Forum: Wirtschaft
Kassenpatient - Patient zweiter Klasse?

Kassenpatienten müssen im Durchschnitt dreimal so lange auf einen Termin beim Facharzt warten wie privat Versicherte. Ist der Kassenpatient immer der Dumme?

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dogs 04.04.2008, 21:58
1210.

Zitat von mainjj67
Nicht alles, was möglich ist, ist auch sinnvoll. Wenn der Bedarf höher ist, als Resourcen vorhanden sind, muss halt überlegt werden, wo rationiert wird. Traurig, aber war.
Es gibt sicher die Notwendigkeit, bei knappen Mitteln den Leistungskatalog der Krankenkassen auf Einsparmöglichkeiten abzuklopfen.
Dazu muss man aber nicht bei den lebenserhaltenden bzw. lebensverlängernden medizinischen Maßnamen ansetzen, sondern zunächst mal die nichtmedizinischen bzw. mehr oder weniger Service- und Luxusleistungen ins Auge fassen, die einer gesetzlichen Pflichtversicherung m.E. ohnehin schlecht anstehen.
Als erstes fallen mir da die kassenbezahlten Taxifahrten ein, die ohne Bedürftigkeitsnachweis übernommen werden.
Aber auch solche Dinge wie bezahlte Haushaltshilfen gehören nicht in den Katalog einer Krankenkasse bzw. könnten mit Zusatzbeiträgen versichert werden, und vieles andere mehr.

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uwp-berlin 04.04.2008, 22:00
1211.

Zitat von uwp-berlin
Wieso "sogar" Privatpatienten - womit hätten die sich denn in einem öffentlich finanzierten Universitätsklinikum eine andere (ggf. bessere) Behandlung verdient?

Sind die die edleren, gleicheren und öffentlicheren Menschen? Und wäre dann eine unterschiedliche Behandlung ethisch gerechtfertigt?
Zitat von Lutetia
Ich finde diesen Sarkasmus vollkommen unangebracht. Es gibt viele PKV-Versicherte, die auch nicht im Geld schwimmen (aber aus unterschieldichen Gruenden nicht in die GKV reinkommen) und deshalb oft eine Versicherungspolice mit hoher Eigenbeteiligung oder hoher Zuzahlung waehlen. Und auch in einem öffentlich finanzierten Universitätsklinikum bekommen sie fuer die gleiche Leistung dann eine hoehere Rechnung praesentiert als der gesetzliche Versicherte und zahlen die - je nach Vertrag - dann aus eigener Tasche. Da fuehlt man sich weder edler noch gleicher noch besser, wenn die Rechnung fuer die selbe Leistung einfach nur hoeher ausfaellt, da das System es erlaubt.
Sarkasmus ist bei diesem System der organisierten Ungerechtigkeit und Beutelschneiderei manchmal eins der wenigen Mittel zur Linderung der Beschwerden.

Aber Sie haben recht, es sind nicht nur die 70 Millionen GKV-Versicherten, die unter dem absurden System der PKV leiden - es werden unter den 8 Millionen PKV-Patienten bestimmt 1 Million sein, die wie die Brathähnchen gegrillt werden und sich gegen die völlig unverhältnismäßigen und oft aus der Ineffizienz der PKVen resultierenden horrenden Prämiensteigerungen im Alter bisher nur durch persönlichen Bankrott ins allgemeine Solidarsystem (GKV oder Sozialhilfe) retten konnten.

Allerdings gibt es jetzt ja ein Auffangnetz im PKV-System, das allerdreisteste Prämienerhöhungen ausschließt, den "GKV-orientierten Basistarif" für 550 Euro/Monat.
So können die Altersrisiken von den PKVen wesentlich weniger leicht an die Gesellschaft durchgereicht werden.
(Wogegen die PKVen jetzt Verfassungsbeschwerde eingelegt haben.)

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Valencia0304 04.04.2008, 22:01
1212.

Zitat von WenschonDennschon
es kann keinen fairen Wettbewerb zwischen den beiden Systemen geben.
Es gibt auch keinen freien Wettbewerb innerhalb der PVK. Das Problem liegt darin, dass die Altersrückstellungen (ein Teil der über die Jahre gezahlten Versicherungsbeiträge), welche eine übermäßige Erhöhung der Beiträge im Alter entgegenwirken sollen, bei einem Versicherungswechsel nicht auf die neue Versicherung übertragen werden ,sondern in der alten Versicherung als Gewinn verbleiben. Folglich lohnt es sich nich für älteren Menschen, die schon Jahre in ihre alte Versicherung eingezahlt haben, die PVK zu wechseln, weil sie dann das Geld der Altersrückstellung komplett verlieren. Ein freie Wettbewerb findet also nicht statt, weil die Versicherten nur mit großen Verlusten die PVK wechseln können.

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madamef 04.04.2008, 22:05
1213. Topen

Zitat von dcaviat
..und Single oder ? Haben Sie Kinder und eine Frau mitversichert für 400 Euro im Monat? Herzlichen Glückwunsch. Wenn Sie aber in der PKV sind so wie ich, dann zahlen sie mit 3 Kindern, einer Mutter (Hausfrau) und für mich selbst mal eben 900 Euro.
Mein Mann zahlt in die GKV 600 Euro ( muss warten, usw.) ich zahle noch mal extra - da topen wir ihre 900 Euro locker. Außerdem haben wir nur ein Kind. Wir haben aber auch alte Mütter, chronisch Kranke in der Familie und wissen von daher, warum wir das tun. Worüber beschweren Sie sich?

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dcaviat 04.04.2008, 22:07
1214.

Zitat von madamef
Hängt von der Antwort mein Leben ab?
Nein überhaupt nicht, aber es doch auffällig, das gerade jüngere Menschen in diesem Diskussionforum sich ungerecht"behandelt" fühlen, da diese angeblich zu hohe Beiträge leisten und ältere ja nur hoffen, das alles beim alten bleibt und eben keine Leistungskürzungen kommen.

Als Arzt bin ich es echt leid zwischen den Fronten Krankenkasse und Patient zu stehen. Die Krankenkassen wollen Leistungskürzungen, die Patienten (und wir Ärzte) wollen es nicht.

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bono1 04.04.2008, 22:12
1215. Selbstbestimmung

Natürlich gibt es ein Vielklassensystem im Gesundheitswesen, das lässt sich auch gar nicht verhindern und sollte auch nicht verhindert werden. Jeder sollte sein Geld dort ausgeben dürfen, wo er es für richtig hält, für Gesundheit, für Musik oder anderes.
Eine Subventionierung derer, die nicht selbst zahlen können oder wollen ist moralisch nur auf dem Niveau gerechtfertigt, welches ein genügsam lebender arbeitender, für sich selbst zahlender Mensch, der die Apparatemedizin für sich ablehnt und Ärzte möglichst meidet, für sich ansetzen würde.

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dogs 04.04.2008, 22:14
1216.

Zitat von WenschonDennschon
Sie haben's nicht so mit Wettbewerb, nicht wahr?
Wo herrscht denn ein Wettbewerb zwischen Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung?
Für 90 Prozent der Pflichtversicherten der Gesetzlichen gibt es keine Möglichkeit, ihre Versicherungsform zu wählen.

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Wolf_68 04.04.2008, 22:50
1217.

Zitat von Fakten statt Ideologie!
Mal eine Frage an alle, die sich hier mit Wutgeheul über den ach sö bösen, bösen Dr. Lauterbach auslassen. Insbesondere also unseren dcaviat und "WennSchonDennSchon", aber auch jedem anderen Verteidiger der Privatkassen. Nehmen wir mal zwei Krankenkassen, Kasse A und Kasse B. Beide unterliegen genau den gleichen Regeln, haben keinerlei Altlasten, und so weiter und so fort. Nur einen Unterschied gibt es: Kasse A muss praktisch jeden aufnehmen und versichern, auch den Penner, Sozialhilfeempfänger und Obdachlosen. Sie darf nur von jedem Versicherten den gleichen prozentualen Anteil seines Gehaltes oder seiner Rente einfordern. Beim Penner und Obdachlosen ist das ein klares Minusgeschäft, alle anderen müssen daher höhere Beiträge zahlen. Kasse B hingegen darf sich auswählen, wen sie aufnimmt. Sie darf Leute ablehnen, unterschiedliche Beitragssätze festlegen und medizinische Voruntersuchungen vornehmen. Nur in ganz wenigen Fällen besteht eine Aufnahmepflicht, aber einem solchen Zwangsaufgenommenen darf im Zweifelsfall ein Beitrag abverlangt werden, der genauso hoch ist, wie der Betrag, den der am meisten bezahlende Beitragszahler von Kasse A zahlen muss. Der einzige kleine Nachteil, den Kasse B erdulden muss, besteht darin, dass sie Arbeitnehmer unter einem bestimmten Einkommen nicht nehmen darf, aber es bleiben so viele Leute übrig, dass keine negativen Skaleneffekte entstehen. Die Frage, die sich nun stellt, lautet: Hat Kasse B hier einen eindeutigen Startvorteil? Ja oder Nein? Diese Frage ist ein toller Test. Von der Antwort darauf hängt es ab, ob der Antwortende überhaupt in irgendeiner Form als geistig zurechnungsfähig oder fair abwägend aufgefasst werden kann, kurzum, ob er es überhaupt wert ist, dass man sich mit ihm auseinandersetzt.
Ganz einfach: Kasse A gehört zur Solidargemeinschaft :-)

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Wolf_68 04.04.2008, 22:52
1218.

Zitat von Valencia0304
Otto Fricke FDP Politiker gestern bei Maybrit:"Für die 75 bis 90 Prozent, die in der Gesetzlichen Krankenversicherung sind und wo das System ja erkennbar nicht funktioniert, ist es nicht möglich, in Richtung Private zu gehen" eben doch z.B im Schweizer Gesundheitssystem gibt es nur PKV, die allerdings gesetztlich verpflichtet sind jeden in die in die Grundversicherung aufzunehmen. Diese Veränderungen sind aber von den PVK nicht gewünscht, weil sie sich nicht länger die Rousinen herauspicken können und von den GKV, weil sie keine Darseinsberechtigung mehr hätten.
Mit dem Unterschied, daß die Schweiz andere soziale Strukturen als Deutschland hat, d.h. keine so hohe Anzahl von "sozialen Mitläufern"

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Lazarus Long 04.04.2008, 23:06
1219.

Zitat von jinky
Dann empfehle ich die Universitätszahnklinik in ; da können Sie vor Schmerzen winselnd 14 Uhr im Samstagsnotdienst mit einem vereiterten Zahn auflaufen, und es wird überhaupt nichts gemacht. "Nehmen Sie ein Aspirin und gehen Sie am Montag (= übvermorgen) zu Ihrem Zannarzt!" Und solche Privilegien werden dort sogar Privatpatienten zuteil!
Frankfurt ?

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