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Katalonien-Konflikt: Die Schuld der Euro-Krisenmanager
REUTERS

Was gerade in Katalonien passiert, wirkt wie ein rein innerspanischer Streit um Sprache und Geld. Tatsächlich ist der Konflikt auch eine Folge der globalen Finanzkrise - und des deutschen Euro-Krisenmanagements.

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muellerthomas 13.10.2017, 13:25
10.

Zitat von rm9
Die Wahrheit ist doch, dass der spanische Staat seit der Einführung des Euros auf Pump gelebt hat,
nö, die spansiche Staatsschuldenquote lag vor dem Eurostart bei 62,5% und sank dann bis zum Ausbruch der Krise auf 35,6% im Jahr 2007.

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Tylenol 13.10.2017, 13:44
11.

Mit Deutschland hat das alles gar nichts zu tun und auch nur am Rande mit Ökonomie. Man sollte vielleicht mal Historiker befragen und nicht immer nur Ökonomen. Im Grunde ist es ganz einfach. Die Katalanen fühlen sich mehrheitlich nicht als Spanier, und dies ist historisch auch richtig. Der spanische Staat hat alles getan die Katalanen von Spanien zu entfremden und nun setzt sich die Meinung bei den Katalanen durch, dass ein eigener Staat für sie besser wäre als die Teilhabe am spanischen Staat. Sie haben alles recht der Welt auf diesen Staat. Dass ausgerechnet der Luxemburger Juncker (ein Staat von zweifelhafter Sinnhaftigkeit ohne echtes Staatsvolk und dazu noch lächerlich klein) einem 8Millionen Volk das recht auf einen eigenen Staat abspricht ist bei Lichte betrachtet absurd. Es ist vorbei, Katalonien will nicht mehr zu Spanien gehören. Lasst sie gehen.

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curiosus_ 13.10.2017, 13:46
12. Tja, Herr Fricke…

Zitat von Thomas Fricke
Bevor 2007 die Immobilienblase platzte und das globale Finanzdebakel begann, lief es in ganz Spanien wie in Katalonien fast paradiesisch - mit historisch niedriger Arbeitslosigkeit und boomender Wirtschaft.
…warum lief es "fast paradiesisch"? Eben doch deshalb weil die "boomender Wirtschaft" aufgrund nicht nachhaltigen Pumps geboomt hat. Ein Paradies auf Pump, in Vorwegnahme zukünftigen Wohlergehens. Und dann kommt der Kater eben sicher, entweder so:

Zitat von Thomas Fricke
Dann schnellte in der Krise die Arbeitslosenquote hoch, im Landesschnitt 2011 erstmals wieder auf mehr als 20 Prozent, in Katalonien auf zeitweise 23 Prozent.
Oder, wenn man zwecks Vermeidung der Krise das:

Zitat von Thomas Fricke
Wenn das stimmt, gehört zur Wahrheit auch, dass Europas Krisenmanager auf Umwegen zum Debakel beigetragen haben. Denn: Es spricht heute eine Menge dafür, dass Wolfgang Schäuble und Kollegen in der akuten Panik viel zu viel Druck auf Krisenregierungen in Madrid und anderswo gemacht haben, mehr oder weniger heillos Ausgaben zu kürzen, statt sachte zu reformieren
nicht gemacht, sondern "sachte reformiert" hätte - also weiter munter Schulden draufgepackt – kommt dann eben später das:

Zitat von Thomas Fricke
Dann schnellte in der Krise die Arbeitslosenquote hoch, im Landesschnitt 2011 erstmals wieder auf mehr als 20 Prozent, in Katalonien auf zeitweise 23 Prozent.
Und später heißt stärker, weil eben dieser Zustand bei noch höheren Schulden als oben eintritt.

Komisch, trotz "mehr oder weniger heillos Ausgaben zu kürzen" stieg und steigt die Spanische Staatsverschuldung munter und ohne Unterlass weiter. Von 2007 (Krisenbeginn) bis 2016 um sage und schreibe +188%! Also, Butter bei die Fische - was heißt "sachte zu reformieren"? Plus 250%? Plus 300%?

Gemessen am BIP beginnt sie erstmals seit 2015 leicht zu sinken (von 2014 bis 2016 um 1%).

Was Sie propagieren ist das finanztechnische Perpetuum mobile. So etwas gibt es nicht in der Physik und auch nicht in der Ökonomie. Natürlich können Sie die Verschuldung - absolut und relativ zum BIP - immer weiter hochfahren. Aber um den Kater kommen Sie auf die Art nicht herum, er kommt nur später. Und später bedeutet, dass irgendwann mal nur noch das Abschreiben von Schulden hilft.

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peter.di 13.10.2017, 13:46
13. Wer seinen eigenen Kram selber zahlt

Und sich an unterschriebene Verträge hält, dem kann Deutschland genau gar nichts vorschreiben. Wer den eigenen Kram nicht mehr selber bezahlen kann, der wird daran wohl selber Schuld sein müssen, denn ein Krisenmanagement gibt es erst wenn die Krise schon da ist. Daher kann die Kausalität nicht anders herum sein. Jeder andere Behauptung ist daher gabz offensichtlich postfaktisch.

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klarafall 13.10.2017, 13:48
14. auweia

Also Herr Fricke, bei allem Respekt, aber sie sollten sich schon mal bei jemandem mit einer (egal welcher!) naturwissenschaftlichen Ausbildung erklären lassen, daß Korrelationen (und schon gar keine zeitlichen Korrelationen) kein Nachweis für eine wie auch immer geartete Kausalität ist. Das Verhältnis zwischen dem Rückgang der Geburten und dem Rückgang der Storche in Deutschland ist sogar noch besser korreliert als das zwischen Arbeitslosigkeit und Unabhängigkeitsstreben der Katalanen. Auf eine falschen Prämisse aber kann man praktisch alles scheinbar "logisch" aufbauen, es bleibt trotzdem falsch. Alles nach "Wenn das stimmt, gehört zur Wahrheit auch..." können sie also getrost löschen. Denn nein, sie haben keinen Nachweis erbracht daß es stimmt - und das müssen sie tun, wenn sie etwas behaupten. Und von diesem wissenschaftlichen Standpunkt einmal abgesehen, sollten sie sich klarmachen, daß niemand ausser den Betroffenen selbst feststellen kann, ob er sich unterdrückt oder ungerecht behandelt fühlt. Sicher können die Restspanier, und schon gar nicht wir in Deutschland, nicht einfach sagen: "Hey, Katalanen, ihr seid doch gar nicht unterdrückt, was stellt ihr euch so an?" Wer so etwas tut, begibt sich auf die Ebene der Argumentation "Sieben von acht Beteiligten finden eine Massenvergewaltigung gar nicht schlimm" - das wollen sie doch nicht, oder?

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seinedurchlaucht 13.10.2017, 13:53
15.

Zitat von GSYBE
Meine Hochachtung Herr Fricke, endlich erklärt mal jemand den Betrachtern in klar verständlichen Worten, was die Austeritätsdoktrin von Merkel und Schäuble tatsächlich in Europa angerichtet hat und anrichtet. Danke.
Woher wollen Sie wissen, dass Herrn Frickes Sicht richtig ist? Anders gefragt: Wollen Sie mit ihrem (Steuer-)Geld für Spanien gerade stehen? Damit es ebenso verschwindet, wie die Milliarden, die nach GR geflossen sind?
Sie vergessen, dass Schäuble und Merkel im Auftrag des Steuerzahlers unterwegs sind - und nicht, um Almosen zu verteilen.

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lades 13.10.2017, 13:55
16. Also bitte ...

... auch daran soll nun auch Deutschland, bzw. noch abwegiger, Schäble mit Schuld sein? Da muss man erstmal drauf kommen. Klar irgendwie ist alles mit jedem verbunden, aber den Schluss den Thomas Fricke zieht, muss man schon mächtig konstruieren.

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flytogether 13.10.2017, 14:01
17. Aber hallo Herr Fricke

Irgendwie haben Sie der Zeitschiene nicht ganz folgen können. Das von Herrn Schäuble vertretene Austeritätspeinzip hat dafür gesorgt dass Spanien und auch Portugal wieder ihre Finanzen in den Griff bekommen haben. Ganz davon abgesehen, dass nicht Herr Schäuble sondern die spanische Regierung für Reformen zuständig ist. Ab 2013 haben dann die positiven Auswirkungen der Austerität zur Belebung der Wirtschaft und zur Verringerung der Arbeitslosenzahl geführt. Zum Verständnis hier die Zeitschiene: maßlos Verschuldung - wirtschaftliche Niedergang - Austerität - wirtschaftliche Genesung. Ihre Zeitschiene sieht anders aus: zuerst Austerität (Schäuble) dann wirtschaftlicher Niedergang. Sorry aber so war es eben nicht

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zorrilla 13.10.2017, 14:06
18. Indoktrination der Schüler

Ich habe vor wenigen Tagen mit einem Freund telefoniert, der in Barcelona wohnt. Er bestätigte mir, dass seine beiden Söhne in der Schule massiv indoktriniert werden. "Die Spanier" werden demnach als Besatzer dargestellt, die "uns Katalanen" beraubten und misshandelten.
Da wundert man sich dann über Garnichts mehr.

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gluecklich_woanders 13.10.2017, 14:13
19. Vielen Dank!

Endlich mal ein Artikel zur Katalonien-Krise, dem ich vorbehaltlos zustimmen kann! Dass der Autor Recht hat, zeigt schon ein Blick in Spaniens Nachbarland Portugal. Seit man dort die Austeritätspolitik zurückgefahren hat, hat sich die wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Lage deutlich stabilisiert. Populistische Parteien gibt es so gut wie überhaupt nicht, und Euro-Skeptiker und andere radikale Stimmen wurden bei den letzten Regionalwahlen empfindlich abgestraft. Natürlich ist Portugal ein Miniaturstaat und nicht wirklich mit Spanien vergleichbar, die Lage dort zeigt aber sehr deutlich, dass es sehr wohl Alternativen zur Austeritätspolitik gegeben hätte - die in weiten Teilen nicht zur wirtschaftlichen Erholung beigetragen hat, sondern wohl vielmehr als Strafmaßnahme gegen vermeintlich faule Südländer verstanden werden wollte. Und jetzt haben wir eben den Salat ...

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