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Kapitalismus in der Krise: Es muss nicht immer Sozialismus sein
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Es ist populär, am Sinn freier Märkte zu zweifeln. Ist das schon sozialistisch? Oder nur die Reaktion auf jene, die seit 40 Jahren stur den Markt als Allheilmittel predigen? Zeit für eine Korrektur.

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didih432 03.05.2019, 16:44
100. wie-das - welch passender Username!

Zitat von wiedas
Ein interessanter Denkansatz wird da vom Autor niedergeschrieben, ....... Arbeiter müssen mit den Mittel ausgestattet werden, mit denen sie ihre Zukunft aus eigener Kraft gegen die arbeitsrechtlichen Affronts und gegen das Lohndumping der Arbeitgeberschaft schützen können. Gewerkschaften müssen nicht nur gestärkt, das Streikrecht gestärkt und ihr Ansehen gefördert werden, auch müssen Bemühungen in Angriff genommen werden, die Gewerkschaften zu internationalisieren. Internationale Kontakte eröffnet und Bündnisse geschlossen werden, um endlich ein Gegengewicht zur globalen Verbündelung der Arbeitgeber entstehen zu lassen. Am Ende des Tages sollen die Arbeiter wieder Lust daran haben, Arbeiter zu sein.
Und das ist auch meine Rückfrage:
was sollen die Arbeiter dagegen haben, wenn ihre Aktionäre mithilfe kaltherziger Manager hervorragende Quartalsberichte vorlegen - solange in diesen auch hervorragende Löhne bilanziert werden? Und wenn die Arbeiter gar auf die Idee kommen, selbst zu Aktienbesitzern zu werden, dann freuen sie sich doppelt.
Vielleicht reicht die Freude ja noch, um in der Hauptversammlung ein Programm für die Finanzierung von Werkssiedlungen (Neubau oder Fördermittel) zu beschließen - was dann die Dividenden schmälern könnte.
Aber würde die Freude auch ausreichen, das Unternehmen wirklich zukunftsfähig zu machen, also auch einen Platz für künftige Arbeitergenerationen zu bieten. Dazu wäre nicht nur die richtigerweise geforderte Internationalisierung notwendig, sondern ernsthafte NACHHALTIGKEIT, sorgsamer Umgang mit den NATÜRLICHEN RESSOURCEN - und der Abschied von kurzatmigen Quartalszahlen.

ALso bitte zeigen Sie mir die Gewerkschaftsprogramme, die solche Ziele glaubwürdig beinhalten. Ich denke, sie allein wären trotz neuer Stärke nicht ausreichend. Ich denke, wir brauchen neben verständigen Wirtschaftspartnern vor allem eine WEHRHAFTE DEMOKRATIE mit einem

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DönerMan 03.05.2019, 16:46
101.

Zitat von Sportzigarette
Die Börse ist lediglich ein Handelsplatz, an dem sich Käufer und Verkäufer treffen, Freier Handel ist die Grundlage unseres Systems. Diesen zu verbieten wäre dumm! Und staatliche Banken führen unweigerlich in den Ruin, erst der Bank, dann des Staates!
Genau. Die Börse selbst ist gut, sie schafft Transparenz, wenn richtig kontrolliert. Man sollte nur nicht mit Dingen handeln dürfen, die man nicht besitzt. Außer Spekulation gibt es keinen guten Grund für die Nutzung von Hebelprodukten oder für den Handel von Dingen, die man gar nicht besitzt. Falls einige Derivate zur "Absicherung" gehandelt werden, sollten sie auch von denjenigen kaufbar sein, die auch den entsprechenden Basiswert im Depot haben. Wenn diese Regel eingeführt werden würde, würde das Interesse an vielen Derivaten verschwinden. Dann wüsste auch jeder, dass der eigentliche Handelsabsicht mit dem Produktes nie die Absicherung war.

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olli0816 03.05.2019, 16:52
102. Ganz alternativlos ist es nicht

Zitat von Flachlandprophet
Es gibt keine Alternative zum Kapitalismus. Auch ein Marx hatte, trotz gründlicher Überlegungen und Recherchen, seine Ideen nie wirklich zu Ende gedacht. Man darf den Kapitalismus gerne beibehalten - und sollte ihn nur anders reglementieren...
Was aber auch nicht sein darf ist Kommunismus (was Herr Kühnert vorschlägt) oder überbordernden Sozialismus, der jedwede Eigeninitiative abwürgt. Wir sind in Deutschland schon in der Nähe dieses Punktes.

Kapitalismus hat durchaus viele Vorteile ggü. einem Zentralismus des Staates. Er setzt am stärksten den Egoismus des Einzelnen in Kraft, nur leider sowohl im positiven wie im negativen Sinne. Das ist einer der Schwächen des Kapitalismuses. Daneben ist diese Art zu wirtschaften nicht sehr vorteilhaft, wenn man z.B. neue Technologien voranbringen möchte, die in absehbarer Zeit keine ausreichenden Gewinne erzielen können. Es wird einfach nicht genug investiert. Daneben werden alte Technologien aus Wirtschaflichkeit bis zum Ende verwendet, weil man nötige Investitionen vertagen kann. Der Diesel ist ein valides Beispiel. Es gibt seid längerem Trockenwäsche, die durch die Hersteller von Waschmitteln verhindert wird, weil sie diese gerne vertreiben möchte. Kohlesubventionen, die Liste ist endlos.

Obwohl ich von Herrn Fricke kein großer Fan bin, schreibt er einen weiteren Schwachpunkt ganz richtig auf: Für Menschen äußerst sinnvolle Strukturen werden aus Wirtschaftlichkeitsgründen abgebaut. Sie sind für einzelne Menschen wichtig wie z.B. ein erreichbarer Arzt in einer vernünftigen Zeit. Ich war in den 90ern z.B. ein großer Fan der Privatisierung der Post, weil sie ein gar zu piffiger Verein war. Aber heute ist die Post eine Zumutung. X Fillialen wurden geschlossen, die vorhandenen sind häufig heillos überfüllt und wenn man sich die Tarifpolitik anschaut (Stichwort Briefportoerhöhung) oder ersatzlose Zusammenstreichung von Dienstleistungen (Versendung von Büchern ins Ausland) etc. aus Wirtschaftlichkeitsgründen, dann ist das kein Gewinn für die Allgemeinheit. Ein Unternehmen bekommt wichtige Bereiche und sortiert sich gezwungenerweise die Rosinen raus. Daneben ist die Bezahlung der Paket-/Briefbeförderer inzwischen wirklich zum schämen.

Das heißt, unabhängig von dem Unsinn, den z.B. ein Herr Kühnert oder Herr Platzeck von den Grünen verzapfen bzgl. Enteignungen ist eine Weiterentwicklung unseres Wirtschaftsmodells unbedingt notwendig. Das zeigt die zunehmende Unruhe im Lande und weltweit. Wir sollten u.a. die oben beschriebenen Schwachpunkte in Angriff nehmen, um den Kapitalismus so weiter zu entwickeln, dass möglichst viele Leute möglichst zufrieden leben können. Von CDU/CSU und FDP kommen hier z.B. gar keine Vorschläge und von Grün/SPD und Linke nur Unsinn. Aber zumindest fängt man an zu diskutieren. Obs gut wird, steht auf einem anderen Blatt.

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Ollin 03.05.2019, 16:53
103. Mitarbeiter als Eigentümer? Bloß nicht!

Ja wo kämen wir denn hin wenn die Eigentumsanteile an Firmen wie BMW, Siemens, VW, Mercedes statt in der Hand einiger Dynastien, Scheichs oder auch des Landes NS in der Hand der Belegschaft wären. Da würde das Geschäft ruckzuck runtergewirtschaftet, weil alle nur auf kurzfristigen Gewinn schielen. Genau so ist es besser dass möglichst wenige Leute Eigentümer ihrer Behausung sind, wie sollte der einfache Bürger bloß mit all der Verantwortung zurecht kommen. Und sollten die Leute mit ihrem Wohlstand auch anfangen, die wissen ja gar nicht wie Luxus und Mezänatentum richtig geht. Nachher zieht noch die Hälfte der Bevölkerung in die Schweiz, und versteuert ihre Gewinne auf den Cayman Islands. Nene, lasst mal lieber alles schön wie es ist, hat sich doch bewährt. Die Gewinne sprudeln, und nichts ist befriedigender als das gute Gefühl die Hälfte der Bevölkerung mit den eigenen Sozialabgaben zu alimentieren, und sich im kleinen Kreis Gedanken zu machen wie man seine Schäfch... äh Mitbürger am besten einhegen kann.

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Periklas 03.05.2019, 16:54
104. Die Börse ist ein Orakel

Zitat von Sportzigarette
Die Börse ist lediglich ein Handelsplatz, an dem sich Käufer und Verkäufer treffen, Freier Handel ist die Grundlage unseres Systems. Diesen zu verbieten wäre dumm! Und staatliche Banken führen unweigerlich in den Ruin, erst der Bank, dann des Staates!
Das halb Spanien Griechenland und Italien bereits vor zweitausend Jahren entwaldet worden ist, war eine Folge der damaligen Handelsplätze. Ein nicht zu regulierender Markt benötigte immer mehr Handelsschiffe. Sicherlich war der damalige Anspruch nicht anders wie heute dringend benötigte Löwen für die Show in Rom oder zuwenige Sklaven trieben sicherlich manchen in den Ruin aber es verhinderte auch nicht den Bankrott des römischen Reichs. Die Börse war damals schon der Anfang vom Ende.

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wiedas 03.05.2019, 17:02
105. Sozial - Demokratisch eben

Zitat von matbhmx
... und darf auch künftig nicht wieder aufstehen. Aber nach dem Scheitern des Sozialismus' hat der Turbo- oder geradezu Manchester-Kapitalismus wieder um sich gegriffen. Und die Globalisierung hat es den Turbo- und Manchester-Kapitalisten ermöglicht, ihr Kapital so hin und her zu verschieben, dass die Allgemeinheit keinerlei Anteil an den schamlosen Gewinnen hat. Es geht nicht um einen neuen und genauso zum Scheitern verurteilten Sozialismus, sondern es geht um die soziale Marktwirtschaft Ludwig Erhards. Ein guter Teil der heutigen Probleme der deutschen Gesellschaft sind übrigens Ergebnis des Kleinsozialismus, den die SPD mit der FDP seit 1969 in Deutschland betrieben hat. In dieser Zeit sind unter anderem die Quellen für den Missbrauch der Sozialsysteme geschaffen worden. Und in dieser Zeit ist die irrwitzige Staatsverschuldung begonnen worden - auf das man die Wähler besteche und sie fleißig SPD wählen!
Der Sozialismus ist der eine Teil unserer Demokratieform und der Kapitalismus der andere. Es geht um keine Extreme, sondern um das richtige Mischungsverhältnis, und natürlich um eine sehr, eine wirklich sehr gerechte Machtverteilung. Nichts mit: "Das sind Fragen, die man dem Volk nicht mehr zutrauen kann" etc.. "Nicht zutrauen können" bedeutet wenn, dann doch nicht mehr, als dass das eine Bevölkerung nicht ausreichend informiert und geschult wurde, weshalb man aber Entscheidungen nicht an die Selbstinteressen irgend einer unabhängige-Entscheidung-treffen-könnenden-Clique abtreten könnte. Die Leute müssen das IMHO schon selber tun und eventuell eben aus ihren Fehlern lernen. Die Entscheidungsfähigkeit eines ganzen Volkes mag sich zwar nur zäh von der Stelle bewegen, aber sie bewegt sich von der Stelle! Man betrachte sich die Gesellschaftsentwicklung der letzten mit der Aufklärung beginnenden zweihundert Jahre, oder der zweihundert Jahre zuvor. Wer würde jenen monarchisch regierten Untertanen nur irgendeine allgemeingesellschaftliche Entscheidung zutrauen? Wie unterirdisch schlecht für diese Leute war ihr Zugang zu Wissen und Information? Da bewegen sich die intellektuellen Ausgangsbedingungen und die technischen Möglichkeiten heute auf ganz anderen Ebenen. Mich stimmt unsere junge Generation hoffnungsvoll, so wie diese von unseren Möglichkeiten ganz pragmatisch und mit ihrer positiven Agenda Gebrauch macht. Ein Ding der Unmöglichkeit in meiner Thatcher-Kohl-Reagan-gelähmten und vom Computer überrannten statt ihm gewachsenen Generation.

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brotfresser 03.05.2019, 17:06
106. Dass die Betriebsräte von BMW solche

Forderungen nicht gern sehen, ist klar. Sie verdienen ja gut (mehr als 200000 Euro) . Warum sollten sie etwas gegen ihren Arbeitgeber sagen. Aber: BMW ist Teil der Probleme. Daher ist es gut und wichtig über andere Lösungen - auch bei BMW - nachzudenken.

a) wir haben eine ungleiche Verteilung des Reichtums und - noch wichtiger - des Zuwachses des Reichtums. Kurz: Reiche werden immer reicher. Arme werden immer ärmer.

b) Eine soziale Spaltung wird zwangsläufig zu Krisen führen und stärkt die Extremen.

c) Firmen wie BMW sind nicht an der Lösung des Klimaproblems interessiert. Die Tatsache, dass die "Arbeiter" bei BMW gut bezahlt sind sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass BMW Ursache für die bestehenden Problem ist und sich aber weigert, dafür die Haftung zu übernehmen.Übrigens: ohne die staatliche Steuerbefreiung von Dienstwagen, die wir alle mitzahlen, wäre BMW wahrscheinlich schon pleite.

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unixv 03.05.2019, 17:06
107. Noch nie ging es so vielen Menschen so gut?

Zitat von richey_edwards
Wohlstand und Lebenserwartung nehmen weltweit zu, Zugang zu Bildung ist für immer mehr Menschen möglich, Kindersterblichkeit und Armut nehmen ab. Der Grund: Markt und Kapitalismus. Aber man kann das ganz schnell wieder ändern: mit Staat und Sozialismus.
Ich lade sie mal an einem ganz normalen Wochentag zu uns an die Tafel ein, wo ich ehrenamtlich arbeite, dann können sie sich ein wirkliches Bild machen, ob es wirklich so vielen so gut geht!

Dürfte man in der EU mit Tafeln an die Börse und spekulieren, hätte man die größte Rendite seines Lebens gemacht! Keine Branche verzeichnet so viel Wachstum, wie die Tafeln, dank* SPD und Grüne!

*Das ich hier die Union und FDP nicht erwähne, hat seinen Grund, die sind nun mal Wirtschaftsnah, aber die SPD? Grüne?

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mr_knightley76 03.05.2019, 17:08
108. Hilfe !!!

Lieber Herr Fricke, die Kritikpunkte am Kapitalismus sind ja alle richtig. Nur der Schluss, dass deswegen der Staat alles besser machen würde, ist komplett absurd. Der Staat hat es über die letzten 40 Jahre nicht geschafft, den Markt vernünftig zu regulieren, um etwa Finanzkrisen oder extreme Ungleichheiten zu verhindern, und die Lösung ist nun, ihn zum alleinigen Eigentümer der Marktes zu machen? Wie das irgendein Problem lösen soll, verschliesst sich mir.

Und wenn ich dann den Satz von Herrn Kühnert lese "oder ob das Kollektiv entscheidet, dass es BMW in dieser Form nicht mehr braucht", dann läuft es mir kalt den Rücken runter. Denn das "Kollektiv" wird ja in seiner Vorstellung wohl von ihm vertreten, wie das im Kommunismus halt so funktioniert und Herr Kühnert entscheidet dann was gut für das Kollektiv ist. Gruselig.

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hdwinkel 03.05.2019, 17:14
109. Enteignungen

Selbstverständlich kann und muß man bestimmte Familien enteignen. BMW, das zu großen Teilen der Unternehmerfamilie Quandt gehört, hätte z.B. konsequenterweise gleich nach dem WK2 verstaatlicht werden müssen.
"Quandt gehörte zu einer Gruppe von Industriellen, die sich Mitte 1931 mit Adolf Hitler im Berliner Hotel Kaiserhof trafen und der NSDAP im Falle eines Linksputsches 25 Millionen Reichsmark zur Verfügung stellten. Ebenfalls 1931 wurde er Mitglied der Gesellschaft zum Studium des Faschismus, die als ein Bindeglied zwischen konservativen Kreisen und der NSDAP fungierte. Er war ein Teilnehmer des Geheimtreffens vom 20. Februar 1933 von Industriellen mit Hitler, bei dem eine Wahlkampfhilfe von 3 Millionen Reichsmark für die NSDAP beschlossen wurde."
https://de.wikipedia.org/wiki/Günther_Quandt
Das Unternehmen verdankt seinen Reichtum in erster Linie der Rüstungsproduktion und spätere KZ Zwangsarbeit.
Verhindert hat die Verurteilung Quandts als Hauptkriegsverbrecher übrigens das Vereinigte Königreich, weil sie fürchteten, die Batterieproduktion könnte leiden. Es kann also Millionen Tote geben. Alles halb so schlimm, Hauptsache die Wirtschaft läuft danach wieder.

Und dabei sind die Quandts nur die Spitze des Eisbergs. Fast alle DAX30 Unternehmen sind sog. altes Geld, haben also Mehrheitseigentümer, die ihren Reichtum bereits vor über 100 Jahren aufgebaut hatten und danach trotz zweier Kriege, mehrfacher Währungsreformen und Inflationen, also die regelmäßige Enteignung des Fußvolks, behalten und vermehrt haben.
DAS ist die Realität in Deutschland.

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