Verhältnis immer billiger. Etwas fördern: ja - erzwingen: nein. Wenn es sich wirklich lohnt, dann kommt es später automatisch.


Grüsse
ALOA

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17 Träume 21.02.2007, 14:57
4. 100% regenrativ ist machbar !

sagt auch Prof.Dr. Hohmeyer, der einen UN-Bericht über die sinnvollsten Maßnahmen weltweit verfassen wird bis 2010 im Auftrag der IPCC.
http://www.innovations-report.de/htm...cht-79206.html

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17 Träume 21.02.2007, 15:39
5. Biogas bringt Strom oder Wärme

he nachdem man es ins Gasnetz einspeist um z.B Haushalte zu beheizen oder aber Strom und Wärme gleichzeitig erzeugt.

Das Potential von Biogas allein liegt laut einer aktuell veröffentlichten Studie europaweit bei

+ 100% Ersatz des Erdgasverbrauchs
+ 2 Mio Arbeitsplätze zusätzlich
+ Wertschöpfung von 63 Milliarden €
+ bereits bis 2020 Kyoto allein hierdurch zu erfüllen (10% zusätzliche CO²-Einsparung)
+ Zusatzeinkommen für Landwirte statt subventionierten Nahrungsmittelüberschüssen
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/14/0,...339566,00.html

nicht genannter Nebeneffekt sind Speicherfähigkeit wie auch Grundlastfähigkeit, ökologischer Kreislauf möglich durch Wiederausbringung von Restkompost auf die Fläche.

Das heißt sehr effizient ließen sich 25% des Primärenergieverbrauchs (ohne zusätzliche Einsparungen) bis 2020 decken. Biogas nach vorn !

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Kraftwerk_2 21.02.2007, 17:12
6.

Zitat von 17 Träume
he nachdem man es ins Gasnetz einspeist um z.B Haushalte zu beheizen oder aber Strom und Wärme gleichzeitig erzeugt. Das Potential von Biogas allein liegt laut einer aktuell veröffentlichten Studie europaweit bei + 100% Ersatz des Erdgasverbrauchs + 2 Mio Arbeitsplätze zusätzlich + Wertschöpfung von ....
Zumal Biogas wohl nicht den Launen der Natur unterliegt und somit gesichert zur Verfügung stehen würde. Wind- + Solaranlagen sind zu launisch und bedürfen "immer" einer Leistungsreserve im Hintergrund, die dafür sorgt das wenn der Wind nicht weht, die Sonne nicht scheint, die nicht erzeugte Energie trotzdem zur Verfügung steht.

Strom muß nun mal immer zum Verbrauchszeitpunkt erzeugt werden.

Aber eine Frage stellt sich mir trotzdem, kann man Biogas in solchen Mengen erzeugen das man dadurch HKW's betreiben könnte ?? Wenn ja, wäre es doch der ideale Energieträger. Da man mit HKW's zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen würde. Zum einem die Stromerzeugung und zum anderem Fernwärme zum Heizen von Häusern.

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Triakel 21.02.2007, 17:59
7.

Der Ersatz von Energieträgern aus fossilen Quellen durch erneuerbare Energien wird in den nächsten 20 Jahren geradezu zur Schicksalsfrage.
Und zwar nicht nur wegen des Klimawandels, der sich derzeit zurecht im Fokus der öffentlichen Diskussion befindet.
Vor allem wegen des Überschreitens des Peak Oil , der in den nächsten Jahren anliegt (laut Geologen zwischen 2008 und 2015).
Etwas zeitversetzt wird dann auch der Peak Gas und der Peak Uranium erreicht, wenngleich die globalen Förderkurven etwas von dem des Öls abweichen.
So ist bei Gas durchaus ein Maximalplateau über einige Jahre zu erwarten.
Wenn wir diese Herausforderung nicht erfolgreich bestehen, dann wird es einen unglaublichen Einbruch der Industrieproduktion, des Lebensstandards, ja sogar der durchschnittlichen Lebenserwartung geben.
In 20 Jahren werden ca. 1,3 Milliarden Menschen mehr auf der Erde leben, wobei die Zahl der Stadtbewohner fast um die gleiche Zahl zunehmen wird.
Der globale Autobestand wird sich von jetzt 850 Millionen auf vermutlich 1,5 Milliarden erhöhen.
Der gesamte Energiebedarf wird sich um 75% erhöhen, und das bei einem Ölangebot, das sich in wenigen Jahren jährlich um 2 bis 3% werringert und bei immer weniger ölexportierenden Ländern.
Die Menschheit ahnt noch garnicht, auf was sie da zusteuert.

Man muß alles machen, was geeignet ist:
-Biomasse (es gibt ja Technologien, die nicht auf Raps angewiesen sind sondern fast alle Pflanzen verwerten können. Allerdings muss die Biomassegwinnung nachhaltig und bodenschonend sein))
-Photovoltaik (hoffentlich bald zu dramatisch sinkenden Preisen z.B. durch Verwendung unreinen Siliziums - strengen Sie sich mal an, Herr Eicke Weber in Freiburg!)
-Erdwärme an geeigneten Standorten (und die gibt es in Deutschland durchaus)
-Wärmepumpen (als Hebel mit dem Durchschnittsfaktor 4 für elektrische Heizung)
-Wasserkraft ( ist aber nicht mehr um Größenordnungen steigerbar)
-Windkraft insbesondere im Offshorebereich
-Wellenenergie, Gezeitenenergie
-und nicht zuletzt sparen, sparen, sparen. Maximale Energieeffizienz ist die egiebigste "Energiequelle".

Und von mir aus sollen die KKW´s 5 oder 8 Jahre länger als im Vertrag am Netz bleiben, auch wenn ich ein Skeptiker der Atomkraft bin.
Nun haben wir dieses Teufelszeug aus strahlenden Abfällen einmal auf der Erde, und wenn 10% mehr uns einen sanfteren Übergang ins neue Energiezeitalter ermöglichen, dann soll´s halt so sein. Auf keinen Fall neue KKW´s bauen!!!

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C.Jung 21.02.2007, 18:15
8. Schicksalsfrage und Chance

Zitat von Triakel
Der Ersatz von Energieträgern aus fossilen Quellen durch erneuerbare Energien wird in den nächsten 20 Jahren geradezu zur Schicksalsfrage.
Zu der Machbarkeit der "erneuerbaren Energien" ist schon einiges gesagt worden.

- das Thema Klima alleine ist schon ein hinreichender Grund
- die Endlichkeit der fossilen Energie ein weiterer
verschärft durch
- das Wachstum der Erdbevölkerung, quantitativ und qualitativ (pro Jahr entstehen allein in China und Indien 30 Mio, neuer Mittelstand mit entsprechendem Konsum)
- bei gleichzeitiger Reduzierung der bewohnbaren Fläche (Dürre, Küsten, Unwettergefährdung)

Die konsequente Hinwendung zu den erneuerbaren Energien ist eine notwendige, unabdingbare Investition in die Zukunft, eine elementare Verpflichtung den künftigen Generationen gegenüber
aber
zugleich auch eine hervorragende Chance:

- für eine lebenswerte, gesunde Umwelt
- aber auch für eine wirtschaftliche und berufliche Zukunft; denn D kann so auch seine besten Traditionen in die Waagschale der internationale Wirtschaft werfen.

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17 Träume 21.02.2007, 19:31
9.

Zitat von Kraftwerk_2
Zumal Biogas wohl nicht den Launen der Natur unterliegt und somit gesichert zur Verfügung stehen würde. Wind- + Solaranlagen sind zu launisch und bedürfen "immer" einer Leistungsreserve im Hintergrund, die dafür sorgt das wenn der Wind nicht weht, die Sonne nicht scheint, die nicht erzeugte Energie trotzdem zur Verfügung steht. Strom muß nun mal immer zum Verbrauchszeitpunkt erzeugt werden. Aber eine Frage stellt sich mir trotzdem, kann man Biogas in solchen Mengen erzeugen das man dadurch HKW's betreiben könnte ?? Wenn ja, wäre es doch der ideale Energieträger. Da man mit HKW's zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen würde. Zum einem die Stromerzeugung und zum anderem Fernwärme zum Heizen von Häusern.
Genau der Einsatz in BHKW ist einer der vielen Vorteile, -> durch Erhöhung des Wirkungsgrades ist der Primärenergie-Ersatz noch viel höher möglich
aber auch Einspeisung in vorhandene Gasnetze sind möglich(nach relativ leichter Aufbereitung)und damit zu einem für uns idealen Energieträger obwohl es den Anteil von Kohle wohl nur in eupäischer Betrachtung nicht in Deutschland allein decken könnte, aber selbt Kohl wird ja massiv importiert und Gasleitungen sind bereits vorhanden.

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