Forum: Wirtschaft
Katalonien-Konflikt: Die Schuld der Euro-Krisenmanager
REUTERS

Was gerade in Katalonien passiert, wirkt wie ein rein innerspanischer Streit um Sprache und Geld. Tatsächlich ist der Konflikt auch eine Folge der globalen Finanzkrise - und des deutschen Euro-Krisenmanagements.

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L.K. 14.10.2017, 00:39
90.

Zitat von rm9
Deutschland hat keinen Druck auf Spanien ausgeübt. Die spanische Regierung besaß zu jedem Zeitpunkt eine autonome Finanzpolitik. Die Wahrheit ist doch, dass der spanische Staat seit der Einführung des Euros auf Pump gelebt hat, was in den Nullerjahren mit einem erheblichem Kapitalabfluss aus Deutschland einherging. Es ist überhaupt keine gängige Meinung, wie Herr Fricke schreibt, dass sanfte Reformen besser gewesen wären. Die europäische Peripherie ist selbst schuld, über Jahrzehnte wurde das Wirtschaftswachstum auf Pump finanziert, und in einem aufgeblähtem Staat verpulvert. Wenn einer daran schuld ist, dann ist es der Markt, der einem schlecht wirtschaftetem Staat keine billigen Kredite mehr zur Verfügung stellt. Die Darstellung, dass DEutschland schuld sei an der Unabhängigkeit Kataloniens, ist derart konstruiert, dass sich hier schon eine ideologische Verzerrung von Fakten erkennen lässt.
Herzlichen Glückwunsch, ich habe schon lange keinen so dämlichen 1. Post gelesen wie Ihren. Deutschland fährt jedes Jahr Milliarden von Exportüberschüssen innerhalb einer Währungsunion, aber die anderen sind natürlich schuld, wenn sie Schulden machen. Ganz klar. Nehmen Sie sich doch bitte noch eine Maß vom Stammtisch.

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thequickeningishappening 14.10.2017, 03:19
91. Die Schuld für die Verschuldung dort zu suchen

wo Sie nicht hin gehört, ist menschlich! Eine Abspaltung Kataloniens waere Ein Präzedenzfall und wird nicht stattfinden! Ich mag Herrn Rajoy nicht aber Spanien handelt richtig! Die Deutschen Die gerade in einer historisch einmaligen Nullzinsphase in exorbitant ueber bewertete Immobilien investieren, sollten beobachten, was passieren kann wenn es für die Schuld der Verschuldung Einen Schuldigen braucht!

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Teigkonaut 14.10.2017, 09:05
92. unmoralisch

Wer anderen ständig die Rechnungen für den eigenen Lebensstil präsentiert braucht sich nicht zu wundern, wenn die Sponsoren rebellieren. Bei uns gibt es ja auch Spannungen, weil sich die Berliner seit Jahrzehnten aushalten lassen. So zu tun als wäre das die normalste Sache der Welt ist unmoralisch Herr Fricke. Eine Wirtschaftskrise verschärft diese Spannungen nur.

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breguet 14.10.2017, 09:16
93. Sehe ich anders

Ich lebe seit dreißig Jahren hier, und es stimmt dass die Probleme 2007/8 begannen. Solche Krisen hatten wir schon zuvor in 2001 und eine in den Neunzigern. Der Unterschied zu den vorangegangen Krisen war 2007/8, dass wir da dann den Euro hatten. Und mit dem haben wir uns bis heute nicht erholt, weil wir nicht abwerten können. Die Deutschen haben da gar keine Schuld daran.

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Ökofred 14.10.2017, 10:42
94. ist aber ganz anders!

Zitat von breguet
Ich lebe seit dreißig Jahren hier, und es stimmt dass die Probleme 2007/8 begannen. Solche Krisen hatten wir schon zuvor in 2001 und eine in den Neunzigern. Der Unterschied zu den vorangegangen Krisen war 2007/8, dass wir da dann den Euro hatten. Und mit dem haben wir uns bis heute nicht erholt, weil wir nicht abwerten können. Die Deutschen haben da gar keine Schuld daran.
Was bitte soll das Abwerten bringen? Die spanischen Urlaubsparadiese sind voll, hier kann kein weiter Absatz durch Abwertung erreicht werden. Aber nach einer Abwertung wären nur noch 2/3 Geldes aus dem Urlaubsgeschäft da. Industrie(vor)produkte müsste die spanische Wirtschaft mit dem abgewerten Geld viel teurer einkaufen als jetzt. Was also soll das bringen? Die Hoffnung in unserer vernetzten Wirtschaft eine "Abwertung" würde irgend einen Vorteil bringen ist Unsinn.

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HasiHase 14.10.2017, 11:17
95.

Zitat von L.K.
Herzlichen Glückwunsch, ich habe schon lange keinen so dämlichen 1. Post gelesen wie Ihren. Deutschland fährt jedes Jahr Milliarden von Exportüberschüssen innerhalb einer Währungsunion, aber die anderen sind natürlich schuld, wenn sie Schulden machen. Ganz klar. Nehmen Sie sich doch bitte noch eine Maß vom Stammtisch.
Hm ... ist schon unverschämt von uns Deutschen dass wir für unsere exportierten Waren auch noch Geld verlangen ...

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meromero 14.10.2017, 12:29
96.

Zitat von rm9
Deutschland hat keinen Druck auf Spanien ausgeübt. Die spanische Regierung besaß zu jedem Zeitpunkt eine autonome Finanzpolitik. Die Wahrheit ist doch, dass der spanische Staat seit der Einführung des Euros auf Pump gelebt hat, was in den Nullerjahren mit einem erheblichem Kapitalabfluss aus Deutschland einherging. Es ist überhaupt keine gängige Meinung, wie Herr Fricke schreibt, dass sanfte Reformen besser gewesen wären. Die europäische Peripherie ist selbst schuld, über Jahrzehnte wurde das Wirtschaftswachstum auf Pump finanziert, und in einem aufgeblähtem Staat verpulvert. Wenn einer daran schuld ist, dann ist es der Markt, der einem schlecht wirtschaftetem Staat keine billigen Kredite mehr zur Verfügung stellt. Die Darstellung, dass DEutschland schuld sei an der Unabhängigkeit Kataloniens, ist derart konstruiert, dass sich hier schon eine ideologische Verzerrung von Fakten erkennen lässt.
Sehr richtig! Herr Frickes Kommentar verzerrt die Wahrheit. Der Katalonienkonflikt war schon lange vor der Finanzkrise ein Thema. Jetzt spitzt er sich zu und bekommt internationale Beachtung. Nicht alles Geht auf deutsche Sparpolitik zurück. Hier geht es nicht um Euro und Schäuble sondern um tiefe spanische Emotionen, Stolz, Nationalismus und unverantwortliche Politiker in Spanien.

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qoderrat 14.10.2017, 12:39
97.

Respekt, viel weiter kann man wohl nicht von der Realität entfernt sein. Die Ursache ist nicht die Reaktion auf das Zusammenfallen der Immobilienblase, sondern vielmehr dass diese überhaupt entstanden ist.

Und dafür sind nun schon wirklich die Spanier bzw. deren Regierung und Banken verantwortlich, die ein unfassbares Pyramidensystem in der Immo-Finanzierung angestossen haben, was konsequenterweise in sich zusammenstürzen musste. Dafür hat die deutsche EU-Politik nun wirklich überhaupt keine Verantwortung zu übernehmen und wäre auch völlig berechtigt abgestraft worden hätte sie dies getan.

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Faktomat 14.10.2017, 13:14
98. Sanftere Reformen

Schäuble ist also schuld an der Katalonien Misere, weil er verhindert hat, dass Reformen sanfter ausfielen. Ausgangspunkt war eine von Spanien und den Spaniern selbstverschuldete gigantische Immobilienblase. Die Bautätigkeit in Spanien war größer als die gesamte Bautätigkeit im Rest der EU. Dann gab’s keinen Kredit mehr und alles brach zusammen. Wie hätte Schäuble hier zu sanfteren Reformen beitragen können, einem weniger schnellen Einbruch des Bruttoinlandprodukts ? Doch nur dadurch, dass er deutsche Steuergelder nach Spanien gepumpt hätte, um die Bautätigkeit dort langsamer auf Null zu bringen. Also weiter Kapital in nicht benötigte Bauten zu fehlinvestieren, auf Kosten des deutschen Steuerzahlers. Einige Kommentatoren hätten dies offenbar goutiert; warum haben sie nicht gespendet oder in einer Ruinenstadt mit 8-spuriger Autobahnanbindung noch ein Apartment finanziert ?

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espluguenc 14.10.2017, 13:18
99. Legitimierungsfalle

Hallo LUNY, das mit der hohen Nichtteilnahme an den beiden Referenden 2014 und 2017 ist eine gute Frage. Es liegt zumindest diesmal mit Sicherheit nicht daran, dass es den Leuten hier egal ist. Die Frage spaltet Familien und in den Tagen nach dem Referendum kam es ueberall zu bitteren Diskussionen, selbst auf meiner Arbeit obwohl wir zur Mehrheit Auslaender sind und das Thema meist respektvoll ausgeklammert wurde. Es ist sehr schwierig hier offen zu diskutieren und meine Reise nach Deutschland vor ein paar Tagen war endlich mal so was wie eine Schreitherapie.
Gruende fuer die niedrige Teilnahme von Abspaltungsgegnern an beiden Referenden sind wohl:
- Generelle Unsicherheit ueber den Sinn, die Durchfuehrung und die Folgen der Referenden. Von Barcelona ("Ja!!!") und Madrid ("Nein!!!") kamen komplett unterschiedliche Aufforderungen und Horrorszenarien so dass wirklich keiner mehr wusste was Sache ist.
- Bewusster Boykott, da die Referenden fuer Separatisten angesetzt und von Separatisten an den Wahltischen durchgefuehrt wurden um dann von Separatisten ausgezaehlt zu werden. Das soll keine persoenliche Wertung sein, ich war 2014 waehlen (war fuer Auslaender moeglich) und die Leute im Wahllokal waren freundlich und ueber jeden froh der kam.
- Falls die Leute so weit gedacht haben bestand auch die Gefahr einer doppelten Legitmierungsfalle. Die Separatisten haben sich ueber OMNIUM und ANC in den letzten Jahren hervorragend organisiert und koennen 100% Prozent ihrer Anhaenger an die Urnen bringen.Dieses einseitige Referendum zu gewinnen haette eine massive Vernetzung der Abspaltungsgegner benoetigt, die so nicht existiert, da auch bei ihnen eine 100% Beteiligung noetig gewesen waere um ein klare Mehrheit zu schaffen. Als Gegner der Abspaltung erkennt man deswegen erstens durch Teilnahme das Referendum selbst an (1. Legitimierungsfalle), das ja von der katalanischen Regierung als bindend erklaert wurde. Eine hohe Wahlbeteiligung wuerde als weitere Begruendung genommen werden das Referendum als bindend zu sehen (2. Legitimierungsfalle) und die Aussagekraft der Enthaltungen schwaechen. Da ist eine Nichtteilnahme naheliegender.

Ich hoffe, das hilft das Verhalten der Menschen hier ein bisschen zu verstehen. Es ist kein Desinteresse. Dass das Referendum keine grosse Beteiligung haben wuerde war auch Puigdemont klar, der hatte in der Woche vorher im Spiegel deswegen bewusst auf europaeische Abstimmungen verwiesen (die oft wirklich nicht interessieren) und dass es voellig normal ist, niedrige Beteiligungen zu haben. Das Vermeiden einer Mindestgrenze war noetig um ein Scheitern zu verhindern und die Mehrheit der Bevoelkerung auszuhebeln. Man muss schon sagen, dass die Separatisten als Minderheit die sich durchsetzen will ihre Karten in den letzten Jahren sehr gut, wenn auch nicht sehr demokratisch ausgespielt haben.

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