Forum: Wirtschaft
Klinikkonzern Asklepios: Ärzte warnen vor Risiken durch Personalmangel
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Engpässe in der Notaufnahme, alleingelassene Berufsanfänger: Beim Klinikkonzern Asklepios schlagen Internisten in Brandbriefen Alarm. Eine sichere Patientenversorgung sei "nicht mehr uneingeschränkt möglich".

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ein-berliner 24.11.2018, 08:48
40. Sowas kommt von sowas

Das ist die Konsequenz wenn der Staat ureigene Kompetenzen in private Wirtschaftsverbände übergibt. Die Folgen sind immer gleich, öffentliche Aufgaben weder zu Geldautomaten privater Interessen.

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andreas_leh 24.11.2018, 08:52
41.

Die Privatisierung der Hamburger Krankenhäuser ist ein weiterer Sargnagel in der Regierungszeit des damaligen Bürgermeisters von Beust ( CDU) neben der desaströsen und korrupten Affäre um die HSH Nordbank. Die eine kostet u.U. Menschenleben und die andere Milliarden Euro Steuergelder.
Wie ich mich erinnerte, hatten sich die Hamburger Bürger in einem Volksentscheid gegen die Privatsierung gestimmt.

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telos 24.11.2018, 08:54
42. Weshalb müssen unter allen .....

Umständen Kliniken in Deutschland wirtschaftlich rentable und damit profitorientierte Unternehmen sein? Warum müssen Kliniken privatisiert werden? Entzieht sich damit der Gesetzgeber der Fürsorgepflicht gegenüber seinen Bürgern? Zahlreiche Bereiche der öffentlichen Hand werden doch ebenfalls mittels Steuergelder am Leben erhalten. Gibt es Zahlen darüber, wie viel Menschen ihr Leben lassen mussten aufgrund belegter Betten, Pflegekräfte - oder Ärztemangel? Da kann ja jeder nur hoffen, im Akutfall ein Bett, einen nicht übermüdeten Arzt und eine um ihn sorgende Pflegekraft vorzufinden.

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snowstorm 24.11.2018, 08:55
43. Gewinn?

Im Gesundheitswesen sollte es gar keine Akteure mit Interesse an grösstmöglichem finanziellen Gewinn geben. Krankenkassen arbeiten auch ohne und sind dennoch an möglichst geringen Beiträgen interessiert (dass man nicht mehrere Hundert Kassen mit dementsprechender Verwaltung -und teurer Topetage- braucht steht auf einem anderen Blatt).

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die-metapha 24.11.2018, 08:57
44.

Diese Entwicklung zeichnet sich bereits seit gut 15 Jahren ab und gipfelt nun im offensichtlichen Personalmangel in den Bereichen Intensivstationen, Neonatologie und anderen hoch spezialisierten Fachgebieten.
Die sehr gut ausgebildeten - 5 Jahre Ausbildung für diese Bereiche - Fachkräfte wandern ab oder entfliehen aus diesen Bereichen wegen der miserablen Arbeitsbedingungen.
Nachwuchs wird seit Jahren kaum mehr ausgebildet - ja, auch das kostet erst einmal Geld und dauert wie gesagt mindestens 6 Jahre, bis diese überhaupt dort eingesetzt werden können.
Auch die Bezahlung ist schlicht inadäquat für einen Beruf in Wechselschichten, nach 5 jähriger hochspezialisierter Ausbildung und der daran verknüpften Verantwortung.
Ein Trend also, der bereits seit Jahren bemängelt wird.
Da werden dann als "Lösungen" z.B. eiligst aus dem EU Ausland wie Spanien und Italien junge Menschen hierher verbracht die der deutschen Sprache kaum mächtig sind und mit dem stressigen Arbeitsalltag und der fremden Sprache konfrontiert - ohne jegliche Erfahrung am Patienten und auf z.B. einer Intensivstation.
Gut 4/5 dieser Menschen gehen dann trotz der hohen Schulden - meist im 4stelligen Bereich - für Vermittlung und Sprachschule und Eignungstest wieder geknickt zurück in ihre Heimat da die Versprechungen, einen guten Lohn zu erhalten den Realitäten nicht standhalten.
Denn mit diesem Lohn als Berufsanfänger ist es Ihnen kaum möglich ein Leben außerhalb eines Wohnheimzimmers aufbauen zu können.
Dazu die fehlenden und in diesem sensiblen Bereich elementar wichtigen Sprachkenntnisse - solche Situationen bringen Frust auf beiden Seiten und sind obendrein extrem gefährlich. Das führt z.B. dazu das aus dem Auftrag eine "Infusion" für einen Patienten zu richten, eine Tasse aufgebrühter Tee wird. Klingt erst mal lustig - ist aber auf einer Intensivstation mit all ihren Dynamiken absolut nicht tragbar.
Würde man die Integration ausländischer Mitarbeiter ernsthaft betreiben wollen, müsste man den Weg der Skandinavier gehen. Dort wird die Sprache vor Ort vermittelt und niemand wird dort selbstständig auf Patienten losgelassen, der nicht sprachlich und fachlich die dort festgelegten Hürden überwinden kann. Aber auch das kostet Geld.
Was wir hier tun, ist diesen Menschen gegenüber ein Verhalten das mit Humanität wenig bis gar nichts zu tun hat. Gleichzeitig trifft das auch auf das verbliebene Stammpersonal zu und nicht zuletzt auf den einzelnen Patienten und dessen Angegörige. Diese erfahren dadurch keinerlei Entlastung sondern eine extreme Mehrbelastung die sich nicht auf eine Qualitätssteigerung auswirkt - das genaue Gegenteil tritt ein.
Unser Gesundheitssystem produziert mehr Kranke auf allen Seiten und ist gegenüber den dort involvierten zutiefst inhuman.
Das ist ein gesellschaftspolitisches Problem, dass auch von dieser Gesellschaft erkannt werden muss und folglich müssen auch von dieser Korrekturen eingefordert werden.

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Jason04 24.11.2018, 08:57
45. Unfassbar

Wie sich seit langem bekannte Missstände im deutschen Gesundheitssystem halten können und täglich skandlöse Zustände in solchen Kliniken zu verzeichnen sind!!
Dabei ist die Lösung ganz einfach: Klinikbetreiber ( wie auch einige andere Kernsegmente für den gesellschaftlichen Zusammenhalt!) gehören nicht an die Börse!! Privatisierungen müssen zurückgenommen werden und die renditegeile Mentalität aus dem sozialen Gefüge verbannt!
Dafür findet sich aber in Deutschland keiner der den A... dafür in der Hose hat!!!
Die Clownerie der Verantwortlichen in deutscher Politik ist bekanntermaßen seit Jahrzehnten nicht mehr ausreichend in der Lage zu Wohle der Menschen zu handeln!!! Ein Skandal ist auch, dass wir wegen sovieler Missstände nicht täglich im Bundestag protestieren.... sagt ein langjähriger Beobachter der Entwicklung der letzten Jahrzehnte und Arzt.
Armes Deutschland (arm an Kraft , Mut, Weisheit, Liebe)

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Dr. B. 24.11.2018, 08:58
46.

Wer nach dem Lesen des Artikels Angst vor einem Aufenthalt in einer Asklepios-Klinik hat, der sollte sich bewusst machen, dass die Zustände in St. Georg exemplarisch für die meisten Krankenhäuser in Deutschland gelten.
Seit 1999 arbeite ich als Arzt und habe in Kliniken mit unterschiedlichen Trägern gearbeitet. Und überall geht die Entwicklung rasant in die falsche Richtung. Das ist kein „Asklepios-Problem“, sondern betrifft auch andere Träger.
Das System fährt sich gegen die Wand und in den Vorständen der Krankenhäuser sitzen nicht wie früher Ärzte, sondern Betriebswirte, die das ganze als reines Unternehmen leiten. Da hat der Patient nicht mehr viel zu erwarten und so sieht es in der Realität auch aus.
Die Arbeit ist vielerorts nicht mehr zu schaffen. Die Schwester wird wenigstens noch von der nächsten Schicht abgelöst. Wenn man als Arzt nicht länger bleibt und die Arbeit macht, dann macht es halt einfach niemand. Auf dem Rücken der Patienten.

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mirage122 24.11.2018, 08:59
47. Personaldecke ausgedünnt

Das haben wir nun davon, dass die Landeskrankenhäuser überwiegend an private Unternehmen - in Hamburg in erster Linie Asklepios - verkauft wurden. Da ist "die Schmerzgrenze erreicht"! Wenn hier die Ärzte Alarm schlagen, dann ist das Pflegepersonal ebenso betroffen. Verantwortungsvoll ist das ganz sicher nicht - aber Hauptsache die Kasse klingelt. Wenn dann z.B. Hygiene-Vorschriften nicht strikt eingehalten werden und Patienten klagen, weil gravierender Schaden entstanden ist - wie in meinem Fall - dann zahlen die doch lieber 250.000,-€ Schadenserstz und Schmerzensgeld als diesen Zustand zu ändern. Für solche "Vorkommnisse" springt sowieso die Versicherung ein und zahlt aus der Portokasse. Wann wird hier gehandelt? Herr Spahn, übernehmen Sie! Das ist doch ein hervorragendes Forum, um sich zu profilieren!

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Guerilla_79 24.11.2018, 09:01
48. ...

Zitat von mlhp
Z.B. die DB, Jahre lange Sparmaßnahmen. Mehr braucht man nicht zu sagen, alles eine Frage des Managements und Politik. Kurzer Blick in die Schweiz oder Österreich ;) Manager Gehälter kürzen oder Boni erst nach 10 Jahren auszahlen, wenn sich gezeigt hat das die Arbeit langfristig gut war.
Nur zählt Deutschland nicht mehr zu Europa...

Sie müssen sich das "beste" aus den USA und China nehmen, dann haben sie Deutschland.

Also billigste Löhne und prekärste Arbeitsbedingungen auf der einen Seite und ungehemmtestes Zusammenraffen auf der anderen Seite.

Deutschland mit zivilisierten Ländern wie Österreich oder der Schweiz(oder Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Frankreich, Niederlande.....) in Verbindung bringen dürfte geradezu eine Beleidigung für diese sein.... ;)

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horstenporst 24.11.2018, 09:05
49. Schluss mit dem Privatisierungswahn

Hier bekommen die Patienten die Folgen des neoliberalen Privatisierungswahns am eigenen Leib zu spüren. Bei essentiellen Dingen, die wir uns nicht freiwillig aussuchen, sondern auf die wir angewiesen sind, wie Krankenhäuser, Altenpflege, Wasser- und Stromversorgung etc. ist der berühmte freie Markt eben nicht besser und effizienter als der Staat. Diese Bereiche sollte man komplett verstaatlichen. Mit der Versorgung kranker Menschen muss kein Profit gemacht werden. Und bevor das Argument gleich wieder kommt: Nein damit würde sich Deutschland nicht in Venezuela verwandeln.

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