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Kaufhäuser in der Krise: "Da hängt der gleiche Anzug zwei Jahre an der gleichen Stell
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Karstadt und Kaufhof verhandeln über eine Fusion, um im Wettbewerb mit Amazon oder Primark endlich bestehen zu können. Ex-Karstadt-Manager Gert Hessert erklärt, was das für Innenstädte und Mitarbeiter bedeutet.

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Hennes Bock 06.09.2018, 17:29
140. Nischen und Konsumtempel

Auch wenn die Zeiten für den innerstädtischen Handel insgesamt aufgrund von Fahrverboten, hohen Pargebühren etc. immer schwieriger werden dürften im Wettbewernb mit dem Onlinehandel, so kann das Warenhaus, wenn es die richtigen Nischen bestzt und ein sinnlich wahrnehmbares Kauferlebnis bietet doch überleben. Wer je im KaDeWe, insbesondere in der Lebensmittelabteilung, war, wird verstehen was ich meine. Hochwertige und frische Lebensmittel die ich im normalen Discounter ansonsten nicht und erst recht nicht in dieser Güte und Vielfalt finde. Zu den Delikatessen gesellen sich kleine Inseln in denen man frisch zubereitete Lebensmittel genießen kann. Das lockt, zumal in den Großstädten, das Publikum. Wer Gehobenes und Frisches abseits von Lidl und Co sucht, geht in das Warenhaus. Dieses muß wieder werden was es einmal war, ein Konsumtempel. Dann überlebt es.

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Spiegulant 06.09.2018, 18:10
141. Otto, Neckermann, Quelle, ...

Diese Versandhändler hatten teils auch Filialen und von jeher über ihr Versandgeschäft einen großen Kundenstamm. Wie kann es dann sein, dass Amazon ihnen in nur 20 Jahren praktisch alle Kunden abgenommen hat? Wie konnte es kommen, dass ein völliger Neuling wie Amazon die angestammten Versandhändler derartig überrundet? Wie konnte es kommen, dass ein Neuling wie Zalando derartigen Erfolg hat? Zalando macht ja eigentlich auch nichts anderes als Quellekatalog... (halt nur für Kleidung).
Irgendwas müssen die neuen Online-Händler wohl richtig machen und die angestammten Häuser wohl falsch machen.

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PrimeraDeMiro 07.09.2018, 11:17
142. Keine oder schlechte Beratung und oft findet man das gesuchte nicht.

Tja, durch die extreme Personaleinsparungen, wird es wohl noch schlechter mit der Kundenberatung, da findet man im Internet wenigstens gute Beschreibungen zu den Artikeln die man sucht. Nebenbei ist es auch richtig, das man oft das gesuchte nicht mehr im Kaufhaus erhält. Als Beispiel: Ich bräuchte nur schnell einen Schraubenzieher, sowas ist in einem Kaufhaus nicht mehr zu finden, dafür muss ich dann in einen Baumarkt fahren. Wer bitte fährt für einen einzigen Schraubenzieher zum Baumarkt? Neeee, da bestelle ich lieber im Internet. Kaufhäuser sind leider schon lange nicht mehr das was sie waren, früher ging man in ein Kaufhaus und besorgte sich alles was man benötigt, heute muss man mindestens 3-5 weiter Geschäfte abklappern um die nötigen Dinge zu kaufen. Die Kaufhäuser können noch so schicke Regale haben wie sie wollen, wenn ich das was ich suche, dort nicht finde, bestelle ich im Internet. Geht einfach schneller.

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PrimeraDeMiro 07.09.2018, 11:25
143. Nicht jeder hat die Zeit zum gemütlichen Shoppen.

Zitat von spon-41d-frm9
für mich kommt online shoppen überhaupt nicht in Frage. Ich geniesse es durch München zu schlendern, die Sachen anzufassen und wenn mir was gefällt in Bar zu bezahlen, und nach meinem Streifzug mit dem Radl wieder heimzufahren. Mich stört es nicht an der Kasse anzustehen, und auch nicht, wenn ich mal nichts finde. Schade, dass der Onlinehandel und die zunehmende Bequemlichkeit der Menschen das alles kaputt macht. Leere Läden in den Städten, die Meere mit voll mit Plastikmüll, und keiner wills gewesen sein. Ich behalte meine Einkaufskonzept solange bei wie es geht. Erst wenn die letzten Läden zugemacht haben werde ich umsteigen
KLar, wenn ich Zeit hätte, würde ich auch gerne gemütlich schoppen, aber viele haben die Zeit nicht und da hat fast jeder Einlauf mit Stress zu tun, vor allem dann, wenn man nach bestimmten Artikeln suchen muss. Das mal ein Artikel nicht da ist kann passieren, aber inzwischen sind oft viele Artikel nicht mehr vorhanden. Abgesehen davon ist ein Kaufhaus inzwischen kein Kaufhaus mehr, sondern lauter Shops in Shops, sorry, von einem Kaufhaus erwarte ich da etwas anderes.

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Emil Peisker 07.09.2018, 13:37
144. Es gibt Vorbilder...

Zitat von hoeffertobias
... und wirklich letzte Chance ist die Bündelung des Onlinehandels mit den Filialen. Online aussuchen, in den Filialen abholen, online aussuchen, bei Bedarf in den Filialen (zusätzlich) beraten lassen und online aussuchen, in den Filialen zurück geben oder umtauschen. Dazu die Möglichkeit, die Produkte anzufassen. Warum deutsche Unternehmen diesen Vorteil bisher nicht genutzt haben, bleibt mir ein Rätsel. Für viele Produkte macht das zugegebener Maßen keinen wirklichen Sinn. Trotzdem die einzige Möglichkeit, gegen den fast schon perfektionierten Onlinehandel von Amazon anzukommen.
Die zu Otto gehörende Textilkette "Witt-Weiden", ca. 100 Filialen, bieten genau das. Online aussuchen, in die nahe gelegene Filiale liefern lassen, oder Online bestellte Ware über die Filiale zurückgeben.
Online und Filiale arbeiten hier zusammen, hohe Kundenzufriedenheit.

Dabei ist die Materialqualität bei dieser Kette sehr gut, viele deutsche Fertigungen. Daher sind die Preise etwas höher als z.B. bei der Chinafiliale Kick.

Außerdem ist die Entlohnung der Mitarbeiter an Tarifverträge gebunden. Trotzdem erzielt die Otto-Tochter jährlich Gewinne, obwohl der Textilmarkt unter einem dauernden Margendruck steht.

Wenn schon der Branchenliebling Zalando denkt 70% Rabattaktionen machen zu müssen, erkennt man, dass billigste Chinaerzeugnisse von schlecht bezahlten Mitarbeitern in Deutschland, die Preismarken setzen, die der deutsche Käufer auch bei höherwertiger Ware erwartet.
Nur durch sehr gezielte Auswahl der Qualität und passendem Schnitt, gepaart mit kundenfreundlichem Service, ist der qualitätsbewusste Kunde bereit diese Angebote anzunehmen.

Nun muss man auch wissen, dass diese Textilkette Witt-Weiden schon immer nur die Kundschaft 40+ bedient hat.
Hipster wie Zalando z.B., sind auf eine buntere Kundschaft angewiesen.

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Braveheart Jr. 09.11.2018, 12:06
145. Ich will nicht in den Chor einstimmen ...

... der jetzt auf dem Management rumhackt. Sicher, da wurde viel verbrannt (gell, Herr Middlehoff?) aber insgesamt scheint mir die Kaufhausproblematik nur Teil einer größeren Misere zu sein. Wenn ich mir alte Photos anschaue, dann ist in den Straßen hier und da mal ein Geschäft. Heute sind da durchgängig Ladenfront neben Ladenfront. Und warum? Weil Geschäftsräume so schön viel Miete einspielen - viel mehr als Wohnraum! Und natürlich will jeder Hausbesitzer sein Stück vom Kuchen! Und weil wir in Deutschland ja das "Glück" hatten, daß ein beträchtlicher Teil unserer Innenstädte plattgemacht wurde, ließ ein großzügiger Neuaufbau die vorhandene Verkaufsfläche explodieren. Was aber vor sechzig Jahren als Chance für den mutigen Einzelhändler gesehen wurde, ist heute nicht mehr zeitgemäß - wer braucht noch Briefmarkenhändler, Hutgeschäfte bzw. Putzmacher, Fachhändler für Eisenwaren ... oder eben Warenhäuser? Als der erste Kaufhof in Düsseldorf eröffnet wurde, kamen die Menschen aus Wuppertal und Mönchengladbach um zu schauen, zu staunen ... und zu kaufen. Die Zeiten sind aber vorbei. Warenhäuser sind so etwas wie Innenstadt-Zirkusse; Und wann waren Sie, verehrte Foristen, das letzte Mal in einem Zirkus? Karstadt und Kaufhof sind Namen wie Zirkus Krone oder Sarrasani - für meine Generation noch mit nostalgischen Erinnerungen verknüpft. Und ansonsten reif für den Abfallhaufen der Geschichte. Und wenn man bedenkt, wie viele Innenstadt-Immobilien heute Banken und Fondgesellschaften gehören - tja, da werden wohl ein paar heftige Wertberichtigungen fällig!

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antilobby 09.11.2018, 15:15
146.

Zitat von spon-41d-frm9
Schade, dass der Onlinehandel und die zunehmende Bequemlichkeit der Menschen das alles kaputt macht. Leere Läden in den Städten, die Meere mit voll mit Plastikmüll, und keiner wills gewesen sein.
Autofreie Innenstädte werden propagiert und zum Teil durch Verteuerung und Behinderung des Autoverkehrs realisiert. Man konnte sich nur nicht vorstellen dass die autofahrenden Kunden auch weggeblieben sind.
Es ist schön für Sie die Innenstadt per Fahrrad erkunden zu können, ohne Parkplatzsuche oder Parkgebühren. Nur können die Läden offenbar nicht von Ihresgleichen (über)leben.

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antilobby 09.11.2018, 16:21
147.

Zitat von MatthiasPetersbach
Das wahre Auslaufmodell ist wohl das Verpachten von überteuerten Ladenflächen.
Das wird sich irgendwann wieder ausgleichen. Wenn das letzte Kaufhaus in der Fussgängerzone geschlossen ist und die Immobilien leersteht, muss auch die Miete wieder auf ein erträgliches Niveau sinken.

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antilobby 09.11.2018, 16:29
148.

Zitat von Inaccurate
nein ich habe keinen ganzen Samstag Zeit, mich von einen Kleidungsladen in den nächsten zu bewegen. Ich habe da noch mehr auf dem Zettel, da ich nun mal in der Woche dazu gar nicht komme, wegen meiner Arbeit.
Manchmal entsteht der Eindruck dass die Öffnungszeiten der Laden noch in der Vergangenheit steckgeblieben sind als die Hausfrauen tagsüber den Haushalt inkl. Einkauf erledigt haben.
Auch wenn manche behaupten, dass die Erwerbstätigkeit der Frauen zur Verdopplung des Angebots an Arbeitskraft führt und somit zu sinkenden Gehältern, die Zeit lässt sich nicht mehr zurückdrehen.

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