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Kapitalismus in der Krise: Es muss nicht immer Sozialismus sein
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Es ist populär, am Sinn freier Märkte zu zweifeln. Ist das schon sozialistisch? Oder nur die Reaktion auf jene, die seit 40 Jahren stur den Markt als Allheilmittel predigen? Zeit für eine Korrektur.

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Testtubebaby 04.05.2019, 13:20
180. Geld essen Erde auf

Ein ewiges Mehr sollte zuerst mit den endlichen Ressourcen dieses Planeten in Zusammenhang gebracht werden, wodurch wir schon das erste Paradoxon haben. Es geht überhaupt nicht um Gesellschaftssysteme, sondern um Gier. Diese Gier wird vor allem von den Finanzmärkten befeuert. In der kompletten Wertschöpfungskette von Rohstoffen bis zum Endprodukt sind die Finanzmärkte involviert und wollen Profit. Und davon jedes Jahr mehr. Ein börsennotiertes Unternehmen muß jährliche Gewinnsteigerungen aufweisen, sonst wird es an den Aktienmärkten abgestraft. Rohstoffe dienen als Spekulationsobjekte von Leuten, die mit der Verwertung nichts zu tun haben usw. usf. So wachsen gigantische Finanzierungsunternehmen, die mächtiger als Staaten sind und deren einzigstes Ziel mehr Profit ist. Eine logische Veränderung zu einer besseren Welt wäre die Abschaffung dieses Spekulantentums. Eindampfung der Banken auf ihr Kerngeschäft, die Kreditvergabe. Rigorose Abschaffung der Börsen, Abschaffung der Spekulationsgeschäfte. Die Effekte wären weitaus nachhaltiger als alle angedachten ressourcenschonenden Maßnahmen der Bevölkerung. Dieses Modell einfach mal durchzudenken wäre ein lohnenswerter Ansatz. Leider ist die Macht der Finanzmärkte wohl schon zu groß für regulierende Maßnahmen. Hier sehe ich das Hauptproblem, nicht in der Variation von bekannten Gesellschaftsmodellen.

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KlausMeucht 04.05.2019, 13:52
181. Natürlich brauchen Märkte Regeln

Zitat von Flachlandprophet
Es gibt keine Alternative zum Kapitalismus. Auch ein Marx hatte, trotz gründlicher Überlegungen und Recherchen, seine Ideen nie wirklich zu Ende gedacht. Man darf den Kapitalismus gerne beibehalten - und sollte ihn nur anders reglementieren...
Zunächst gab es noch nie einen reinen Kapitalismus und noch nie einen reinen Sozialismus (auch in der Sowjetunion nicht), und bevor Sie etwas als alternativlos erklären sollten Sie einmal definieren was Sie unter Kapitalismus verstehen. In der Regel gibt es immer Alternativen.

Wir hatten als ich ein Kind war eine soziale Marktwirtschaft. Das Soziale an der Marktwirtschaft ist leider immer geringer geworden. Es verstärkt sich mehr und mehr der ökologische Faktor.

In einer Notsituation, z.B. geringen Trinkwasser oder wenig Lebensmittel muss der Staat regulativ eingreifen. Zur Not braucht es eben Lebensmittelkarten, damit nicht die einen verhungern, während andere horten und spekulieren.,

Bei ausreichend Lebensmittel sind solche staatlichen Regelungen eher schädlich. Trotzdem gibt es Dinge die auch demjenigen zustehen der kein Geld hat. Dazu gehört frische Luft zum Atmen, medizinische Versorgung und Zugang zu Lebensmittel und Wasser. In meinen Augen gehört dazu auch Bildung und die Möglichkeit im Notfall die Polizei anzurufen.

Der Verbrauch natürlicher Ressourcen muss besteuert werden, denn es gibt natürlicherweise Grenzen.

Es gibt und gab nie eine wirklich freie Marktwirtschaft. Der Staat sollte Grenzen setzen in denen der Markt frei (aber nicht grenzenlos) agieren kann. Eine rein unregulierte Marktwirtschaft würde auch Kinderprostitution erlauben.

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KlausMeucht 04.05.2019, 14:09
182. Demokratie

Zitat von k.klotz
Sozialismus, Kapitalismus, Arm, Reich ... letztlich Worthülsen. Am Ende des Tages haben die Wähler mit Ihrer Stimmabgabe in den letzten 70 Jahren den heutigen Zustand der Politik, Gesellschaft und Wirtschaft herbeigeführt. Das nennt sich Demokratie.
Haben wir eine Demokratie? Die Meinung des Volkes kann durchaus gebildet werden.

In den 50er Jahren finanzierten sich die großen Medien zu 80% von den Lesern und zu 20% von Werbung. Heute ist es umgekehrt.

Könnten Wahlen irgendetwas ändern, wären diese wahrscheinlich verboten.

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nobody_incognito 04.05.2019, 14:11
183.

Zitat von KlausMeucht
Natürlich brauchen Märkte Regeln
Ist schon ulkig, wenn es Regeln nicht gäbe, hätten wir keinen Paragraphendschungel. Der Punkt liegt schlicht in der Frage wer die Regeln bestimmt. "Unterprivilegiertheit" liegt im Umstand des fehlenden Einflusses aber auch in der Unfähigkeit sich untereinander zu koordinieren. Wenn Dumme leiden, dann hat das seine Richtigkeit - es soll die grauen Zellen mobilisieren. ;-)

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oinarc 04.05.2019, 14:33
184. Energieeinsparungen?

Zitat von k.klotz
das mag daran liegen, dass die Grünen mit ihrer Forderung zur Abschaltung der AKW den CO2 Ausstoß erhöht haben. Bzw. zu feige waren der Bevölkerung zu sagen - Strom gibt es eben nicht immer. Und es mag daran liegen, dass sehr viele Menschen inkonsequent sind und nicht verstehen wollen, dass sie ein Teil des Problems sind. Wer mehr Geld fordert muss auch sagen, wo das herkommen soll. Wer saubere Luft fordert muss auf z.B. Erdbeeren im Winter verzichten - die wachsen zu der Zeit nämlich nicht hier ums Eck. Und es sind nicht die paar "Reichen", die mit ihrem Massentourismus Städte wie Venedig überschwemmen oder tausende Tonnen CO2 durch Auslandsreisen per Flugzeug, Schiff oder Auto produzieren. Wenn es den Grünen ernst ist müssen die DAS darstellen. Nur - so ehrlich will man dann doch nicht sein. Da gaukelt man lieber etwas von "Energiewende" vor - die auf grundlastfähige Kohlekraftwerke angewiesen ist.
leider hört man selbst hiervon nichts mehr von Seiten der Grünen.
Schlimmstenfalls liegt es an den Ertragsabsichten Grüner Energieanbieter.
Könnte hier die Einsparung etwa die Wirtschaftlichkeit konterkarieren?
Im Zusammenspiel von Alternativer Energie und Energieeinsparung
wären wir heute sicherlich schon ein ganzes Stück weiter
Dies müsste politisch ähnlich kraftvoll begleitet werden wie der mutige Diskussionsvorstoß Kühnerts.

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coyote38 04.05.2019, 14:57
185. Mir lag es auf der Zunge ...

Zitat von ofelas
wir haben Sozialismus für privilegierte Schichten: Banken, und all diejenigen die direkten Zugriff auf die Zentralbankgelder haben, die gute "Beziehungen" zu den Geldhäusern haben und so an die Gelder kommen. Alle anderen erhalten die Mittel nicht, zahlen höhere Zinsen und sind somit nicht in der Lage massive zu investieren.
Wenn wir tatsächlich einen "Kapitalismus" HÄTTEN, dann wären seit 2008 reihenweise Länder, Staaten und Banken PLEITE gegangen. Nullzinsen, Blasen an den Aktienmärkten, explodierende Mieten und Preise für Immobilien sind kein Kennzeichen von Kapitalismus, sondern von staatsdirigistischen, zutiefst sozialistischen Eingriffen in das freie Spiel der Kräfte. Und die SOZIALISTEN heißen heute "Pro-Europäer" und "Globalisierungsbefürworter". Es sind die GLEICHEN Leute, die uns erzählen, das "irgendwer anders" besser mit unserem Geld umgehen könnte als WIR SELBST. Es sind die gleichen Leute, die uns erzählen, dass "Multilateralismus die Lösung ist" und die schon einen simplen Unilateralismus nicht organisiert bekommen. Und schlussendlich hat den Beweis, dass "der Staat" der bessere Wirtschafter und Unternehmer ist, seit Sankt Marx' "Kapital" jedenfalls auch noch NIEMAND erfolgreich angetreten. Lebensunfähige, durch Dritt- und Steuermittel finanzierte Schwätzer und Traumtänzer ... überall ...

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jufo 04.05.2019, 15:46
186. Regulierung

Der Markt funktioniert im Grundsatz aber er braucht mehr Regeln als das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Ich habe mal jemanden beschimpft der in der in der Massenhaltung von Hühnern arbeitet. Der zuckte mit den Schultern und meinte er sei marktgetrieben. Seine Abnehmer würden mit ihm um Geld feilschen und nicht um das Wohl der Hühner. Wenn er nicht billig verkaufe täte es die Konkurrenz. Gäbe es staatliche Regelungen für alle sähe die Sache anders aus und den Hühnern ginge es besser. Vermutlich hatte er Recht.

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remedias.cortes 04.05.2019, 16:48
187.

Zitat von labuday
der Turbokapitalismus freien Lauf hat. In 20 Jahren von Millionen Hungertoten bis an die Weltspitze - das schafft man nur mit Turbokapitalismus und Diktatur.
Die Chinesen gehen in der Tat einen interessanten Weg - einen rigiden Staatskapitalismus. Vom Kommunismus haben sie sich dort nie distanziert. Aber sie haben aus den Fehlern der Sowjetunion gelernt.
Sozialismus funktioniert nicht in einer kapitalistischen Welt , in der alle nur darauf drängen, dich zu zerstören. Bestes Beispiel: Venezuela.

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remedias.cortes 04.05.2019, 16:53
188.

Zitat von bammy
Kapitalismus ist doch nur ein Begriff den Engels als Feindbild für den Sozialismus aufgebaut hat. Kapitalismus gibt es doch solange, wie die Menschen handel treiben. Es ist ja nur eine Frage der Spielregeln.
Da kann ich Ihnen gegenläufige Modelle aus der Antike nennen.
Das alte Ägypten hatte eine Art Staatskommunismus, alle produktionsmittel und damit auch die Produktion gehörten dem Pharao, der dann von oben nach unten verteilte.
Das persische Imnerium agierte ähnlich - inklusive Geldvernichtung in regelmäßigen Abständen und Drehen der Uhren auf 0 (eine Erinnerung daran findet man im biblischen Jubeljahr)

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mantrid 04.05.2019, 18:33
189. Wir sind selbst Schuld!

Wir sind es doch, die bilig, billig, billig wollen. Ob Arbeitskräfte anständig bezahlt werden oder faire Arbeitsbedingungen bestehen ist uns doch egal. Ob ost-europäische Arbeitskräfte unter dem Mindestlohn bezahlt werden und in abbruchreifen Buden zu Horrormieten wohnen müssen, egal. Hauptsache billiges Fleisch, billige Paketgebühren. Es wird ja niemand gezwungen, sich schamlos ausbeuten zu lassen. Wir kaufen bei Amazon & Co. statt beim Händler vor Ort. Für die Angestellten gibt es Hartz 4 und wir können dann noch über das faule, arbeitsscheue Gesindel lästern, dass sich auf unsere Kosten durchfüttern lässt und sich einen schönen Tag macht. Steuern und Abgaben zahlen wir auch nicht so gern, aber wehe ein Krankenhaus macht dicht, die Straßen haben Schlaglöcher oder Straßenlampen werden nachts gedimmt oder gar ausgeschaltet. Wir schimpfen lieber auf unfähige Politiker -die wir selber in ihre Ämter und Mandate gewählt haben- oder die unanständig Reichen . Hauptsache, wir müssen uns nicht ändern. Nebenbei, wenn wir die 20 reichsten Deutschen enteignen (ca. 265 Mrd.), bekommt jeder unser 82 Mio. Mitbewohner etwa 3.120 €. Ja, ist auch Geld, aber so viel ist das auch wieder nicht.

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