Forum: Wirtschaft
Kassenpatient - Patient zweiter Klasse?

Kassenpatienten müssen im Durchschnitt dreimal so lange auf einen Termin beim Facharzt warten wie privat Versicherte. Ist der Kassenpatient immer der Dumme?

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Andreas Heil 04.04.2008, 21:12
1190.

Zitat von Landegaard
Wenn Sie mal so in Fahrt sind, klappts mit den Fakten nicht mehr so richtig. ...
Als gar so dreisten Lügner kenne ich Sie gar nicht Landegaard, was ist los ?

Die Rückstellungen wurden den Kassen aufgezwungen, als die ersten Privatpatienten mit damals vierstelligen DM-Monatbeiträgen vom PKV-System an die Sozialämter ausgespuckt wurden.
Zitat von Landegaard
Von der Politik wurde keine Rückstellung aufgezwungen.
Insofern stimmt das schon mal nicht. Zitat von Landegaard
Es entspricht nicht dem Wesen der Vertragsfreiheit, in der PKV igendwem was aufzuzwingen.
Genau. Nur gibt es diese grenzenlose Vertragsfreiheit halt nicht. In der PKV sind nicht die Leistungen der "Willkür" demokratischer Entscheidungsfindung, sondern dem stetigen und gnadenlosen Zuschlagen des Systemfehlers sind die exorbitanten BEitragssteigerungen unterworfen. Zitat von Landegaard
Was seit jeher als Vertragsbestandteil hinzugenommen werden kann, ohne dass es einer politischen Einmischung bedurft hätte, sind die Tarife zur Beitragsreduktion im Alter. ...
Sicher. Nur wäre bei einer hinreichenden Rückstellung ja der Vorteil der günstigen Beiträge in der Frühphase der Verträge entfallen. Dann hätte sich die Krake PKV niemals so systemzersetzend ausbreiten können, sondern wäre nach ein paar Jahren still beerdigt worden. Zitat von Landegaard
Die gleichen mehr als halbwegs aus.
Das (ohnehin eher unverbindliche) Leistungsversprechen ist ja im Vertrag nachlesbar. Und selbst davor steht noch der Anlageerfolg. Har har. Zitat von Landegaard
Wird das nicht eingeschlossen, ist es halt die Entscheidung des Vertragspartners. Dem scheinen Sie per se nicht für besonders entscheidungsfähig zu halten.
Witzbold.

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Andreas Heil 04.04.2008, 21:15
1191.

Zitat von uwp-berlin
Ich denke, ein fairer Wettbewerb mit den GKVen würde bei dieser Leistungsfähigkeit einer Abschaffung der PKVen gleichkommen, ...
Exakt. Zitat von uwp-berlin
... zumindest aber wäre eine deutliche Effizienzsteigerung bei den PKVen nötig, um im fairen Wettbewerb bestehen zu können.
So viel Reserven hat das System nicht. Die Vertriebskosten überwiegen mögliche Effizienzgewinne regelmäßig bei weitem. Und es sind ja keine Beratungsdienstleistungen gar zum Nutzen der Kunden, wie der Verbandsfunktionär auch noch scheinheilig in die Kamera log.

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uwp-berlin 04.04.2008, 21:17
1192.

Zitat von Fakten statt Ideologie!
Mal eine Frage an alle, die sich hier mit Wutgeheul über den ach sö bösen, bösen Dr. Lauterbach auslassen. Insbesondere also unseren dcaviat und "WennSchonDennSchon", aber auch jedem anderen Verteidiger der Privatkassen. Nehmen wir mal zwei Krankenkassen, Kasse A und Kasse B. Beide unterliegen genau den gleichen Regeln, haben keinerlei Altlasten, und so weiter und so fort. Nur einen Unterschied gibt es: Kasse A muss praktisch jeden aufnehmen und versichern, auch den Penner, Sozialhilfeempfänger und Obdachlosen. Sie darf nur von jedem Versicherten den gleichen prozentualen Anteil seines Gehaltes oder seiner Rente einfordern. Beim Penner und Obdachlosen ist das ein klares Minusgeschäft, alle anderen müssen daher höhere Beiträge zahlen. Kasse B hingegen darf sich auswählen, wen sie aufnimmt. Sie darf Leute ablehnen, unterschiedliche Beitragssätze festlegen und medizinische Voruntersuchungen vornehmen. Nur in ganz wenigen Fällen besteht eine Aufnahmepflicht, aber einem solchen Zwangsaufgenommenen darf im Zweifelsfall ein Beitrag abverlangt werden, der genauso hoch ist, wie der Betrag, den der am meisten bezahlende Beitragszahler von Kasse A zahlen muss. Der einzige kleine Nachteil, den Kasse B erdulden muss, besteht darin, dass sie Arbeitnehmer unter einem bestimmten Einkommen nicht nehmen darf, aber es bleiben so viele Leute übrig, dass keine negativen Skaleneffekte entstehen. Die Frage, die sich nun stellt, lautet: Hat Kasse B hier einen eindeutigen Startvorteil? Ja oder Nein? Diese Frage ist ein toller Test. Von der Antwort darauf hängt es ab, ob der Antwortende überhaupt in irgendeiner Form als geistig zurechnungsfähig oder fair abwägend aufgefasst werden kann, kurzum, ob er es überhaupt wert ist, dass man sich mit ihm auseinandersetzt.
Ich glaube damit haben Sie den Ehren-Oscar für das beste Beispiel am heutigen Tage errungen.

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Andreas Heil 04.04.2008, 21:19
1193.

Zitat von marks&spencer
... sehen sie nicht, dass die Kopfpauschale der einzig gangbare Weg in eine moderne Gesellschaft ist.
Das mit den Scheinargumenten beherrschen Sie schon ganz gut. Zitat von marks&spencer
Die Pauschale hat den großen Vorteil, dass sie unbürokratisch ist. Bei allen anderen Modellen ist das Gegenteil der Fall.
Und noch eine.

Was ist denn an einer "Kopfpauschale" unbürokratischer als an einem einkommensabhängigen Beitrag, der sich auf ohnehin für die Steuererklärung erfassten Daten stützt ?

Nichts.

Das Wunder lässt sich locker an der sozialen Wirkung und dem dringenden Wunsch interessierter an der schrittweisen Abschaffung von nominalen Arbeitgeberanteilen festmachen.

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Andreas Heil 04.04.2008, 21:22
1194.

Zitat von dcaviat
... und trotzdem behaupte ich als heute 41jähriger - es hat einfach keiner Mut - harte und richtige Reformen (die Ihren Namen auf verdienen) anzupacken.
Quark.

Gerade besonders unpopuläre Reformen sind immer noch außerordentlich populär.

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Andreas Heil 04.04.2008, 21:24
1195.

Zitat von DoktorMS
Die Gesundheitsüberprüfung bestand bei mir in der Angabe aller früheren Erkrankungen, Krankenhaus-Aufenthalte und chronischer Leiden. Eine wirkliche ärztliche Untersuchung fand nicht statt. Insofern ist das keine größere Hürde.
Stellen Sie sich doch nicht dumm.

Die "wirkliche ärztliche Untersuchung" stößt erst im Schadensfall, dann aber schnell auf Ihre Leichen im Keller. Das würde ich nicht unterschätzen.

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dcaviat 04.04.2008, 21:25
1196.

Zitat von Fakten statt Ideologie!
Seh ich anders. Ich bin FÜR Wettbewerb der Kassen, aber doch bitte zu gleichen Konditionen!
Warum um alles in der Welt benötigen wir konkurrierende Krankenkassen. Das ist aus ärztlicher Sicht die pure Geldverschwendung. Den Unsinn haben wir doch jetzt schon 300+ GKV! Der Verwaltungsapparat ist unüberschaubar, der Werbeetat unglaublich. Warum können wir es nicht wie die Franzosen machen? - Eine Krankenversicherung, jeder Leistungsempfänger (Patient) erhält vom Leistungserbringer eine Rechnung für die erbrachten Leistungen. Die Rechnung wird entweder direkt vom leistungserbringer mit der Krankenversicherung abgewickelt oder der Leistungsempfänger tritt in Vorleistung (!) und kann sich das Geld zurückerstatten lassen. Sind sie eigentlich Kassenvertreter?

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Fakten statt Ideologie! 04.04.2008, 21:25
1197.

Zitat von WenschonDennschon
Antwort: Wie weiter oben schon gesagt hätte selbst ohne die Gesundheitsprüfung die Kasse (also "A") schon verloren. Mir brauchten Sie die Frage eigentlich nicht zu stellen. Gegenfrage: Wieso sind die beiden eigentlich in einem Rennen?
Weil neoliberale Schreiber wie Mohr dafür tüchtig trommeln?

Zitat von WenschonDennschon
Es ist nunmal so, dass der Service, den "Kasse B", die keine Kasse sondern ein Wirtschaftsunternehmen mit verfassungsmäßigen Freiheitsrechten ist, anbietet, die Ärmsten nicht bezahlen könnten. Er wird nämlich nicht einkommensabhängig bezahlt sondern ausschließlich nach Risiko.
Nein. Dies ist keine Wettbewerbssituation. Das Wirtschaftsunternehmen profitiert davon, dass mit den normalen GKV-Geldern die Basis-Infrastruktur bereit gestellt wird.

Zitat von WenschonDennschon
Um die Ärmsten zu schützen, hat der Staat einen über die Jahrzehnte immer größer gewordenen Schutzmantel aus Zwangsmitgliedern um sie gehüllt, die mit für die Ärmsten sorgen sollen. Irgendwann wurde die Zwangsmitgliedschaft zur Regel und das ursprüngliche System zur Ausnahme.
Dies ist nachweislich falsch. Wenn wir von einem sinnvollen Rahmen, sprich ab der Nachkriegszeit reden, gab es immer eine breite Bevölkerungsmehrheit in der GKV. Eine Verschiebung fand nicht statt. Heute sind 10% privat versichert.


Zitat von WenschonDennschon
Keiner stellt in Frage, dass das nicht fair ist.
Oh doch! Unter anderem Reinhard Mohr selbst, und das dröhnende Schweigen von Leuten wie Ihnen zu dieser Frage ist enorm auffällig. (Es folgen Zitate aus dem Spiegel-Artikel).

> Deshalb forderte er [Lauterbach] einen "fairen
> Wettbewerb" statt "Rosinenpickerei".

[Man beachte die eine höhnische Distanz
ausdrückenden Anführungszeichen. Für
Mohr ist der faire Wettbewerb gegeben,
eine Rosinenpickerei findet seines
Erachtens nicht statt.]

>
> Die Armen, Alten und Kranken dürften nicht
> einfach bei den gesetzlichen Krankenkassen
> gleichsam abgeladen werden, während die
> gesunden Besserverdiener ihr hoch dotiertes
> Wellnessprogramm absolvierten. Dass sie dafür
> gerade im Alter, anders als bei AOK & Co.,
> sehr viel Geld bezahlen müssen, verschwieg er.

Klar, die ach so schlimmen Altersbeiträge. Dass die Versicherten in der Gesamtbilanz erheblich weniger zahlen müssen, als wären sie in der GKV, wird von Mohr unter den Tisch gekehrt.

Von wegen "Keiner stellt in Frage, dass das nicht fair ist." - Sie merken es nicht einmal, bzw. wollen es nicht merken.




Zitat von WenschonDennschon
Man muss sich aber auch fragen, ob die Zwangsmitgliedschaft für Alle wirklich die klevere Alternative ist.
Nö, wieso, gibt doch andere Möglichkeiten? Wie wäre es mit gleichen Wettbewerbsbedingungen? Jeder muss sich versichern, und GKV und PKV konkurrieren zu gleichen Konditionen: Beide Kassen müssen jeden aufnehmen, und es gibt einen einheitlichen Beitragssatz für alle Kassenmitglieder. Ebenso gibt es einen gesetzlichen Mindestkatalog, den jede Kasse leisten muss. Danach hat jede Kasse das Recht, mit den Versicherten über Beitragsermäßigungn für bestimmte Verhaltensweisen (z.B. nichtrauchen) zu reden.

Schon haben wir den Wettbewerb für alle. OHNE Rosinenpickerei! Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Privaten trotzdem als Sieger hervorgehen. Fände ich auch nur fair. Also, was ist dagegen zu sagen?

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Andreas Heil 04.04.2008, 21:32
1198.

Zitat von Jos Fritz
Die ideologisierende Behauptung, dass Raucher den Staat aufgrund ihrer schlechteren Gesundheit mehr kosteten, als sie ihm durch ihre Steuerzahlungen einbringen, ist längst wiederlegt.
Der Trick ist auch relativ leicht zu durchschauen, wird am Ende der Rechnung nämlich der dem Raucher selbst entstandene Schaden als volkswirtschaftlicher deklariert und zusätzlich noch der Wertschöpfungsausfall des rauchenden Humankapitals aufgeschlagen, wegen produktivitätsmindernden Frühablebens, gleichzeitig aber die solidarische Wirkung des sozialkassenschonenden frühen Dahinscheidens unterschlagen.

Sehr unseriös.

Und wie bereits vorhin erwähnt, ist die Tabaksteuer tatsächlich eine sinnvolle Lenkungsabgabe, die die schädliche Handlung selbst durch Vollkosten deckende hohe Besteuerung bestraft, nicht aber bei später individuell eintretendem Schadensfall noch einen zusätzlichen Schubs gibt.

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dcaviat 04.04.2008, 21:35
1199.

Zitat von Andreas Heil
Quark. Gerade besonders unpopuläre Reformen sind immer noch außerordentlich populär. Merken Sie was ?
Ja ich merke, dass wir in diesem Forum Dinge aussprechen, die schon längst von Politikern öffentlich diskutiert gehörten. Am Ende der Diskussion sollte ein von allen (!) verabschiedetes Ergebnis stehen, mit dem wir alle "leben".

Mir fehlen einzig Ergebnisse - was bitteschön haben die bisherigen Gesundheitsreformen im Ergebnis gebracht ? Nichts ! Die Ausgaben für Krankheitsleistungen steigen, ebenso die Beiträge. Geschrieben, diskutiert und nochmals diskutiert wurde bereits ewig. Alle Fakten ausgetauscht - das Ergebnis null. Kurzfristige Beitragssenkungen sind doch Augenwischerei! Meine Beiträge in der PKV steigen von Jahr zu Jahr, in Balance kann ich sie momentan nur durch die Erhöhung meiner Eigenbeteilung halten.

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