Forum: Wirtschaft
Kommentar: Warum Standard & Poor's richtig liegt

Weil die USA ihr Top-Rating verloren haben, drohen neue Turbulenzen an den Finanzmärkten. Doch die Herabstufung könnte sich als gute Nachricht erweisen: Sie beweist die Unabhängigkeit der Rating-Agenturen - und zwingt die Amerikaner, endlich die Steuern zu erhöhen.

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Gerixxx 07.08.2011, 16:19
60. Probleme nicht angegangen....

Zitat von sysop
…Wenn die Analysten bei den Rating-Agenturen davon überzeugt sind, dass der Streit um das amerikanische Sparpaket der langfristigen Kreditwürdigkeit des Landes geschadet hat, dann sollten sie diese Meinung auch äußern. Das ist ihre Aufgabe. Und die haben sie erfüllt...]
In diesem Fall sicherlich. Wenn vielleicht auch hier ein wenig spät. Es ging aber auch um deren Glaubwürdigkeit – hätten sie es nicht getan wäre ihr Geschäftsmodell wohl nicht mehr zu retten gewesen.

Zitat von sysop
…Im Umgang mit der Staatsschuldenkrise ist den Rating-Agenturen bisher ohnehin wenig vorzuwerfen. Während sie im Vorfeld der Finanzkrise noch krass versagt hatten, weil sie die gebündelten US-Hauskredite viel zu lange viel zu gut bewertet hatten…
Wie bitte ? Nahezu in ALLEN Fällen der Euro-Zone haben die Agenturen VIEL zu spät das NACHvollzogen, was sogar Lieschen Müller inzwischen schon geahnt hat…Und keinesfalls immer stringent und logisch – oft wurden richtige Maßnahmen von Regierungen (Sparmassnahmen) abgestraft. Gleiche Ursachen (Sparpakete) führten in Spanien (downgrade) und Griechenland (outlook stabil) zu entgegengesetzten Ergebnissen. Das ist zwar theoretisch möglich – in diesem Fall aber völlig unplausibel….

Zitat von sysop
……Und was ist mit der Reaktion der Finanzmärkte? Sicher, die Herabstufung der USA kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Sie könnte die Turbulenzen der vergangenen Wochen weiter verschärfen - ..]
Das ist nicht sicher. Genauso gut kann alles antizipiert/“eingepreist“ sein. Würde mich auch nicht wundern, wenn es bei so was undichte Stellen gibt. Das wäre eine Erklärung für die Turbulenzen der vergangenen Woche.

Zitat von sysop
……Doch das ist nun mal die Logik des Systems: Wenn sich die Konjunktur und die Lage an den Finanzmärkten verschlechtern, leiden darunter auch die finanziellen Aussichten eines Staates. Und genau die haben die Rating-Agenturen zu bewerten. Deshalb werden ihre Herabstufungen immer dann kommen, wenn die Situation ohnehin schon nicht mehr so rosig ist. Selten sind sie die ersten, die vor einem Problem warnen. ..]
Das genau ist der Grund, warum die Bedeutung der Agenturen völlig überbewertet wird und es unverantwortlich ist, ihnen auch noch diese überdimensionierte Rolle bei der Finanzmarktregulierung per Gesetz inkl. aller gestalterischen Folgen zuzuweisen.
Ein normalerweise allmählich ablaufender Prozeß, die Verschlechterung der Bonität und der Marktmeinung über die Bonität eines Schuldners, erfolgt numehr „ruckweise“ - sobald das Rating sich bewegt – und alle Akteure handeln synchron, d.h. krisenverstärkend. U.U. ist die Pleite dann nur noch eine self fulfilling prophecy…

Zitat von sysop
……… hat die Agentur die Parteien in Washington unter Druck gesetzt, die ausufernden US-Staatsfinanzen endlich den Griff zu kriegen. In ihrem Rating-Bericht weisen die Analysten mehrmals explizit darauf hin, dass dies nur funktionieren kann, wenn die Steuern erhöht werden beziehungsweise die noch von der Bush-Regierung beschlossenen Steuererleichterungen für Besserverdiener endlich gekappt werden. Sollte die Angst vor einem weiteren Bonitätsverlust dazu beitragen, dass die Republikaner ihre bornierte Haltung in dieser Frage endlich aufgeben, dann war die Herabstufung diesmal wirklich zu etwas nütze. ……..]
Das glaube ich (leider) eher nicht. Alle – selbst Obama – sprachen nur einseitig vom Sparen…

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movfaltin 07.08.2011, 16:25
61. Lasst se doch

Zitat von a.peanuts
Diese Ratingageturen sollte man verklagen, und verbieten sowieso. Das sind doch die Leute,die angelblich Anhnung haben von Bankgeschäften. Diese Leute haben ausdrücklich den Banken empfohlen, "toxische Papiere zu verbreiten.
Nein. Wer immer ein Wahrsagerzelt aufstellen will, und - schön abgedunkelt, neblig und uneinsichtig - eine Kristallkugel vor sich postieren - der soll das auch weiterhin dürfen.
Ratingagenturen sind unnötig - sicher; aber sie sind auch nicht schlechter als kauzige Kaffeesatz-, Karten- und Kräuterkundler. Schuld sind die, welche meinen, auf das Urteil angewiesen zu sein; diejenigen, die zu Monopolen verholfen haben und damit die drei Großen ihrer Möglichkeit beraubt, falsch liegen zu können.

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Hanzzz 07.08.2011, 16:27
62. Typisch

Bei einer Staatsquote, die gen 50% driftet, bei einem immer mehr ausufernden Nanny-Staat als erstes und einziges an Steuererhöhungen zu denken, um endlich, endlich die absurde Staatsverschuldung abzubauen und ja nichts am Umfang des Staates zurücknehmen zu müssen ... da kann man sich nur noch an den Kopf greifen. Ich hoffe, wenigstens die US-Amerikaner begreifen die aktuellen Entwicklungen als Chance, sich wieder auf die ursprünglichen Tugenden ihrer Zivilisation zu besinnen, d.h. auf eine gesunde Staatsskepsis, auf das Vertrauen in sich selbst und die Mitmenschen, auf das Vertrauen in freie Kooperation ohne Anleitung, Dirigismus und Regelwut von "oben".
Der Staat ist keine Wundermaschine. Der Staat "kurbelt" nichts an. Die Welt geht nicht unter, bloß weil Vati Staat weniger Kredit bekommt oder weniger zwangsweise umverteilt. Im Gegenteil.

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Rainer Daeschler 07.08.2011, 16:28
63. Unabhängigkeit der Rating-Agenturen

"Doch die Herabstufung könnte sich als gute Nachricht erweisen: Sie beweist die Unabhängigkeit der Rating-Agenturen "

Eigentlich nicht, denn wären sie unabhängig, dann hätten die Rating-Agenturen die Herabstufung schon längst und weitergehender machen müssen. Nur Standard & Poor's hat sich nicht mehr länger in der Lage gesehen die Finanzprobleme der USA zu übersehen. Die USA waren schon längst anteilig höher verschuldet als Griechenland. nur sind sie eben größer und einflussreicher.

Rating Agenturen sind wie Feuerwehrleute, die sich den Aschenhaufen ansehen: "Ich glaube, hier hat es gebrannt!".

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KTScholz 07.08.2011, 16:29
64. Eine gute Nachricht

Zitat von ppalmat
Lese ich da heraus, dass jemand Angst um seinen Depotwert hat? Man mag es meinetwegen Profilierungssucht nennen, richtig war die Entscheidung aber allemal! Es ist doch sowas von offensichtlich, dass man man diese Staatsverschuldung nur durch Kürzungen UND Steuererhöhungen in den Griff kriegen kann. Auf der Einnahmenseite würde hier alleine der Wegfall der unsäglichen und vollkommen unangebrachten Steuervergünstigungen schon einen gewissen Durchbruch bringen. Genau deshalb hat S&P richtig reagiert, weil man nicht einmal zu dieser logischen Maßnahme bereit war. Nur auf Kürzungen zu setzen, würde die äußerst konsumgesteuerte Wirtschaft quasi zum Erliegen bringen.
Diese Herabsetzung ist die beste Wahlkampfhilfe die die Demokraten kriegen können und es bleibt zu hoffen, dass die anderen Agenturen der Abstufungstendenz folgen. Je schlechter die Bonität der USA beurteilt wird, desto besser die Chancen auf Genesung unter Führung eines starken Präsidenten mit der Mehrheit in beiden Kammern ohne Filibuster im Rücken.

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serottner 07.08.2011, 16:33
65. So ist es!

Zitat von Gandhi
Wer profitorientiert ist, ist also unabhaengig? Unabhaengig wovon? Die Ratingagenturen waren auch 'unabhaengig', als sie die Illiquiditaet der Finanzinstitute ignorierten. Sie ignorierten sie, weil die Finanzinstitute ihnen drohten, im Falle einer Herabstufung werde man die Geschaetsbeziehungen ueberdenken. Schoene "Unabhaengigkeit"!
Mit jeder Entscheidung und jeder "wichtigen" Einschätzung über die Zukunft bewegt sich das zirkulierende Kapital. Es wird nicht weniger! Wohin also bewegt es sich. In diesen Zeiten wird immer nur über die "Verlierer" gejammert. Wer aber sind die Gewinner. Um die ist es verdächtig ruhig.

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dakine 07.08.2011, 16:37
66. zu kurz gegriffen

Zitat von Björn Borg
Nicht die Rating-Agenturen machen mich wütend, sondern die Art und Weise, wie Politiker sich erst auf unsere Kosten maßlos everschuldet und dann von denen abhängig gemacht haben, und die Ohnmacht, als 'normaler Mensch' weder gegen das eine noch gegen das andere irgendetwas unternehmen zu können.
als junger Mensch muss ich den Ball leider zurückspielen: Alle, die in den letzten 30 Jahren in Deutschland Parteien gewählt haben, die ihre Wahlversprechen auf Schulden gebaut hatten, haben sich "schuldig" gemacht.
In der Demokratie entscheidet die Mehrheit. Und die wollte nun mal "Konsum heute" auf Kosten von "Konsum morgen".

Bisschen Ehrlichkeit zu sich selbst ist manchmal angebracht.

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Reformhaus 07.08.2011, 16:39
67. Dolce Vita - in God we trust!

Zitat von Rainer Daeschler
... denn wären sie unabhängig, dann hätten die Rating-Agenturen die Herabstufung schon längst und weitergehender machen müssen.
Wer noch halbwegs mit einem Bein auf dem Boden der Realität steht, der muss das wohl so sehen.
Es bleibt spannend, ob die US-Carabinieri nun die S&P-Zentrale besetzen und "durchsuchen".

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ziggystardust73 07.08.2011, 16:43
68. Oh je

Zitat von Hanzzz
Bei einer Staatsquote, die gen 50% driftet, bei einem immer mehr ausufernden Nanny-Staat als erstes und einziges an Steuererhöhungen zu denken, um endlich, endlich die absurde Staatsverschuldung abzubauen und ja nichts am Umfang des Staates zurücknehmen zu müssen ... da kann man sich nur noch an den Kopf greifen. Ich hoffe, wenigstens die US-Amerikaner begreifen die aktuellen Entwicklungen als Chance, sich wieder auf die ursprünglichen Tugenden ihrer Zivilisation zu besinnen, d.h. auf eine gesunde Staatsskepsis, auf das Vertrauen in sich selbst und die Mitmenschen, auf das Vertrauen in freie Kooperation ohne Anleitung, Dirigismus und Regelwut von "oben". Der Staat ist keine Wundermaschine. Der Staat "kurbelt" nichts an. Die Welt geht nicht unter, bloß weil Vati Staat weniger Kredit bekommt oder weniger zwangsweise umverteilt. Im Gegenteil.
Die Staatsquote in den USA liegt nur unwesentlich niedriger als in D (38% gegenueber 43%) und das bei erheblich schlechteren oeffentlichen Leistungen. Das zeigt sich besonders bei der Krankenversorgung, die in Amerika fuer die arbeitenden Bevoelkerung privat organisiert ist und deshalb nicht in die Staastquote einfliesst: Krankenversicherung hier in den USA ist erheblich teurer und i.d.R. merkbar schlechter.

Natuerlich muessen die USA auch sparen. Aber das heisst nicht weniger Staat sondern mehr Staat: mit einer besseren staatlichen Regulierung des Gesundsheitssystems und der Pensionskassen liessen sich Billionen sparen. Und natuerlich mit einer radikalen Reduzierung der Verteidigungsausgaben, die auch durch die Privatisierung militaerischer Dienste (Blackwater/Xe) in die Hoehe geschossen sind.

Der Staat kann einige wenige Dinge effizienter und kostenguenstiger machen als die private Wirtschaft. Und diese pragmatische Haltung wird hier in den USA von einigen ideologischen Idioten als Haeresie abgetan.

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thepunisher75 07.08.2011, 16:49
69. Die Börse ist ein Casino und die Rating-Agenturen...

Zitat von movfaltin
Nein. Wer immer ein Wahrsagerzelt aufstellen will, und - schön abgedunkelt, neblig und uneinsichtig - eine Kristallkugel vor sich postieren - der soll das auch weiterhin dürfen. Ratingagenturen sind unnötig - sicher; aber sie sind auch nicht schlechter als kauzige Kaffeesatz-, Karten- und Kräuterkundler. Schuld sind die, welche meinen, auf das Urteil angewiesen zu sein; diejenigen, die zu Monopolen verholfen haben und damit die drei Großen ihrer Möglichkeit beraubt, falsch liegen zu können.
...Wahrsager ! Da haben sie Recht ! Was Ich nur nicht kapiere, ist WARUM wir solchen Leuten erlauben unsere Wirtschaft zu regeln. Da schenke Ich mein Vertrauen eher einem Piloten als ein paar Männern, die denken ihr Beruf bedeutet, sie können mit Geld nur so um sich werfen (Börsianer) wie es ihnen beliebt und anderen (Rating-Agenturen), die Länder "bewerten", als würden sie aus einem Kaffeesatz das Horoskop herauslesen.

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