Forum: Wirtschaft
Kassenpatient - Patient zweiter Klasse?

Kassenpatienten müssen im Durchschnitt dreimal so lange auf einen Termin beim Facharzt warten wie privat Versicherte. Ist der Kassenpatient immer der Dumme?

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Benjamin1965 05.04.2008, 07:33
1230.

Zitat von Ulrich lr.
Der Privatversicherte ist zwangssolidarisch mit seiner Tarifgruppe. Er muss auf jegliche Solidarität von außen verzichten - ganz besonders auf Ihre! Der Privatversicherte wird zusätzlich in seiner Eigenschaft als Steuerzahler noch zur Solidarität über die Steuerzuschüsse für die Kinder der Kassenversicherten verdonnert. Das beitragszahlende Kassenmitglied hingegen ist kein bisschen solidarisch mit den Kindern der Privatversicherten. Null! Steuerzuschüsse für die Versicherung privatzuversichernde Kinder sind nicht vorgesehen. Und wenn der Privatversicherte noch so arm ist.
Vielleicht sollten Private Versicherungen einfach alle Leistungen für ihre Versicherten selbst bereiststellen. Also eigene Krankenhäuser, eigener Krankentransport, alles vollkommen unabhängig. Eine Rückkehr in die gesetzliche Versicherung sollte nur dann möglich sein, wenn alle auch zukünftigen finanziellen Möglichkeiten des Versicherten ausgeschöpft sind.

Die Realität ist nämlich so, daß anfangs günstig privat Versicherte, die plötzlich zB mit einem schwer behinderten Kind da stehen das Kind gern in die gesetzliche Versicherung geben würden und die private Versicherung für sich behalte wollen.

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PaulNeu 05.04.2008, 08:00
1231.

Zitat von dcaviat
Mir fehlen einzig Ergebnisse - was bitteschön haben die bisherigen Gesundheitsreformen im Ergebnis gebracht ? Nichts ! Die Ausgaben für Krankheitsleistungen steigen, ebenso die Beiträge.
Mit welcher Reform wollen Sie denn verhindern, dass die Leute immer älter werden, Medikamente nicht nur leistungsfähiger, sondern auch teurer, Medizintechnik immer revolutionärer und damit auch teurer?

Ehrlich ist es zu sagen, Krankenversicherung wird auch in Zukunft immer teurer werden und jeder sollte mal überlegen, welche Prioritäten wir setzen sollten. Investitionen in den Zweiturlaub oder in die KV?

Für zweitklassige Beiträge gibt es auch nur zweitklassige Medizin. Es sind Scharlatane, die den Leuten etwas anderes erzählen.

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Steve Holmes 05.04.2008, 08:38
1232.

Zitat von WenschonDennschon
... außer der Eigenverantwortung nichts mehr übrig bleibt, um sich gegen Krankheit und Tod zu wehren. Klar, dass auch die nur über begrenzte Möglichkeiten verfügt, in manchen Fällen über gar keine.
Man kann sich gegen den Tod nicht wehren. Er kommt mit tödlicher Sicherheit. ;-)

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Steve Holmes 05.04.2008, 09:04
1233.

Zitat von Fakten statt Ideologie!
Mal eine Frage an alle, die sich hier mit Wutgeheul über den ach sö bösen, bösen Dr. Lauterbach auslassen...... Kasse A muss praktisch jeden aufnehmen und versichern, auch den Penner, Sozialhilfeempfänger und Obdachlosen...... Kasse B hingegen darf sich auswählen, wen sie aufnimmt. ...... Die Frage, die sich nun stellt, lautet: Hat Kasse B hier einen eindeutigen Startvorteil? Ja oder Nein?.......
Die Frage stellt sich nicht, da die klassischen Sozialversicherungen (Gesundheit, Renten, Arbeitslosenversicherung aber auch Sterbeversicherung) von Anfang an nur für eine bestimmte gesellschaftliche Klasse und nicht für die gesamte Bevölkerung konzipiert wurde.

Ich bin zum Beispiel gar nicht versichert. Weder gesetzlich noch privat und habe es auch nicht vor.

Manche Menschen scheinen eine Obsession zu haben um jeden Preis möglichst alt zu werden. Sie sind aber weder willig noch in der Lage diesen Preis selber zu bezahlen. Das sollen andere tun!

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Andreas Heil 05.04.2008, 09:25
1234.

Zitat von dcaviat
Mir fehlen einzig Ergebnisse - was bitteschön haben die bisherigen Gesundheitsreformen im Ergebnis gebracht ? Nichts ! Die Ausgaben für Krankheitsleistungen steigen, ebenso die Beiträge.
Moment mal. Die Summe der Beiträge der GKV sind seit Jahrzehnten annähernd stabil, sofern man sie inflationsbereinigt berechnet. Dass dies für den Einzelnen anders aussehen kann, liegt am bewußten Zerstören des Systems.

Fragen kann man sich aber, ob gerade Rotgrün damit nicht über's Ziel hinausgeschossen ist. Auf jeden Fall war der beispiellose Anstieg der Pharmakosten wenig nützlich, den hätte man eher den anderen Leistungsträgern zugute kommen lassen.

Das Hauptproblem ist, dass die Debatte und die daran angehängte Politik bei den großen Weichenstellungen rein ideologisch agiert und eben nur bei den kleinen wenigstens teilweise sachgerecht.
Zitat von dcaviat
Kurzfristige Beitragssenkungen sind doch Augenwischerei!
Richtig. Zitat von dcaviat
Meine Beiträge in der PKV steigen von Jahr zu Jahr, in Balance kann ich sie momentan nur durch die Erhöhung meiner Eigenbeteilung halten.
Also ich bin seit ende meines Studiums privat versichert, einfach und alleine, weil es die unsägliche Regelung gibt, dass "freiwillig Versicherte" in den GKVen bzw. Ersatzkassen zu Beiträgen auf fiktive Einkommen herangezogen werden.

Mein Beitragssatz sollte zu Beginn meiner Selbstständigkeit schlicht bei 50% liegen, nämlich bei 500 DM mtl. Dass das beim Aufbau eines Unternehmens ein k.o.-Kriterium ist, dürfte vielen klar sein.

Seit dem (keine zwei Jahrzehnte) haben sich meine Beiträge nominal mehr als verdreifacht, real immer noch mehr als verdoppelt. Steigen sie so weiter und mein Einkommen nur "normal" kann ich sie mit 60 wohl auch nicht mehr bezahlen.

Jedenfalls war der durchschnittliche jährliche Anstieg der Beiträge satt zweistellig.

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Steve Holmes 05.04.2008, 09:29
1235.

Zitat von Jos Fritz
... sondern von der hier von Diskussionsteilnehmern vertretenen - faschistoiden - Auffassung, man müsse bestimmte Gruppen zugunsten eines (finanziell) gesunden Volkskörpers zur Not - und der Notfall wird durch die Zitierung irgendwelcher Millardensummen gleich mitkonstruiert - von einer guten medizinischen Versorgung ausschließen.
Das hat weder mit "faschistoid" noch mit "ausschließen" zu tun sondern damit Tatsachen zu akzeptieren. Die moderne Medizin ist teilweise sehr teuer. Sterben müssen wir sowieso. Macht es da wirklich Sinn enorme Summen für eine paar Jahre weiteres Leiden auszugeben?

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Andreas Heil 05.04.2008, 09:35
1236.

Zitat von dcaviat
Nein überhaupt nicht, aber in diesem Diskussionforum , da diese angeblich zu hohe Beiträge leisten und ältere ja nur hoffen, das alles beim alten bleibt und eben keine Leistungskürzungen kommen.
Ja, ganz genau und nicht nur hier. Ich würde das allerdings ursächlich bei den schon in der Vergangenheit gravierenden Bildungs- und Sozialisationsdefiziten verorten.

Und heute betreiben die Verbände schon ganz offen Propaganda direkt in den Schulen.

Krank das alles.

Und ansonsten möchte ich hier - bei der unsachlichen Polemik, die andere hier reinbringen - noch mal zum Besten geben, dass ich selbst derzeit nur deswegen in der PKV bleibe, weil ich dem System nicht auch noch die angesammelten - wenn auch überschaubaren - erzwungenen und v.a. freiwillig aufgestockten Altersrückstellungen in den Rachen werfen will. Ich hoffe immer noch auf Vernunft in der Politik, die das System wieder auf die Beine zurückbringt.

Und ansonsten beteilige ich mich am Solidarsystem dadurch, dass ich als Arbeitgeber derzeit sowohl für den Arbeitnehmer- als auch Arbeitgeberanteil meiner Frau in der Ersatzkasse zuständig bin und mich vor einem Jahr entschieden habe, bei der GRV als Höchstbeitragszahler zu partizipieren.

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Steve Holmes 05.04.2008, 09:36
1237.

Zitat von uwp-berlin
Ich glaube damit haben Sie den Ehren-Oscar für das beste Beispiel am heutigen Tage errungen.
Ihnen ist da ein Tippfehler unterlaufen. Oskar Lafontaine schreibt sich mit "k". ;-)

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Andreas Heil 05.04.2008, 09:37
1238.

Zitat von Wolf_68
Mit dem Unterschied, daß die Schweiz andere soziale Strukturen als Deutschland hat, d.h. keine so hohe Anzahl von "sozialen Mitläufern"
Clements Parasiten fehlten in der Diskussion nicht.

Die Schweiz fährt auch nicht die Makroökonomie gegen die Wand, was die Hauptursache dafür ist, dass bei uns so viele Menschen auf Unterstützung angewiesen sind.

Acht Millionen erhalten Unterstützung, weil sie kein auskömmliches Markteinkommen erwirtschaften können.

Oder ist der Berner Busfahrer doppelt so produktiv, wie der Berliner Kollege, der die Hälfte verdient ?

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Steve Holmes 05.04.2008, 09:43
1239.

Zitat von dcaviat
Warum um alles in der Welt benötigen wir konkurrierende Krankenkassen. Das ist aus ärztlicher Sicht die pure Geldverschwendung. Den Unsinn haben wir doch jetzt schon 300+ GKV! Der Verwaltungsapparat ist unüberschaubar, der Werbeetat unglaublich....
Ich bin für den Wettbewerb privater Prankenkassen. Aber ein "Wettbewerb" gesetzlicher Kassen klinkt wie ein Wiederspruch in sich selbst.

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