Forum: Wirtschaft
Katalonien-Konflikt: Die Schuld der Euro-Krisenmanager
REUTERS

Was gerade in Katalonien passiert, wirkt wie ein rein innerspanischer Streit um Sprache und Geld. Tatsächlich ist der Konflikt auch eine Folge der globalen Finanzkrise - und des deutschen Euro-Krisenmanagements.

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loquuntursaxa 13.10.2017, 14:18
20.

Natürlich hat Spanien Geld bekommen und davon haben deutsche Firmen und deutsche Wirtschaft Nutzen genommen. Die Frage ist ob der unafufhaltsame Defizit der katalanischen Wirtschaft eine Frage der reinen sinnvollen Verwaltung des Geldes ist, denn Katalonien hat den grössten Defizit in ganz Spanien und die Zentralregierung zahlt auf Pumpe die katalanischen Rechnungen. Die Katalanen glauben aber wenn sie selbst kassieren würden, dann hätten sie nicht soviel auszugeben. Das ist der Hinmtergrund versteckt unter der Maske des Nationalismus. Ich würde es eher als Ehrgeiz und Egoismus definieren.

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spon-1269800649157 13.10.2017, 14:23
21. @candido

So ein Unsinn! Ich habe zwei Kinder im schulpflichtigen Alter in einer öffentlichen katalanischen Schule. Alle Lehrer Mitglieder der ERC? Eine haarsträubende Behauptung und kompletter Unfug. So wie die ganze Rede von Guerra noch mehr Öl ins Feuer gegossen hat und ihn an den rechten Rand der Sozialisten gerückt hat. Er hat darin námlich die Entmachtung der Regionalregierung (Artikel 155 der spanischen Verfassung) und den Einmarsch der Armee ins Spiel gebracht. Ausserdem hat er die übermässigen Polizeigewalt am 1. Oktober gerechtfertigt, die mittlerweile sogar die HRW kritisiert hat.
Indoktrination an den katalanischen Schulen? Da kann ich nur lachen und da ist mal wieder jemand uf die Propaganda der Gegenseite reingefallen. Schon mal die Tweets der Policia Nacional gelesen? Da wird einem schlecht.

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curiosus_ 13.10.2017, 14:24
22. Richtig

Zitat von muellerthomas
nö, die spansiche Staatsschuldenquote lag vor dem Eurostart bei 62,5% und sank dann bis zum Ausbruch der Krise auf 35,6% im Jahr 2007.
Allerdings …verdoppelte sich die Privatverschuldung in den Jahren des ungebremsten Bauwahns zwischen 2001 und 2008 auf 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Größtenteils schlossen die Bürger Hypotheken mit Laufzeiten von 40 oder sogar 50 Jahren ab - für Häuser und Wohnungen, die jetzt 30 bis 50 Prozent an Wert verloren haben. Und somit wurde der Abbau des Staatsanteils an der Quote drastisch überkompensiert.

Wenn man die Bürger Spaniens auch unter "der spanische Staat" einsortiert (oder stattdessen von "Spanien" schreibt), dann stimmt das durchaus mit "seit der Einführung des Euros auf Pump gelebt".

Das Platzen der Immobilienblase trifft nun auch den Staatshaushalt hart. Der Staat büßt Milliarden an Steuereinnahmen ein und verbucht zugleich massiv steigende Ausgaben. Aus 1,9 Prozent Überschuss im Staatshaushalt 2007 sind satte 8,9 Prozent Defizit im Jahr 2011 geworden. Statt zehn Milliarden Euro Jahresüberschuss in der staatlichen Sozialversicherung, mit denen sich die meisten Haushaltslöcher stopfen ließen, gilt es plötzlich, 32 Milliarden Euro jährlich für Arbeitslosenhilfe zu beschaffen. (focus)

Insofern lässt sich das, was ich oben schon geschrieben habe (" …warum lief es "fast paradiesisch"? Eben doch deshalb weil die "boomender Wirtschaft" aufgrund nicht nachhaltigen Pumps geboomt hat. Ein Paradies auf Pump, in Vorwegnahme zukünftigen Wohlergehens. Und dann kommt der Kater eben sicher") durchaus noch weiter untermauern.

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horstenporst 13.10.2017, 14:25
23.

Zitat von klarafall
Also Herr Fricke, bei allem Respekt, aber sie sollten sich schon mal bei jemandem mit einer (egal welcher!) naturwissenschaftlichen Ausbildung erklären lassen, daß Korrelationen (und schon gar keine zeitlichen Korrelationen) kein Nachweis für eine wie auch immer geartete Kausalität ist. Das Verhältnis zwischen dem Rückgang der Geburten und dem Rückgang der Storche in Deutschland ist sogar noch besser korreliert als das zwischen Arbeitslosigkeit und Unabhängigkeitsstreben der Katalanen. Auf eine falschen Prämisse aber kann man praktisch alles scheinbar "logisch" aufbauen, es bleibt trotzdem falsch. Alles nach "Wenn das stimmt, gehört zur Wahrheit auch..." können sie also getrost löschen. Denn nein, sie haben keinen Nachweis erbracht daß es stimmt - und das müssen sie tun, wenn sie etwas behaupten. Und von diesem wissenschaftlichen Standpunkt einmal abgesehen, sollten sie sich klarmachen, daß niemand ausser den Betroffenen selbst feststellen kann, ob er sich unterdrückt oder ungerecht behandelt fühlt. Sicher können die Restspanier, und schon gar nicht wir in Deutschland, nicht einfach sagen: "Hey, Katalanen, ihr seid doch gar nicht unterdrückt, was stellt ihr euch so an?" Wer so etwas tut, begibt sich auf die Ebene der Argumentation "Sieben von acht Beteiligten finden eine Massenvergewaltigung gar nicht schlimm" - das wollen sie doch nicht, oder?
Richtig, Korrelation ist nicht gleich Kausalität. Aber Herr Fricke muss hier keinen Nachweis erbringen. Das ist kein wissenschaftlicher Artikel, sondern eine Kolumne, also Herr Frickes Meinung. Ich halte die Theorie, dass durch höhere Arbeitslosigkeit, die Separatisten mehr Unterstützung bekommen, für plausibel.

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Stäffelesrutscher 13.10.2017, 14:27
24.

Zwei Korrekturen.

1.
»Selbst das Geschimpfe über Madrids Korruptionsanfälligkeit klingt bizarr, seit ehemalige katalanische Regierungsmitglieder genau dabei erwischt worden sind.«
Als die damaligen (nicht: ehemaligen!) Regierungsmitglieder (rechtsbürgerlicher Parteien übrigens) erwischt wurden, hat man sie sanktioniert - sprich: abgewählt. Die Korrupten in Madrid sitzen nach wie vor in der Regierung, angefangen bei Rajoy.

2.
Schäuble hat auf Spanien relativ wenig Druck ausgeübt, verglichen mit Griechenland und Portugal. Grund: Schonung des Parteifreundes Rajoy.

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kufu 13.10.2017, 14:30
25.

Zitat von rm9
Die Wahrheit ist doch, dass der spanische Staat seit der Einführung des Euros auf Pump gelebt hat, was in den Nullerjahren mit einem erheblichem Kapitalabfluss aus Deutschland einherging.
Zumindest einige Spanier haben sich insbesondere für den Immobilienkauf verschuldet und haben zusammen mit den Banken auf immer weiter steigende Preise gesetzt. Spanien als Staat dagegen hat seine Schulen in den Boomzeiten vor der Krise deutlich abgebaut auf ca. 40%, also deutlich unter den damaligen und auch heutigen Wert Deutschlands.

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walter_de_chepe 13.10.2017, 14:32
26. Was für eine Europa will das EU-Europa sein?

Hier stellt sich die Frage nach dem Selbstverständnis des EU-Europas. Wenn "Europa" die Zukunft und der Nationalstaat obsolet sein soll, dann gibt es keinen Grund am unveränderten Fortbestand der Nationalstaaten. Wenn Europa immer mehr Kompetenzen zu sich holt, können die Regionen sich doch neu formieren. Wenn man jedoch an den Nationalstaaten festhalten will, muss man sich fragen, wieso es überhaupt den Euro gibt. Für den Euro wurde mit der erhöhten Mobilität von Arbeit und Kapital innerhalb Europas geworben. Das ist sein erklärtes Ziel. Der Fortbestand der Nationalstaaten hängt dann davon ab, wie sehr sich das mit der wirtschaftlichen Entwicklung vereinbaren lässt.

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AufJedenFall 13.10.2017, 14:32
27.

Der Artikel könnte auch von einem catalanen stammen der ausreden sucht. Genau, die Separatisten waren nur so stark, da es ihnen nicht schnell genug wieder gut ging. Und es ist ja nicht so, dass sie das Argument "wir bezahlen zu viel" immer wieder rauskramen, wobei das ja gar nicht so stimmt. Außerdem wollen sie ja auch in der EU bleiben, die der Grund für die Separatistischen Bestrebungen sein soll? Das klingt wie gesagt, nach jemanden der von seinen eigenen Fehlern ablenken will und sich eines Sündenbockes namens EU bedient. Die Wahrheit ist ganz simpel: ein paar machtgeile Nationalisten haben genügend Leute flusen im den kopf gesetzt, dass es katalanien als eigener staat besser gehen würde, auch mit romantischen Begründungen wie 'Freiheit'. Die spanische Regierung hat semi optimal darauf reagiert in den Jahren und schon hat man so einen Konflikt. Da muss man nicht großartig andere schuldige suchen. Natürlich hatte die Krisenbewältigung der EU einen Einfluss, aber sicherlich nur einen marginalen.

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alodi 13.10.2017, 14:36
28. Dem ist (fast) nichts hinzuzufügen

Zitat von GSYBE
Meine Hochachtung Herr Fricke, endlich erklärt mal jemand den Betrachtern in klar verständlichen Worten, was die Austeritätsdoktrin von Merkel und Schäuble tatsächlich in Europa angerichtet hat und anrichtet. Danke.
...außer eine Quellenangabe des DIW:

https://www.diw.de/de/diw_01.c.553175.de/themen_nachrichten/die_austeritaetspolitik_in_spanien_portugal_und_it alien_war_kontraproduktiv.html

Natürlich sind solche Vorgänge nie monokausal, aber die deutsche Rolle ist nicht von der Hand zu weisen.

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GSYBE 13.10.2017, 14:37
29. es ist wahr

Zitat von spon-1269800649157
So ein Unsinn! Ich habe zwei Kinder im schulpflichtigen Alter in einer öffentlichen katalanischen Schule. Alle Lehrer Mitglieder der ERC? Eine haarsträubende Behauptung und kompletter Unfug. So wie die ganze Rede von Guerra noch mehr Öl ins Feuer gegossen hat und ihn an den rechten Rand der Sozialisten gerückt hat. Er hat darin námlich die Entmachtung der Regionalregierung (Artikel 155 der spanischen Verfassung) und den Einmarsch der Armee ins Spiel gebracht. Ausserdem hat er die übermässigen Polizeigewalt am 1. Oktober gerechtfertigt, die mittlerweile sogar die HRW kritisiert hat. Indoktrination an den katalanischen Schulen? Da kann ich nur lachen und da ist mal wieder jemand uf die Propaganda der Gegenseite reingefallen. Schon mal die Tweets der Policia Nacional gelesen? Da wird einem schlecht.
Der Forist hat die Wahrheit geschrieben, da können Sie soviel lachen wie Ihr Zwerchfell hergibt.

Wir leben seit über 20 Jahren in Spanien und die - glaubhaften! - Erzählungen haben wir schon zig-mal gehört....imer aus unterschiedlichen und seriösen Quellen.

Allerdings habe ich das starke Gefühl, dass der Grundtenor Ihres Beitrages eher nicht objektiv ist.

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