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Kauf von Staatsanleihen 1975: Als die Bundesbank ein Tabu brach
dpa

Die Bundesbank lehnt es strikt ab, dass die EZB Staatsanleihen aus Krisenländern kauft, und warnt vor einem Tabubruch. Doch eine Analyse der BNP-Paribas zeigt: Die deutschen Währungshüter sahen das früher anders - und kauften im Sommer 1975 selbst Anleihen in Milliardenhöhe.

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zudummzumzum 08.08.2012, 16:34
60. Und wieder die großen Vereinfacher ...

Zitat von sysop
Die Bundesbank lehnt es strikt ab, dass die EZB Staatsanleihen aus Krisenländern kauft, und warnt vor einem Tabubruch. Doch eine Analyse der BNP-Paribas zeigt: Die deutschen Währungshüter sahen das früher anders - und kauften im Sommer 1975 selbst Anleihen in Milliardenhöhe.
1975 galt das Wort von Helmut Schmidt: Lieber 5% Inflation als 5% Arbeitslose. Man hat also durchaus wissentlich in Kauf genommen, wovor wir heute paranoide Angst zu haben scheinen.
Schaut man sich die Zeitreihe an, hatten wir damals alles Andere als „Geldwertstabilität“, sondern eine jährliche Geldentwertung von 4 bis 5% - bis wir Ende der 80er Jahre (!) mal kurz im heutigen Zielkorridor von 2% angekommen waren. Trotz der permanenten Aufwertung der DM gegenüber fast allen anderen Währungen, was ja bekanntlich inflationsmindernd wirkt in einem Land mit Exportüberschüssen. Und so weiter ...

Von daher wäre es wirklich nicht der Weltuntergang, wenn die EZB, im Gegenzug zu Reformen, den WP-Markt der Problemstaaten stabilisiert – und wenn das mit einem geringen Anstieg der Inflation bezahlt würde. Schließlich gelten die 1970er doch in unserer „gefühlten Zeitrechnung“ als gute Jahre, und Helmut Schmidt, der damals unser geliebter Bundeskanzler war, erfreut sich noch heute größter Wertschätzung.

Bloß nicht anfangen nachzudenken ...

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plleus 08.08.2012, 16:45
61. SEltsam

Zitat von silverhair
.......- all das wird vollkommen unwichtig in dem Moment wo dem Bäcker auch nur der Geringste Zweifel kommt das er mit ihrem bunten Scheinchen morgen noch den weizen kaufen kann - dann ist mit "Geld" nichts , aber auch nichts mehr anzufangen - und genau da steht europa genauso wie 1975 nicht nur Deutschland!
Lassen Sie mich mal kurz ueberlegen - Nein, ich hatte 1975 keine Probleme mit dem Geldwert (und auch nicht beim Baecker).
Allerdings habe ich heute ein Problem damit, fuer die Schulden anderer Laender aufzukommen. Anschliessend wuerde wohl das kommen, was Sie hier beschreiben.

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jan161168 08.08.2012, 16:46
62. Damals war dann auch die Inflation höher

Zitat von muellerthomas
Das Geldmengenwachstum war zu Bundesbank-Zeiten deutlich höher als in den letzten zwei Jahren.
Damals hatten wir dann auch über 5% Inflation und Hypothekenzinsen von 13 %. Ich denke auf eine Wiederholung verzichten hier die meisten gerne.

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DerMittelfeldspieler 08.08.2012, 16:51
63. Was es nicht alles gibt.

Zitat von sysop
Die Bundesbank lehnt es strikt ab, dass die EZB Staatsanleihen aus Krisenländern kauft, und warnt vor einem Tabubruch. Doch eine Analyse der BNP-Paribas zeigt: Die deutschen Währungshüter sahen das früher anders - und kauften im Sommer 1975 selbst Anleihen in Milliardenhöhe.
Was hier "herausgefunden" wurde, ist doch was völlig anderes. Es handelte sich um deutsche Anleihen von deutschen Unternehmen mit deutscher Währung in Deutschland. Und für Verluste hätten wiederum auch nur Deutsche gehaftet. Diese Kampagne ist nicht als eine Schlammschlacht und Einmischung in innere Angelegenheiten. Sonst könnte man auch mal die Vorgehens- und Arbeitsweisen der anderen EU-Länder 50 Jahre zurückverfolgen. Womöglich findet sich auch was zu stänkern.

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westpfälzer 08.08.2012, 16:52
64. Die

Zitat von adal_
Der Euroclub ist auch EIN Währungsraum. Das ist die Parallele, was sonst?
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DEUTSCHE Bundesbank hat DEUTSCHE Staatsanleihen gekauft! Die Haftung lag letztendlich beim DEUTSCHEN Steuerzahler!!
Der Unterschied zur EZB, etc., d.h., zu heute, müsste eigentlich JEDEM mit einigermaßen gutem Willen einleuchten! Es sei denn, sein Land, seine Nation wäre der Nutznießer.

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westpfälzer 08.08.2012, 16:53
65. Dies

Zitat von ernie78
es eine innenpolitische Sache. Heute soll die Bundesbank für die Verschwenderei anderer Länder den Kopf hinhalten. Das ist ein großer Unterschied.
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will aber offensichtlich nicht jeder begreifen. Frage: Warum ist dies so?

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westpfälzer 08.08.2012, 16:59
66. Wir

Zitat von sichersurfen
Stimmt. Und Herr Sinn prognostizierte 2002, daß Deutschland mit dem Euro weiter der "kranke Mann" Europas bliebe. Spricht einiges dafür, daß für uns der Euro nicht so schlecht war. Haben wir doch profitiert? Jedenfalls werden wir den Euro ja wohl dauerhaft behalten.
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von den Strukturreformen profitiert!

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heldenmut 08.08.2012, 17:48
67.

Zitat von zudummzumzum
1975 galt das Wort von Helmut Schmidt: Lieber 5% Inflation als 5% Arbeitslose. ... Von daher wäre es wirklich nicht der Weltuntergang, wenn die EZB, im Gegenzug zu Reformen, den WP-Markt der Problemstaaten stabilisiert – und wenn das mit einem geringen Anstieg der Inflation bezahlt würde. Schließlich gelten die 1970er doch in unserer „gefühlten Zeitrechnung“ als gute Jahre, und Helmut Schmidt, der damals unser geliebter Bundeskanzler war, erfreut sich noch heute größter Wertschätzung. Bloß nicht anfangen nachzudenken ...
Ihre gefühlten guten Jahre waren gar nicht so gut. Wir hatten dank H. Schmidt nicht nur 5 % Inflation sondern auch 5 % Arbeitslose. Unter Schmidt hat sich die Neuverschuldung verachtfacht! Nötig sind Strukturreformen in der überschuldeten Ländern, eine Stabilisierung der WP-Märkte ginge nur zu Lasten deutscher Steuerzahler, die für die angekauften Anleihen hafteten. Die DM wurde uns genommen mit dem Versprechen, dass die Maastrichtkriterien eingehalten werden. Die Verträge wurden vielmals gebrochen. Haben Sie etwa Vertrauen, dass Reformen in den Nehmerländern tatsächlich stattfinden und der Vollzug kontrolliert wird mit allen Konsequenzen? Ich nicht! Man will nur unser Geld haben, zu sagen haben wir schon längst nichts mehr in der EZB, deren Rat wird von den Bertretern der Pleiteländer dominiert. Die reine Idiotie!

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provinzialer 08.08.2012, 17:49
68. Der Grundtenor ...

schliesst sich glücklicherweise nicht der "BNP Analyse" an, sondern sieht es nüchtern. Es sind zwei verschiedene Situationen, "damals" hat ausschliesslich Deutschland gehaftet, heute sollen es alle EUR Länder sein. Damals handelte es sich um eine einmalige Aktion, heute ist es die xte ... aber schauen wir uns die BNP Paribas einfach selbst mal an. Sie würde von der Aktion "EZB kauft Schrott" profitieren, da sie über den Sekundärmarkt ihre Anleihen dorthin verkaufen könnte. Da BNP wohl auch der größte Inhaber von Staatsanleihen in Frankreich ist, sehe ich diese "Analyse" als reines Propagandainstrument an ... SPON täte tut daran, einfach einige Sätze über Hintergründe dazuzuschreiben und nicht einfach solche Schriftstücke 1:1 zu übernehmen, da geht man einfach mal auf die BNP Webseite und schaut unter Investors & Shareholders die Slides of the presentation, Seite 44 und uuups ... die BNP hat ja italienische Anleihen im Wert von 11,2 Mrd EUR stehen :-)

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E0Neun 08.08.2012, 17:51
69. Der Unterschied

ist, daß die Bundesbank das selbst und nicht mit fremdem Geld finanziert hat. Sie hat auch niemand sonst aufgefordert, sich zu beteiligen. Im Gegensatz dazu wurden beispielsweise während der Regierungszeit Schmidts die Italiener durch direkte Kredite Deutschlands gestützt. Aber, das zählt ja alles nicht mehr, seit das vierte Reich sie in ihren Alpträumen verfolgt.

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