Forum: Wirtschaft
Kommentar zum Erbschaftsteuer-Urteil: Ungerecht und leistungsfeindlich
DPA

Das Bundesverfassungsgericht urteilt heute, ob Familienbetriebe steuerfrei weitervererbt werden dürfen. Die Unternehmer möchten das milliardenschwere Privileg gerne behalten - doch ihre Argumente sind nicht stichhaltig.

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felisconcolor 17.12.2014, 06:08
1. Hm die Quandts

als Aufhänger für die Erbschaftssteuer auf Familienunternehmen zu zeigen halte ich für bedenklich. Aber ebenso die Aussage "wenn jemand die 10% Erbschaftssteuer nicht erwirtschaften kann sollte er jemand Fähigeren ans Ruder lassen". Viele kleine Familienunternehmen (ich sagte kleine) sind froh über ihr Auskommen. Das Geld liegt nicht einfach auf der Strasse. Es ernährt den Eigentümer und Familie und Angestellte. Da sind keine "Vermögen" vorhanden. Aber sie sind wichtig. Gegen die Monopolisierung durch Grossfirmen. Sie sorgen dafür das der Markt lebendig bleibt. Und sie sorgen für ein gutes Steueraufkommen in ihren Gemeinden. Und halten Dienstleistungen in der grossen Fläche verfügbar. Wer hier mit der groben Kelle zuschlägt ist verantwortlich für die Verödung des kleinen und mittleren Gewerbes. Aber das verstehen halt Leute aus der grossen Stadt nicht.

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aurichter 17.12.2014, 06:09
2. Ich möchte dann

im Umkehrschluss als Arbeitnehmer auch sämtliche Kosten wie PKWKauf etc Steuerlich berücksichtigt sehen. Die Werbungskosten werden eh viel zu niedrig angegeben. Diese Vergünstigungen als Unternehmer stets und ständig über ein Unternehmen steuerlich abzusetzen sollten schärfer kontrolliert werden. Dicke Staatskarossen, Energiekosten usw werden "pflichtbewusst" über das Finanzamt abgerechnet und - siehe Bericht - der kleine Arbeitnehmer muss um jeden verdammten Cent kämpfen bei den Finanzbehörden. Wer die Erbschaftssteuer gänzlich abschaffen will, der sollte sich auch für die Abschaffung von Rentenbesteuerung in jeder Form einsetzen. Hier wird vom Staat die Altersarmut evtll noch voran getrieben, aber die Großkopferten bekommen noch zusätzlich Zucker in den A.... geblasen. Hier sollte mal Klage erhoben werden. Dieser Staat verkommt mehr und mehr zum Paradies für Steuer Flüchtlinge, dazu braucht es schon bald keine Schweiz und Österreich oder auch L-Ministaaten mehr. Alle Reichen sind bei Schäuble und Ex-FDJ Funktionären bestens aufgehoben.

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quark@mailinator.com 17.12.2014, 06:30
3. Hmmm

Zunächst mal - ich bin generell eigentlich dafür, daß die Erbschaftssteuer verhindert, daß junge Menschen ohne eigenes Verdienst beliebig in den Besitz von hohen Beträgen kommen, die ausreichen, um sich ohne wirkliche Leistung ihrer Besitzer von selbst weiter zu vermehren. Bei dieser Unternehmensbesteuerung frage ich mich allerdings, wie die Alternative aussieht. Kleine Unternehmen sind einer der wesentlichen Leistungsträger dieses Landes. Darin unterscheidet sich die Bundesrepublik von vielen anderen Ländern. Es sind mehr Menschen dort angestellt als bei den großen Firmen. Wenn es finanziell sinnvoll wird, den Laden im Alter abzuwickeln, weil seine Vererbung die Kinder nur mit Problemen belasten würde, wäre das ein echtes Problem für alle Beteiligten. Aus meiner Sicht sollte man den Mißbrauch unterbinden, aber nicht generell die Unternehmensweitergabe stören.

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wahlmüde 17.12.2014, 06:49
4. Vergleiche

Der Klein-und Mittelstand in Deutschland steht auf mehr oder weniger festen Beinen. Dort gibt es die, die finanziell gut stehen, dann die die Stehen und andere die jeden Tag kämpfen müssen. Das ist leider die Mehrheit. So wie bei den Rumänen "upps, das so vielen kommen, wer hätte das gedacht", die Bürger wussten es, wird sich dann hier ebenfalls jeder Unternehmer die Frage stellen. Will ich das, weitermachen mit einer nun sehr dünnen Finanzdecke, wenn noch eine da sein sollte? Natürlich kann man auf zukünftige Gewinne spekulieren, aber, es ist eine Spekulation! Der Staat und Gewerkschaften arbeiten mit Hochdruck daran, Arbeit in Deutschland unattraktiv zu machen. Jeder sollte sich selbst fragen, ist Geiz geil? Sicher, aber damit sägen sie selbst am eigenen Ast! Das weiss auch der Unternehmer. Er wird das in seine Entscheidung miteinbeziehen. Und wenn es dann man Ende die tatsächlichen Verluste an Arbeitsplatz und Einkommen gibt, wird man es wieder schön Reden und dem Unternehmen die Schuld geben.

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uventrix 17.12.2014, 06:52
5. Chapeau!

Ein schöner Kommentar Herr Rickens. Besonders gefällt mir, dass Sie Ihre Pappenheimer hier im Forum sehr gut zu kennen scheinen.

Angefangen mit:
"Wie bitte? Das kennen Sie schon? Stand schon häufiger bei SPIEGEL ONLINE, zum Beispiel hier und hier?
"

Bis hin zu:
"... ich bin ohnehin für Enteignung und Verstaatlichung."

Konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen, gut beobachtet. ;)

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bezim 17.12.2014, 07:08
6. Niveau der BILD Zeitung

Erschreckend: Nach der Überschrift wird hier ein Urteil des höchsten deutschen Gerichts kommentiert, das noch nicht einmal verkündet ist.
Dann aber entpuppt sich das als Kommentar zu angeblichen Argumenten von Unternehmern, die sich gegen die Besteuerung von Betriebsübergängen im Wege der Erbfolge richten sollen.
Und um dem Ganzen die Krone auf zu setzen, schließt die Unsäglichkeit mit einer "Umfrage", deren vorgegebene Antworten an Schwachsinn nicht zu überbieten sind? Was bitte soll der Quatsch? Das ist ja noch schlimmer als Bildzeitung!

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nochnbier 17.12.2014, 07:17
7. Eine angemessene Erbschaftssteuer ist ...

... weder Ungerecht noch leistungsfeindlich! Im Gegenteil, sie fördert das Leistungsprinzip, denn ein Jeder muss sich dann seinen Reichtum erarbeiten. Welche "Leistung" besteht denn darin in der "Spermalotterie" zu gewinnen und mit dem geerbten Vermögen der Eltern und Großeltern an der Börse zu zocken, ach ja Entschuldigung es heisst ja "Investieren". Weil eine ordentliche Rendite herausspringen muss, damit man ordentlich von den Zinsen leben kann ohne zu arbeiten, wird dann der kleine Arbeitnehmer ausgebeutet, der nicht reich geboren wurde. Finden Sie das gerecht? Einfach nur Glück zu haben ist keine Leistung. Das hat nicht einmal etwas mit Sozialismus oder Umverteilung zu tun. Bis auf wenige Ausnahmen haben die reichsten 1 % der Familien in Deutschland ihr Vermögen nur geerbt - kontrollieren dafür aber Politik und Wirtschaft. In anderen Ländern, ja selbst in den USA, gibt es eine wesentlich höhere Erbschaftssteuer. Wer vermögend sein will, muss eben dafür arbeiten. Das zu erwartende Urteil des BVG ist deshalb absolut zu begrüßen!

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jozu2 17.12.2014, 07:22
8. Rickens-Argument Nr. 3 ist falsch

Das Problem der Existenzgefährdung basiert nicht auf der Höhe des Steuersatzes und kann auch bei 50% auftreten. Wenn Quandt's plötzlich 70% oder auch nur 50% des Unternehmenswertes an ErbSt zählen müssten, müssten sie eine entsprechende Menge an Aktien verkaufen. Dann sinkt aber der Preis rapide und sie müssten überproportional viele Aktien verkaufen, um die ErbSt bezahlen zu können.
Die einzige Lösung wäre, dass der Staat die Aktien direkt zu Verwertung bekommt. Ob er sie verkauft oder die nächsten Jahre die Dividende einstreicht, ist dann seine Sache. Bei vererbten Firmen mit anderer Rechtsform als AG, könnte der Staat einen KG-Anteil bekommen. Und wieder das gleiche: entweder verkaufen (als Staat öffentlich versteigern) oder die Gewinne einkassieren. Die Erben können dann ja das Unternehmen wie der Erblasser fortführen und ggf. Anteile zurückkkaufen.

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cekay1 17.12.2014, 07:29
9.

Das ist echt süss, viele dieser Reichen haben einen sehr bescheidenen privaten Konsum und der würde in 100 Jahren nicht reichen um eine Erbschaftssteuer zu bezahlen.
Die beste Lösung sind Steuersenkungen, weil Privateleute die viel besseren Investoren sind als der Staat - siehe Familienunternehmen vs BER etc.

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