Forum: Wirtschaft
Keine Rettung: Lasst VW pleitegehen - und helft den Arbeitnehmern
DPA

Der Abgasskandal wird VW viel Geld kosten. Statt zu helfen, sollte die Bundesregierung den Konzern in die Insolvenz schicken - und mit einem staatlichen Unternehmen in Zukunftstechnologien investieren.

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broväsor 06.11.2015, 18:59
360. Unlösbare Aufgabe

Herr Münchaus Vision klingt zunächst ja ganz nett, doch realistisch betrachtet ist die Bildung eines Elektroauto -Konzerns nicht machbar. Hätte es irgendein Autohersteller geschafft, ein für die Massenproduktion taugliches Serienauto zu entwickeln, wäre es längst auf dem Markt. Offenbar scheinen die Probleme bei der Bewältigung dieser Aufgabe doch größer zu sein als allgemein angenommen wird. Leistungsfähige Akkus, Reichweite oder die erforderliche Infrastruktur... - ungelöste Probleme, die sich nicht von heute auf morgen nach einer Neubildung VW´s lösen ließen. Wie soll es weitergehen, wenn die Konkurrenz zwischenzeitig eine nahezu unschlagbare Lösung für diese Probleme präsentiert? Und was ist mit den Tochterfirmen Audi, Porsche, Seat..? Wo sollen Hunderte Milliarden Euro herkommen? Fragen über Fragen.

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herr wal 06.11.2015, 18:59
361.

Zitat von nachtmacher
Die eigentümliche "Eignerstruktur" bei VW ist das Ergebnis jahrzehntelanger Kungelei von Gewerkschaften, Politikern und zweier Familienclans... Wo kamen Schröder, Harz und Riester gleich nochmal her? Und mit staatlichen Unternehmen als Technologieführer hat Deustchland ja auch so seine Erfahrungen. Wartburg? Trabant?
Und nicht zu vergessen der Kraft-durch-Freude-Wagen, später auch als „Käfer“ bekannt. Mein erster war hochmodern, der hatte schon kein BrezelFenster mehr. Und Blinker hatte er, statt Winkern. Und Winterreifen, die auch nötig waren, denn damals lag manchmal Schnee auf den Straßen. Also, gegen staatliche Wirtschaftsbeeinflussung kann man damit wohl nicht argumentieren. Auch wenn die StaatsMänner, denen wir Käfer – und Autobahn – ursprünglich verdanken, naja ist schon klar, glaube ich.

https://de.wikipedia.org/wiki/KdF-Wagen

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ulijoergens 06.11.2015, 19:09
362. Super Idee, Staatsunternhemen Technologien entwickeln zu lassen

Zu welchen Ergebnissen das führt, hat ja schon die DDR gezeigt:
Der Trabant war ja nun in keinerlei Hinsicht eine technologische Glanzleistung, genauso wenig wie frühere Ostdeutsche Informationstechnologie.
Für die Erforschung von Technologien, die der Allgemeinheit dienen, gibt es reichlich Universitäten, da muss man kein Staatsunternehmen Gründen. Und um die Technologien dann zur Anwendungsreife zu bringen gibt es dann Unternehmen, zu denen dann Volkswagen in Zukunft vielleicht nicht mehr gehören wird.
Teile von Volkswagen werden aber sicher selbst im schlimmsten Fall als wieder eigenständige Marke weiterleben und sicher auch Erfolg haben.
Es gibt ja auch noch andere erfolgreiche Autobauer in Deutschland und in Europa.

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spon-41p-ajr9 06.11.2015, 19:11
363. so ein Unsinn

Wie soll denn der Staat ein Unternehmen in die Insolvenz schicken, das über so hohe Barmittel verfügt, nicht überschuldet ist, den Staat (noch) nicht um Hilfe gebeten hat? Zum Konzern gehören einige hochprofitable Unternehmen, die auch im Bereich der Forschung & Entwicklung Weltklasse sind. Der Ruf nach Elektroautos passt zu diesem Stumpfsinn. Und der Mann hat Bücher zur Finanzkrise geschrieben? Muss man wahrscheinlich nicht lesen.

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mariendistel 06.11.2015, 19:14
364. Sie haben zumindest teilweise recht

Auch wenn ich Spekulationen über eine mögliche Pleite VWs für verfrüht halte, so haben Sie doch zumindest teilweise recht:
Wenn der Staat Gelder in ein systemrelevantes Unternehmen pumpt, dann soll er dafür eine Gegenleistung erhalten, in Form von Aktien o. ä. Ein neues oder erneuertes, ganz oder teilweise dem Staat gehörendes Unternehmen: warum nicht? Mir sind solche "sozialistischen Elemente" lieber als die neoliberalistisch-sozialistische Rosinenpickerei, wo die Steuerzahler den systemrelevanten Aktionären ihre Dividenden finanzieren, aber im Gegenzug nicht an den Unternehmensentscheidungen teilhaben dürfen und nicht an den Unternehmensgewinnen beteiligt sind.

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soenke72 06.11.2015, 19:19
365. Staatliche E-Autos - Ist das ernst gemeint Herr M???

Der These, das der Staat keine Firmen retten sollte, stimme ich 100%ig zu. Aber der ganze Rest des Textes sind eine Reihe großer und leider verbreiteter Fehlschlüsse.
Erstens sollten bei einem so großen und wertvollen Konzern immer Folge-Unternehmen aus der Insolvenz hervorgehen können, die den größten Teil der Beschäftigten übernehmen.
Zweitens war es bislang leider fast immer eine Verschwendung, wenn der Staat meint, es besser als Unternehmen machen zu können. Die Liste ist so lang wie prominent.

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Havel Pavel 06.11.2015, 19:20
366. Was soll so eine dumme Aussage?

Helfen kann man den VW Mitarbeitern nur indem man sich bemüht die Missstände bei VW so schnell es geht zu beseitigen, die Verursacher ausfindig zu machen und zur Verantwortung zu ziehen und wenn nötig konsequent gegen neues Personal auszutauschen. Wo sollten man denn die bei VW angestellten Mitarbeiter denn um Himmels willen alle unterbringen falls Volkwagen untergehen sollte? Darunter sind etliche hochrangige Experten die man nicht so ohne weiteres wie einen Politiker an irgendeine andere Stelle setzen kann.
Wie auch in vergleichbaren Fällen schon geschehen, wird man nun auch bei VW alles auf die Goldwaage legen und jeden noch so kleinen Anfangsverdacht einer Verfehlung sofort lauthals mit entsprechender Ausschmückung reisserisch publizieren. Aber irgendwann lässt das Medieninteresse und auch das Kundeninteresse daran bis hin zur Bedeutungslosigkeit nach. Natürlich muss VW nun liefern und damit beweisen, dass sie auch für hochwertige, ehrliche und fortschrittliche Technologien fähig sind. Wenn dies alles mit Elan und Engagement zügig angegangen wird könnte VW aus der Krise künftig sogar gestärkt hervorgehen. Natürlich wird dies über Jahre enorme finanzielle Belastungen verursachen und die Rentabilität in dieser Zeit enorm darunter leiden. Hiermit rächen sich halt die Einsparmassnahmen die man mit der Schummeltechnik erzielt hat, bzw. erzielen wollte, gleich mehrfach.

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Dustinthewind 06.11.2015, 19:21
367.

Zitat von eIenJnEar
Ich habe selten so eine wirre Forderung gehört, auf welcher Sphäre schweben Sie Herr Münchau? Sie stellen hunderttausende Mitarbeiter unter Generalverdacht, wollen Sie "sippenhaftmäßig" für die Verfehlungen des Managements bluten lassen... Meinen Sie das Ernst? Ich sage Ihnen, was Ihre Aufgabe als ehemaliges "Sturmgeschütz der Demokratie" wäre: Forderung nach konsequenter Bestrafung der Manager, allen voran Herr Winterkorn. Aufdeckung der illegalen Verstrickungen von Politik und Wirschaft. Gerichtsprozesse wie in Island, in dem nach der Bankenkrise unzählige Manager inhaftiert und zur Rechenschaft gezogen wurden. Dazu sollten die Medien Staatsanwaltschaft und Co. treiben. Leider liest man davon nichts. Schade. Nach der ganzen Realitätsverweigerung der letzten Monate, bin ich mir nun 100%ig sicher, dass die Kündigung meines Spiegelabos genau richtig war.
In Deutschland haben Gerichte grundsätzlich ein Problem, die Mächtigen und Entscheidungsträger anzupacken, meines Eindrucks nach. Die Anklagen gegen einzelne Vertreter der Wirtschaft wie Middelhoff oder Manager der deutschen Bank sind da eher rühmliche Ausnahmen.

Versuchen Sie erst mal als Einzelner gegen ein Präsidium oder höhere Beamte vorzugehen, die zu Ihrem Nachteil irgendwelche fragwürdige Entscheidungen getroffen haben.

Sie werden gegen eine Phalanx anlaufen. Oder an den Prozesskosten ersticken.

Recht haben und Recht bekommen sind in Deutschland zwei paar Schuhe.

Der Staat kontrolliert dann, wenn es ins Kalkül passt, ansonsten folgt er einer rein utilitaristischen Logik, selbst da, wo man mehr erwarten könnte, bei den Richtern und den Staatsanwälten.

Dass die Behörden bei Volkswagen nicht eingegriffen haben, kann ich mir auch nur so erklären, dass eben "nicht sein konnte, was nicht sein durfte", konkret also die Unzulänglichkeit des Saubermannimages, und man auch gar keine Notwendigkeit sah, dort genauer nachzusehen, solange die Steuermilliarden geflossen sind. Außerdem mutmaße ich symbiotische Beziehungen zwischen der Behörde und dem Wirtschaftsunternehmen.

Der Staat und seine Vertreter sind KEINESWEGS immer so neutral, wie es der Habitus des Berufsbeamtentums den Einen oder Anderen glauben lassen mag.

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out_of_chicago 06.11.2015, 19:24
368. Too Big to Fail

Ob man es mag oder nicht, VW (VAG) ist einfach zu gross um es in die Insolvenz oder gar in den Bankrott rutschen zu lassen. An VW haengen eine ganze Reihe von kleineren Zulieferer. Diese kleineren Firmen beliefern auch die anderen Hersteller mit wichtigen Teilen, sollte aber VW ausfallen, dann geraten die ins Straucheln. Bei den duennen Margen welche die Hersteller den Lieferanten lassen, kann schon der Ausfall eines Herstellers das endgueltige Aus bedeuten, und damit wird ein Dominoeffekt losgetreten der dann auch GM, Ford, Toyota etc. hart treffen wuerde. Die sind gerade genau so nervoes wie VW und habe absolut kein Interesse an einem Untergang von VW. VAG kann auch nicht zerschlagen werden und AUDI, SEAT, etc. verkaufen. Zu viele Patente sind bei der Produktion notwendig die im ganzen Konzernverbund benutzt werden, das ist halt der Nachteil einer gemeinsamen Plattform. Aus diesem Grund konnte GM auch nicht Saturn oder Oldsmobile verkaufen, sondern hat die Marken dichtgemacht, der Versuch mit SAAB ging schief. Letzendlich ist die Idee von der 'Schoepferischen Zerstoerung' halt doch nur eine Idee mit wenig Bezug zur Realitaet.

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captain_friday 06.11.2015, 19:29
369. Maßhalten in der Beurteilung des Fehlverhaltens !

Das Fehlverhalten seitens des Unternehmens Volkswagen steht außer Frage: Aus Profitstreben wurden nicht alle technischen Möglichkeiten realisiert, um die Umwelt zu schonen. Zudem wurden in krimineller Weise Aufsichtsbehörden und Kunden vorsätzlich getäuscht.

Aber: Welcher tatsächliche Schaden ist entstanden ?
Dem Weltklima ginge es nicht merklich besser, hätte VW mit seinen Motoren alle Grenzwerte erfüllt.
Sind die realitätsfernen Prüfszenarien überhaupt geeignet, das Klima zu schützen, wenn jeder Fahrer selbst über seinen Beitrag zum Klimaschutz mit dem Gasfuß entscheidet ?
Ironischerweise hat VW trotzdem einen Beitrag zum "Klimaschutz" geleistet, unterstellt man, daß mit jedem Neufahrzeug eine ältere "Dreckschleuder" am Ende verschrottet wird. Denn auch wenn aktuelle Grenzwerte nicht erreicht werden, unterschreitet der Schadstoffausstoß neuerer Modelle den der Fahrzeuge von vor 15 Jahre deutlich.

Der wirkliche Schaden ist bei VW entstanden. Dieser Schaden bezieht sich nicht vordergründig auf finanzielle Konsequenzen durch etwaige Strafzahlungen, sondern auf den unermesslichen Imageschaden des (noch) weltgrößten Automobilbauers und all seiner Marken. Diesen horrenden Imageschaden zu reparieren und finanziellen Schadenersatz bei den betroffenen Kunden zu leisten, das ist die Herkulesaufgabe vor der VW jetzt steht.

Einen noch viel größeren Schaden gilt es jetzt aber zu vermeiden: Durch unverhältnismäßige Strafzahlungen VW in die Insolvenz zu schicken. Dies würde bedeuten, einen bespiellosen volkswirtschaftlichen Schaden anzurichten und hunderttausende von Menschen weltweit in die Arbeitslosigkeit zu schicken.

Ist es das Wert? Soll an VW ein Exempel statuiert werden, und dem marginalen ökologischem Schaden ein drastischer volkswirtschaftlicher Schaden hinzugefügt werden ?

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