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Klinikkonzern Asklepios: Ärzte warnen vor Risiken durch Personalmangel
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Engpässe in der Notaufnahme, alleingelassene Berufsanfänger: Beim Klinikkonzern Asklepios schlagen Internisten in Brandbriefen Alarm. Eine sichere Patientenversorgung sei "nicht mehr uneingeschränkt möglich".

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frenchie3 24.11.2018, 08:30
30. Wenn in einer Pommesbude

das Fett ranzig wird steht gleich ein Rattenschwanz an Sanktionen bereit. Wie wäre es mal mit einer Anzeige wegen der Verletzung Schutzbefohlener an die "ganz oben", Aufsichtsräte oder was die haben.

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eve70 24.11.2018, 08:31
31. Aus Ärztinnensicht

Als internistische Ärztin, die Erfahrung in verschiedenen privaten und konfessionell getragenen Kliniken, sowie auch im niedergelassenen Bereich und im Notdienst gesammelt hat: Das Problem ist so wie beschrieben flächendeckend tatsächlich vorhanden, aber es lässt sich nicht auf den einfachen Nenner Personalmangel bringen, welcher zweifellos eine große Komponente ist.
Aus ärztlicher Sicht erlebe ich: Frisch gebackene Assistenzärzte werden nicht mehr adäquat ausgebildet, sondern sind mit der Stationsarbeit in Form von Visiten, geringfügigen ärztlichen Tätigkeiten, Angehörigengesprächen, Briefe und zahllose Dolumentationen schreiben, sowie Teilnahme an Besprechungen (Frühbesprechung, Mittagsbesprechung, Tumorkonferenz, Qualitätskonferenz ...) völlig ausgelastet. Nachts stehen sie dann alleine in der Notaufnahme, wo sie die 1-2 echten Notfälle unter den 20-30 Patienten rausfischen müssen und schnell genug versorgen müssen (Oberarzt reinrufen, mit Fachklinik Kontakt aufnehmen, Notfalldiagnostik anleiern) und sich währenddessen oft massiv mit den Patienten, die stundenlang warten auseinandersetzen müssen. Dass ich nachts die Polizei dazurufen muss und mehr Sozialarbeiterin oder Psychologin als Ärztin bin, das nimmt zu!
Aufgrund des wirtschaftlichen Drucks und des Steigern der Fallzahlen existiert hier nämlich eine schizophrene Situation: Auch medial werden die Überlastungen der Notfallstrukturen im Gesundheitssystem immer mehr beklagt, sie sind aber von Kostenträgern durchaus so erwünscht und benötigt.
Die Anspruchshaltung, dass banalste Befindlichkeitsstörungen medizinisch beseitigt werden müssen, nimmt zu. Es sind einige, aus der Distanz gelesen, sehr witzige Bücher dazu auf dem Markt.
Junge Ärzte suchen schnell ihr Heil im Stellenwechsel, nur um auf immer dieselben Strukturen zu stoßen. Oft ist es so, dass sie am Ende ihre Facharztprüfung ablegen, ohne die Funktionen wie Endoskopie, Sonografie, Kathetern etc. adäquat zu beherrschen. Die Besetzung gibt einfach nicht mehr her, dass sich ein fähiger Oberarzt stundenlang mit dem Assistenten dafür Zeit nimmt. Den ambitionierten Medizinstudenten mit 1er-Abi ist sicher im Studium häufig nicht klar, dass die größte Gruppe unter den Patienten die geriatrischen Patienten sind, d.h. betagte und hochbetagte Menschen. Die Medizin, die diese Menschen brauchen, hat mit dem "Lebensretter in Weiß" nicht viel zu tun. Wie im Artikel beschrieben, kommt aber gerade diese große Gruppe im klinischen Bereich viel zu kurz.
Das System sorgt dafür, dass unter bestimmten Umständen, tatsächlich keine adäquate Versorgung von lebensbedrohlich erkrankten Personen, besteht. Es ist durch zig Komponenten aufgebläht, es verdienen sehr viele paramedizinische Berufe sehr gut mit und es fehlt durch Privatisierung eine unabhängige übergeordnete Struktur, die in der Lage wäre Missstände grundlegend im Sinne von menschlicher Medizin zu revolutionieren.

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th.steffen 24.11.2018, 08:33
32. Privatisierung nicht der Schlüssel des Erfolgs

Überall wird immer von der Privatisierung als der Heilsbringer gesprochen.
Ich kann ehrlich gesagt keine großen Vorteile als Bürger erkennen, die Qualität bei Post & Telekom & Bahn hat exponentiell zum Preisanstieg abgenommen.
Ähnlich ist es in den Kliniken, es wird gespart aber leider am falschen Ende und der Bürger muss leiden. Vielleicht ist es an der Zeit drüber nachzudenken gewisse Grundversorgungsthemen wie Krankenpflege / Transport / Kommunikation / Strom / Wasser wieder in Staatliche Hand zu übernehmen. Lieber zahle ich 1% mehr Ust. und die Staatlichen Unternehmen stellen wieder Personal ein und halten die Preise stabil.

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Draw2001 24.11.2018, 08:34
33. Gut, dass ich das gelesen habe.....

Eine Klinik dieses Betreibers werde ich nicht mehr aufsuchen. Mag sein, dass dieses Unternehmen sein Wohl in dieser Art der Tätigkeit sieht. Ich sehe mein Wohl gleichsam in bestimmter Form. Es sind auch normale Geschäfte deswegen pleite gegangen, weil sie einfach nicht in der Lage waren ihre Kunden zufrieden zu stellen. Diese Klinik gehört eben auch dazu. Wenn sie dazu nicht in der Lage ist, muß sie eben schließen.

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dasfred 24.11.2018, 08:43
34. An mir liegt es nicht

Ich habe, wie die meisten Hamburger, dagegen gestimmt, die Kliniken zu verkaufen. Allerdings brauchte damals der CDU Senat Geld und hat die Krankenhäuser an einen Menschen verhökert, der gerne von seiner hohen Kapitalverzinsung schwadroniert. Wenn die Gesundheitsbehörde nicht endlich feste Personalschlüssel bestimmt und ständig kontrolliert, mit starken Eingriffsrechten, wird sich nichts ändern. Es nützt nix, wenn man auf ein paar begeisterte Promis verweist, wie Helmut Schmidt oder Udo Lindenberg, dafür aber die akuten Fälle im Flur stehen lassen muss. Gesundheit vor Kapitalertrag.

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w_jupe 24.11.2018, 08:44
35. Es wird teuer.

Die Diskussion um überforderte Ärzte/Pflegekräfte ist ziemlich bigott:

Auf der einen Seite sind sich alle einig, dass "endlich etwas passieren" müsse und alle Beteiligten wahlweise mehr Gehalt/mehr Urlaub/mehr Personal/mehr Studienplätze/weniger Bürokratie haben sollten.
Auf der anderen Seite kostet das viel Geld. Wenn es heißt, den Beitrag zur GKV (14,6%) zu erhöhen, jammert der Deutsche Michel lauthals und mit hochrotem Kopf:

- Das System muss effizienter werden (trotz toller BWLer, die im Krankenhaus seit Jahren allen auf den Keks gehen)!
- Die Medikamente sind zu teuer (soll deren Entwicklung verstaatlicht werden?)!
- Es wird zu viel Geld für Unnötiges ausgegeben (weil die o.g. Effizienztreiber das DRG-System missbrauchen)!
- Die Ärzte verdienen zu viel (siehe Wochenarbeitszeit. Das geht dann bei Berufseinsteigern Richtung Mindestlohn. Kein Wunder gehen die alle in die Schweiz...)!

Nee nee, liebe Leute. Deutschland ist Weltmarktführer im "wichtige Dinge erst angehen wenn der Schaden schon da ist". Die Bahn/unsere Brücken sind marode? Hat Zeit. Die Verwaltung ineffizient? Erst mal zur 10-Uhr-Kaffeepause. Die Ärzte arbeiten so viel, dass zwangsläufig Fehler passieren und Menschen sterben? Ich habe so Angst abends vor die Tür zu gehen!!1!

Schönen Samstag,
Ihr Wolfgang Jupe

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Interzoni 24.11.2018, 08:47
36. Danke CDU

Trotz Volksentscheid gegen die Krankenhaus-Privatisierung würde sie von CDU und den Schill-Spinnern durchgezogen. Das Ergebnis ist eine einzige Katastrophe, für die Bevölkerung wie für die Mitarbeiter. Das Gesundheitswesen muss wieder verstaatlicht werden!

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thomas0815-1 24.11.2018, 08:47
37. Heute das Gesundheitswesen,

Morgen die Post/DHL, gestern die Bahn ... . Überall die gleichen "Symptome": Privatisierung, Sparen und Gewinnstreben produzieren desaströse Zustände. Tja, vielleicht ist das tollste aller Wirtschaftssysteme in Wirklichkeit nicht wirklich so toll - also für die Masse der Menschen. Die wenigen die davon profitieren finden das natürlich toll.

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ein-berliner 24.11.2018, 08:47
38. Sowas kommt von sowas

Das ist die Konsequenz wenn der Staat ureigene Kompetenzen in private Wirtschaftsverbände übergibt. Die Folgen sind immer gleich, öffentliche Aufgaben weder zu Geldautomaten privater Interessen.

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Dr.Snuggels 24.11.2018, 08:48
39. Grundlegender Konflikt im DRG - Krankenhaussystem

Der Bericht über die Hamburger Klinik ist nur die Spitze des Eisbergs.
Das Krankenhaussystem in Deutschland verleitet mit dem DRG System dazu, dass lukrative Fächer, mit denen man Geld verdienen kann ausgebaut werden und Fächer, bei denen weniger Geld zu holen ist, da das Patientenklientel wenig DRG-Punkte einbringt, abgebaut werden.
Die privaten Anbieter setzen das nur wesentlich konsequenter um, als das in den noch verbliebenen Häusern in bisher öffentlicher Hand auch passiert.
Die Personalkosten werden als zu hoch angesehen. Dort sieht man das größte Einsparpotential. Ich sehe seit Jahren, dass die Anzahl der Kollegen, deren Überstunden nicht mehr bezahlt werden zunehmen, gleichzeitig wird durch Personalabbau im nichtärztlichen Bereich die Arbeit wieder auf den Arzt umverteilt. Der ist ja dank der unbezahlten Überstunden die günstige Arbeitskraft.
Solang wir in Deutschland mit dem DRG-System und den auf Gewinn orientierten privaten Gesundheitsanbeitern arbeiten, müßen wir uns nicht wundern, wenn dieser Trend anhält.
Es geht eben nicht, Gewinn zu erwirtschaften, wenn die Pauschale für den Fall meine Kosten nicht denkt.
Das die Kollegen angesichts der Zustände das solange tolerieren wundert mich auf der einen Seite, auf der anderen wird gerade bei uns Medizinern zu häufig ein Helfer-Komplex ausgelöst und wir versuchen Dinge im Sinne der Patienten zu ermöglichen, auch wenn wir dadurch unsere „Freizeit“ in Form von unbezahlten Überstunden kompensieren.
Ich finde diesen EInsatz heroisch. Das bringt nur auf Dauer nichts.
Die Aufwandsentschädigung für die Teilnahme an der monatlichen Aufsichtsratssitzung der Krankenhauskonzere liegt deutlich über dem monatlichen Oberarztgehalt. Diese Ebene setzt die Ausdünnungen im Personal durch. Auf der Ebene wird keine „Freizeit“ verschenkt.
Solange wir die Tatsache akzeptieren, dass in Krankenkenhäusern in der Management-Ebene Gesundheit als Ware und der Patient als Kunde bzw. Fallpauschale gesehen wird, werden wir eine Zunahme der im Artikel beschriebenen Zustände verzeichnen.
Verwundert bin ich nur, dass es immer noch so viele ärztliche Kollegen gibt, die sich angesichts des Mangels an Ärzten auf dieses Spiel einlassen. In meinen Augen besteht meine Verantwortung als Arzt eben auch draus, dass ich die zu hohen Beastungen nicht mittrage und eben nicht bereit bin diesem Kostendruck zu folgen. Das geht. Aber dafür muss man viel früher an die Öffentlichkeit, bzw. schon bei Kleinigkeiten wie unbezahlten Überstunden nicht bereit sein sich ausnutzen zu lassen.
Für die Patienten und Mitbürger kann ich nur hoffen, dass durch ein gesteigertes öffentliches Interesse an dem Problem ein politischer Handlungszwang entsteht. Die derzeitige Entwicklung ist eine mehr als nur bedenkliche.

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