Forum: Wirtschaft
Kapitalismuskritikerin Klein: "Die Ära der Räuberbarone erlebt weltweit ein Comeback"

Eine Konzernkritikerin legt nach: In ihrem neuen Buch stellt die "No Logo"-Autorin Naomi Klein den Kapitalismus als brutales Regime dar, das nach Kriegen, Schocks und Krisen besonders gut funktioniert. Im SPIEGEL-Gespräch verteidigt sie ihre Thesen und spricht über "demokratischen Sozialismus".

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Mustermann 01.10.2007, 18:41
110.

Zitat von Ernst Robert
Irgendwie ein Streit um des Kaisers Bart, oder? (...) Im Gegenteil, ein etwas breiterer Horizont ist hier von Nutzen, weil er die Zusammenhänge, auch historisch, zu erfassen hilft .
Da kann ich Ihnen nur zustimmen.

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oldsack 01.10.2007, 19:16
111.

Zitat von Ernst Robert
Noch mal: Um das alles zu erkennen, muss man kein diplomierter Volkswirt sein. Im Gegenteil, ein etwas breiterer Horizont ist hier von Nutzen, weil er die Zusammenhänge, auch historisch, zu erfassen hilft .
Versucht aber mal einer, die Sache nicht nur von einer Seite zu sehen und wenigstens noch einen Aspekt zusätzlich hineinzubringen, dann ist es ein Streit um des Kaisers Bart. Ich denke, manchmal liegt der Horizont bei der eigenen Gartenhecke, sofern überhaupt vorhanden.

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Reinhardt Gutsche 01.10.2007, 21:35
112.

An diesem Gespräch sind es weniger die Positionen der Interviewten, die Aufmerksamkeit erregen, als diejenigen der Gesprächspartner Gabor Steingart und Frank Hornig. Denn einmal mehr wird der mündige Leser eines einst so reputierten Nachrichtenmagazins wie des Spiegel in seiner wohl naiven Erwartung enttäuscht, er habe es mit einem „Medium“ zu tun, also einem „Mittler“ zwischen dem journalistischen Gegenstand oder der Nachricht und dem Leser. Stattdessen wird er intellektuell auf Klippschulniveau herabgedrückt und in herablassender Weise oberlehrerhaft instruiert, was eine politisch korrekte Weltsicht zu sein hat. Das ist parteilicher Journalismus reinster Sorte. Lenin lässt grüßen. Der „Spiegel“ macht damit seinem neuen Ruf eines Zentralorgans der INSM alle Ehre.

Falls Sie noch weiter lesen wollen, hier noch einige Bemerkungen zum Text selbst:
„Wenn immer alles so wieder aufgebaut würde wie es vorher war, würden die Europäer heute in einem Vorkriegsmuseum leben, architektonisch und politisch.“ Eine bemerkenswerte Feststellung angesichts der seit drei Jahrzehnten grassierenden politischen Anstrengungen der WASP-Eliten des reichen Nord-Westens, die sozio-ökonomischen Verhältnisse des 19. Jahrhunderts zu restaurieren und global zu installieren, wenn‘s sein muss auch manu militari. Mit diese Retablierung des sozialen status-quo ante finden wir uns in der Tat in einem Museum wieder, allerdings nicht nur des Vorkrieges, sondern des 19. Jahrhunderts. Insofern ist auch der Berliner Zirkus um den protosozialistischen „Palast der Republik“ versus wilhelminisches Kaiserschloss von stringenter architektonischer Symbolik.

Weiter vermuten die beiden Gesprächspartner, es gäbe „womöglich keinen geraden Weg vom Mittelalter ins Paradies“. Dass es die Menschheit mit der markttotalitären Globalisierung um eine neue Verheißung des Paradieses zu tun hat, ist ein überraschender und origineller Zug in dieser Debatte, um so mehr, als der letzte Versuch dieser Art erst vor wenigen Jahren spektakulär gescheitert ist. Nun dürften allerdings beispielsweise die 70 000 Zeichner der 29 „Schweinefonds“ der verblichenen Berliner Bankgesellschaft, wegen deren Renditeansprüche der Berliner Fiskus 30 Jahre lang jährlich 300 Mio. Euro an Zinszahlungen aufzuwenden hat, dem Paradies spürbar näher sein als beispielsweise die 7 Mio. Deutsche, die auf die eine oder andere Weise von sozialen Transferleistungen angewiesen sind.

Sehr verdienstvoll ist das Diktum vom „radikalen Marktwirtschaftler“, das die aktuelle Debatte um Radikalismus, Extremismus, Fundamentalismus usw. um eine unerwartete Nuance erweitert. Bleibt die Frage, ob der seinerzeitige „Radikalenerlass“ im Lichte dieser Spezis und der von ihr ausgehenden Gefahren für das „Intérêt général“ nicht revitalisiert werden sollte...

Wie kommen Gabor Steingart und Frank Hornig darauf, in den USA würde der Staatssektor „schlecht funktionieren“. Zumindest der militärische Sektor des Staates und seine Überwachungs- und Sicherheitsfunktionen, also seine „Kernkomptenz“ nach vorherrschender Doktrin, sind in zunehemend perfektem Zustand. Was will man denn mehr?

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zombie-linker 01.10.2007, 22:23
113. Schock-Kapitalismus nach Mauerfall

Gabor Steingard und Frank Hornig haben gehörig versucht, Frau Klein in die Deppen-Ecke zu stellen und die hat sich wirklich grandios geschlagen. Natürlich kann sie die Geschichte Deutschlands nach dem Mauerfall nicht kennen. Die Fangfrage von Steingard und Hornig:
"Was ist mit dem Fall der Berliner Mauer? Wäre das nicht eine gute Gelegenheit für deutsche Schock-Kapitalisten gewesen, um ein paar Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft über Bord zu werfen?"
hätte sie sonst leicht beantworten können. Ostdeutschland war nämlich Helmut Kohls Experimentierfeld für die Neoliberale Theorie. Alle Staatsbetriebe privatisiert, Löhne gesenkt, Arbeitszeit erhöht. Trotzdem ist die Arbeitslosigkeit gestiegen und die Wirtschaft im Osten liegt darnieder. Das Experiment ist grandios gescheitert.

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Ernst Robert 02.10.2007, 00:03
114. Erbsenzählerei

Zitat von oldsack
Versucht aber mal einer, die Sache nicht nur von einer Seite zu sehen und wenigstens noch einen Aspekt zusätzlich hineinzubringen, dann ist es ein Streit um des Kaisers Bart. Ich denke, manchmal liegt der Horizont bei der eigenen Gartenhecke, sofern überhaupt vorhanden.
Ich habe Ihnen doch recht gegeben, mich nur gefragt, warum Sie sich so wehren. Der Punkt war eigentlich schon bei Ihnen.

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Ernst Robert 02.10.2007, 00:32
115. Es ist....

Zitat von Reinhardt Gutsche
An diesem Gespräch sind es weniger die Positionen der Interviewten, die Aufmerksamkeit erregen, als diejenigen der Gesprächspartner Gabor Steingart und Frank Hornig. ... Insofern ist auch der Berliner Zirkus um den protosozialistischen „Palast der Republik“ versus wilhelminisches Kaiserschloss von stringenter architektonischer Symbolik. ... Dass es die Menschheit mit der markttotalitären Globalisierung um eine neue Verheißung des Paradieses zu tun hat, ist ein überraschender und origineller Zug in dieser Debatte, um so mehr, als der letzte Versuch dieser Art erst vor wenigen Jahren spektakulär gescheitert ist. ... Zumindest der militärische Sektor des Staates und seine Überwachungs- und Sicherheitsfunktionen, also seine „Kernkomptenz“ nach vorherrschender Doktrin, sind in zunehemend perfektem Zustand. Was will man denn mehr?
... schade, dass das Thema nur so schamhaft unter der Rubrik
'blogs' diskutiert werden darf, wo es keiner findet, und die Diskussion deswegen nicht in Gang kommt. Denn ich finde Ihre Kritik sehr treffend. Nur liest sie k(aum) einer.
Vielleicht ist das beabsichtigt?

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oldsack 02.10.2007, 10:43
116. Sturheit

Zitat von Ernst Robert
Ich habe Ihnen doch recht gegeben, mich nur gefragt, warum Sie sich so wehren. Der Punkt war eigentlich schon bei Ihnen.
Das haben Sie aber sehr geheimnisvoll gemacht. Ich glaube Sie wollten meine Begabung testen. Bei alten Säcken überwiegt allerdings meistens die Sturheit.

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Tobermory 02.10.2007, 11:43
117. Lenin lässt grüßen?

Zitat von Reinhardt Gutsche
An diesem Gespräch sind es weniger die Positionen der Interviewten, die Aufmerksamkeit erregen, als diejenigen der Gesprächspartner Gabor Steingart und Frank Hornig. Denn einmal mehr wird der mündige Leser eines einst so reputierten Nachrichtenmagazins wie des Spiegel in seiner wohl naiven Erwartung enttäuscht, er habe es mit einem „Medium“ zu tun, also einem „Mittler“ zwischen dem journalistischen Gegenstand oder der Nachricht und dem Leser. Stattdessen wird er intellektuell auf Klippschulniveau herabgedrückt und in herablassender Weise oberlehrerhaft instruiert, was eine politisch korrekte Weltsicht zu sein hat. Das ist parteilicher Journalismus reinster Sorte. Lenin lässt grüßen. Der „Spiegel“ macht damit seinem neuen Ruf eines Zentralorgans der INSM alle Ehre. Falls Sie noch weiter lesen wollen, hier noch einige Bemerkungen zum Text selbst: „Wenn immer alles so wieder aufgebaut würde wie es vorher war, würden die Europäer heute in einem Vorkriegsmuseum leben, architektonisch und politisch.“ Eine bemerkenswerte Feststellung angesichts der seit drei Jahrzehnten grassierenden politischen Anstrengungen der WASP-Eliten des reichen Nord-Westens, die sozio-ökonomischen Verhältnisse des 19. Jahrhunderts zu restaurieren und global zu installieren, wenn‘s sein muss auch manu militari. Mit diese Retablierung des sozialen status-quo ante finden wir uns in der Tat in einem Museum wieder, allerdings nicht nur des Vorkrieges, sondern des 19. Jahrhunderts. Insofern ist auch der Berliner Zirkus um den protosozialistischen „Palast der Republik“ versus wilhelminisches Kaiserschloss von stringenter architektonischer Symbolik. ...
Ist ja absurd. Die Interviewer des Spiegel als Teil der neoliberalen Weltverschwörung. Die beiden stellen kritische Fragen, was Sie vermuten lässt, sie hätten ihr Handwerk bei Lenin gelernt.

Was bitteschön ist eine "Retablierung" ? Ein Rückfall ins Proto-Duden-Zeitalter? Da Sie ja offensichtlich sogar den Abriss des Palastes der Republik den Jüngern Milton Friedmans anlasten, kann man sich schon ein Bild machen, woher bei ihnen ideologisch der Wind weht.

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oldsack 02.10.2007, 14:08
118. Eher nicht gelungen

Zitat von Ernst Robert
... schade, dass das Thema nur so schamhaft unter der Rubrik 'blogs' diskutiert werden darf, wo es keiner findet, und die Diskussion deswegen nicht in Gang kommt. Denn ich finde Ihre Kritik sehr treffend. Nur liest sie k(aum) einer. Vielleicht ist das beabsichtigt?
Wenn das mehr Personen lesen könnten, kämen aber auch vermehrt diejenigen aus den Löchern gekrabbelt, die diese Kritik als nicht so gelungen empfinden.

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Backstein 02.10.2007, 16:32
119. Stringente Logik

Wer von "Systemen" spricht, sollte deren Regeln und Grenzen kennen. Die "Wirtschaft" als ein "System" zu bezeichnen, dürfte sehr problematisch sein. Allein in der BRD sind in der Wirtschaft ca. 40 Mio Menschen in den unterschiedlichsten Tätigkeitsformen usf.usf. als Unternehmer, Arbeitnehmer tätig. Wer die Wirtschaftsprognosen der "Weisen" sowie der institutionellen Wissenschaftler seit über 40 Jahren auf den Grundlagen der ökonometrischen Prognosen beobachtet, muss an einem "Wirtschaftssystem" heftige Zweifel hegen. Die zaghaften Versuche von Samuelson, Schmölders, Luhmann, ein System auf der Grundlage der tatsächlich Handelnden anzuregen, wurde schlicht negiert. Die zwangsläufige Folge sind grass ungenaue Begriffe, teilweise aus anderen Sachgebieten entliehen, die keinerlei logischen Regeln folgen und daher nicht prognosefähig sind. Es gibt halt Sachverhalte, die sich jeder exakten Beschreibung entziehen. Wer kann z.B. die Wirkungen des "missing link" der gewollten und ungewollten Einflussnahme von Massenmedien auf die Entscheidungsebenen in der "Wirtschaft" und der "Politik" genau nachweisen ?

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