Forum: Wirtschaft
Kassenpatient - Patient zweiter Klasse?

Kassenpatienten müssen im Durchschnitt dreimal so lange auf einen Termin beim Facharzt warten wie privat Versicherte. Ist der Kassenpatient immer der Dumme?

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uwp-berlin 04.04.2008, 21:35
1200.

Zitat von WenschonDennschon
Gegenfrage: Wieso sind die beiden eigentlich in einem Rennen? Es ist nunmal so, dass der Service, den "Kasse B", die keine Kasse sondern ein Wirtschaftsunternehmen mit verfassungsmäßigen Freiheitsrechten ist, anbietet, die Ärmsten nicht bezahlen könnten. Er wird nämlich nicht einkommensabhängig bezahlt sondern ausschließlich nach Risiko. Um die Ärmsten zu schützen, hat der Staat einen über die Jahrzehnte immer größer gewordenen Schutzmantel aus Zwangsmitgliedern um sie gehüllt, die mit für die Ärmsten sorgen sollen. Irgendwann wurde die Zwangsmitgliedschaft zur Regel und das ursprüngliche System zur Ausnahme.
Welche verfassungsmäßigen Freiheitsrechte meinen Sie?

Wir haben doch hier jetzt zur Genüge ausgerechnet, dass die Privatversicherten durch die Kassenpatienten subventioniert werden.
Da Deutschland ein sozialer Bundesstaat ist, hat keine privilegierte Bevölkerungsgruppe das Recht, auf Kosten der übergroßen Mehrheit ihr "Ich spar mit mal eben meine Solidarpflichtbeiträge"-Suppe zu kochen.

Lesen Sie sich doch mal die Ankündigung der Verfassungsbeschwerden der PKVen durch - das ist doch ganz klares Kindergartenniveau.
http://www.continentale.de/cipp/cont...5/ticket,guest
Zitat von WenschonDennschon
Keiner stellt in Frage, dass das nicht fair ist. Man muss sich aber auch fragen, ob die Zwangsmitgliedschaft für Alle wirklich die klevere Alternative ist. Ob der Aufwand für die Ärmsten jetzt nicht allmählich zu groß geworden ist, und man nicht lieber einfach den Ärmsten die horrenden Kosten von B zusteckt und den Rest der Meute in die Freiheit entlässt. Das kostet Steuergelder, aber dazu kommt es irgendwann eh, weil die gute A leider nicht mal mit den ganzen Kunden von B im Sack langfristig überlebensfähig wäre.
So ganz versteh ich Ihre verqueren Orakel-Äußerungen schon wieder nicht, aber:
Die "horrenden Kosten" (von B?) für die Ärmsten (oder Reichsten?) sind keinesfalls höher als bei den im Durchschnitt 10 Jahre länger lebenden finanziell privilegierten Mitbürger in unserem Land.

Oder können Sie womöglich irgendwelche Daten präsentieren?

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Fakten statt Ideologie! 04.04.2008, 21:36
1201.

Zitat von dcaviat
Warum um alles in der Welt benötigen wir konkurrierende Krankenkassen. Das ist aus ärztlicher Sicht die pure Geldverschwendung. Den Unsinn haben wir doch jetzt schon 300+ GKV! Der Verwaltungsapparat ist unüberschaubar, der Werbeetat unglaublich. Warum können wir es nicht wie die Franzosen machen? - Eine Krankenversicherung, jeder Leistungsempfänger (Patient) erhält vom Leistungserbringer eine Rechnung für die erbrachten Leistungen. Die Rechnung wird entweder direkt vom leistungserbringer mit der Krankenversicherung abgewickelt oder der Leistungsempfänger tritt in Vorleistung (!) und kann sich das Geld zurückerstatten lassen. Sind sie eigentlich Kassenvertreter?
Nein, ich bin Versicherter. Und zwar einer, der das System querfinanziert, und vor Wut die Faust in der Tasche ballt, wenn er sieht, wie sich die Privilegierten davon machen können, und die PKV die Rosinen picken dürfen. Lauterbach hat hier, entgegen Mohrs höhnischen Kommentaren voll ins Schwarze getroffen!

Ein Wettbewerb ist überhaupt kein Problem, wenn denn jeder jederzeit sowohl theoretisch als auch praktisch wechseln kann. Dann gehen die Kassen mit den höheren Beitragssätzen eben unter, weil keiner mehr dort bleibt.

Dennoch bleibt die Diskussion unglaubwürdig, solange das Grundübel der absolut ungleichen Wettbewerbsbedingungen nicht ein für allemal zerschlagen wird! Über alles andere kann man danach gerne reden!

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Fakten statt Ideologie! 04.04.2008, 21:40
1202.

Zitat von uwp-berlin
Ich glaube damit haben Sie den Ehren-Oscar für das beste Beispiel am heutigen Tage errungen.
Danke. Meines Erachtens ist genau dieser absolut unakzeptable Zustand das Äquivalent zu "Der Kaiser ist nackt". Und doch wagt es kaum einer, dass Offensichtliche anzusprechen. Tut er es doch, wie zum Beispiel Lauterbach, wird er von Leuten wie Mohr in bester Goebbels-Manier mit Dreck beworfen.

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dcaviat 04.04.2008, 21:44
1203.

Zitat von Fakten statt Ideologie!
Nein, ich bin Versicherter.

..und Single oder ? Haben Sie Kinder und eine Frau mitversichert für 400 Euro im Monat? Herzlichen Glückwunsch.
Wenn Sie aber in der PKV sind so wie ich, dann zahlen sie mit 3 Kindern, einer Mutter (Hausfrau) und für mich selbst mal eben 900 Euro.

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oliverme. 04.04.2008, 21:47
1204.

@dcaviat

Gehen Sie doch freiwillig in die GKV. Ach, das wollen Sie nicht. Wie selbstentlarvend doch einige Beiträge sind.

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dcaviat 04.04.2008, 21:48
1205.

Zitat von dcaviat
..und Single oder ? Haben Sie Kinder und eine Frau mitversichert für 400 Euro im Monat? Herzlichen Glückwunsch. Wenn Sie aber in der PKV sind so wie ich, dann zahlen sie mit 3 Kindern, einer Mutter (Hausfrau) und für mich selbst mal eben 900 Euro.
ich meinte natürlich Ehefrau ;-)

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Fakten statt Ideologie! 04.04.2008, 21:54
1206.

Zitat von dcaviat
..und Single oder ?
GKV, 32 Jahre alt, und Single.

Zitat von dcaviat
Haben Sie Kinder und eine Frau mitversichert für 400 Euro im Monat? Herzlichen Glückwunsch.
Nein. Ich finanziere das System quer. Ich gebe weit mehr, als ich koste, und wenn ich alt und krank werde, wird man mir einen Arschtritt geben.

Zitat von dcaviat
Wenn Sie aber in der PKV sind so wie ich, dann zahlen sie mit 3 Kindern, einer Mutter (Hausfrau) und für mich selbst mal eben 900 Euro.
Sie machen also im Gegensatz zu mir keine Querfinanzierung, wie ich, sondern kommen nur für Ihre eigenen (Familien-)kosten auf. (Querfinanzierung im Sinne der Debatte ist das genau so wenig, wie die Versorgung Ihrer Frau und Kinder mit Lebensmitteln Querfinanzierung ist.)

Es überrascht mich nicht, dass ich mehr gebe, als Sie. Ich bin schließlich nicht privat versichert.

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madamef 04.04.2008, 21:55
1207.

Zitat von dcaviat
Eine Frage habe ich dann doch noch. Wie alt sind Sie?
Hängt von der Antwort mein Leben ab?

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dogs 04.04.2008, 21:56
1208.

Zitat von mainjj67
Nicht alles, was möglich ist, ist auch sinnvoll. Wenn der Bedarf höher ist, als Resourcen vorhanden sind, muss halt überlegt werden, wo rationiert wird. Traurig, aber war.
Es gibt sicher die Notwendigkeit, bei knappen Mitteln den Leistungskatalog der Krankenkassen auf Einsparmöglichkeiten abzuklopfen.
Dazu muss man aber nicht bei den lebenserhaltenden bzw. lebensverlängernden medizinischen Maßnamen ansetzen, sondern zunächst mal die nichtmedizinischen bzw. mehr oder weniger Service- und Luxusleistungen ins Auge fassen, die einer gesetzlichen Pflichtversicherung m.E. ohnehin schlecht anstehen.
Als erstes fallen mir da die kassenbezahlten Taxifahrten ein, die ohne Bedürftigkeitsnachweis übernommen werden.
Aber auch solche Dinge wie bezahlte Haushaltshilfen gehören nicht in den Katalog einer Krankenkasse bzw. könnten mit Zusatzbeiträgen versichert werden, und vieles andere mehr.

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WenschonDennschon 04.04.2008, 21:58
1209.

Zitat von Fakten statt Ideologie!
Weil neoliberale Schreiber wie Mohr dafür tüchtig trommeln?
Der interessiert mich nicht. Ich bin eher einfach nur liberal. ;-)

Zitat von
Nein. Dies ist keine Wettbewerbssituation. Das Wirtschaftsunternehmen profitiert davon, dass mit den normalen GKV-Geldern die Basis-Infrastruktur bereit gestellt wird.
Ich habe nicht gesagt, dass es eine Wettbewerbssituation ist. Die Kassen sind nicht auf Wettbewerb mit den PKVen ausgerichtet, sondern auf durchgreifende Absicherung der Bevölkerung, namentlich derer, die sich die PKV nicht leisten können.

Das mit der Infrastruktur ist blanke Lauterbach-Propaganda. Die Basis-Infrastruktur wie auch die Spitzenmedizin und das Personal existieren allesamt auf Basis einer Mischkalkulation aus Kasse und Privat. Ohne Kasse den Umsatz der ginge es nicht. Ohne die Privatpatienten und den höheren Gewinn, den sie je Einzelleistung abwerfen, aber vielfach auch nicht. In der Regel sind die Strukturen so angepasst, dass die Privatpatienten nur da nicht gebraucht werden, wo es sie auch nicht gibt, sie also auch nichts schmarotzen können.

Zitat von
Dies ist nachweislich falsch. Wenn wir von einem sinnvollen Rahmen, sprich ab der Nachkriegszeit reden, gab es immer eine breite Bevölkerungsmehrheit in der GKV. Eine Verschiebung fand nicht statt. Heute sind 10% privat versichert.
Ich war halt weiter zurückgegangen um die Entwicklung vollständig erfassen zu können. Als Bismarck sich das Ding einfallen ließ, waren nur die 10% Ärmsten Zielgruppe und Mitglied. Es ist also nachweislich richtig.

Zitat von
...Klar, die ach so schlimmen Altersbeiträge. Dass die Versicherten in der Gesamtbilanz erheblich weniger zahlen müssen, als wären sie in der GKV, wird von Mohr unter den Tisch gekehrt.
Das würde ich auch gerne mal an einem Rechenbeispiel für eine Durchschnittsfamilie erklärt bekommen. VIELLEICHT kann ein früh sterbender kinderloser lebenslanger Single einen Gewinn machen. Alle anderen dürften mehr zahlen.

Zitat von
Von wegen "Keiner stellt in Frage, dass das nicht fair ist." - Sie merken es nicht einmal, bzw. wollen es nicht merken.
Nicht fair ist aus meiner Sicht, dass zig Millionen nicht in die PKV dürfen, ein paar wenige aber schon.

Zitat von
Nö, wieso, gibt doch andere Möglichkeiten? Wie wäre es mit gleichen Wettbewerbsbedingungen? Jeder muss sich versichern, und GKV und PKV konkurrieren zu gleichen Konditionen: Beide Kassen müssen jeden aufnehmen, und es gibt einen einheitlichen Beitragssatz für alle Kassenmitglieder. Ebenso gibt es einen gesetzlichen Mindestkatalog, den jede Kasse leisten muss. Danach hat jede Kasse das Recht, mit den Versicherten über Beitragsermäßigungn für bestimmte Verhaltensweisen (z.B. nichtrauchen) zu reden...
Das ist kein Wettbewerb der Systeme sondern ein Wettbewerb der Verwaltungsapparate. Die systematischen Unterschiede haben Sie elegant glattgebügelt und sind da angelangt, wo "Bürgerversicherung" und "Kopfpauschale" noch Gemeinsamkeiten haben - bis man sich entscheidet, ob "Beitragssatz" nun ein fester Betrag sein soll oder ein Einkommensanteil. Das aber ist ein fundamentaler Unterschied, der über "schwierig" oder "absolut chancenlos" entscheidet.

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