Forum: Wirtschaft
Kommentar zu EZB-Anleihekäufen: Deutschlands scheinheilige Draghi-Kritik
DPA

Vor allem in Deutschland wehren sich Politiker gegen das geplante EZB-Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen. Doch die Europäische Zentralbank macht nur ihren Job.

Seite 3 von 18
trout 22.01.2015, 08:02
20. Am Thema vorbei

Was fuer einseitiger Artikel! Ob QE wirklich klappt,wird man noch sehen;USA und GB sind hier wohl nicht die richtigen Beispiele,da das hier alles noch nicht so lange her ist. Aber wie war das denn mit Japan,Herr Kaiser???
Da geht das doch schon jahrelang in die Hose!
Die Frage ,die sich insgesamt stellt, ist aber einfach:Sind wir in Europa schon bereit, eine Umverteilung von Reich zu Arm zu machen wie beim Laenderfinanzausgleich in Deutschland?
Die Deutschen sind das wohl nicht- und offenbar die Hollaender auch nicht!
Das hat nichts mit scheinheilig zu tuen! Um sowas wirklich ins Auge zu fassen,muessten erst mal in Europa die Sozialsystem angeglichen werden,denn es ist anders nicht einzusehen,warum Deutschland Haftungsrisken von Suedlaendern uebernehmen soll,wenn bei uns die Leute bis 67 arbeiten sollen,in anderen Laendern aber erheblich frueher in Rente gehen!
Die Kritik ist nicht scheinheilig,Herr Kaiser,sondern sehr verstaendlich

Gunter Cremer
Neuseeland

Beitrag melden Antworten / Zitieren
frank199920 22.01.2015, 08:06
21.

Der Verweis auf das Jahr 1975 dürfte wohl etwas irreführend sein, weil damals die Zinsen ganz woanders standen. Heute geht es doch nur noch darum, dass die Banken eine preiswerte Möglichkeit der Refinazierung ihrer Darlehen haben.die Behauptung dass dieses Geld jemals in der Realwirtschaft ankommt und dort zu einer moderaten Preissteigerung führt, daran glaubt doch niemand. Die einzige Art von Inflation die damit erreicht wird ist die Inflation der Assetpreise. Aber das ist eigentliche Sorge hinter allem, dass es zu einem Einbruch der Märkte kommt wenn hier nicht permanent Geld nachgeschoben wird. Am Ende führt dies alles zu einer großen Umverteilung von unten (den Steuerzahlern, die für die EZB einstehen) nach oben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
vorsicht.sarkasmus 22.01.2015, 08:07
22. Zustimmung

Insgesamt ist dies ein guter Kommentar von Herrn Kaiser. Aber dennoch sind ihm kleine Fehler unterlaufen, die jedoch nicht die Richtigkeit seiner Argumente unterminieren. Der Ankauf von Staatsanleihen erfolgt nicht nur in Sondersituationen, wie im Artikel aufgeführt. Sie sind normales Tagesgeschäft. Aber dies haben wohl selbst einige deutsche Wirtschaftsprofessoren nicht verstanden. Ein Instrument der Geldpolitik sind nämlich die sogenannten Repo-Geschäfte. Hier kauft die EZB von den Banken Wertpapiere für eine bestimmte Laufzeit an und verkauft sie an die gleichen Banken zu einem festen Kurs wieder zurück. Die Laufzeiten dieser Geschäfte müssen nicht auf 2 oder 4 Wochen begrenzt sein, wie dies vor der großen Finanzkrise von 2008 üblich war, sondern können ausgedehnt werden und mehrere Jahre umfassen. Bei diesen Repos ist die Bilanzausweitung aber stets zeitlich befristet. Bei dem nun anstehenden Programm soll aber die Laufzeit unbegrenzt sein, sodass die EZB darüber entscheiden kann, wann die Bilanz wieder verkürzt werden soll. Bei den Repos ist sie zudem auf die Initiative der Banken angewiesen, während sie bei der quantitativen Lockerung selbst aktiv wird. Auch bei dem OTM Programm, dass ja bislang seine Wirkung voll entfaltet hat, ohne jemals aktiviert worden zu sein, verfolgt die EZB ihre Aufgaben der Geldpolitik. Letztere kann nur wirken, wenn die sog. Transmissionsmechanismen der Geldpolitik funktionieren. Diese sind aber, wie die Krise ja gezeigt hat, dann gestört, wenn die an OMT geknüpften Voraussetzungen erfüllt sind. Befremdlich ist für mich, wie gerade aus den Unionsparteien immer die Unabhängigkeit der Notenbank wie eine Monstranz vorangetragen wird, wenn es den Politikern gerade passt. Aber erledigt die EZB ihre Hausaufgaben, dann wird diese Unabhängigkeit verletzt. Herr Draghi ist für seine Position gut qualifiziert und macht seine Arbeit gut. Bei der Kritik, die von den deutschen Vertretern im EZB-Rat vorgebracht wird, stellt sich allerdings die Frage nach der Qualität des Personals.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Patriot75 22.01.2015, 08:08
23. Ordnungspolitische Schnappatmung

Danke Herr Kaiser, you made my day! Und jetzt gehe ich mal wieder in meinem Keller zu meinen Goldvorräten und harre dem Euro-Untergang entgegen.

P.S.: Wer Ironie hier findet kann sie behalten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mk1966 22.01.2015, 08:10
24. AfD

Weiter so, die AfD wird's freuen!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jenli 22.01.2015, 08:12
25. In einem Absatz dieses Artikels ...

... ist es die Aufgabe der EZB die Währung stabil zu halten, im nächsten Absatz, die Preise nach oben zu bringen. Ja was denn nun?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Just4fun 22.01.2015, 08:13
26.

und wann werden diese Herren endlich kapieren, dass sie hier nicht Sim City spielen, wo man halt neu anfangen kann, wenn eine Entscheidung ins Abseits geführt hat?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
quark@mailinator.com 22.01.2015, 08:13
27. Vielleicht ...

Sie mögen ja "nur ihren Job" machen ... aber das ändert halt nichts daran, daß das was sie tun im Gegensatz zu dem steht, was "uns" im Rahmen der Einführung der EU und des Euro versprochen wurde. Es hieß ganz klar, daß die Grundlage der ganzen Sache finanzielle Stabilität der EINZELNEN souveränen Staaten auf Basis genauer Haushaltsvorgaben sein soll (Stabilitätspakt, 3% Grenze, etc.). Es war ganz klar ausgeschlossen, daß man sich gegenseitig rettet, etc. Das Volk in seiner Mehrheit hat diesen Versicherungen schon damals nicht geglaubt und WOLLTE weder diese Art von EU, noch diese Art von Gemeinschaftswährung. Aber obwohl hier dauernd das Wort Demokratie groß im Mund geführt wird, wurde in beiden Fällen klar gegen den Willen der Menschen entschieden UND nun wird nicht gemacht, was damals verkündet wurde. DAS ist die Grundlage des Ärgers und da ist es schnuppe, ob das was sie tun nun in ihrer Job-Beschreibung steht, oder nicht. Abgesehen davon ist es ein Unding, daß die hauptsächlichen Repräsentanten ausgerechnet aus jenen Ländern kommen, die finanzielle Vorteile von diesen Aktionen haben, wohingegen der Einfluß der Geberländer offenbar elliminiert wurde. Ich sage nur Target 2. Redet da nochmal jemand über die Billion, die man DE schuldet ?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Bruder Theodor 22.01.2015, 08:13
28. Das letzte Aufbäumen

"Der Aufkauf von Staatsanleihen gehört zum Instrumentarium einer Notenbank. Amerikaner und Briten haben es gerade erfolgreich angewandt. Und selbst die Bundesbank, die Gralshüterin der deutschen Geldpolitik, hat 1975 Staatsanleihen aufgekauft, um die Zinsen zu drücken. Damals ging es um stolze 7,6 Milliarden Mark - das entsprach rund einem Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung."

Der Ankauf von Staatsanleihen mag zu EINEM Instrumentarium gehören, nicht aber gehört es zur Funktion, schon gar nicht ist es Dauerinstrument. Amerikaner machen erfolgreich vor, wie man sich Schrott in Depots pumpt, so dass die Nullen auf dem Taschenrechner nicht mehr ausreichen, um die Schulden darzustellen. Zum anderen ist der Euro nicht Leitwährung und auch nicht ans Öl gekoppelt, daher sind Dollar und Euro nicht miteinander zu vergleichen. Wenn die Bundesbank mal Staatsanleihen gekauft hatte, 1975, so war sie insgesamt Vertreterin einer harten D-Mark und unbestechlich gegenüber der Politik. So nun nicht die EZB, die Teil ist jener Plutokratie, die sich aus Wirtschaft, Militär und Staatswesen ergeben hat. Hier geht es nicht um 7,5 Milliarden D-Mark einmalig, hier geht es - bis auf Weiteres - um 50 Milliarden Euro monatlich. Dass die Schweizer Notenbank sich vom Euro abgesprengt hat über Nacht, war die Notbremse - und ein deutliches Warnzeichen, dass die EZB, Inbegriff für die Abtretung der staatlichen Budget-Hoheit, eine Titanic ist, die den Eisberg gerammt hat. Der Kurs der EZB heißt WEICHER EURO. Dass ein niedriger Währungskurs gut für den Export ist, ist nur kurzfristig der Fall, langfristig stellt sich das Gegenteil ein. Das Dilemma des Euros war von Beginn an das Nord-Süd-Gefälle. Der Süden kann sich nicht an den Norden anpassen, der Norden aber an den Süden, und genau das passiert jetzt. Ganz klar werden die deutschen Sparguthaben hier aufs Spiel gesetzt. In den USA, ein weiteres Beispiel fürs Nicht-Beispiel, sind die Privathaushalte verschuldet bis an die Wohnzimmerdecke. Wir sind am Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen, und das Ende trägt die Attribute HYPER-CHAOS, KORRUPTION und WAHNSINN. Die Schwachstelle, weswegen die Finanzblasen entstehen, ist der Übergang von der Geldwirtschaft zur Realwirtschaft. Erst die Energiewende, die EE selbst Währung sind, Parallelthema hier, schafft jene Investitionsschübe, die die EZB so sehr kränkelnd versucht, zu initiieren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
muellerthomas 22.01.2015, 08:14
29.

Zitat von ulli7
Das EZB-Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen ist ein Anreiz für südeuropäische Länder nicht zu sparen, sondern weiter Schulden zu machen.
Die Krisenländer kürzen seit 5 Jahren ihre Staatsausgaben, das Ergebnis davon davon sind ja gerade Dauerrezession, sinkende Steuereinnahmen, hohe Arbeitslosigkeit und am Ende mehr Schulden.

Exemplarisch hier die Staatsausgaben von Portugal:

http://xecommunityassets.s3.amazonaws.com/portugal-government-spending.png

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 3 von 18