Forum: Wirtschaft
Klinikkonzern Asklepios: Ärzte warnen vor Risiken durch Personalmangel
imago

Engpässe in der Notaufnahme, alleingelassene Berufsanfänger: Beim Klinikkonzern Asklepios schlagen Internisten in Brandbriefen Alarm. Eine sichere Patientenversorgung sei "nicht mehr uneingeschränkt möglich".

Seite 10 von 17
Olli Ökonom 24.11.2018, 10:42
90.

Zitat von Spiegulant
Die CDU war es doch, die alles "privatisiert" hat. Von wegen "privatisieren", die Kronjuwelen des Staates wurden an die Heuschreckenkaste verschoben. Post, Bahn, Kliniken, Strom und Wasser - alles wurde den Heuschrecken zum Fraß vorgeworfen. Da braucht sich niemand wundern, wenn jetzt alles kahl gefressen ist, das Klinikpersonal bis über das erlaubte hinaus ausgedünnt wird, und Patienten wegen solcher Zustände sterben.
Im welchen staatlich geführten Krankenhaus, welches kein Uni-Klinikum ist, ist die Situation denn besser? Hirnlos auf die CDU einzudreschen bringt gar nichts, es disqualifiziert Sie nur. Ist es denn in linkssozialistischen Berlin, Thüringen oder Bremen besser? Nein!
Also hören bitte auf so hirnlos und ohne Argumente zu hetzen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
vetris_molaud 24.11.2018, 11:00
91.

Gut gemeint ist allzu häufig das Gegenteil von gut gemacht. Als in den 90ern die Sozialhilfe vor dem Kollaps stand, führte die Regierung die Pflegeversicherung ein und öffnete das bisher von Kommunen und Einrichtungen der Wohlfahrt getragene System dem Kommerz. Getragen vom Zeitgeist dachten die Politiker, dass die Privatwirtschaft alles besser kann. Wie man es am desolaten Zustand des Gesundheitswesen sehen kann, offenkundig nicht. Mit rein kosmetischen Reformmaßnahmen, mit unreflektierten Aktionismus versuchen die Gesundheitspolitiker den Eindruck erwecken, sie würden die Probleme ernsthaft angehen. Die einzigste Chance, die Misere anzugehen, würde in einer Rekommunalisierung des Gesundheitswesen bestehen. Alle in Hand von Konzernen befindlichen Kliniken des Krankenhausplans und Heime werden enteignet und den Kommunen zurückgegeben. Die Kommunen und Landkreise gründen auf Bundesland-Ebene eine Betreibergesellschaft des öffentlichen Rechtes, die die Einrichtungen künftig betreibt und ihr Personal nach ÖDTV bezahlen. Wegen den Enteignungen muss der Gesetzgeber den Schaden an der Gesundheit der Bevölkerung gegen den unrechtmäßigen Gewinn abwägen, um für die enteigneten
Konzerne eine adäquate Entschädigung zahlen zu können (ganz ohne geht nicht).

Solange jedoch die Gesundheitsmafia ihre Lobbyisten im Bundestag hat ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
shalom-71 24.11.2018, 11:03
92. Extremfall

Zitat von die-metapha
Der hier geschilderte Fall steht hier stellvertretend für die gesamte Kliniklandschaft in diesem Land.
Ein Bekannter aus dem Klinikbereich hat (schon vor mehr als zwei Jahren) in privater Runde erzählt, dass Asklepios nicht typisch ist, sondern ein Extremfall im Negativen. Er ist als Chefarzt von A. weggegangen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
diplpig 24.11.2018, 11:06
93. In einer Notaufnahme ...

spiegelt sich der ganze Wahnsinn des deutschen Gesundheitswesen.
Keine guten ambulanten Strukturen, so dass die Patienten wegen Nichtigkeiten das KH aufsuchen.
Unzumutbare Arbeitsbedingungen
Personalmangel - auch weil es gar nicht genügend Nachwuchs gibt
Eine Vergütung, die nicht ansatzweise die Kosten deckt
und zunehmend politische Forderungen (24/7 Verfügbarkeit von MRT etc.), die die KH in einen noch ruinöseren Wettbewerb treiben.
Und der MDK bzw. die Kassen streichen den Kliniken - nachträglich - Gelder in Millionenhöhe, wenn in der Dokumentation formale Dinge nicht erfüllt sind, die aber auch nicht ansatzweise etwas mit der Qualität der Behandlung zu tun haben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
horstenporst 24.11.2018, 11:25
94.

Was wir hier sehen ist das Ergebnis von Politik nicht im Sinne der Gesellschaft, sondern im Sinne der Mont Pèlerin Gesellschaft!
https://www.youtube.com/watch?v=vzUNwWpk6CE

Beitrag melden Antworten / Zitieren
h.m.Cool-b 24.11.2018, 12:36
95. Empört Euch! (1/2)

Mag sein, daß manch einer als Arzt geboren wurde. Dennoch bedarf es eines langen Studiums und einer jahrelangen Facharztausbildung, bis man eingehende Kenntnis von den Erkrankungen der Menschen erlangt und bis man gelernt hat, welche Bedürfnisse der Patient in seiner Situation und seiner Krankheit hat.

Kein Klinikmanager und auch kein Politiker wird je in der Lage sein nachzuvollziehen, was erforderlich ist, um gute, patientengerechte Medizin zu betreiben. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Fraglich ist, ob dieser Personenkreis ein Interesse daran hat, die zahllosen kritischen Probleme in unserem Gesundheitswesen zu anzugehen oder gar zu beheben. Und wenn sie denn wollten, ob sie es auch können?

• Warum sind so viel Patienten in den Notaufnahmen der Krankenhäuser?
Weil sie bei ihrem niedergelassenen Arzt keine Termine bekommen - oder weil es in ihrer Gegend keine Haus- oder Fachärzte mehr gibt.
• Warum bekommen die Patienten keinen Termin bei ihrem Arzt?
Weil diese/r, bedingt durch die "Kopfpauschale" oftmals keine Möglichkeit hat, für die Behandlung des Patienten auch nur einen einzigen Cent zu erhalten - er/sie muss nicht nur umsonst arbeiten, er/sie muss auch die Kosten für die Behandlung selber tragen. Erst im nächsten Quartal wird eine neue "Kopfprämie" fällig.
Kleines Beispiel gefällig: Für einen Hausbesuch bei einem (Kassen-) Patienten kann ein Arzt/eine Ärztin selten mehr als 25 € erlösen. Wenn dem Arzt/der Ärztin daheim oder in der Praxis aber ein Kühlschrank kaputt geht, berechnet der Techniker allein als Anfahrtspauschale für seinen "Hausbesuch" ein Mehrfaches dessen, was ein Arzt/eine Ärztin für einen kompletten Hausbesuch erwirtschaften kann.
• Warum gibt es in vielen Gegenden keine Ärzte/Ärztinnen mehr?
Ganz einfach: weil die Kosten für das Betreiben einer Praxis seit Jahren / Jahrzehnten regelmäßig steigen (Miete, Strom, Heizung, Tarifgehälter), die Erlöse für die Behandlung von Patienten aber seit Jahren / Jahrzehnten sinken oder - im besten Fall - nicht steigen. Die GOÄ, die gesetzlich verbindliche Gebührenordnung für die Behandlung von Privatpatienten und Selbstzahlern, stammt ganz überwiegend aus dem Jahr 1983. Der seit dem aufgelaufenen Teuerungsrate von rund 40% wurde zuletzt 1993 begegnet - vor 25 Jahren. Die ständig steigenden Kosten müssen die Ärzte aus eigener Tasche finanzieren (bitte bei Wikipedia nachlesen, das glaubt ja sonst wirklich niemand)!
• Warum sind die Notaufnahmen der Krankenhäuser mit dem Anstrom von Patienten überfordert?
Weil sie auch nur eine geringfügige Notfallpauschale für die Behandlung von Notfällen erhalten. Diese Vergütung ist nicht ansatzweise geeignet, die entsprechenden Kosten für Ärzte, Pflegepersonal, Infrastruktur und Behandlungskosten zu decken.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
h.m.Cool-b 24.11.2018, 12:38
96. Empört Euch! (2/2)

So lange die Politik nicht gewährleistet, daß Ärzte und Ärztinnen zumindest die Kosten für die Behandlung ihrer Patienten komplett erstattet bekommen (und zusätzlich auch ein bisschen Geld mit ihrer Behandlung verdienen), werden sich zwei Dinge nicht ändern:
1) daß immer weniger junge Ärzte/Ärztinnen die Praxen von in Rente gehenden Kollegen/Kolleginnen übernehmen.
2) daß die Ärzte/Ärztinnen die Behandlung ihrer Patienten an Behandlungsmethoden orientieren müssen, die zu Umsatz und Einkommen führen, da gleichwertige oder sogar bessere Behandlungsmethoden einfach nicht vergütet werden.

Hier wird nicht nur die medizinische Versorgung der gesamten Bundesrepublik mehr und mehr eingeschränkt, letztendlich wird die gesamte medizinische Infrastruktur kaputtgespart - in wie vielen ländlichen Gebieten gibt es schon keine Hausarzt- und Facharzt-Praxen mehr?

Die Patienten gehen dagegen nicht auf die Straße, aber sie haben auch einfach keine Kenntnis dieser Umstände (zumindest meine Patienten sind regelrecht perplex, wenn ich ihnen das erzähle). Die Gesundheitspolitik duckt sich schon seit Jahren weg - immer in der Hoffnung, daß das System die laufende Legislaturperiode noch übersteht.
Vielleicht sollten die Ärzteschaft tätig werden. Uns obliegt nicht nur die Gesundheit unserer Patienten. Vielleicht sollten wir auch unserer Verantwortung für den Erhalt einer funktionierenden medizinischen Versorgung unseres Landes gerechter werden. Die Gewerkschaft der Lockführer hat es uns vorgemacht.

Wenn es keine Ärzte mehr gibt und wenn die Infrastruktur erst einmal komplett zusammengebrochen ist, dann gibt es Nichts mehr zu retten - dann haben wir auf Jahre hinaus kein funktionierendes Gesundheitssystem mehr. Dann gibt es nur noch Medizin gegen Vorkasse. Ein Blick nach Portugal oder in die USA lassen erahnen, was dann auf uns zukommt.

Ich denke es ist nicht die alleinige Pflicht der Ärzte, Schlimmeres zu verhindern, aber vermutlich sind wir die einzigen, die es können.

Empört Euch!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
brasilpe 24.11.2018, 12:44
97. ... muss auch wegen Körperverletzung ermittelt werden.

Richtig. Das ist ein Ansatzpunkt, der weiterführen kann. Ob allerdings die überlasteten Staatsanwälte begeistert sein werden, ist eine andere Frage.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
brasilpe 24.11.2018, 12:59
98. Kürzer.

Zitat von thomas0815-1
Morgen die Post/DHL, gestern die Bahn ... . Überall die gleichen "Symptome": Privatisierung und Gewinnstreben produzieren desaströse Zustände. Tja, vielleicht ist das tollste aller Wirtschaftssysteme in Wirklichkeit nicht wirklich so toll - also für die Masse der Menschen. Die wenigen die davon profitieren finden das natürlich toll.
Kürzer kann man die deutschen Probleme nicht zusammenfassen. Der Extremkapitalismus hat abgewirtschaftet. Wir sollten zur s o z i a l e n Marktwirtschaft zurückkehren, wenn wir, d.h. wir alle, die 1 % und die restlichen 99 %, in Würde leben wollen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
brasilpe 24.11.2018, 13:09
99. Drg

Zitat von Dr.Snuggels
Der Bericht über die Hamburger Klinik ist nur die Spitze des Eisbergs. Das Krankenhaussystem in Deutschland verleitet mit dem DRG System dazu, dass lukrative Fächer, mit denen man Geld verdienen kann ausgebaut werden und Fächer, bei denen weniger Geld zu holen ist, da das Patientenklientel wenig DRG-Punkte einbringt, abgebaut werden. Die privaten Anbieter setzen das nur wesentlich konsequenter um, als das in den noch verbliebenen Häusern in bisher öffentlicher Hand auch passiert. Die Personalkosten werden als zu hoch angesehen. Dort sieht man das größte Einsparpotential. Ich sehe seit Jahren, dass die Anzahl der Kollegen, deren Überstunden nicht mehr bezahlt werden zunehmen, gleichzeitig wird durch Personalabbau im nichtärztlichen Bereich die Arbeit wieder auf den Arzt umverteilt. Der ist ja dank der unbezahlten Überstunden die günstige Arbeitskraft. Solang wir in Deutschland mit dem DRG-System und den auf Gewinn orientierten privaten Gesundheitsanbeitern arbeiten, müßen wir uns nicht wundern, wenn dieser Trend anhält. Es geht eben nicht, Gewinn zu erwirtschaften, wenn die Pauschale für den Fall meine Kosten nicht denkt. Das die Kollegen angesichts der Zustände das solange tolerieren wundert mich auf der einen Seite, auf der anderen wird gerade bei uns Medizinern zu häufig ein Helfer-Komplex ausgelöst und wir versuchen Dinge im Sinne der Patienten zu ermöglichen, auch wenn wir dadurch unsere „Freizeit“ in Form von unbezahlten Überstunden kompensieren. Ich finde diesen EInsatz heroisch. Das bringt nur auf Dauer nichts. Die Aufwandsentschädigung für die Teilnahme an der monatlichen Aufsichtsratssitzung der Krankenhauskonzere liegt deutlich über dem monatlichen Oberarztgehalt. Diese Ebene setzt die Ausdünnungen im Personal durch. Auf der Ebene wird keine „Freizeit“ verschenkt. Solange wir die Tatsache akzeptieren, dass in Krankenkenhäusern in der Management-Ebene Gesundheit als Ware und der Patient als Kunde bzw. Fallpauschale gesehen wird, werden wir eine Zunahme der im Artikel beschriebenen Zustände verzeichnen. Verwundert bin ich nur, dass es immer noch so viele ärztliche Kollegen gibt, die sich angesichts des Mangels an Ärzten auf dieses Spiel einlassen. In meinen Augen besteht meine Verantwortung als Arzt eben auch draus, dass ich die zu hohen Beastungen nicht mittrage und eben nicht bereit bin diesem Kostendruck zu folgen. Das geht. Aber dafür muss man viel früher an die Öffentlichkeit, bzw. schon bei Kleinigkeiten wie unbezahlten Überstunden nicht bereit sein sich ausnutzen zu lassen. Für die Patienten und Mitbürger kann ich nur hoffen, dass durch ein gesteigertes öffentliches Interesse an dem Problem ein politischer Handlungszwang entsteht. Die derzeitige Entwicklung ist eine mehr als nur bedenkliche.
Ich kenne die DLRG, aber was ist DRG? Was sollen solche Beiträge nur für Fachleute?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 10 von 17